Regensburger Wärmeplan – Interaktive Karte bietet Orientierung

Wie heizen wir in Regensburg in Zukunft? Welche Energiequellen sind sinnvoll, um unsere Häuser künftig klimafreundlich und bezahlbar zu versorgen? Antworten auf diese Fragen liefert der Regensburger Wärmeplan, den die Stadt fristgerecht für Ende Juni 2026 erarbeitet hat.

Fotografie: Heizthermostat © skysurfa / 123RF.com

24. Februar 2026
aktualisiert am 30. Juni 2026

Die energetische Sanierung von Gebäuden und die Umstellung auf eine klimaneutrale Wärmeversorgung sind wichtige Hebel, um die CO2-Emissionen zu reduzieren und die Klimaschutzziele der Bundesregierung zu erreichen. Deshalb hat die Stadt gemeinsam mit der Energieagentur Regensburg einen kommunalen Wärmeplan erarbeitet. Grundlage dafür ist das „Gesetz für die Wärmeplanung und zur Dekarbonisierung der Wärmenetze“ (Wärmeplanungsgesetz – WPG), das am 1. Januar 2024 in Kraft getreten ist. Es verpflichtet Kommunen mit mehr als 100.000 Einwohnern dazu, bis spätestens 30. Juni 2026 einen kommunalen Wärmeplan vorzulegen. Mit diesem verfolgt die Stadt das Ziel, aufzuzeigen, in welchen Gebieten der Stadt sich welche erneuerbaren Energiequellen eignen und wie Regensburg bis zum Jahr 2040 möglichst effizient, wirtschaftlich und sozialverträglich eine klimaneutrale Wärmeversorgung erreichen kann.

Auf dem Weg zu einer regenerativen Wärmeversorgung

Bereits Anfang 2024 hat die Stadt in Zusammenarbeit mit der Energieagentur Regensburg mit der kommunalen Wärmeplanung begonnen. Neben verwaltungsinternen Abstimmungen lag der Fokus hierbei auf der Einbindung von zentralen Akteuren wie Energieversorgern, Wärmenetzbetreibern, großen Wärmeabnehmern aus der Industrie, der Immobilienwirtschaft sowie der Information der Bürgerinnen und Bürger. 

In einem ersten Schritt wurde eine Analyse des Ist-Zustands der Wärmeversorgung in Regensburg durchgeführt. Im Rahmen dieser Bestandsanalyse hat das Amt für Stadtentwicklung gemeinsam mit der Energieagentur sowohl die Gebäude und die dort derzeit eingesetzten Heizungsarten als auch die dafür verwendeten Energieträger und die Energieverbräuche analysiert und stadtteilbezogen dargestellt. „Die Ergebnisse zeigen einen deutlichen Handlungsbedarf“, erklärt Armin Mayr, Abteilungsleitung der Entwicklungsplanung, der gemeinsam mit seinem Team den Wärmeplan erarbeitet hat. „Rund 70 Prozent der Gebäude im Stadtgebiet wurden vor 1979 errichtet – in einer Zeit, in der es noch keine energetischen Anforderungen an Gebäude gab. Entsprechend hoch ist der Anteil fossiler Energieträger am heutigen Wärmeverbrauch. So entfallen etwa 80 Prozent der Endenergie auf Erdgas, weitere rund 10 Prozent auf Heizöl.“  

Karte: Übersicht über die dominierende Art der Heizsysteme je TeilgebietÜbersicht über die dominierende Art der Heizsysteme je Teilgebiet © Energieagentur Regensburg

Einsparpotenziale und erneuerbare Wärmequellen

Basierend auf der Bestandsanalyse wurden in einem zweiten Schritt die Potenziale zur Wärmeeinsparung untersucht – mit dem Ergebnis, dass der Wärmebedarf in Regensburg bis zum Jahr 2040 durch energetische Sanierungen und effizientere Gebäudetechnik voraussichtlich um rund 12 Prozent reduziert werden kann. Parallel dazu wurden mögliche erneuerbare Wärmequellen für Regensburg ermittelt: „Die Analyse zeigt, dass sich im Stadtgebiet insbesondere die oberflächennahe Geothermie sowie die Nutzung von Flusswärme, aber auch Solarthermie und Biomasse eignen. Weitere wichtige Optionen sind die Nutzung von Grundwasser, dessen Potenzial derzeit nur eingeschränkt abschätzbar ist, sowie Umweltwärme aus der Luft, die grundsätzlich unbegrenzt zur Verfügung steht“, so Mayr weiter. Auch die Nutzung von Abwärme aus dem Abwasser oder der Industrie bietet ein hohes Potenzial.

Da die Wärmeversorgung künftig stark von Wärmepumpen geprägt sein wird, deren Strombedarf ebenfalls klimaneutral gedeckt werden muss, haben Mayr und sein Team auch die Potenziale zur Erzeugung erneuerbaren Stroms betrachtet. Die Untersuchung zeigt, dass die Potenziale der erneuerbaren Energiequellen jahresbilanziell ausreichen, um den zukünftigen Wärmebedarf decken zu können. 

Mögliches Zielszenario für das Jahr 2040

Als Ergebnis aus der Bestands- und Potenzialanalyse hat das Amt für Stadtentwicklung anschließend ein Zielszenario ausgearbeitet, das eine mögliche erneuerbare Wärmeversorgung für das Jahr 2040 skizziert: „Hierfür haben wir das Stadtgebiet in voraussichtliche Wärmeversorgungsgebiete eingeteilt und insgesamt 133 Teilgebiete definiert“, erläutert Mayr. Für diese wurde jeweils festgelegt, ob sie sich für die Errichtung eines Wärmenetzes eignen oder ob sich hier eine dezentrale Wärmeversorgung anbietet. Jeweils rund die Hälfte der Gebiete wurden als Wärmenetzgebiete und dezentral zu versorgende Gebiete eingeteilt. „Für die Altstadt, den Oberen und Unteren Wöhrd sowie Stadtamhof konnte keine finale Aussage getroffen werden. Diese Stadtteile wurden als Prüfgebiete eingestuft“, so Mayr. Grund hierfür sind die besonderen Herausforderungen hinsichtlich der Errichtung von Wärmenetzen, aber auch hinsichtlich der gebäudespezifischen Installation von klimaneutralen Heizungen. Als weiteres Prüfgebiet wurde der Stadtteil Harting eingestuft, da dieser sich weniger für die Errichtung eines Wärmenetzes eignet: „Da in der näheren Umgebung aber geplant ist, zur Versorgung der Industrie ein Wärmenetz zu errichten, wird gegebenenfalls auch eine Versorgung von Harting möglich.“

Karte - Wärmeplan - Karte voraussichtliche Gebiete in StützjahrenÜbersicht über die voraussichtlichen Wärmeversorgungsgebiete in den Stützjahren © Energieagentur Regensburg

Im betrachteten Szenario setzt sich der Endenergieverbrauch laut Armin Mayr im Jahr 2040 zu jeweils rund einem Drittel aus Biomethan, Biomasse und Strom für Wärmepumpen und Direktheizungen sowie kleineren Anteilen von Solarthermie, Wasserstoff und industrieller Abwärme zusammen: „Der Endenergieverbrauch könnte durch Wärmeeinsparungen und den Umbau der Wärmeversorgung so um fast 53 Prozent reduziert werden.“

Frühzeitige Planung für zukünftige Wärmelösungen

Der nun vorliegende Wärmeplan ist ein strategischer Fahrplan für die zukünftige Wärmeversorgung in Regensburg. Er zeigt auf, welche Heiztechniken in welchem Viertel perspektivisch sinnvoll sind, wie erneuerbare Energien eingebunden werden können und welche Potenziale für Wärmeeinsparungen bestehen: „Die Ergebnisse der Wärmeplanung sind rechtlich unverbindlich, das bedeutet, dass niemand zu einer bestimmten Heizungsart verpflichtet wird. Der Wärmeplan zeigt vielmehr Perspektiven auf und dient somit als wichtige Orientierung für Verwaltung, Politik, Energieversorger, Unternehmen und private Haushalte“, erklärt Planungs- und Baureferent Florian Plajer. Relevanz gewinnt der Wärmeplan insbesondere dann, wenn konkrete Maßnahmen anstehen – etwa ein Heizungstausch, eine umfassende Sanierung oder ein Neubau. In diesen Fällen kann der Blick in den Wärmeplan helfen, Fehlinvestitionen zu vermeiden und die langfristig passende Lösung zu wählen.

Dies sei besonders vor dem Hintergrund des Entwurfes des künftigen Gebäudemodernisierungsgesetzes (GModG) wichtig. Dieses soll voraussichtlich zum 1. November 2026 in Kraft treten und die Anforderungen des aktuell noch geltenden Gebäudeenergiegesetzes (GEG) – besser bekannt als Heizungsgesetz – entschärfen. Die Pflicht, neue Heizungen mit einem erneuerbaren Energieanteil von mindestens 65 Prozent zu betreiben, soll damit entfallen. Das neue Gesetz sieht zunächst keinerlei Einschränkungen beim Einbau neuer Heizungen vor. Bei neuen Gas- und Ölheizungen muss jedoch ab 1. Januar 2029 ein Anteil von mindestens 10 Prozent an „klimafreundlichen“ Brennstoffen, wie zum Beispiel Biomethan oder synthetischen Treibstoffen, nachgewiesen werden. Bis zum Jahr 2040 wird sich dieser Anteil schrittweise – von mindestens 15 Prozent ab 2030 und 30 Prozent ab 2035 – auf 60 Prozent erhöhen (sogenannte Bio-Treppe).

Interaktive Karte der voraussichtlichen Wärmeversorgungsgebiete bietet Orientierung

Für alle Regensburgerinnen und Regensburger, die sich frühzeitig über die zukünftige Wärmeversorgung an ihrem Wohnort informieren möchten, stehen die Ergebnisse der kommunalen Wärmeplanung auch im Geoportal der Stadt Regensburg zur Verfügung: „Das Geoportal ist eine der zentralen Informationsquellen für unsere Bürgerinnen und Bürger, wenn es um raumbezogene Daten geht. Deshalb haben wir die wichtigsten Karten der Wärmeplanung hier integriert und werden das Angebot künftig um weitere Informationen, beispielsweise zu Abwärmequellen, ergänzen“, erklärt Dr. Volker Höcht, Leiter des Amts für Stadtentwicklung.

Wer seine Adresse in der interaktiven Karte anklickt, erhält eine erste Einschätzung, welche Form der Wärmeversorgung für das jeweilige Gebiet in Zukunft vorgesehen ist. Dabei wird zwischen drei Gebieten unterschieden:

  • In Wärmenetzgebieten gilt ein Anschluss an ein Wärmenetz als die bevorzugte Lösung, eine dezentrale Wärmeversorgung bleibt hier aber weiterhin möglich. Bereits bestehende Wärmenetze in Bestandsgebieten können gegebenenfalls erweitert werden. In anderen Wärmenetzgebieten sind neue Netze teilweise bereits geplant oder sollen perspektivisch entstehen. Die im Regensburger Wärmeplan angegebenen Jahreszahlen geben einen ersten Hinweis darauf, ab wann mit einem Wärmenetz gerechnet werden kann. Ob und wann genau ein Anschluss tatsächlich möglich ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab und sollte immer direkt mit dem jeweiligen Wärmenetzbetreiber abgestimmt werden.

  • In den Gebieten für eine dezentrale Wärmeversorgung ist der Bau eines Wärmenetztes nach heutigem Stand nicht vorgesehen. Gebäude in diesen Teilgebieten werden daher voraussichtlich über eigene Heizsysteme oder kleinere, gemeinsame Lösungen für wenige benachbarte Gebäude, sogenannte Gebäudenetze, versorgt. Bürgerinnen und Bürgern, deren Wohnort in diesen Teilgebieten liegt, kann eine individuelle Beratung, wie zum Beispiel das kostenlose Beratungsangebot der Stadt Regensburg, bei der Entscheidung helfen.

  • Für die sogenannten Prüfgebiete ist derzeit noch keine abschließende Aussage möglich, welche Wärmeversorgung langfristig die beste Lösung darstellt. Hier laufen weitere Untersuchungen, die in Zukunft mehr Orientierung bieten sollen.

Text: Verena Danner

Weitere Informationen

Regensburger Wärmeplan (Weitere Informationen und Broschüre)

Kommunale Wärmeplanung
Grafik - Schriftzug "Gemeinsam Stadt schaffen - Regensburg plant und baut" auf grauem Hintergrund, weiße Linien als Häusergrundriss

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