Das sind die Neuen
Zwei heißen Thomas, zwei haben einen Doktortitel, zwei leben in der Konradsiedlung und insgesamt haben sie acht Kinder. Seit Mai 2026 sitzen Oberbürgermeister Dr. Thomas Burger, Bürgermeisterin Dr. Helene Sigloch und Bürgermeister Thomas Thurow nun im Alten Rathaus – Zeit, die neue Stadtspitze vorzustellen.
Bürgermeisterin Dr. Helene Sigloch, Oberbürgermeister Dr. Thomas Burger und Bürgermeister Thomas Thurow bei der konstituierenden Sitzung des Stadtrates 2026
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Bilddokumentation Stadt Regensburg18. August 2026
Dr. Thomas Burger: „Ich sehe Politik und Verwaltung als Dienstleister“
Oberbürgermeister Dr. Thomas Burger
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Bilddokumentation Stadt RegensburgAnders als bei den vergangenen OB-Wahlen zog Dr. Thomas Burger (SPD) im Frühjahr 2026 direkt aus dem Stadtrat ins Oberbürgermeister-Büro. Ein Unbekannter ist der 55-jährige gebürtige Regensburger allerdings nicht: Seit 1991 engagiert er sich politisch, seit 2002 ist er Mitglied des Stadtrats. Zudem war er schon früh in verschiedenen Ehrenämtern aktiv.
Sein politisches Interesse wurde bereits im Elternhaus geweckt. Später prägten ihn unter anderem die Proteste gegen die WAA in Wackersdorf und der Umgang des Staates mit den Demonstrierenden. Auch die damalige Oberbürgermeisterin Christa Meier, die für ihre Herzlichkeit und Menschlichkeit bekannt war, beeinflusste sein politisches Denken. „Ich habe gemerkt, welche Werte mir wichtig sind und wofür ich stehen möchte“, sagt Burger.
Seit Mai sitzt er nun selbst an der Spitze der Stadtverwaltung. Dafür hat er seinen bisherigen Job als Hauptabteilungsleiter im Bereich Elektromobilität bei einem großen Automobilzulieferer aufgegeben. Zwischen Industrie und Verwaltung sieht der promovierte Physiker durchaus Parallelen: „Das Potenzial einer Organisation ist im Grunde überall gleich: Es sind die Menschen, die alles mit Leben füllen.“ Wenn diese gerne arbeiteten und die richtigen Rahmenbedingungen hätten, könne man gemeinsam viel bewegen.
Eine seiner wichtigsten Aufgaben sieht Burger deshalb bei den Mitarbeitenden der Stadtverwaltung. Viele gute Ideen gebe es bereits, gleichzeitig aber auch die Sorge, etwas falsch zu machen. Der neue OB möchte deshalb eine neue Fehlerkultur etablieren: Nicht die Frage, wer schuld ist, soll im Mittelpunkt stehen, sondern was aus einem Fehler gelernt werden kann.
Auch bei wichtigen Projekten will Burger weniger zaudern und mehr umsetzen. „Ich bin Pragmatiker und will Dinge stattfinden lassen“, sagt er. Politik und Verwaltung versteht er als Dienstleister für die Bürgerinnen und Bürger. Entsprechend intensiv waren seine ersten Monate im Amt. Nun will er sich im August erstmals eine kurze Auszeit in Österreich gönnen – und hofft, danach auch wieder mehr Zeit für seine drei Töchter, Freunde und Hobbys zu haben.
Dr. Helene Sigloch: „In Regensburg habe ich mich direkt verliebt“
Dr. Helene Sigloch
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Bilddokumentation Stadt RegensburgEine gebürtige Stuttgarterin kümmert sich seit Mai 2026 um die Bereiche Klima, Umwelt und Jugend in Regensburg. Dr. Helene Sigloch (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) zog als Senkrechtstarterin ins Rathaus ein: 2024 war sie noch als Nachrückerin in den Stadtrat aufgenommen worden, 2026 besetzt sie nun den Posten der zweiten Bürgermeisterin. Umtriebig war die 43-Jährige aber auch schon vor ihrer politischen Karriere: In Freiburg studierte sie Mathematik, absolvierte ein Erasmus-Semester im schwedischen Göteborg und begann, sich im Umweltbereich sowie in einem Mentoring-Programm für MINT-Fächer an Schulen zu engagieren. Parallel bekam sie noch während des Studiums ihr erstes Kind. Quasi direkt nach den Abschlussprüfungen folgte das zweite Kind und schließlich während der Promotion in Freiburg das dritte.
Nach ihrer Promotion entdeckte Sigloch eine Stellenausschreibung an der Universität Regensburg. Die Stadt kannte sie bereits von einer Mathematik-Konferenz. „Wir waren in der Naab schwimmen, sind durch die Altstadt geschlendert – da habe ich mich direkt in die Stadt verliebt“, erzählt sie. Die Familie zog zunächst nach Winzer und später in die Konradsiedlung. Dort begann es bei Helene Sigloch in den Fingern zu kribbeln: „Wenn man an verschiedenen Orten gelebt hat, geht man mit anderen Augen durch eine neue Stadt. Man sieht dann Dinge, die vielleicht nicht so gut funktionieren, obwohl sie anderswo ganz selbstverständlich sind“, erklärt Sigloch. „Daher habe ich begonnen, mich auch kommunalpolitisch zu engagieren.“
Beruflich wechselte sie von der Universität als IT-Sicherheitsexpertin zur BSH Hausgeräte GmbH, wo sie sich auch im Betriebsrat engagierte. Nun ist sie im Rathaus vor allem damit beschäftigt, sich in ihre neuen Aufgaben einzuarbeiten und möglichst viele Mitarbeitende kennenzulernen. Eine offene und ansprechbare Verwaltung ist ihr besonders wichtig. „Ich will, dass alle ihre Arbeit gerne machen und gut machen können“, sagt Sigloch. Auch unangenehme Themen dürften jederzeit angesprochen werden. Als ehemalige Betriebsrätin legt sie zudem Wert auf eine enge Zusammenarbeit mit der Personalvertretung.
Zu den größten Herausforderungen zählt sie den Klimaschutz und die Klimaanpassung sowie das Thema Müll. Regensburg sei grundsätzlich eine saubere Stadt, sagt Sigloch – umso mehr falle auf, wenn irgendwo Abfall liege. Gleichzeitig seien teilweise veraltete Fahrzeuge der Abfallentsorgung ein Problem. Mit ihren beiden Bürgermeisterkollegen verbindet Sigloch eine vertrauensvolle Zusammenarbeit. „Wir harmonieren auf zwischenmenschlicher Ebene und können produktiv zusammenarbeiten“, sagt sie. Alle drei verbinde der Wunsch, Regensburg voranzubringen.
Thomas Thurow: „Ich habe das Gefühl, nie etwas anderes gemacht zu haben“
Thomas Thurow
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Bilddokumentation Stadt RegensburgAuch Thomas Thurow (Brücke – Ideen verbinden Menschen) hat mit seinem Amtsantritt im Mai sein bisheriges Berufsleben hinter sich gelassen. Der 61-Jährige war selbstständiger Augenoptikermeister und hat die Geschäfte seines Betriebes nun in die Hände seiner Frau übergeben. Seit 2014 gehört er dem Regensburger Stadtrat an. In der Konradsiedlung engagiert er sich außerdem bei der Freiwilligen Feuerwehr.
Seit dem 15. Mai 2026 ist Thurow nun dritter Bürgermeister. Überraschend schnell hat er sich an die neue Aufgabe gewöhnt: „Ich hätte selbst nicht gedacht, dass es so schnell geht, aber ich habe das Gefühl, nie etwas anderes gemacht zu haben.“ Sein Arbeitspensum ist für ihn kein Problem. Neu sei vor allem die enorme Themenvielfalt: „Jede Stunde steht ein anderes Thema an, das macht es spannend.“ In seinen ersten Wochen lernte er deshalb die Amtsleitungen und nach und nach die verschiedenen Abteilungen kennen. Wichtig ist ihm, zu erfahren, wo Probleme liegen und wie diese gelöst werden können.
Daran arbeitet der dritte Bürgermeister auch mit der Stadtspitze und der Koalition. „Menschlich verstehen wir uns alle einwandfrei. Dr. Thomas Burger und ich haben einen ähnlichen Humor und lachen viel zusammen – manchmal vielleicht sogar zu viel“, schmunzelt Thurow.
Inhaltlich liegen dem Vater von zwei erwachsenen Töchtern besonders die Kinder- und Jugendhilfe, die Seniorenarbeit und die Sportförderung am Herzen. „In der Kinder- und Jugendhilfe ist der Bedarf in den letzten Jahren massiv gestiegen und wir wissen nicht, warum. Das beschäftigt mich sehr, weil der Grund dafür unklar ist. Das aufzufangen und entsprechende Unterstützung zu schaffen, sehe ich aktuell als größte Herausforderung in meinem Bereich.“ Sport ist auch privat ein wichtiges Thema. Früher lief Thurow regelmäßig Halbmarathons, heute fährt er Rad, schwimmt und segelt. Gemeinsam mit Familie und Freunden geht es regelmäßig für eine Woche aufs Mittelmeer. Auch die Regensburger Profivereine verfolgt er leidenschaftlich – egal ob Fußball, Baseball oder Eishockey.
Text: Kristina Kraus

