Neues Rathaus im Wandel: Energetische Sanierung und Modernisierung schreitet voran

Nach dem weitgehend abgeschlossenen Rückbau geht die Energetische Sanierung und Modernisierung des Neuen Rathauses in die nächste Phase. Neue Wände und Decken entstehen, das Dach wird umfassend erneuert und wichtige Maßnahmen für Statik, Brandschutz und Energieeffizienz werden umgesetzt.

Fotografie: Das Foto zeigt Gebäudeteile des Neuen Rathauses von außen inklusive Baugerüst.Das Neue Rathaus in Regensburg wird derzeit energetisch saniert und modernisiert. © Bilddokumentation Stadt Regensburg

3. September 2026

„Ein Gebäudeteil ist aus den 30er Jahren, eines aus den 50er Jahren und eines aus den 70er Jahren“, erklärt Christian Konjetzky aus dem Amt für Hochbau, während er auf die verschiedenen Abschnitte zeigt. Die Gebäudeteile Minoritenweg 8 und 10 stehen, wie das gesamte Neue Rathaus, unter Ensembleschutz und entstanden in unterschiedlichen Bauabschnitten. Das Gebäude Minoritenweg 10 wurde 1938 errichtet, Minoritenweg 8 folgte 1955. Im Jahr 1973 wurde der Bereich an der Durchfahrt Kirschgäßchen erweitert. Christian Konjetzky leitet die Energetische Sanierung und Modernisierung des Neuen Rathauses und weiß, wie wichtig die Maßnahme ist: „Der Gebäudeteil aus den 30er-Jahren wurde vor rund 50 Jahren saniert. Ansonsten wurden im Laufe der Jahre nur einzelne Maßnahmen durchgeführt. Diese umfassende Sanierung und Modernisierung ist also nötig – vor allem aus energetischer und brandschutztechnischer Perspektive“, führt Konjetzky weiter aus. Im Rahmen der Generalsanierung werden die Büroflächen funktional optimiert und an aktuelle Anforderungen angepasst, wobei die bestehende Gebäudestruktur weitgehend erhalten bleibt. 

Die Planungen für die Maßnahme begannen bereits 2021. Die umfassende Sanierung der Gebäudeteile Minoritenweg 8 und 10 war aufgrund der tiefgreifenden Eingriffe in die Bausubstanz nur nach einer vollständigen Auslagerung der dort untergebrachten Dienststellen möglich. 2024 wurden vorbereitende Arbeiten durchgeführt bevor circa ein Jahr später mit der eigentlichen Maßnahme begonnen werden konnte. 

Brunnenbohrarbeiten, Abbrucharbeiten & Schadstoffsanierung

Fotografie: Das Foto zeigt den aktuellen Stand nach den Abbrucharbeiten im Inneren des Gebäudes.Die Abbrucharbeiten sind vollständig abgeschlossen. Installationen, haustechnischen Anlagen, Rohrleitungen und Installationskanäle sowie Innentüren, Bodenaufbauten und Unterhangdecken wurden entfernt. © Bilddokumentation Stadt Regensburg

Seitdem ist einiges passiert: Um künftig eine Wasser/Wasser-Wärmepumpe nutzen zu können, wurden Brunnenbohrarbeiten in bis zu 40 Metern Tiefe durchgeführt. „Wegen mehr sandigen Bodenschichten als erwartet, musste zwischenzeitlich das Bohrgerät gewechselt werden. Das hat uns Zeit gekostet“, erinnert sich Christian Konjetzky. Dennoch konnten die Brunnenbohrarbeiten und damit eine der Hauptmaßnahmen der Energetischen Sanierung erfolgreich fertiggestellt werden. Damit kann die zukünftige Wärmeversorgung regenerativ über zwei Grundwasserwärmepumpen mit einer Brunnenanlage im Innenhof erfolgen. Über Heiz- und Kühldecken können die Gebäude später sowohl beheizt als auch im Sommer energieeffizient gekühlt werden. 
Auch die Abbrucharbeiten sind bereits vollständig abgeschlossen. Sämtliche Installationen, haustechnischen Anlagen, Rohrleitungen und Installationskanäle sowie Innentüren, Bodenaufbauten und Unterhangdecken wurden entfernt. Wo es die Sanierungsmaßnahme erforderte, wurden zudem Wände und Geschossdecken zurückgebaut. „Während der Arbeiten sind zum Beispiel Bögen aufgetaucht, die zuvor hinter Trockenbauwänden versteckt waren“, freut sich Christian Konjetzky. „Immer wieder tauchen Überraschungen im Bestand auf, die Umplanungen nötig machen. Aber das ist auch gerade das Interessante bei dieser Sanierung“, erzählt Konjetzky weiter. Auch die Böden mussten herausgenommen werden, da der Estrich zu marode geworden war. Lediglich der Ausbau der Bestandsfenster und Eingangstüren steht noch aus.

Im Zuge der Abbrucharbeiten wurde außerdem eine Schadstoffsanierung vorgenommen. Dabei wurden im Haus 10 asbesthaltige Gipskartondecken und Wandputze vollständig entfernt. Für die aufwendigen Arbeiten wurden in Teilbauabschnitten sogenannte Schwarz-Weiß-Bereiche eingerichtet, die den kontaminierten Arbeitsbereich unter Unterdruck und mit verpflichtender Schutzausrüstung vom sauberen Bereich trennen, wobei eine Schleuse zum Umkleiden, Duschen und Reinigen der Arbeitsgeräte dient. Darüber hinaus erfolgte die fachgerechte Demontage kanzerogener Mineralfaserdämmung in Zwischendecken, Gipskartonwänden und Rohrummantelungen.

Die Bauarbeiten laufen auf Hochtouren

Fotografie: Das Foto zeigt einen leeren Flur nach den Abbrucharbeiten.Die umfassende Sanierung der Gebäudeteile war aufgrund der tiefgreifenden Eingriffe in die Bausubstanz nur nach Auslagerung der dort untergebrachten Dienststellen möglich. © Bilddokumentation Stadt Regensburg

Aktuell konzentrieren sich die Arbeiten auf den Innenausbau und die bauliche Ertüchtigung des Gebäudes. Für den neuen Sanitärkern und die Technikräume entstehen neue Ziegelwände und Stahlbetondecken. Gleichzeitig werden notwendige Wand- und Deckendurchbrüche für die haustechnischen Leitungen geschaffen und Teilbereiche statisch sowie brandschutztechnisch ertüchtigt. 
Auch im Dachbereich schreiten die Arbeiten voran. Dort werden Bodenunterkonstruktionen aus Holz eingebaut und ab September die Dacheindeckung sowie das Unterdach vollständig erneuert. Während dieser Arbeiten schützt ein temporäres Notdach das Gebäude vor Witterung. Zusätzlich werden die Dachschrägen gedämmt, Dachgauben erneuert und Rauch- und Wärmeabzugsöffnungen über den Treppenräumen eingebaut. Anfang bis Mitte September beginnen zudem die Trockenbau-, Wärmedämmputz- und Elektroarbeiten. Im weiteren Verlauf werden außerdem die Fenster und Türen vollständig erneuert und mit Dreifachverglasung ausgestattet. Besprechungsräume und Sanitärbereiche erhalten eine bedarfsgesteuerte Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung. Ergänzend wird auf den Dachflächen im Innenhof eine Photovoltaikanlage zur Eigenstromversorgung des Rathauskomplexes errichtet.

Balanceakt zwischen Denkmalschutz und Sanierungsarbeiten

Die Energetische Sanierung und Modernisierung der Gebäudeteile findet außerdem in einem besonderen historischen Umfeld statt: Wie das gesamte Neue Rathaus stehen sie unter Ensembleschutz und befinden sich im Vorfeld der UNESCO-Welterbestätte Altstadt Regensburg. Besonders die straßenseitige Fassade des Gebäudes Minoritenweg 10 mit ihrem wertvollen Zierstuck an Fenstern und Türen stellte dabei besondere Anforderungen. Entsprechend sorgfältig wurde die Ausführung der Fassadendämmung mit der Denkmalpflege abgestimmt. Im Straßenbereich beim Kirschgäßchen kommt nun ein hochwirksamer Aerogel-Dämmputz zum Einsatz, der bereits mit einer Schichtdicke von nur vier Zentimetern eine besonders hohe Dämmwirkung erzielt und damit den Anforderungen an den Erhalt der historischen Fassade und an eine zeitgemäße energetische Sanierung gleichermaßen Rechnung trägt. 

„Der Baufortschritt wird zunehmend sichtbar. Ich hoffe, dass es weiterhin so gut voran geht. Schließlich sollen Mitte 2028 die Arbeiten abgeschlossen und die Gebäudeteile wieder bezogen werden“, schildert Christian Konjetzky. 

Die Kosten der Gesamtmaßnahme belaufen sich auf 19,165 Millionen Euro inklusive Freiraumplanung. Die Maßnahme wird im Rahmen der Städtebauförderung vom Freistaat Bayern und der Europäischen Union aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE 2021-2027), für Beschäftigung und Wachstum in Bayern sowie mit Mitteln der KfW-Bank gefördert.

Text: Verena Bengler 

Förderlogo: Kofinanziert von der Europäischen Union © EFRE-Bayern
Fotografie: Das Foto zeigt ein weitläufiges Treppenhaus, nachdem Wände und Geschossdecken zurückgebaut wurden. Fotografie: Das Foto zeigt das Dachgeschoss von innen. Viele dunkle Holzbalken prägen das Bild. Fotografie: Das Foto zeigt ein Treppenhaus im Inneren des Gebäudes. Während der Bauarbeiten wurde es zum Schutz verkleidet. Fotografie: Das Foto zeigt Gebäudeteile des Neuen Rathauses von außen inklusive Baugerüst.

Weitere Informationen

Ziele der Energetischen Sanierung

  • KfW-Effizienzhaus-Standard 70 (KFW 70 Standard, vor allem bei energetischen Sanierungen – 30 % weniger Primärenergieverbrauch gegenüber Referenzgebäude nach GEG)
  • Reduzierung des jährlichen Treibhausemissionsausstoßes (Erwartung: 201 Tonnen)
  • Einsparung des Endenergiebedarfs (Erwartung: 822.606 Kilowattstunden)
  • Die PV-Anlage dient dem Eigenverbrauch des gesamten Rathauskomplexes (D.-Martin-Luther-Str. / Minoritenweg / Bürger- und Verwaltungszentrum). 

Planungsbüros

  • Architekturbüro: raith architekten gmbh, Kelheim
  • Tragwerksplanung: KUGLER + KERSCHBAUM; Beratende Ingenieure mbB; Kelheim
  • Fachplanung Elektro und Aufzugsanlage: MEYER INGENIEURE; Regensburg
  • Fachplanung Heizung, Lüftung, Sanitär: conduct, Planungsgesellschaft für Versorgungstechnik mbH; Regenstauf
  • Fachplanung Geologie: R & H Umwelt GmbH; Regensburg
  • Energieberatung: iaoe | ingenieurbüro für gebäudeanalyse und energieffizienz; Regensburg

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