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Zweite Pandemiewelle im Bürgerheim Kumpfmühl und Johannesstift

Wie sind das Bürgerheim Kumpfmühl und das Johannesstift durchgekommen?

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Dank der Impfungen und der umfangreichen Testungen kann wieder ein Stück Normalität in die Einrichtungen einziehen. © Bilddokumentation Stadt Regensburg

22. März 2021

Wie 507 im Sommer berichtet hat, haben alle Alten- und Pflegeheime im Stadtgebiet die erste Welle der Pandemie gut bewältigt. Von den Leitungen vom Bürgerheim Kumpfmühl und dem Johannesstift wollten wir nun wissen, vor welche Herausforderungen die zweite Welle alle Beteiligten gestellt hat. Wiebke Buchinger und Andreas Mayer schauen auf die letzten Monate zurück und geben einen Ausblick auf die Zeit nach den Impfungen.

Frau Buchinger, Herr Mayer, wie sind Sie bis jetzt durch den Winter gekommen?

Buchinger: Wir hatten einen einmaligen COVID-Ausbruch im November und Dezember. Aber dank eines wirklich guten Krisenmanagements und der Unterstützung durch die Heimaufsicht, den Katastrophenschutz und das Gesundheitsamt, die alle unsere Schutzmaßnahmen und Hygienekonzepte genehmigt und uns mit Schutzausrüstung versorgt haben, und natürlich auch dank der hohen Akzeptanz durch unsere Bewohnerinnen und Bewohner sowie deren Angehörige haben wir auch diese Situation gut bewältigen können. Die Infektionen haben uns zwar nicht verschont, aber es war nur eine von zehn Hausgemeinschaften betroffen.

Mayer: Ich würde sagen, das Johannesstift hat es mittelschwer erwischt. Bis Ende Oktober hatten wir keinerlei Infektionen in unserer Einrichtung. Dann kam eine infizierte Bewohnerin aus einer Klinik zurück. Dadurch kam es zu weiteren Ansteckungen. Dabei war das größte Problem, dass es damals bundesweit noch keine effiziente Schnellteststrategie für die Pflegeeinrichtungen gab. Es hat einfach zu lange gedauert, bis Ergebnisse der PCR-Testungen vom Labor zurückgekommen sind. Dadurch hatten wir über den ganzen Zeitraum bis zum Januar 2021 etwa insgesamt 50 infizierte Bewohner und Pflegekräfte bei 119 Heimplätzen und 116 angestellten Mitarbeitern.

Wie schwer waren denn die Krankheitsverläufe?

Mayer: Bis auf wirklich wenige Ausnahmen waren in den meisten Fällen die Symptome eher milde, auch bei den alten Menschen, die wir versorgen. Beim Personal hatten wir teilweise schwerere Verläufe zu verzeichnen, die einzelne Pflegekräfte für ein paar Wochen außer Gefecht gesetzt haben. Glücklicherweise musste aber niemand auf die Intensivstation. Leider gab es auch Todesfälle, allerdings nur bei Bewohnern, die sich vorher schon in einer multimorbiden und palliativen Situation befanden, so dass eine Abgrenzung oft auch für die Ärzte schwer möglich war. 

Buchinger: Das war auch in unserer Einrichtung so. Unter den 14 infizierten Bewohnerinnen und Bewohnern, die durchaus nicht alle Symptome zeigten, gab es vier Todesfälle. Aber auch hier hat es sich um Menschen gehandelt, die sich bereits in der palliativen Phase befunden haben. Man kann also eigentlich nicht sagen, dass sie an Corona gestorben sind, sondern allenfalls mit Corona. Glücklicherweise sind alle anderen wieder ohne Spätfolgen genesen.

Haben Sie sich gut gerüstet gefühlt?

Buchinger: Wir hatten ausreichend Schutzmaterial zur Verfügung und glücklicherweise kam es trotz der Infektionen zu keiner Personalknappheit. Die Ausfälle konnten wir noch gut auffangen. Allerdings hat die psychische Belastung allen schwer zu schaffen gemacht. Nur dadurch, dass alle gemeinsam an einem Strang gezogen haben, konnten wir das alles so gut bewältigen.

Mayer: Eine große Belastung waren die weitreichenden Quarantänemaßnahmen, sowohl bei den Bewohnern als auch beim Personal. Für die alten Menschen war das deshalb sehr bedrückend, weil sie dann zwei Wochen lang keinerlei Kontakt zu anderen haben durften. Und um Personal zu ersetzen, das in Quarantäne war, mussten auch bei uns alle zusammenhelfen. Da muss ich wirklich allen Mitarbeitenden großen Respekt zollen: Sie alle haben einen wirklich tollen Einsatz gezeigt! Denn all die Hygienemaßnahmen, die sie durchführen mussten und noch müssen, sind nicht nur zeitaufwändig. Sie stellen auch eine große körperliche Belastung dar. Danken muss man auch der tollen Unterstützung vom Katastrophenschutz und der Beratung durch die Heimaufsicht, die uns hier immer zu Seite gestanden haben.

Was haben Sie getan, um die Situation für die Bewohnerinnen und Bewohner sowie für die Angehörigen so erträglich wie möglich zu gestalten?

Mayer: Wir mussten viel erklären und beraten. Denn natürlich ist es nur schwer zu vermitteln, wenn Familien das Weihnachtsfest nicht gemeinsam verbringen dürfen oder wenn ein 90. Geburtstag wegen strenger Quarantäneauflagen allein gefeiert werden muss. Aber wir haben alles getan, um einer Vereinsamung entgegenzuwirken. Wir haben im ganzen Haus W-LAN eingerichtet, Tablets angeschafft und unser Personal hat viel Zeit investiert, um Videokonferenzen mit den Angehörigen zu schalten oder Telefonkontakte herzustellen und die Bewohner in den Zimmern zu betreuen. Man muss aber auch ganz klar sagen: Mal abgesehen von den offiziell angeordneten Quarantäneauflagen, haben wir niemanden eingesperrt. Allen Bewohnerinnen und Bewohnern stand es stets frei, die Einrichtung zu verlassen und die Angehörigen im Rahmen der gesetzlichen Kontaktbestimmungen zu besuchen.

Buchinger: Selbstverständlich gab es immer die Möglichkeit, draußen spazieren zu gehen und sich dort mit Angehörigen zu treffen. Außerdem haben wir die Option geschaffen, Besuche im Besucherraum zu empfangen, natürlich immer unter Beachtung der Abstandsregelungen und der Hygienemaßnahmen. So haben wir fünf Bereiche in unserem „Stüberl“ mit Plexiglaskabinen abgetrennt, damit sich die Menschen dort geschützt treffen und unterhalten können. Außerdem gibt es noch zwei extra sichere Besucherkabinen, wo man sich auch ohne vorherigen PCR-Test sehen und sprechen kann. Und seit dem 8. März sind auch wieder Besuche im Bewohner-Zimmer möglich. Allerdings nur mit Voranmeldung, FFP2-Maske und nach vorherigem PCR-Test.

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Schnelltests sorgen zusätzlich für Sicherheit. © Bilddokumentation Stadt Regensburg

Gibt es mehr Sicherheit durch die regelmäßigen Testungen?

Mayer: Ja, ohne Frage. Ab etwa Mitte Dezember hat sich die Situation eindeutig verbessert. Wir führen jetzt ca. 500 bis 600 Schnelltests pro Woche durch. Jeder unserer 120 Mitarbeitenden muss sich dreimal wöchentlich testen lassen. Dazu kommen die Tests der Angehörigen und anderer Besucher, wie beispielsweise Ärzte, Physiotherapeuten oder auch Handwerker, die das Haus betreten müssen. Nur deshalb konnten wir unsere Besuchskonzepte anpassen. Ohne Schnelltest betritt niemand unser Haus!

Und wie sieht es mit den Impfungen aus? Sind Ihre Einrichtungen mittlerweile durchgeimpft?

Buchinger: Die Impfungen sind soweit abgeschlossen. Von den Bewohnerinnen und Bewohnern sind bis auf diejenigen, wo es aus gesundheitlichen Gründen nicht möglich war, alle geimpft. Die Beschäftigten sind ein bisschen zögerlicher. Von 131 sind 65 geimpft, etliche werden sich aber wohl noch impfen lassen. Und ich kann schon sagen: Nach der zweiten Impfung ist uns allen wirklich ein Stein vom Herzen gefallen!

Mayer: Die Impfbereitschaft war bei uns eigentlich das geringere Problem. Die Lieferschwierigkeiten beim Impfstoff haben aber gewaltig an den Nerven gezerrt. Und es war wirklich so, dass das mobile Impfteam am Impftag bei uns aufgebaut hat und niemand wusste, ob der Impfstoff wirklich geliefert werden würde. Bis auf 19 Personen – und dabei handelt es sich um Neuzugänge und Personal, das sich zum Impfzeitpunkt nicht im Haus bzw. im Krankenstand befunden hat – sind wir mittlerweile durchgeimpft.

Fühlen Sie sich für weitere Infektionswellen gut gerüstet?

Mayer: Auf jeden Fall besser als zu Beginn der Pandemie. Niemand hat damals ja gewusst, was wirklich auf uns zukommt, Schutzmaterialien waren Mangelware und Konzepte mussten immer wieder überarbeitet und angepasst werden. Das hat für viel Verunsicherung gesorgt. Aber man muss auch sagen, dass es jetzt vor allem darauf ankommt, der Pandemiemüdigkeit entgegenzuwirken. Denn die Gefahr ist ja nicht vorbei, vor allem wenn man an die Mutationen denkt und daran, dass niemand weiß, ob Geimpfte noch infektiös sind.

Buchinger: Das kann ich nur unterstreichen. Natürlich ist nach wie vor Vorsicht geboten. Aber dank der Impfungen und der gesammelten Erfahrungen sehen wir jetzt positiv in die Zukunft!

 

Frau Buchinger, Herr Mayer, herzlichen Dank für das Gespräch!

Text und Interview: Dagmar Obermeier-Kundel