Stabsübergabe im Klärwerk – „Wir machen Platz für die nächste Generation“

Von 2018 bis 2026 wurden am Klärwerk Erneuerungs- und Umbaumaßnahmen durchgeführt. Zum Ende der Arbeiten bekommt das Klärwerk mit Thomas Adlhoch nun außerdem einen neuen Leiter. Thomas Adlhoch löst dabei Robert Lorenz ab. Robert Lorenz ist seit 1990 im Klärwerk tätig und leitet es seit zwölf Jahren. Ende 2026 verabschiedet er sich in den Ruhestand.

Fotografie: Das Foto zeigt Klärwerksleiter Robert Lorenz und seinen Nachfolger Thomas Adlhoch auf dem Außengelände des Klärwerks. Sie stehen auf einer Treppe. Im Hintergrund befinden sich Gebäude des Klärwerks. Robert Lorenz (links) leitet das Klärwerk seit zwölf Jahren. Ende des Jahres geht er in den Ruhestand und übergibt die Leitung an seinen Nachfolger Thomas Adlhoch (rechts). © Bilddokumentation Stadt Regensburg

6. August 2026

Herr Lorenz, Sie leiten das Klärwerk in Regensburg bereits seit 2014. Wie sieht ein typischer Arbeitstag eines Klärwerk-Leiters aus?

Lorenz: Jeder Tag ist anders. Das liegt daran, dass wir 24 Stunden Betrieb haben und es auch nachts zum Beispiel zu Störungen in der Anlagentechnik oder Personalausfall kommen kann. Das ist ein Organismus, den man ständig hegen und pflegen muss, damit wir unser Ziel erreichen. Und das Ziel ist es natürlich, gereinigtes Abwasser in die Donau zu leiten. Die Meister und das Labor berichten deshalb jeden Morgen an die Tagschicht. Selbstverständlich ist es unser eigener Anspruch, mit allen Zahlen und Werten im grünen Bereich zu liegen, aber wir haben ja auch noch Beziehungen nach außen. Wir haben neun Anschlussgemeinden und einen Abwasserzweckverband, die ihr Abwasser über unser Kanalnetz mit entsorgen. Um sicher zu stellen, dass uns das Abwasser in der Qualität und Menge übergeben wird, in der es vertraglich vereinbart ist, gibt es zum Beispiel Probeentnahmen an den Übergabestationen. Auf Abweichungen muss reagiert werden, denn sie haben unmittelbaren Einfluss auf unseren Betrieb. 

Adlhoch: Einen Standard-Tagesablauf gibt es trotz häufiger Überraschungen dennoch. Zum Beispiel findet ein täglicher Gang ins Rathaus statt. Das ist wichtig, um den Kontakt zur Abteilungsleitung zu halten, die Post mitzubringen, et cetera. Die Post muss natürlich auch abgearbeitet werden und auch interne Besprechungen finden täglich statt.

Lorenz: Im Klärwerk herrscht ein Miteinander wie ein Räderwerk. Die Arbeit des Labors, der Instandhalter, der Elektrowerkstatt und der Verfahrenstechnik greifen ineinander. Einer kann ohne den anderen nicht. Eine der Hauptaufgaben ist es, die Kommunikation zwischen den einzelnen Akteuren anzustoßen und zu führen. 

Herr Adlhoch, Sie kommen aus dem Sachgebiet Kanalneubau und lösen Robert Lorenz zum 1. Dezember 2026 als Klärwerksleiter ab. Wie kam es zu diesem Wechsel und was hat Sie an der neuen Aufgabe gereizt?

Adlhoch: Vor eineinhalb Jahren hätte ich mir gut vorstellen können, innerhalb des Tiefbauamts etwas ganz anderes zu machen, zum Beispiel in den Straßenbau oder den Brückenbau zu wechseln. Dann bin ich jedoch auf die Stellenausschreibung für die Klärwerksleitung aufmerksam geworden. Ich musste ein bisschen darüber nachdenken, schließlich ist das eine langfristige Entscheidung. Letztendlich habe ich mich beworben, weil es ein Schritt nach vorne ist. Ich habe beschlossen, aus der Komfortzone herauszugehen und etwas Großes anzupacken. Mit Anfang 40 ist für mich gerade der perfekte Zeitpunkt. Ich bin immer schon daran interessiert über den Tellerrand hinauszublicken und wollte immer schon ein bisschen mehr wissen und lernen als unbedingt nötig. Seit Februar bin ich nun zur Einarbeitung hier im Klärwerk und bislang habe ich es noch keine Sekunde bereut. Besonders schätze ich die langjährigen Mitarbeiter vor Ort. Auf ihre Erfahrung und Unterstützung kann man sich jederzeit verlassen, was den Einstieg in das neue Aufgabenfeld enorm erleichtert.

Fotografie: Das Foto zeigt Klärwerksleiter Robert Lorenz und seinen Nachfolger Thomas Adlhoch auf dem Außengelände des Klärwerks. Sie stehen auf einer Treppe. Die Übergabe läuft: Klärwerksleiter Robert Lorenz übergibt nach und nach an seinen Nachfolger Thomas Adlhoch. © Bilddokumentation Stadt Regensburg

Herr Lorenz, wie haben Sie die Suche nach einer Nachfolgerin oder einem Nachfolger erlebt?

Lorenz: Die Suche nach einer Nachfolgerin oder einem Nachfolger war nicht einfach und wir wussten lange Zeit nicht, wie es weitergeht. Also habe ich die Meister gestärkt, mit dem Ziel, dass sie eigenständig arbeiten können. Ich wollte sicherstellen, dass das Klärwerk weiterlaufen kann, auch falls jemand Neues von extern kommt und keine geordnete, umfangreiche Übergabe mehr möglich ist. Dass nun Thomas Adlhoch mein Nachfolger ist, ist ein Glücksfall. Ich kenne ihn schon einige Jahre und wusste sofort: Das kann was werden! Das war für mich beruhigend, weil ich wusste, dass es keinen Bruch in der Arbeit des Klärwerks geben wird. Das macht es mir ein bisschen leichter zu gehen.

Adlhoch: Wir konnten uns bereits gut kennenlernen und für mich war deshalb auch klar: Mit Robert Lorenz kann das gut funktionieren. Er hat mich ermutigt, den Schritt zu gehen.

Wie eng sind die beiden Bereiche Kanalneubau und Klärwerk miteinander verknüpft?

Lorenz: Die Themen Kanal und Klärwerk sind eigentlich eine Einheit. Der Kanal kann ohne das Klärwerk nicht und umgekehrt. Alles, was man im Kanalbereich plant und umsetzt, hat unmittelbare Auswirkungen darauf, was wir im Klärwerk tun oder auch nicht tun müssen.

Adlhoch: Der Kanal ist die Zuführung zum Klärwerk. Im Arbeitsalltag gibt es zwar nur wenige direkte Berührungspunkte – am ehesten noch im Kanalbetrieb und bei der Unterhaltung, etwa während Starkregenereignissen. Vom Arbeitsleben her sind es völlig getrennte Welten. Trotzdem ist es ein sehr guter Hintergrund. Ich konnte dort viel Wissen sammeln, dass mir in meiner neuen Position sicher helfen wird. Mein vorheriger Job im Kanalneubau ist definitiv eine gute Vorbereitung auf den neuen Job im Klärwerk.

Lorenz: Die Tätigkeit als Klärwerksleiter unterscheidet sich auch deshalb, weil sie mit einer großen Personalverantwortung verbunden ist. Mittlerweile arbeiten rund 60 Beschäftigte am Klärwerk. Das technische und ingenieursmäßige Denken bleibt selbstverständlich wichtig, der Schwerpunkt liegt heute jedoch klar auf der Führung und Organisation des Teams.

Wie läuft die Übergabe zwischen Ihnen beiden konkret ab?

Adlhoch: Ich habe Robert anfangs viel begleitet und zunehmend auch einzelne Themen übernommen. Natürlich habe ich auch eine Einführung in die Haushalts- und die mittelfristige Investitionsplanung erhalten.

Lorenz: Ich nehme mich immer mehr zurück und übergebe immer mehr an Thomas … so schwer mir das auch fällt. Aber ich weiß, dass er es kann. Ich gebe mein Wissen gerne an ihn weiter. Umsetzen muss er es dann natürlich selbst. Thomas hat viel Engagement und ich weiß, dass er das super machen wird.

Herr Lorenz, gibt es Projekte, die Sie gerne selbst noch abgeschlossen hätten?

Lorenz: Nein, man soll sich verabschieden, wenn es am schönsten ist. Der Zeitpunkt passt gut. Nach der Erweiterungsmaßnahme ist ein Meilenstein erreicht worden. Irgendwann ist es vorbei und das akzeptiere ich auch. Elisabeth Werkmann, die langjährige Planungschefin des Klärwerks, geht zeitgleich mit mir in den Ruhestand. Wir machen Platz für die nächste Generation.

Fotografie: Das Foto zeigt Klärwerksleiter Robert Lorenz und seinen Nachfolger Thomas Adlhoch Seite an Seite auf dem Außengelände des Klärwerks.Thomas Adlhoch (links) und Robert Lorenz sind sich sicher: Die vielen langjährigen Mitarbeiter der Klärwerks erleichtern ihnen die Stabsübergabe enorm. © Bilddokumentation Stadt Regensburg

Herr Adlhoch, worauf freuen Sie sich am meisten und gibt es etwas, das Ihnen jetzt schon Respekt einflößt?

Adlhoch: Ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit den Kolleginnen und Kollegen hier im Klärwerk, habe aber gleichzeitig großen Respekt vor den Personalthemen. Sie sind sehr vielfältig und erfordern ein gutes Gespür im Umgang mit den Menschen. Das ist ein Bereich, in den ich mich noch weiter einarbeiten muss, weil ich diese Verantwortung bisher nicht in diesem Umfang hatte. Respekt habe ich außerdem vor dem täglichen Klärwerksbetrieb. Ich muss noch viel lernen und mit der Zeit ein Gespür für die Abläufe entwickeln. Meinen Vorgänger kann ich nicht eins zu eins ersetzen, denn über 30 Jahre Erfahrung lassen sich nicht von heute auf morgen übernehmen. Aber durch die Übergangszeit fühle ich mich auf meine neue Aufgabe relativ gut vorbereitet.

Lorenz: Thomas ist bereit. Ich bin mir sicher, dass er seine neuen Aufgaben gut meistern wird!

Herr Lorenz, was werden Sie im Ruhestand als Erstes tun?

Lorenz: Ich bin in Regensburg direkt an der Donau beziehungsweise am Hafen aufgewachsen. Mein Opa war in den 1930er Jahren Kapitän auf dem Schiff RUTHOF. Mitte der 1980er Jahre entstand ein Verein zur Rettung des RUTHOF-Dampfers. Meine ganze Familie ist dem Verein beigetreten. Ich selbst bin bis heute in diesem Verein aktiv. Der Verein hat schließlich die FREUDENAU, das Museumsschiff in Regensburg, gekauft und vor der Verschrottung gerettet. Seitdem kümmern wir uns um das Schiff und fahren auch hin und wieder damit spazieren. Ich hoffe, im Ruhestand mehr Zeit dafür zu haben. Mein Sohn ist außerdem seit letztem Jahr Binnenschifffahrtskapitän. Er fährt auf einem Gütermotorschiff überwiegend zwischen Rotterdam, Amsterdam, Antwerpen und Budapest. Ich plane also, viel Zeit mit ihm auf dem Schiff zu verbringen. Natürlich freue ich mich auch auf Zeit mit meiner Frau. Wir planen, gemeinsam mit dem Camper loszuziehen. Vielleicht mal wieder in die Bretagne…

Eine letzte Frage an Sie beide: Was möchten Sie dem jeweils anderen mit auf den Weg geben?

Lorenz: Die Arbeit macht jeden Tag Spaß. Sie ist abwechslungsreich und das, was man von den Mitarbeitern zurückbekommt, entschädigt für vieles. Die Kolleginnen und Kollegen hier im Klärwerk sind wie eine zweite Familie. Die Beziehungen untereinander sind intensiver, als man es vielleicht aus anderen Arbeitsbereichen kennt. Eine von Thomas großen Stärken ist die Kommunikation. Das ist eine Gabe, die ihm das Leben hier enorm erleichtern wird. Ich wünsche ihm für seine Tätigkeit als Klärwerksleiter unfallfreie Jahre und natürlich, dass der Erfolg der Abwasserreinigung weiterhin auf diesem hohen Niveau bleibt.

Adlhoch: Es ist wichtig, im Leben eine Aufgabe zu haben. Da mache ich mir bei Robert allerdings keine Sorgen. Ich wünsche ihm, dass er etwas findet, das ihn erfüllt und ihm viel Freude bereitet. Lieber Robert: Genieß die Zeit und komm uns gerne mal besuchen!

Text und Interview: Verena Bengler

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