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Die ersten Wochen im Alten Rathaus

Dr. Astrid Freudenstein, CSU, und Ludwig Artinger, Freie Wähler, gehören seit zwölf Jahren dem Regensburger Stadtrat an. Am 14. Mai wurden sie zur zweiten Bürgermeisterin beziehungsweise zum dritten Bürgermeister gewählt. Wir stellen Ihnen die beiden vor und haben mit ihnen über ihre ersten Erfahrungen im neuen Amt gesprochen.

Das ist die neue Stadtspitze - Rathausplatz

30. Juli 2020

Bürgermeisterin Dr. Astrid Freudenstein- Porträt quer
Bürgermeisterin Dr. Astrid Freudenstein © Bilddokumentation Stadt Regensburg

Dr. Astrid Freudenstein: „In den Ämtern wird mit Leidenschaft, Einsatz und viel Herzblut gearbeitet“

„Das Schöne am Bürgermeister-Amt sind die Begegnungen mit vielen verschiedenen Menschen. Ich bin ja für Jugend und Senioren, Soziales und Sport zuständig – diese große Bandbreite an Themen und Menschen macht sehr viel Freude“, berichtet Dr. Astrid Freudenstein. Sie hat die vergangenen Wochen genutzt, um ihren Ämtern Antrittsbesuche abzustatten und zu sehen, wo welche Kolleginnen und Kollegen arbeiten.
„Wegen der Corona-Pandemie fallen meine ersten Bürgermeister-Monate in eine eher ruhige Zeit. Vieles findet ja nach wie vor nicht statt – große Sportveranstaltungen und Vereinsfeste zum Beispiel. Ich konnte mich deshalb gut mit den internen Abläufen im Rathaus befassen.“

Dr. Astrid Freudenstein ist ausgebildete Journalistin. Die 46-Jährige hat in Passau Geographie, Germanistik und einige Semester Wirtschaftswissenschaften studiert und zwölf Jahre in München beim BR-Hörfunk gearbeitet. Anschließend wechselte sie an die Universität Regensburg, wo sie als Akademische Rätin am Lehrstuhl für Medienwissenschaft tätig war. Ihre politische Karriere ist vielleicht auch ein wenig familiär bedingt. „Mein Vater war über dreißig Jahre lang Gemeinderat, Stadtrat und Bürgermeister, und von meinen vier Geschwistern sind drei ebenfalls politisch engagiert – übrigens alle in verschiedenen Parteien.“
Freudenstein selbst trat mit 30 Jahren in die CSU ein, 2008 wurde sie zur Stadträtin gewählt. Bei der Bundestagswahl 2013 ließ sie sich – wie schon vier Jahre zuvor – auf einem eigentlich aussichtslosen Listenplatz aufstellen und zog durch das starke Abschneiden ihrer Partei völlig unerwartet in den Bundestag ein. Nach der Regierungsbildung 2018 übernahm Dr. Freudenstein die Leitung der Zentralabteilung im Bundesverkehrsministerium, bevor sie im Sommer 2019 wieder ins Parlament nachrückte. „In Berlin schlägt das Herz unserer Demokratie. Im Bundestag gibt es sehr viele Menschen, von denen man sehr viel lernen kann, quer durch alle Parteien und Fraktionen. Wenn man Politik lernen möchte, gibt es nichts Besseres“, schwärmt sie. Auch was es heißt, zu verhandeln und politische Kompromisse zu schließen, habe sie in dieser Zeit erfahren.

In Regensburg ist die Mutter eines Sohnes nun als zweite Bürgermeisterin für den sozialen Bereich zuständig, ein Thema, mit dem sie sich auch als Bundestagsabgeordnete viel beschäftigt hat. Es ist ihr wichtig, die sozialen Einrichtungen und Strukturen in Regensburg gut durch die Corona-Krise zu bekommen. „Auch wenn weniger Geld zur Verfügung steht, darf es nicht der soziale Bereich sein, in dem gespart wird.“ Erste Themen, mit denen sie sich als Bürgermeisterin beschäftigt, sind etwa die Einrichtung eines Pflegestützpunkts beim Seniorenamt, die Wiederaufnahme des Betriebs in den Jugendzentren nach der coronabedingten Schließung und die Organisation der Obachlosenunterkunft in Zeiten von Corona. Ihre Ämter hat Freudenstein dabei schon gut kennen und schätzen gelernt: „Ich freue mich über die Leidenschaft und den Einsatz, mit dem sie an ihren Themen arbeiten. Egal, ob Sport, Jugend, Senioren oder Soziales – ich habe in den ersten Monaten gesehen, dass in den Amtsstuben Menschen mit viel Herzblut bei der Sache sind.“

Ludwig Artinger: „Die Themen bekommen eine ganz andere Tiefe“

Als „sehr bewegte Zeit“ hat Ludwig Artinger die ersten Wochen im neuen Amt erlebt. Er habe viel Neues erfahren und viele neue Menschen getroffen. „Natürlich weiß man als langjähriger Stadtrat über die Themen und die Strukturen in der Verwaltung Bescheid. Aber von der täglichen Arbeit in den Ämtern bekommt man nicht viel mit.“ Die Stadtverwaltung nun von der anderen Seite, sozusagen von innen, kennenzulernen, ist für den 64-Jährigen eine interessante Erfahrung. Auch die Themen bekämen eine ganz andere Tiefe. „Am Anfang konnte einem schon schwindlig werden bei der Fülle an neuen Informationen.“ Mittlerweile habe er sich schon ein wenig freigeschwommen. „Ich hatte mir das Ziel gesetzt, die Einarbeitung bis zur Sommerpause abzuschließen, um dann im Herbst, wenn hoffentlich auch die Veranstaltungen wieder losgehen, richtig durchstarten zu können.“ Geplant ist einiges: „Es soll eine Neuauflage des Umweltforums stattfinden, wir wollen wieder den Umweltpreis verleihen und wir arbeiten an einem neuen Mobilitätskonzept für den städtischen Fuhrpark.“ Auch die Umsetzung der Zero-Waste-Strategie, die der Stadtrat im Februar für Regensburg beschlossen hat, steht auf der Agenda.

Als Jurist ist Ludwig Artinger daran gewöhnt, sich schnell und gründlich in verschiedene Themenbereiche einzuarbeiten. Seit 1985 hat er in wechselnden Funktionen als Richter und Staatsanwalt gearbeitet. In diesen 35 Jahren war er in Zivilgerichten und in Strafgerichten eingesetzt. Er entschied in Grundstücksangelegenheiten und führte einige Jahre lang eine Kammer für Arzthaftungsfragen. „Um zu beurteilen, ob ein ärztlicher Kunstfehler vorliegt, haben wir ganze Operationen nachexerziert. Es hat mir großen Spaß gemacht, so tief in diese für mich eigentlich fremde Materie einzutauchen.“ Seit 2011 war Artinger Direktor des Amtsgerichts Kelheim. Vor allem die Arbeit mit den Menschen hat ihm dabei gefallen und ihn in seiner Überzeugung bestärkt, dass man nur miteinander etwas Gutes erreichen kann. „Als ich in der Justiz angefangen habe, gab es noch ein starkes Obrigkeitsdenken. Mittlerweile ist das zum Glück Geschichte. Wenn Sie wollen, dass die Menschen mit Freude mitarbeiten und ihr Bestes geben, müssen Sie ihnen kooperativ und auf Augenhöhe begegnen.“

In seinem neuen Amt ist das besonders wichtig, da Artinger für seine Aufgaben viele Mitstreiter braucht. Als dritter Bürgermeister ist der dreifache Vater für das Umwelt- und das Gartenamt, das Amt für Abfallentsorgung, Straßenreinigung und Fuhrpark sowie die Energieagentur zuständig. „Gerade die Umwelt ist ein Querschnittsbereich, an dem viele Ämter beteiligt sind.“ Längerfristige Ziele sind etwa ein zukunftsfähiges Mobilitätskonzept, die Stärkung des Umweltverbundes, mehr Grün und Wasser in der Altstadt, Müllvermeidung und Klimaneutralität. „Umwelt ist das Zukunftsthema schlechthin – auch wenn es momentan etwas durch die Corona-Krise überlagert wird.“ Ideen für seine Arbeit und natürlich auch Entspannung findet Artinger beim Sport, vor allem Rennradfahren und Mountainbiken begeistern ihn. „Der Spruch mit dem gesunden Geist im gesunden Körper hat schon etwas Wahres. Oft kommt es vor, dass man lange an einem Problem herumdenkt – und beim Sport löst sich der Knoten plötzlich auf und man sieht die Lösung vor sich.“

Text: Katrin Butz