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Kulturelles Jahresthema „Stadt und Gesellschaft“

Vortragsreihe „Jüdische Geschichte und Kultur Regensburgs vom Mittelalter bis zur Moderne“ zum Jahresthema 2019 beginnt am 24. Januar mit Vortrag zur „Arisierung“ in Regensburg

Vor 500 Jahren, am 21. Februar 1519, beschloss der Rat die Vertreibung der Juden aus der Reichsstadt Regensburg. Innerhalb weniger Tage musste die jüdische Bevölkerung ihre Heimat verlassen, anschließend wurde deren Viertel auf dem heutigen Neupfarrplatz dem Erdboden gleichgemacht. Das bedeutete das abrupte Ende einer Gemeinde, die im Mittelalter zu den größten und wichtigsten im gesamten Heiligen Römischen Reich gezählt hatte.

Dieses dunkle Kapitel der Stadtgeschichte ist der historische Anlass für das kulturelle Jahresthema 2019 „Stadt und Gesellschaft“, das deshalb einen besonderen Fokus auf die jüdische Vergangenheit Regensburgs legt. Herzstück eines umfangreichen Veranstaltungsprogramms ist die von Januar bis November stattfindende öffentliche Vortragsreihe „Jüdische Geschichte und Kultur Regensburgs vom Mittelalter bis zur Moderne“, die gemeinsam vom Kulturreferat und der Jüdischen Gemeinde organisiert wird. Die Vorträge spannen einen zeitlichen Bogen vom Mittelalter bis zur Gegenwart, in der mit der Eröffnung der neuen Synagoge am Brixener Hof auch ein neues Kapitel jüdischen Lebens in Regensburg aufgeschlagen wird. Sowohl ausgewiesene lokale Experten wie auch renommierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler – national und international – werden dabei neue Erkenntnisse zu verschiedenen Aspekten der wechselvollen jüdischen Stadtgeschichte präsentieren.

 

Der Raubzug an jüdischem Eigentum – „Arisierung“ in Regensburg

Zum Auftakt der Vortragsreihe referiert am Donnerstag, 24. Januar 2019, um 19 Uhr im Großen Runtingersaal (Keplerstraße 1) die Journalistin und Autorin Waltraud Bierwirth zur sogenannten Arisierung der Regensburger Juden während der NS-Zeit. Nach der Reichspogromnacht 1938 kam es, gestützt auf staatliche Verordnungen, zu einem regelrechten Raubzug an jüdischem Eigentum, der von den örtlichen Finanzämtern ausgeführt wurde. Auf Basis bislang nicht ausgewerteter Akten aus verschiedenen Archiven schildert Waltraud Bierwirth anschaulich, wie sich diese Entwicklungen auf die jüdischen Einwohner Regensburgs auswirkten.

 

Die nächsten Vorträge der Reihe

Auch die zweite Referentin der Vortragsreihe, Professorin Dr. Iris Ritzmann (Universität Zürich) beschäftigt sich am Donnerstag, 31. Januar 2019, mit der Marginalisierung und Vernichtung jüdischen Lebens in Regensburg nach dem Novemberpogrom. Am Beispiel der Regensburger Viehhändlerin Frieda Sämann, die ihrer Tochter Briefe nach Palästina schickte, beschreibt Professorin Ritzmann die ausweglose Lage, in der sich die jüdische Bevölkerung damals befand.

Der Vortrag von Dr. Veronika Nickel (Salomon Ludwig Steinheim-Institut, Universität Duisburg-Essen) am Sonntag, 10. März 2019, befasst sich mit dem eigentlichen historischen Anlass des Jahresthemas, der Vertreibung der Regensburger Juden 1519. Anhand zeitgenössischer Gerichtsakten zeigt die Referentin, wie die jüdische Gemeinde der jahrelangen Drangsalierung durch die Stadt im Rahmen eines Gerichtsverfahrens Widerstand entgegensetzte.

Die weiteren Vorträge der Reihe beschäftigen sich unter anderem mit dem mittelalterlichen Judenviertel, modernem Antisemitismus sowie den verschiedenen Regensburger Synagogen.

 

Weitere Informationen

Weitere Informationen zur Vortragsreihe und zum Jahresthema 2019 gibt es unter www.regensburg.de/kultur.

Zum Schwerpunkt „Jüdisches Regensburg“ im Rahmen des Jahresthemas 2019 ist eine gleichnamige Broschüre erschienen, die neben der kompletten Vortragsreihe auch weitere Termine wie Konzerte, Ausstellungen und Führungen enthält. Die kostenlose Broschüre ist ab sofort an zahlreichen zentralen Auslagestellen in der Stadt erhältlich und auch online unter www.regensburg.de/kultur nachzulesen und herunterzuladen.