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Gewalt an behinderten Kindern und Jugendlichen

Circa 60 Fachkräfte haben am Fachvortrag mit Aussprache teilgenommen

„Behinderte Kinder und Jugendliche haben ein drei- bis viermal so hohes Risiko, Opfer von Gewalt zu werden als Kinder und Jugendliche ohne Behinderung“, so die zentrale Erkenntnis internationaler Überblicksstudien zur Verbreitung von Gewalt an behinderten Kindern und Jugendlichen. Sie erleben zweieinhalb Mal häufiger mehrmals Gewalt, als nicht behinderte Kinder und Jugendliche. Gewalt durch Eltern, psychisch wie disziplinierend, Mobbing in der Schule, Gewalt an Mädchen – in allen untersuchten Teilbereichen erleiden behinderte Kinder und Jugendliche mehr Gewalt als nicht behinderte. Dabei treten auch Formen von Gewalt auf, die speziell für den Behindertenbereich sind: Hilfsmittel werden vorenthalten oder kaputt gemacht, das Vorenthalten von Pflege wird angedroht, dem Kind wird die Behinderung vorgeworfen oder die Privat- oder Intimsphäre wird mißachtet. Diese empirischen Ergebnisse referierte Petra Flieger, eine international tätige Sozialwissenschaftlerin, Sonderschullehrerin und Psychologin aus Absam in Tirol/Österreich. Sie hielt am 14. November 2018 im Mehrgenerationenhaus in Regensburg einen Fachvortrag zum Thema „Gewalt an behinderten Kindern und Jugendlichen – Häufigkeit, Hintergrund und Handlungsempfehlungen für die Arbeit in Einrichtungen und mit Eltern“.

Eingeladen zu diesem Fachvortrag hat die Arbeitsgemeinschaft gegen Gewalt an Kindern (AGGGK) aus Regensburg, einem Zusammenschluss von Fachkräften der Kinder- und Jugendhilfe verschiedenster kommunaler, verbandlicher, staatlicher und freier Träger. Die AGGGK beschäftigt sich vor dem Hintergrund der sogenannten „Großen Lösung“, der Zusammenführung der Leistungen von Kindern und Jugendlichen mit und ohne Behinderungen, seit einigen Jahren mit dem Thema Gewalt an behinderten Kindern und Jugendlichen. Finanziell unterstützt wurde diese Veranstaltung vom Amt für Jugend und Familie der Stadt Regensburg.

Gefolgt sind der Einladung circa 60 Fachkräfte aus allen Teilen der verbandlichen, offenen und kommunalen Kinder- und Jugendarbeit sowie Behindertenhilfe, Jugendämtern, Kliniken, Hochschulen, Polizei, Tagesbetreuung, Schulen usw.

Nach der Klärung der Frage, warum behinderte Kinder und Jugendliche so verhältnismäßig viel Gewalt erleben, verwies Petra Flieger in ihren Empfehlungen auf integrierte Hilfssysteme und der Vermeidung von Sondereinrichtungen in der institutionellen Behindertenarbeit. Sie erläuterte anhand einiger praktischen Beispiele Maßnahmen für Fachkräfte und Einrichtungen, nannte Bestandteile von Kinderschutzstrukturen und Leitlinien für die Sensibilisierung und Qualifikation von Mitarbeitern in Behinderteneinrichtungen. Ihren Vortrag abschließend plädiert Petra Flieger für eine konsequente Verknüpfung der Fachstellen aus Jugend- und Behindertenhilfe. Sie appelliert an die Einrichtungen der Behindertenhilfe, sich zu öffnen und sich über die Angebote der Jugendhilfe zu informieren.