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Gruppenausstellung „SPUREN. Aus den Nachlässen von Susanne Böhm, Gisela Conrad, Helga Weichmann-Schaum, Wolfgang Keuchl“

Wie bleibt künstlerisches Schaffen im kollektiven Gedächtnis lebendig? Mit dem Tod einer Künstlerin oder eines Künstlers schließt sich das Œuvre, doch seine Erzählung fängt oft erst an. Das materielle Erbe – Gemälde, Plastiken, Aufzeichnungen – wechselt in die Hände von Familie, Galerien oder öffentlichen Sammlungen. Wie diese Werke sortiert, gepflegt und ausgestellt werden, prägt entscheidend, welche Facetten eines Lebenswerks die Zeit überstehen. Ein Kunstnachlass ist keine bloße Erbmasse, sondern ein lebendiges Archiv ästhetischer Entscheidungen und zeitgeschichtlicher Zeugnisse. In der Städtischen Galerie im Leeren Beutel beleuchten eine Sonderausstellung und eine Fachtagung dieses Thema aus verschiedenen Perspektiven.

Vier regionale Kunstnachlässe im Fokus

Die Gruppenausstellung „SPUREN“ übersetzt diese theoretische Frage in eine unmittelbare, sinnliche Begegnung mit der Kunst. Im Zentrum stehen Arbeiten von Susanne Böhm (1946–2000), Gisela Conrad (1944–2019), Wolfgang Keuchl (1952–2005) und Helga Weichmann-Schaum (1932–2016). Alle vier haben die Kunstszene in und um Regensburg nachhaltig geprägt. Dass ihre Nachlässe heute an unterschiedlichen Orten – in privater wie öffentlicher Verantwortung – liegen, zeigt exemplarisch die Bandbreite des Bewahrens. Für die Schau im Leeren Beutel werden die sonst getrennt konservierten Arbeiten neu arrangiert, sodass ein lebendiger, inspirierender Dialog mit dem Überlieferten gelingt. Dabei treten zum einen die unverwechselbaren Handschriften, aber auch die produktiven Wechselbeziehungen zwischen Malerei, Grafik und Fotografie hervor.

Die Ausstellung ist vom 25. September bis 8. November 2026 zu sehen. Die Vernissage findet am Donnerstag, den 24. September 2026 um 19 Uhr im 3. Obergeschoss statt. Das Grußwort spricht Dr. Thomas Burger, Oberbürgermeister der Stadt Regensburg. Dr. Caroline Ebeling, Leiterin der Städtischen Galerie im Leeren Beutel, wird in die Ausstellung einführen.

Kunstwerk: Gemälde in dunklen Farben, Gesicht Kunstwerk: Gemälde bunt, 2 Personen Kunstwerk: Collagen in grün von Bäumen Kunstwerk: Collagierte Reisefotografie aus Ägypten

Über die Kunstschaffenden

Susanne Böhms expressive Malerei verdichtet Porträt, Landschaft, Architektur und Interieur zu Bildräumen von enormer innerer Spannung. Ihr kraftvoller Duktus, flächige Setzungen und eine fast archaische Direktheit verwandeln Häuser, Möbel und Alltagsdinge in ambivalente, beinahe wesenhafte Erscheinungen.

Gisela Conrads Werk bewegt sich feinsinnig an der Schnittstelle von Figuration und Abstraktion. Organische Formen lassen den Menschen als Teil eines vielschichtigen Beziehungsgefüges aufscheinen, während Farbe, Licht, Linie und Fläche ein dynamisches Eigenleben entfalten. In der gemeinsamen Präsentation hallt zudem die enge Freundschaft nach, die Conrad und Böhm zeitlebens verband.

Wolfgang Keuchls konzeptuelle Polaroid-Collagen fügen einzelne Sofortbilder zu streng gerasterten Kompositionen. Alltägliche Motive wie Tisch, Stuhl oder Jacke lösen sich aus ihrem pragmatischen Kontext und avancieren zu Chiffren für Abwesenheit, Verletzlichkeit und gesellschaftliche Ordnung.

Helga Weichmann-Schaum wiederum trug maßgeblich dazu bei, die Fotografie in Ostbayern als eigenständige Kunstform zu etablieren. Ganz in der Tradition der subjektiven Fotografie verwandelt sie Architektur und Landschaft durch das präzise Zusammenspiel von Licht, Ausschnitt und Kontrast in poetische Träger von Zeit, Erinnerung und Vergänglichkeit.

Aktive Pflege von Kunstnachlässen

Ebenso facettenreich wie die Kunstwerke selbst sind die Pfade ihrer Rettung für die Nachwelt. Während Susanne Böhms Nachlass im KUNSTPARTNER Schaulager Adlmannstein – einem in der Region einzigartigen und wegweisenden Projekt – eine dauerhafte Heimat gefunden hat, werden die Arbeiten von Gisela Conrad und Wolfgang Keuchl privat von Familienmitgliedern betreut. Helga Weichmann-Schaum wiederum vertraute ihr Erbe der Stadt Regensburg an.

„SPUREN“ bietet die wunderbare Gelegenheit, das Schaffen dieser vier Persönlichkeiten ganz neu zu entdecken. Gleichzeitig zeigt die Schau, wie essenziell die aktive Pflege von Kunstnachlässen ist, denn sie schützt das kulturelle Erbe vor dem Vergessen und lässt die Bedeutung eines Lebenswerks weit in die Zukunft wirken.

Fachtagung „Kunstnachlass. Zwischen Atelier, Archiv und Öffentlichkeit“

Den theoretischen Rahmen zur Ausstellung spannt die Fachtagung „Kunstnachlass. Zwischen Atelier, Archiv und Öffentlichkeit“. Sie richtet den Blick auf die Voraussetzungen, unter denen künstlerische Lebenswerke langfristig gesichert und für Forschung wie Öffentlichkeit erschlossen werden können. Denn Kunstnachlässe bewegen sich an einer sensiblen Schnittstelle zwischen persönlicher Erinnerung, wissenschaftlicher Bedeutung und gesellschaftlicher Verantwortung. Ihre Betreuung erfordert konservatorische Sorgfalt, fachliche Expertise, tragfähige Strukturen und klare Zuständigkeiten.

Auf der Tagung diskutieren Fachleute aus Kunstgeschichte, Restaurierung, Museen und Stiftungen wegweisende Modelle. Dabei geht es um weit mehr als um die bloße Verwahrung: Im Zentrum stehen die frühzeitige Vorsorge, die fachgerechte Dokumentation und die nachhaltige Vermittlung für die Zukunft. Denn das gemeinsame Ziel ist, kulturelles Erbe nicht nur passiv zu verwalten, sondern es durch tragfähige Strukturen dauerhaft lebendig zu halten.

Die kostenfreie und öffentliche Veranstaltung wird von dem Kunsthistoriker und Journalisten Marcus Spangenberg M. A. moderiert und bietet allen Interessierten ein Forum für Fragen. Besonders für Kunstschaffende selbst hält die Tagung wertvolle Impulse bereit, denn sie zeigt auf, wie sich bereits zu Lebzeiten strategisch die Weichen für die Zukunft im Rahmen eines Vorlasses stellen lassen.

Die Fachtagung findet am Freitag, den 25. September 2026 von 9 bis 18 Uhr im 3. Obergeschoss der Städtischen Galerie im Leeren Beutel statt. 

Rahmenprogramm zur Ausstellung

Die Gruppenausstellung wird von einem abwechslungsreichen Rahmenprogramm begleitet, das mit Ausnahme der Langen Nacht der Museen kostenlos angeboten wird. 

Am Freitag, den 9. Oktober 2026 um 18 Uhr liest Barbara Krohn aus der Biografie von Susanne Böhm. Gleich am nächsten Tag, am 10. Oktober 2026, kann die Schau bei der Langen Nacht der Museen von 18 bis 1 Uhr besichtigt werden. Dafür wird ein gültiges Ticket benötigt.

An zwei weiteren Freitagen rückt jeweils eine der in der Ausstellung vertretenen künstlerischen Persönlichkeiten in den Mittelpunkt. Am 23. Oktober 2026 heißt es „Jürgen Huber meets Wolfgang Keuchl (†)“ und eine Woche später, am 30. Oktober 2026, wird der Fokus auf Helga Weichmann-Schaum gelegt.

Am letzten Ausstellungstag, Sonntag, den 8. November 2026 um 11 Uhr lädt die Städtische Galerie in Kooperation mit dem Verband deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller in ver.di, Regionalgruppe Ostbayern unter dem Motto „Freundinnen“ zu einer Matinee ein, bei der es Erinnerungen und Perspektiven gehen wird. Das Publikum darf sich auf einen literarischen Rundgang zu Gisela Conrads Werk mit Elfi Hartenstein, Angela Kreuz, Claudia Spelic und Thyra Thorn freuen, musikalisch begleitet von der Violinistin Franziska Kiesel. 

Weitere Informationen

Die Gruppenausstellung „SPUREN“ ist vom 25. September bis 8. November 2026 im 2. und 3. Obergeschoss der Städtischen Galerie im Leeren Beutel (Bertoldstraße 9) zu sehen. Die Schau kann dienstags bis sonntags von 10 bis 16 Uhr besichtigt werden, der Eintritt ist frei. Am 1. November 2026 bleibt die Städtische Galerie geschlossen.