Martin Neumeyer, MdL und Integrationsbeauftragter der bayerischen Staatsregierung zu Gast

Zur Auftaktveranstaltung konnte der Schulleiter, Anton Nenning, den Referenten für Bildung, Sport und Freizeit der Stadt Regensburg, Dr. Hage, und den Integra-tionsbeauftragten der bayerischen Staatsregierung, Herrn Landtagsabge-ordneten Martin Neumeyer begrüßen, der mit seiner Aufgabe, zukünftig direkt in der Staatskanzlei angesiedelt ist.


Herrn Neumeyer berichtete den Schülerinnen und Schülern von seiner täglichen Arbeit. Zum Einstieg las er aus einem Fax vor, das er vor kurzem bekommen hat, in dem er als „Integrationsschmarotzerbeauftragter“ bezeichnet und wüst beschimpft und bedroht wurde. Er wäre gerne mit dem Schreiber ins Gespräch gekommen, denn seine Aufgabe sei es, zuzuhören, auch den Kritikern, die mit Ressentiments oder Vorurteilen auf Flüchtlinge reagieren, so Herr Neumeyer. Für ihn habe Europa versagt. Schon 2008 seien die ersten 400 Menschen im Mittelmeer ertrunken. Zu lange habe es gedauert und 8000 Tote habe es bedurft, bis man erkannt habe, man müsse dieses Thema als eines der wichtigsten Themen von Europa annehmen, sich vorbereiten und nach Lösungen suchen.  


Landtagsabgeordneter und Integrationsbeauftragter Martin Neumeyer


Auch sei die Flüchtlingsproblematik für ihn eine Bewährungsprobe für Europa: es gehe nicht nur darum, Agrarsubventionen zu verteilen, sondern auch und wesentlich darum, in europäischer Solidarität das individuelle Asylrecht für Menschen in Not zu gewähren. Ansonsten, so Neumeyer sei Europa ein „Schmarrn!“ Nur 10 von 28 Mitgliedstaaten sind zurzeit bereit, Flüchtlinge aufzunehmen. Die EU müsse es schaffen, Flüchtlinge auf viele Mitgliedsländer zu verteilen, auch wenn es bei Ländern, die selbst große Probleme haben, schwierig sein dürfte. Nach Umfragen, so Neumeyer, unterstützten 87 % der Deutschen die Aufnahme von Flüchtlingen, die wirklich in Not sind. Anders sehe es bei sogenannten Wirtschaftsflüchtlingen aus und daher sei die Politik gefordert, Asylverfahren innerhalb von max. drei Monaten durchzuführen und nicht anerkannte Flüchtlinge möglichst schnell in ihre Heimatländer zurückzuschicken.


Natürlich gebe es unterschiedliche Meinungen, aber die Auseinandersetzung darüber befördere einen Konsens und er sei froh, so Neumeyer, dass in Deutschland bisher keine rechtsextreme Partei in den Bundestag gewählt wurde. Neumeyer erwartet für 2015 bis zu einer halben Million Flüchtlinge in Deutschland, wovon 15 % in Bayern aufzunehmen sind. Er warnte aber davor, Flüchtlinge nur als Problem zu sehen, Deutschland brauche angesichts des demographischen Wandels Zuwanderung und syrische Flüchtlinge seien gut ausgebildet und der größte Teil aller Flüchtlinge sei hoch motiviert, etwas zu leisten und sich zu integrieren.


Nach dem eindrucksvollen Vortrag in dem Herr Neumeyer auch bildreich von seinen Eindrücken aus Flüchtlingslagern in Anrainerstaaten wie der Türkei oder Jordanien, von seiner Übernachtung in einem Flüchtlingsheim in Bayern und von seinen vielfältigen Begegnungen mit Flüchtlingen berichtete, stellten die Schülerinnen und Schüler viele, auch sehr kritischen Fragen, in denen auch ihre Sorge, Deutschland könnte mit dem Flüchtlingsproblem überfordert sein, zum Ausdruck kam.


Charakteristisch dafür war die Frage: „Wie lange kann Deutschland es sich leisten so viele Flüchtlinge aufzunehmen?“ Neumeyer antwortete klar: „Wir sind ein reiches Land, wir können es uns leisten!“ Auch auf Gefühle, es würde sich in Deutschland um Flüchtlinge mehr gekümmert als um Arbeitslosen oder Obdachlose ging Neumeyer ausführlich ein und belegte mit Argumenten, dass dem nicht so sei.

Herr Neumeyer bedankte sich im Anschluss über die vielen und wichtigen Fragen bei den Schülerinnen und Schülern und bei der Schule, die dieses Projektthema aufgenommen hat und eröffnete dann die Ausstellung „Flucht“ von Pro Asyl, die im Rahmen des Unterrichts besucht und mit einem Fragebogen von den Schülerinnen und Schülern bearbeitet wird.


Schüler informieren sich bei der Ausstellung von "PRO ASYL" über das Projektthema "Flucht"

 
> Bericht des Straubinger Tagblatt vom 19.05.2015

> Bericht der Mittelbayerischen Zeitung vom 22.05.2015

> Bericht der Mittelbayerischen Zeitung auf der Juniorseite vom 22.05.2015

> Bericht der taz.Die Tageszeitung vom 07.01. 2015

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