Von der Neonazi-Karriere zu einem gefährlichen Ausstieg

Die Veranstaltung mit dem heute 32-jährigen Aussteiger Manuel Bauer, die am Dienstag, 25.01.2011 vor vollbesetzter Aula der Berufsschule II stattfand, wurde von Studiendirektor Werner Ulsamer, Fachbetreuer für Sozialkunde initiiert und organisiert. Sie war ein weiterer Baustein beim Aufbau einer Mauer gegen den Rechtsradikalismus.


Manuel Bauer trat als ganz normaler junger Mann in Hut und sportlichen Schuhen vor den anwesenden Schülern und Lehrkräften auf. Früher trug er Glatze und Springerstiefel. Lediglich ein Tattoo auf seiner rechten Hand, das einem halben Spinnennetz ähnelt, erinnert an seine Vergangenheit.
Dies sei eine symbolische Auszeichnung seiner früheren Kameradschaft für einen Teil seiner Unrechtstaten. „Jedes Kästchen steht für einen von ihm zusammengeschlagenen Türken“, sagte er und streckte die Hand in die Höhe. In teilweise brutalem Nazi-Jargon schilderte er weitere Schandtaten, die er als junger Nazi beging und damals für völlig legal hielt. Geschockt waren die zuhörenden Schülerinnen und Schüler als er berichtete, wie er sogar seine eigene Mutter zusammenschlug, seinen Vater mit einem Messer bedrohte oder nicht einmal vor einem indischen Kind Halt machte, das sich um seine vorher niedergeknüppelte Eltern sorgte und weinte. Mit der Erklärung „kleine Ratten werden auch mal groߓ rechtfertigte er damals seine Tat vor den Freunden vor sich und außerhalb der rechten Szene.

 

Nach vielen fremdenfeindlichen Unrechts- und Gewalttaten, die ihm in den Nazikreisen Anerkennung verschafften, war eine Schlägerei während seiner Haftzeit ein Grund für sein Umdenken und seinen späteren Ausstieg. Als im Gefängnis zwei seiner Gesinnungsgenossen Drogen tauschten, die in der rechten Szene tabu sind, schlug er zu. Überwältigt am Boden liegend kamen ihm ausgerechnet Türken zu Hilfe, die zu seinen Feindbildern gehörten.
Sein Undenkungsprozess begann. Er sah ein, dass er blind der Nazi-Ideologie gefolgt war und wie eine Marionette handelte und gesteuert wurde. 


Heute zahlt er für seine Karriere in der rechten Szene, die er bereits mit zwölf Jahren begann, einen hohen Preis. Seine ehemaligen Nazikollegen haben ihn nicht vergessen. Seit er ausgestiegen ist, haben sie für ihn ein Kopfgeld ausgesetzt. Er erhält Morddrohungen und lebt unter Polizeischutz.
Dankbar ist er Exit -Deutschland, einer Organisation, die Menschen hilft, die sich dem Rechtsextremismus lossagen  und ihr Leben neu ordnen.


Manuel Bauer sagte, er könne alle seine Unrechttaten nicht mehr rückgängig und gutmachen.
Was ihm bleibt ist junge Menschen aufzuklären, sie vor den Gefahren des Rechtsextremismus zu warnen und sie über die Anwerbemethoden der Rechten aufzuklären.


Mit diesem Vorhaben möchte er noch häufig mit der Friedrich-Ebert-Stiftung, die auch diese Schulveranstaltung finanziell unterstützte und mitorganisierte, zusammenarbeiten und vor allem in Schulen über seinen braunen Lebensabschnitt berichten.


 

> TVA-Beitrag: Neonazi-Aussteiger an der Städtischen Berufsschule II

 

> Bericht der Rundschau vom 02.02.2011 zum Download

 

 

 

 

Manuel Bauer beim Vortrag

 

 

 

 

Schülerin beim Interview mit TVA

 

Referent der Friedrich-Ebert-Stiftung

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