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Grüne Orte: Jahninsel und Grieser Spitz

Der Kontrast könnte nicht größer sein: Während in den Sommermonaten abends und am Wochenende dort der Bär steppt, findet man am Morgen und in der kühleren Jahreszeit auf der Jahninsel und am Grieser Spitz eine beschauliche Ruhe vor. Die Sonne mogelt sich durch das Blätterdach der majestätischen Pappeln und zeichnet auf den Wiesen, die noch vom Tau benetzt sind, bizarre Muster, während die Donau still und unergründlich die Auenlandschaft inmitten der Stadt mit ihren Armen umschlingt.

Steinerne Brücke - Luftaufnahme
Luftaufnahme der Jahninsel © Bilddokumentation Stadt Regensburg

Dass das nicht immer so war, wissen nur die wenigsten. Altes Kartenmaterial zeigt, dass die Jahninsel bis zu den 40er-Jahren des letzten Jahrhunderts nicht mit dem Oberen Wöhrd verbunden war. Unter der Steinernen Brücke, also dort, wo sich heute die Feiernden tummeln, umspülte das Wasser die Brückenpfeiler. Allerdings belegen Luftbilder und topografische Aufnahmen aus der damaligen Zeit, dass wohl immer mehr Anschwemmungen und Geschiebeabsetzungen und möglicherweise später auch gezielte Aufschüttungen im Lauf der Jahre dazu führten, dass die heutige Jahninsel entstehen konnte. Interessant in diesem Zusammenhang: Auch heute noch ist der Bereich unterhalb der Brücke mit einer anderen Flurnummer ausgewiesen als die eigentliche Jahninsel mit der Schwimmabteilung des SSV Jahn.

 

Biotop und Feiermeile mit Altstadtpanorama

So scheint der Bereich, den vor allem die jüngeren Regensburgerinnen und Regensburger ins Herz geschlossen haben, weil es sich dort so schön feiern lässt, erst im 20. Jahrhundert entstanden zu sein.

Gerade wegen seiner Beliebtheit, beispielsweise auch als Standort für das Jahninselfest, hat dieses Fleckchen aber inzwischen den Status eines Sorgenkinds, denn immer mehr mutiert die Fläche zwischen dem Biergarten der Alten Linde und dem Grieser Steg zur Feiermeile. Menschen, die Müllberge hinterlassen, bis weit in die Nachtstunden lautstark abfeiern, in die freie Natur pinkeln und jegliche Rücksichtnahme auf Natur und Mitmenschen vermissen lassen – das sind die Schattenseiten der idyllischen Lage, die die Stadt Regensburg regelmäßig viel Geld und Arbeitszeit kosten, so Dietrich Krätschell, der Chef des Gartenamtes. Dabei gibt es eine mobile Toilettenanlage und einen ausgewiesenen Grillbereich auf der Jahninsel, der auch ausreichend mit Abfallkörben ausgestattet ist.

Doch die Jahninsel ist viel mehr als nur ein gigantischer Festplatz mit Altstadtpanorama. Der Grünzug, der sich vom Pfaffensteiner Steg im Westen bis jenseits des Grieser Stegs im Osten hinzieht, bietet unzähligen Tierarten einen wichtigen Lebensraum. So finden beispielsweise verschiedene Fledermausarten und andere Höhlenbrüter in den abgestorbenen Bäumen, die das Gartenamt – sofern es die Verkehrssicherheit zulässt – nicht entfernt, geeignete Nistplätze und an den insektenreichen Donauarmen einen reich gedeckten Tisch. Der seltene Gänsesäger nutzt die Gelegenheit für ein Sonnenbad auf einem Findling am Ufer und an der Wasseroberfläche tummelt sich die Fischbrut – ein deutliches Anzeichen dafür, dass auch unter dem Wasserspiegel die Welt in Ordnung ist. 

 

Grießer Spitz - LuftballonsAuf dem Grieser Spitz lässt es sich gut feiern © Bilddokumentation Stadt Regensburg
Seepflanze - Flutender Wasserhahnenfuss
Als hätte hier ein impressionistischer Maler seinen Pinsel ins Wasser getaucht: Der Flutende Wasserhahnenfuß im Donauarm © Dagmar Obermeier-Kundel

Abtauchen in der Auenlandschaft

Wer sich vom Oberen Wöhrd her auf den Weg macht, der gelangt auf einem schmalen Pfad am nördlichen Donauarm entlang in eine schattige Flusslandschaft. Zwei Holzstege überbrücken einen meist ausgetrockneten Wasserlauf, der die Lauservilla wie ein Burggraben umgibt. Dekorativ, aber nicht unbedingt erwünscht, weil er die einheimische Vegetation verdrängt, breitet sich der Japanische Strauchknöterich in der Uferzone aus. Wiesenkerbel schmückt wie zart geklöppelte Spitzenborten die Wegränder. Ein waldartiger Baumbestand sorgt auch an heißen Tagen für angenehme Kühle. Erst dort, wo sich die Anlage zum Festplatz unter der Steinernen Brücke öffnet, dringt die Stadtnähe wieder ins Bewusstsein.

Wer hier keinen gemütlichen Biergartenbesuch einschieben mag, der kann das umwerfende Postkartenpanorama der mittelalterlichen Altstadt auch vom Donauufer aus genießen. Steinerne Brücke, Brückturm, Wurstkuchl, Domtürme und Salzstadel – die Wahrzeichen der Stadt sind hier wie auf einer Perlenschnur aufgereiht.

Wenn man die sonnige Aufschüttung unterhalb der Brücke überquert hat, kann man sofort wieder eintauchen in die schattige Auenlandschaft, die jetzt auf der Nordseite den Blick auf Stadtamhof mit seinen romantischen und eher biedermeierlich anmutenden Stadthäusern freigibt. An der Schwimmabteilung des SSV Jahn vorbei, geht es unter dem Grieser Steg hindurch bis zur Inselspitze. Hier, wo der Brandnerkanal in den Donaunordarm mündet, öffnet sich der Blick bis zur Regenmündung, die immer wieder von Ausflugsschiffen gekreuzt wird.

Grießer Spitz
Welch ein Kontrast zum mittelalterlichen Stadtpanorama: Die biedermeierlich anmutende Kulisse von Stadtamhof © Dagmar Obermeier-Kundel

Grieser Spitz

Die Parkanlage des Grieser Spitzes zieht sich auf der Stadtamhofer Seite von der Steinernen Brücke bis zur Mündung des Regens in den Donaunordarm. Gleich beim Grieser Steg erinnert eine Steinsäule des Heimatvereins Statt am Hof an die 48 Toten, die die Luftangriffe des 23. Oktober 1944 in Stadtamhof gefordert hatten. Wer sich nach Osten hin wendet, der gelangt zum Bolzplatz, der ebenso wie der Jahninselfestplatz gerne und oft für Veranstaltungen genutzt wird. Ob Buntes Wochenende oder Rockzipfel auf dem Bürgerfest – hier lässt es sich gut feiern! Der angrenzende Spielplatz mit seinem großen Sandkasten und den im Jahr 2016 erneuerten Spielgeräten bietet unter schattigem Baumbestand viele Möglichkeiten zum Spielen und Toben.

Während die Binnenschiffer am Regenufer Anker- und Anlegeplätze sowie die notwendige Infrastruktur vorfinden, ist der Uferbereich des nördlichen Donauarms naturnah geblieben. Hier, wo sich das dunklere Wasser des Regens mit dem helleren Donauwasser vermischt und verwirbelt, kann man dem Gurren der Turteltauben lauschen oder dem Ruf des Buchfinks. Wer Zeit und Muße hat, kann beobachten, wie Zander oder Rapfen nach den Fliegen schnappen oder das Summen der Bienen und Hummeln im Blutweiderich genießen.

Auf dem Rückweg in Richtung Stadt auf Stadtamhofer Seite passieren wir den Andreasstadel mit seinen baumbestandenen Grünflächen und kommen schließlich zum Ende der Anlage bei der Steinernen Brücke, wo eine kleine von Strauchrosen bewachsene Fläche mit etlichen Bänken gerade an kühleren Tagen dazu einlädt, die raren Sonnenstrahlen zu genießen. 

Freizeitspaß auf der Jahninsel
Freizeitspaß auf der Jahninsel © Bilddokumentation Stadt Regensburg