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Wann passiert denn endlich was am Ernst-Reuter-Platz?

Der Bürgerentscheid ist nun schon eine ganze Weile her und in der Stadt scheint die Ungeduld zu steigen. In der städtischen Pressestelle treffen, seit sich die Bürgerinnen und Bürger gegen ein Regensburger Kultur- und Kongresszentrum (RKK) am Ernst-Reuter-Platz ausgesprochen haben, in sehr kurzen Abständen Anfragen nach den weiteren Maßnahmen vor Ort ein.

Bahnhofsumfeld, RKK - Studentenwohnheim am Ernst-Reuter-Platz

Zu der sogenannten „Briefmarke“ am Ernst-Reuter-Platz, also dem Bereich, auf dem heute das Studentenwohnheim der Evangelischen Pfründestiftung steht, gibt es jedoch nicht nur Presse-Anfragen. Viele Regensburgerinnen und Regensburger wenden sich mit einer Vielzahl von Ideen an die Stadtspitze.

Die Ideen sind vielfältig: Konzerthalle, Tanzpalast, popkulturelles Zentrum, Freianlage, günstiges Wohnen, all das und noch viel mehr könnte sich die Stadtgesellschaft für das „Filetgrundstück“ am Eingang der Altstadt vorstellen.

Und viele Fragen und Nachfragen richten sich auch nach einer zügigen Umsetzung des Projekts. Man sehe ja momentan gar nichts.

Die ersten sichtbaren Veränderungen im Areal rund um den Bahnhof werden auch noch etwas auf sich warten lassen. Nicht etwa, weil nichts geschieht, sondern weil die Verwaltung mit Hochdruck an den notwendigen Vorbereitungen arbeitet. Aber eben nicht direkt im Areal, sondern im Rathaus.

Wann geht es los?

Zunächst arbeitet die Evangelische Pfründestiftung als Eigentümerin des Geländes am Ernst-Reuter-Platz zusammen mit dem Evangelischen Siedlungswerk (ESW) an einem finalen Abbruchkonzept für das schwer in Mitleidenschaft gezogene Studentenwohnheim. So ein Konzept wandert durch viele Ämter und bedarf einiger Abstimmungsrunden. Das Schadstoffgutachten liegt der Stadt noch nicht vor. Aufgrund der Bauzeit ist eine gewisse Schadstoffbelastung des Gebäudes jedoch sehr wahrscheinlich.

Steht das Konzept, können die Arbeiten beginnen. Der bisherige Zeitplan sieht einen Abbruch bis 30. September 2019 vor – und zwar inklusive der Tiefgarage. Das heißt, dass der Stadt das Gelände mit einem Loch übergeben wird, das sie zunächst auffüllt.

Erst dann kann der Interims-Busbahnhof (ZOB) gebaut werden, dessen Bauzeit ungefähr eine Bausaison betragen wird.

Derzeit geht die Verwaltung frühestens von einer Inbetriebnahme des Interims-ZOB im Winter 2020/21 aus.

Ebenfalls nicht coram publico, sondern an diversen Schreibtischen im Neuen Rathaus, arbeitet die Verwaltung an der Ausschreibung, mit der ein Planungsbüro für das Verkehrs- und Freiraumkonzept für das Areal gesucht wird. Der Verkehr im Areal soll mit dem Konzept neu geordnet werden, der motorisierte Individualverkehr soll deutlich reduziert werden.

Und natürlich spielt bei der Neuregelung des Verkehrs rund um den Bahnhof auch die Trasse der zukünftigen Stadtbahn eine wichtige Rolle. Hier arbeiten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Verwaltung eng mit „das Stadtwerk Mobilität“ zusammen. Auch bei einigen anderen Projektteilen laufen die Abstimmungen mit „das Stadtwerk“ und der Deutschen Bahn.

Skizze ZOB + Interims-ZOB
Skizze zum provisorischen und dem zukünftigen ZOB nördlich des Bahnhofs © Rudolf Heinz

Wann kommt der ZOB?

Der Startschuss für den eigentlichen ZOB, der zwischen Galgenbergbrücke und Bahnhof entstehen wird, fällt ab 2021. Dann ist mit einem Ergebnis des Architekturwettbewerbs zu rechnen. Wenn alle notwendigen Ausschreibungen erfolgt sind, startet der Bau frühestens 2023. Derzeit rechnet die Stadt mit einer Bauzeit von zirka drei Jahren.

Verkehrskonzept, Freiraumkonzept, ZOB und weitere Baumaßnahmen wie eine Tiefgarage im Bahnhofsvorfeld und der Interims-ZOB werden langfristig ein freundliches, sicheres und verkehrsberuhigtes Bahnhofsumfeld ermöglichen – genauso, wie es sich die Bürger im Beteiligungsprozess wünschten.

In den vergangenen Wochen ermittelte das Amt für Archiv- und Denkmalpflege bereits bei Sondierungsgrabungen, dass der Bau einer Tiefgarage im nördlichen Bahnhofsumfeld durchaus möglich sei. In den untersuchten Bereichen konnte kein Hinweis auf ein südliches Ende des jüdischen Friedhofs gefunden werden. Das wäre ein K.o.-Kriterium für die Tiefgarage gewesen, weil die Totenruhe im jüdischen Glauben nicht gestört werden darf.

Und was kommt dann zum Ernst-Reuter-Platz?

Ist der ZOB schließlich in Betrieb, wird der Interims-ZOB zunächst zurückgebaut. Was dann auf die „Briefmarke“ am Ernst-Reuter-Platz gebaut wird, steht noch nicht fest. Die Stadtführung und die Koalition haben sich zunächst eine „Denkpause“ verordnet. Zeit genug, um sich ausgiebig Gedanken zur weiteren Nutzung zu machen, haben die Politikerinnen und Politiker.

Fest steht zum jetzigen Zeitpunkt jedoch schon, dass der Abbruch des sogenannten „Wirsing-Baus“ unumgänglich ist. Ein Erhalt und eine Sanierung sind aus bautechnischen und wirtschaftlichen Gründen sowie aus Platzgründen nicht möglich.

Text: Eva Karl-Faltermeier
19. November 2018