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Regensburg feiert 2019 mit drei Städten runde Jubiläen: Festwochenende mit Brixen im September

In diesem Jahr gibt es mindestens drei gute Gründe, die Städtepartnerschaften Regensburgs genauer unter die Lupe zu nehmen: Sie heißen Brixen, Clermont-Ferrand und Qingdao. Mit allen drei Städten feiert Regensburg 2019 ein rundes Jubiläum.

Urkunde 1969
Unterzeichnung der Partnerschaftsurkunde am Urkunde am 18. Oktober 1969 © Bilddokumentation Stadt Regensburg

19. September 2019
aktualisiert am 1. Oktober 2019

Brixen und Regensburg feiern in diesem Jahr 50 Jahre Städtepartnerschaft. Die Feierlichkeiten, die sich über das gesamte Jahr verteilen, fanden ihren Höhepunkt im Jubiläumswochenende vom 27. bis 29. September 2019.

Neben dem offiziellen Festakt am Samstagabend waren auch mehrere öffentliche Veranstaltungen geplant: Aus Anlass des runden Jubiläums wurde die neue Grünanlage auf dem Areal der ehemaligen Nibelungenkaserne im Juli vom Stadtrat nach der Südtiroler Partnerstadt benannt und am Samstag, 28. September 2019, um 11 Uhr feierlich als „Brixen-Park“ eröffnet. 

Am Samstagnachmittag gab die Musikkapelle Pfeffersberg aus Brixen um 16 Uhr ein kostenloses Standkonzert am Rathausplatz. Am Sonntag, 29. September 2019, um 10 Uhr hielten die Bischöfe aus Brixen und Regensburg ein gemeinsames Hochamt im Dom St. Peter, das musikalisch von den Domspatzen und der Musikkapelle Pfeffersberg begleitet wurde.

Inklusion als neuer Schwerpunkt

Seit einigen Jahren bildet das Thema Inklusion einen neuen, zusätzlichen Schwerpunkt des partnerschaftlichen Austausches. Brixen beteiligte sich mit großem Interesse sowohl an den beiden erfolgreichen Inklusionskonferenzen der Regensburger Partnerstädte als auch an der internationalen Inklusiven Fußball-WM des Lebenshilfe Regensburg e.V. im vergangenen Jahr. Vor diesem Hintergrund wurden auch zur Jubiläumsfeier Bewohnerinnen und Bewohner der Seeburg, einer Einrichtung für Menschen mit Behinderung in Brixen, nach Regensburg eingeladen. Mit der inklusiven Wohngemeinschaft St. Klara der Katholischen Jugendfürsorge in der Ostengasse findet am Jubiläumswochenende ein gemeinsames Besuchsprogramm statt.

Enge Verbundenheit mit Brixen

Brixen und Regensburg verbinden zahlreiche gemeinsame Projekte. Die Kontakte der Regensburger Bürgerinnen und Bürger mit der Bischofsstadt Brixen sind inzwischen so vielfältig, dass sie nur beispielhaft aufgezählt werden können. Jugendliche und Sportler, Kolpingfamilien und zahlreiche Musikgruppen, bildende Künstler sowie Mitglieder der Alpen- und Schützenvereine, um nur einige aktive Akteure und Gruppen zu nennen, vertiefen seit vielen Jahren die herzlichen Beziehungen.

50 Jahre Städtepartnerschaft sind die Krone der langen Verbindung beider Städte. Die Urkunde, die Brixen erstmals erwähnt und als älteste Stadt Tirols ausweist, wurde in Regensburg ausgestellt. Beide Städte waren also von Anfang an verbunden. 1002 schenkte Kaiser Heinrich II. dem Brixener Bischof Albuin einen Hof für seine Aufenthalte in der Domstadt. Seit einigen Jahrzehnten trägt dieser Straßenzug den Namen „Am Brixener Hof“. In Brixen verweist die „Viale Ratisbona“ auf Regensburg. Am 18. Oktober 1969 wurde die Freundschaft zwischen den Städten offiziell. Bürgermeister Dr. Zeno Giacomuzzi und Oberbürgermeister Rudolf Schlichtinger unterzeichneten im Historischen Reichssaal des Alten Rathauses die Partnerschaftsurkunde. Damit wurde Brixen die dritte Partnerstadt von Regensburg.

Zwei weitere Jubiläen

In diesem Jahr feiert die Stadt Regensburg zwei weitere Jubiläen: 50 Jahre Freundschaft mit Clermont-Ferrand und zehn Jahre mit Qingdao in China.
Der Partnerschaftsgedanke wurde vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg durch den Willen zur Aussöhnung und zur Völkerverständigung gestärkt. Durch direkte Begegnungen sollten Vorurteile abgebaut und gegenseitiges Vertrauen gefördert werden: Menschen sollten sich zusammenfinden und sich austauschen, um am Ende – nicht nur geografische – Grenzen zu überwinden. Regensburg pflegt seit Mitte der 1950er-Jahre insgesamt acht Partnerschaften: Aberdeen (1955), Clermont-Ferrand (1969), Brixen (1969), Tempe (1978), Odessa (1990), Pilsen (1993), Budavár (2005) und Qingdao (2009).

Qingdao7

Erfolgreiche Partnerschaftspflege

Im Laufe all der Jahre haben sich die Partnerschaften aktiv entwickelt und stehen auf einem gesunden und breiten Fundament, das durch viele Akteure in der Stadtgesellschaft, von Vereinen und Verbänden bis hin zu Schulen und Hochschulen, getragen wird. Ein gutes Beispiel für die zeitgemäße Partnerschaftsarbeit der Stadt ist der erfolgreiche Fachaustausch zum Thema grüne und nachhaltige Stadtentwicklung mit Odessa. So soll ein Regensburg-Park in der Partnerstadt am Schwarzen Meer entstehen. Einen weiteren neuen Schwerpunkt in der Zusammenarbeit bildet auch das Thema Inklusion. In einer ersten Inklusionskonferenz im Jahr 2017 bot die Stadt Regensburg ihren Partnerstädten die Gelegenheit, sich zu diesem immer wichtiger werdenden gesellschaftlichen Thema auszutauschen, heuer wird die Fortsetzung folgen. Auch die bereits zweimal sehr erfolgreich durchgeführten Internationalen Jugendkonferenzen, zu denen Jugendliche aus allen acht Regensburger Partnerstädten eingeladen wurden, bieten eine attraktive neue Plattform des internationalen Jugendaustauschs. Neben solchen themenspezifischen Partnerschaftsaktivitäten ist es natürlich gute Tradition, Gäste aus den Partnerstädten zum Regensburger Bürgerfest einzuladen und den gemeinsamen Kulturaustausch regelmäßig zu pflegen.

Impressionen aus Brixen

Impressionen aus Qingdao

Impressionen aus Clermont-Ferrand

Warum die Partnerschaft zu den acht Städten?

Die Gründe für eine Partnerschaft sind vielfältig: Neben bereits vorhandenen Beziehungen und dem Willen zum verstärkten Austausch, können unter anderem Namensgleichheit oder -ähnlichkeit, geschichtliche, geographische oder wirtschaftliche Parallelen, Vergangenheitsbewältigung, Versöhnung oder der Wunsch nach fachlicher Zusammenarbeit die Voraussetzung für eine partnerschaftliche Verbindung sein.

In Regensburg entstanden die ersten Kontakte nach Aberdeen, Clermont-Ferrand und Brixen vor dem klassischen Hintergrund eines kommunalen Beitrags zu einem vereinten Europa. Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs sollte die Gründung von Städtepartnerschaften in Osteuropa – insbesondere mit Odessa – politische Solidarität ausdrücken und eine Möglichkeit schaffen, unmittelbar Hilfe und Unterstützung zu leisten. Bei der Partnerschaft mit Budavár, einem der zentralen Stadtteile und Burgbezirk der ungarischen Hauptstadt Budapest, stand die gemeinsame Bewerbung um den Titel als Europäische Kulturhauptstadt im Mittelpunkt. Obwohl dieses gemeinsame Ziel letztlich nicht erreicht wurde, entwickelte sich die Partnerschaft in der Folge sehr positiv. Die ersten Kontakte zu der chinesischen Millionenmetropole Qingdao entstanden dagegen im Kontext der Wirtschaftsförderung.

Wie wird eine Partnerschaft gegründet?

Als attraktive Stadt erhält Regensburg regelmäßig Anfragen zur Begründung neuer Städtepartnerschaften. Dann wird zunächst geprüft, ob es bereits Beziehungen gibt, die weiter intensiviert und ausgebaut werden können – so war es auch bei den bestehenden Regensburger Partnerschaften der Fall. Das können beispielsweise Kontakte von Vereinen, Institutionen, Schulen oder Hochschulen sein. Auch die Verfolgung gemeinsamer Ziele und strategische Partnerschaften können die Grundlage für die spätere Eingehung einer Städtepartnerschaft bilden.

Die Entscheidung über eine offizielle Städtepartnerschaft liegt im Ermessen des Stadtrats. Die Unterzeichnung der Partnerschaftsurkunde durch die jeweiligen Stadtspitzen besiegelt schließlich die Verbindung – ähnlich wie in einer Ehe. Und auch hier gilt:  Nach der Unterschrift folgen die eigentlichen Aktivitäten. Es geht darum, die Partnerschaft zu pflegen und den Austausch lebendig zu gestalten, zu intensivieren und zu erhalten. Regelmäßige Besuche, gemeinsame Veranstaltungen und die Umsetzung von Partnerschaftsprojekten festigen die Verbindung. Die Herausforderung liegt heute insbesondere darin, immer wieder neue Themenfelder für Kooperationen zu erschließen. Die jeweiligen Interessen der Städte sowie deren Bürgerinnen und Bürger unterliegen einem steten Wandel und sind stark von gesellschaftlichen Entwicklungen und örtlichen Gegebenheiten geprägt.

Text: Claudia Biermann, Tatjana Setz und Sandra Schneider