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Sportentwicklungsplanung: Das Thema „Sportstadt“ mit einem guten Konzept füllen

Dr. Marit Möhwald kümmert sich um die Sportentwicklung der Stadt und ist dabei, eine integrative Sportentwicklungsplanung durchzuführen. Neue Anforderungen an den Sport stellen sie dabei vor große Herausforderungen.

Sportentwicklungsplanung - Trendsportart
Trendsportarten stehen hoch im Kurs. © Bilddokumentation Stadt Regensburg

Schützenvereine, Aerobic-Gruppen, Freerunning, Stand Up Paddling, Geocaching, Slacklining, Trailrunning, Bouldern, Parkour, Pumptrails, Calisthenics oder Street Workout  – Das Bedürfnis der Menschen nach sportlicher Betätigung wandelt sich im Lauf der Zeit, entwickelt sich dynamisch und weist mittlerweile unterschiedlichste Facetten auf. Eine Kommune, deren Ziel es ist, die Gesundheit der Bevölkerung durch mehr Bewegung und Sport zu fördern und ihr attraktive Möglichkeiten zu bieten, ihren Bewegungsdrang auch auszuleben, muss darauf reagieren, genauso wie auf Veränderungen von Gesellschaft, Bildungslandschaft und Sportnachfrage. Die Stadt Regensburg tut dies mit einem Sportentwicklungsplan. Erstmalig 1994 und dann noch einmal 2008 wurden solche Pläne entwickelt, die es rechnerisch ermöglichten, den tatsächlichen Bedarf an Sportstätten, Sporthallen und Anlagen zu ermitteln und längerfristig zu planen. Seit etwa eineinhalb Jahren kümmert sich Dr. Marit Möhwald beim Sportamt dauerhaft um die Sportentwicklung der Stadt und ist dabei, eine integrative Sportentwicklungsplanung mit dem Planungszieljahr 2030 durchzuführen. Am 11. April wurde die Sportplanung nun im Stadtrat mit viel Lob verabschiedet.

Kommunale Daseinsvorsorge

„Sportentwicklungsplanung, das ist lokale Politikentwicklung im Bereich der Bewegungsförderung und das Besondere – es ist eine freiwillige kommunale Aufgabe, die letztlich auf die Gesundheitsförderung und Prävention der Bevölkerung zielt“, sagt die Sportwissenschaftlerin, die beim „Sportentwicklungspapst“, dem Leiter des Arbeitsbereiches Public Health und Bewegung, Prof. Dr. Dr. h.c. Alfred Rütten an der Uni Erlangen-Nürnberg promoviert hat. Gerade weil Sport, trendige Angebote und ein ansprechende Bewegungslandschaft eine immens wichtige Bedeutung für die Lebensqualität und den Lebenswert in einer Kommune haben, ist es heute mehr denn je notwendig, sich auch planerisch mit dem „System“ Sport“ auseinanderzusetzen. Zentral dabei ist die Frage, welche Prioritäten im Bereich von Sport und Bewegung in der Kommune gesetzt werden müssen, um mittel- bis langfristig den Sportvereinen sowie allen Bürgerinnen und Bürgern ein attraktives Bewegungsangebot unterbreiten zu können. Dass die Stadt eine eigene Stelle für die Sportentwicklung geschaffen und beim Sportamt angesiedelt habe, hält Möhwald für „eine Sache mit großem Weitblick“. 

Ihr Chef Johann Nuber ergänzt: „Die Maßnahmen zur Neu- bzw. Umgestaltung von Sportplätzen und Hallen, die im Sportentwicklungsplan von 2008 formuliert worden sind, hat die Stadt weitgehend umgesetzt. Jetzt muss es darum gehen, bedürfnisgerechte Angebote für bestimmte Bevölkerungsgruppen zu entwickeln und genauso Sport- und Bewegungsräume oder die Sportförderung dem Wandel in der Sportnachfrage und auf die Veränderungen in der Sportlandschaft anzupassen.“

Sportentwicklungsplanung - Sportmöglichkeiten im Ziegetsdorfer Park
Sportmöglichkeiten wie hier im Ziegetsdorfer Park sind kostenlos und niedrigschwellig erreichbar. © Bilddokumentation Stadt Regensburg

Individuelle Sportangebote

Was heißt das genau? Wo früher der Vereinssport im Mittelpunkt stand und kommunale Förderung sich in erster Linie auf die Unterstützung des Vereinswesens konzentrierte, muss heute individueller gedacht werden. Die Bevölkerung wird immer älter, internationaler, weiblicher und leider auch übergewichtiger. Die Menschen haben immer weniger Zeit, sie wollen sich ungern binden, flexibler sein und am liebsten direkt vor der Haustür ihre Sportgelegenheiten vorfinden. Außerdem steigt das Bedürfnis nach unterschiedlichen Bewegungsformen. Und soziale Verpflichtungen, wie sie beispielsweise durch die Mitgliedschaft in einem Verein entstehen, sind heutzutage deutlich weniger gefragt als noch vor ein paar Jahrzehnten. Aber auch die Trimm-dich-Pfade, die in den 1980er-Jahren vor den Toren der Städte wie Pilze aus dem Boden schossen, sind nicht nur in die Jahre, sondern aus der Mode gekommen. „Heute will niemand mehr groß ins Auto steigen müssen, um Sport zu treiben“, sagt Nuber. Fitness-Geräte in den städtischen Parkanlagen sind deshalb stark nachgefragt, genauso wie beleuchtete Jogging-Strecken durch Grünanlagen, damit die Menschen auch bei Dunkelheit ihrem Bewegungsdrang ohne Angst nachkommen können. „Darauf müssen wir gezielt reagieren und öffentliche Räume auch für Bewegung und Sport nutzbar machen.“

Um den Bedarf genau zu bilanzieren und die geplanten Maßnahmen mit anderen Projekten abzustimmen, arbeitete das Sportamt bei der Erstellung des Sportentwicklungsplans mit vielen anderen Ämtern zusammen. Möhwald führte die umfassenden Bestandsanalysen und Bedarfsermittlungen die im letzten Jahr erfasst wurden zusammen, um die aktuelle Situation in den Sport- und Schützenvereinen, aber auch in den Kindertagesstätten, in Horten oder im Schulsport darzustellen. Durch detaillierte Befragungen, wurde nicht nur der Ist-Stand, sondern auch der Handlungsbedarf abgefragt. Die gesammelten Daten flossen schließlich in einen kooperativen Planungsprozess ein, der mit fast 70 Beteiligten aus Vereinen, Verbänden und Behörden in sechs Workshops, sportpolitische Leitziele und Handlungsempfehlungen für eine zukunfts- und bedarfsorientierte Sportentwicklung in der Stadt Regensburg erarbeitet hat. Nach der redaktionellen Einarbeitung aller Ergebnisse liegt nun ein mit allen Interessensvertretern abgestimmter Maßnahmenkatalog vor, der in der Langfassung mehr als 236 Seiten hat. Diese Fassung ist allerdings eher die Arbeitsgrundlage der Sportverwaltung. Für den Allgemeingebrauch wurde auch eine Zusammenfassung erstellt, die erheblich kürzer ist.

Sportentwicklungsplanung - Sport im Park
Die Aktion „Sport im Park“ soll vor allem älteren Menschen Spaß an der Bewegung vermitteln. © Bilddokumentation Stadt Regensburg

Sportliche Zukunft gemeinsam mit Vereinen

Dr. Hermann Hage, der zuständige Fachreferent betont aber: „Trotz aller wahrnehmbaren Veränderungen sind Sportvereine das Rückgrat des Sports in Regensburg. Wir wollen deshalb die sportliche Zukunft unserer Stadt zusammen mit unseren vielfältig aufgestellten Vereinen gestalten. Dazu haben wir im Amt eigens einen mit einem Sportwissenschaftler besetzten Vereinsservice ins Leben gerufen. Der Vereinsservice unterstützt die Sportvereine bei ihrem Anpassungsprozess an die Anforderungen und Probleme einer sich wandelnden Gesellschaft und hilft dabei mit Vereine zukunftsfähig zu machen. Die Vereine sind und bleiben wichtig in einer lebendigen Sportstadt. Wir stellen schon jetzt fest, dass diejenigen, die sich diesen Herausforderungen aktiv stellen, sich wachsender Beliebtheit erfreuen.“

So sollen auch Sportarten eine Heimat finden, die bislang eher individuell ausgeübt wurden. Die Funsporthalle in der Lilienthalstraße ist dafür ein Paradebeispiel. Sie bietet Sportarten wie Parkour, Freerunning, BMX und Skating ein Dach über dem Kopf und die Möglichkeit, ein vitales Vereinsleben zu entwickeln.

Aber es geht auch anders: Unter dem Motto „Bewegung und Begegnung“ bringt die Halle 37 im Stadtosten auf 1500 Quadratmetern Individualsport und Integration auf einen Nenner. Rund die Hälfte der Nutzer sind sportbegeisterte Migranten, die hier ganz individuell und gemeinsam mit Einheimischen Sportarten wie Soccer, Basketball, Tischtennis, Yoga oder Kampfsport trainieren. Sport im Park bietet der Generation 50+ in den Sommermonaten ein stadtteilbezogenes Bewegungsangebot im Grünen und verschiedene Angebote für Inklusionssport sollen schon jetzt den Weg bereiten für die Special Olympics, die im Jahr 2021 in Regensburg stattfinden werden.

Text: Dagmar Obermeier-Kundel

29. April 2019