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Neben der Straße blüht es auf

Wildblumen und Kräuter dominieren die städtischen Grünstreifen. Das städtische Gartenamt setzt inzwischen mehr auf den ökologischen Aspekt des Straßengrün.

Neben der Straße blüht es auf - Rote Blumen

Seit ich bei der Stadt Regensburg meinen Dienst aufgenommen habe, sind mir viele interessante Verwaltungs-Begriffe untergekommen. Viele dieser Wörter, die ich zuvor nicht bis kaum genutzt hatte, kommen aus dem Straßenbereich. Lichtzeichenwechselanlage, Beampelung und bedarfsgerechte Fußgängerfurt sind nur ein paar der Highlights aus dieser Kategorie.

Vor kurzem habe ich noch ein weiteres umständliches Wort kennengelernt für das kleine Stück Natur am Rande der städtischen Straßen. Vielleicht haben Sie es auch noch gar nicht bewusst bemerkt, es wirkt oft im Stillen, fast meditativ und vor allem subtil. Wenn es uns der Sommer wieder gar nicht recht machen kann, weil er zu trocken, zu kalt oder zu nass ist, wenn man im Berufsverkehr steckt und etwas trübsinnig in den Auspuff vor sich blickt, dann bietet es uns Ablenkung und Zerstreuung: Das Straßenbegleitgrün.

Es ist ein sperriges Wort für die liebevoll bepflanzten Grünstreifen in unserer Stadt, die mit großem Aufwand gepflegt und bepflanzt werden. Insgesamt sind 120 Mitarbeiter in jährlich 47 520 Arbeitsstunden mit der Pflege des Straßenbegleitgrüns beschäftigt. Dabei werden die Ansaaten inzwischen nicht mehr gegossen, nur noch Jungbäume, bis etwa zum fünften Standjahr. Johann Ritter vom Stadtgartenamt ist für das Straßenbegleitgrün zuständig und weiß, dass sich in den vergangenen Jahren an den Straßen einiges verändert hat: „Während früher mit großen Aufwand an Wasser, Dünger, Spritzmittel und Personal artenarme, intensiv gepflegte Rasen- und Zierpflanzenflächen angelegt und gepflegt wurden, legt man heute mehr Wert auf den ökologischen Aspekt des Straßengrün.“

Das städtische Gartenamt erhöhte durch nährstoffarme und artenreiche Gras- und Kräuterflächen die biologische Vielfalt und reduzierte so den maschinellen und personellen Einsatz. In der Regel werden solche Flächen nur noch ein bis zweimal im Jahr gemäht. Auch bei der Pflanzung von Stauden bevorzugt das Amt zunehmend artenreiche und pflegearme Mischungen. Im Ergebnis finden sich insektenfreundliche Wildblumen und Kräuter in den Straßen und der geringere Pflegeaufwand birgt weniger Gefahren und Aufwand für die städtischen Mitarbeiter. Das ist nötig, denn die Zahl der zu pflegenden Flächen steigt. „Mit der Ausweisung von neuen Wohnquartieren und den dafür notwendigen Erschließungsstraßen wächst die Fläche des Straßenbegleitgrüns im gesamten Stadtgebiet“, erklärt Johann Ritter.

Den Mehraufwand versucht das Gartenamt mit zunehmender Mechanisierung und den Zukauf von Spezialmaschinen wie  ferngesteuerte Böschungsmäher zu begegnen. Durch die stärkere Motorisierung der Pflegemaschinen steigen die Anforderungen an die Qualifikation der Mitarbeiter. Auch der Informationsbedarf der Bürger bei Pflegearbeiten ist in den letzten Jahren gestiegen.

Auf das Grün zu verzichten ist in jedem Fall keine Alternative, denn das Straßenbegleitgrün erfüllt wichtige Aufgaben. Es verbessert das Mikroklima, schützt vor Aufheizung der Asphaltflächen und der benachbarten Hausfassaden, erhöht die Luftfeuchtigkeit und leistet einen wichtigen Beitrag zur Verkehrssicherheit. Als optische Führung verengt es den Straßenraum optisch und  senkt so die durchschnittliche Geschwindigkeit der Autofahrer. Für die Anwohner von Straßen stellt das städtische Grün Schutz vor Straßenlärm und –staub dar. Positive Effekte des Straßenbegleitgrüns kann man auch im Hinblick auf Erosionsschutz, Landschaftsgestaltung und Landschaftsökologie erkennen.

Für mich als ganz normale Teilnehmerin des Straßenverkehrs – egal ob in Bus, Auto oder auf dem Rad -  ist vor allem die ästhetische Funktion des Straßenbegleitgrüns nachvollziehbar. Ich freue mich über jede Blume, die einen kleinen Farbklecks in meine Pendlerroutine bringt. Und ganz besonders glücklich macht mich immer die erste Blüte des Jahres, wenn ich weiß: Bald ist wieder Sommer. Bald ist es uns wieder zu trocken, zu kalt oder zu nass.

Text: Eva Karl-Faltermeier
24. Juli 2019