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Musik bringt Hoffnung nach Uganda

Musik bringt Hoffnung nach Uganda - IMLS Uganda

„Hoffnung durch Musik“ – so lautete das Motto des Partnerschaftsprojekts, das zehn Lehrkräfte der Sing-und Musikschule der Stadt im Oktober 2018 nach Uganda geführt hatte. Eine Woche lang musizierten sie in der „International School of Music, Languages and Studio Production“ (IMLS) in Masaka gemeinsam mit ihren ugandischen Kollegen sowie rund 260 Schülerinnen und Schülern und vermittelten ihnen musikalisches Grundlagenwissen. Nun muss sich herausstellen, ob das Projekt, das von allen Beteiligten mit großer Begeisterung aufgenommen wurde, auch eine Zukunft hat.

„Es ist uns nie darum gegangen, die Kolonialisierung mit anderen Mitteln wieder anzufachen und den einheimischen Musiklehrern und ihren Schülern unsere pädagogischen und künstlerischen Konzepte aufzudrängen“, betont Wolfgang Graef, der Leiter des Amts für musische Bildung, zu dem auch die Sing- und Musikschule gehört. Die Intention sei vielmehr gewesen, den musikalischen Bildungshunger der jungen Menschen in dem ostafrikanischen Land, das heute zu den ärmsten der Welt gehört, zumindest punktuell zu stillen und ein Zeichen der Hoffnung zu setzen.

Bessere Zukunftschancen durch Bildung

Spiritus Rector des Projekts ist Joseph Wasswa, der selbst aus Uganda stammt und die IMLS mitbegründet hat. 2007 hatte er als Stipendiat der Diözese Regensburg den für einen Afrikaner alles andere als einfachen Sprung nach Europa geschafft, bestand die Aufnahmeprüfung an der Hochschule für katholische Kirchenmusik und Musikpädagogik in Regensburg, schloss dort sein Studium ab, engagierte sich als Chorleiter der Gemeinde Steinweg, ist aktuell Promotionsstipendiat der Hanns-Seidel-Stiftung an der Uni Regensburg und unterrichtet mittlerweile seit fast fünf Jahren an der Sing- und Musikschule die Fächer Singen und Rhythmusvermittlung (Trommeln). 2016 zeichnete ihn der Stadtrat für sein Wirken mit dem Kulturförderpreis der Stadt aus. Wasswa gründete in Regensburg den Förderverein für Musik und Kultur Uganda e.V. (FMK). Mit seinem Engagement möchte er Kindern aus seiner Heimat bessere Zukunftschancen durch Bildung eröffnen.

So organisierte er immer wieder interkulturelle Konzerte mit euro-afrikanischer Musik, deren Erlöse nach Uganda fließen und sammelte einen ganzen Container voll an Instrumenten, die hierzulande nicht mehr gebraucht wurden, für die Schülerinnen und Schüler der IMLS in Masaka.

Sein Wunsch war es auch, eine Schulpartnerschaft zwischen der Sing- und Musikschule und der IMLS in die Wege zu leiten. Dieser Wunsch fiel bei seinem Schulleiter auf fruchtbaren Boden. Das einwöchige Partnerschaftsprojekt in den Herbstferien im Oktober 2018 war dazu ein erster Schritt.

Musik als Mittel der Teilhabe

„In Uganda gibt es einen unvorstellbaren Drang zu lernen“, erzählt Graef. „Trotz ihrer Armut investieren die Eltern einen Großteil ihres Einkommens in die Bildung ihrer Kinder.“ Musik als Weltsprache, die in allen Teilen der Erde gleichermaßen verstanden wird, ist dabei ein wichtiges Mittel der Teilhabe.

Musik bringt Hoffnung nach Uganda - IMLS Uganda Junge mit TrommelDer Bildungshunger in Uganda ist groß © Stadt Regensburg, Sing- und Musikschule

Natürlich kann eine einwöchige Unterrichtseinheit in verschiedenen Instrumentalfächern und Musiktheorie, bei der die Kinder zwar beachtliche Erfolge erzielten, nicht das Bildungsproblem einer gesamten Nation lösen. Aber, so Graef, mehr als die kurzzeitigen Erfolge, zähle die Langzeitwirkung des Besuchs. „Wir haben diesen Menschen nicht nur Kenntnisse und Fertigkeiten vermittelt, sondern auch Motivation gegeben und vor allem Hoffnung. Hoffnung darauf, dass sie dazugehören, nicht vergessen oder nicht beachtet werden, dass sie Teil der kulturellen Weltgemeinschaft sind.“ Noch immer erhalte er täglich mehrere WhatsApp-Nachrichten aus Uganda, mittels denen ihn die jungen Musiker mit Fragen und Anliegen bombardierten.

Musik bringt Hoffnung nach Uganda - IMLS Uganda Zertifikate
Mit großem Jubel und Stolz nahmen die jungen Musikerinnen und Musiker die Zertifikate entgegen, die sie im Anschluss an die Übungswoche ausgehändigt bekamen © Stadt Regensburg, Sing- und Musikschule

Vertrauen schafft Verantwortung

Und die ugandischen Schülerinnen und Schüler hatten ihren Regensburger Besuchern trotz ihrer Armut einiges mitzugeben: Ihre ungekünstelte Begeisterungsfähigkeit, ihre Offenheit ihre Herzlichkeit und ihre Freude an der Musik. Ganz besonders berührt hat Graef das große Vertrauen, das ihnen entgegengebracht worden sei. Aber: „Dieses Vertrauen schafft auch Verantwortung.“ Deshalb würde er gerne die angestrebte Schulpartnerschaft weiter voranbringen. Doch um solch ein Projekt weiterzuführen und einen regelmäßigen Austausch zu gewährleisten, sei Geld notwendig. Hier hofft er auf die Spendenbereitschaft der Regensburgerinnen und Regensburger, um zumindest die Reisekosten zu finanzieren (siehe Infokasten rechts).

Text: Dagmar Obermeier-Kundel
9. Januar 2019