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40 Jahre Seniorenbeirat - "Sprachrohr der Generation Silber"

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Petra Frauenstein, die stellvertretende Leiterin des Seniorenamts, Josef Mös, Vorsitzender des Seniorenbeirats und Rupert Karl vom Seniorenbeirat © Stadt Regensburg,Dagmar Obermeier-Kundel

Seniorenbeirat - Seit 40 Jahren Sprachrohr der "Generation Silber"

Im Februar 2019 kann der Seniorenbeirat der Stadt Regensburg sein 40-jähriges Jubiläum feiern. Seither ist er das Sprachrohr der älteren Generation. Er ermittelt, wo Menschen im Rentenalter der Schuh drückt, welche Wünsche und Erwartungen an ein erfülltes letztes Lebensdrittel bestehen, wie die Seniorinnen und Senioren durch die Politik noch besser in der Phase jenseits der Berufstätigkeit unterstützt werden können, und berät in allen Lebenslagen.

Der erste Anstoß, auch in Regensburg einen Seniorenbeirat zu gründen, kam bereits im Jahr 1975 von Stadträtin Hildegard Anke. Ihr Antrag auf Gründung eines eigenen Gremiums für die ältere Generation wurde zunächst allerdings abschlägig beschieden, denn Beiräte, die den Seniorinnen und Senioren ein erweitertes Mitspracherecht in der Kommunalpolitik gewährleisten sollten, waren damals – auch bundesweit – noch eine Seltenheit. Das Bewusstsein, dass Menschen jenseits der 60 noch längst nicht zum alten Eisen gehören, dass sie über Potenziale verfügen, die es wert sind, ausgeschöpft zu werden, und dass sie ein Recht auf Vertretung ihrer Interessen haben, musste auch in der Gesellschaft erst wachsen. Deshalb gelang es erst im November 1978 dem damaligen dritten Bürgermeister Alfred Hofmaier, eine Stadtrats-Mehrheit für die Einrichtung eines Seniorenbeirats zu gewinnen.

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Der erste Vorsitzende des Seniorenbeirats, Josef Burgau, bei einem Beratungsgespräch im Jahr 1979 © Bilddokumentation Stadt Regensburg

Schreibmaschine und Kohlepapier

 

Die konstituierende Sitzung mit der Wahl der Mitglieder fand am 8. Februar 1979 im Alten Rathaus statt. Gründungsvorsitzender war Josef Burgau. Seine erste Geschäftsstelle eröffnete der Beirat im Altenheim „Rosenwirtsgarten“ im Minoritenweg 20. Genau vermerkt ist die Ausstattung des Büros in den Gründungsakten: Ein Tisch mit Stühlen wurde angeliefert, dazu diverses Büromaterial, wie beispielsweise eine Schreibmaschine und Kohlepapier für Durchschläge. Doch auch mit diesen bescheidenen Mitteln war die Grundlage für eine Erfolgsstory gelegt.

 

Bereits 1981 konnte der Seniorenbeirat in neue Räumlichkeiten, diesmal im Thon-Dittmer-Palais, umziehen. In diesem Jahr erfolgte auch der Beitritt in die Landesseniorenvertretung Bayern.

Beratung in allen Lebenslagen

 

Der Seniorenbeirat als Vertreter der Interessen älterer Menschen ist unabhängig von Partei-, Verbands- oder Konfessionszugehörigkeiten. Er berät in allen Lebenslagen, kümmert sich um spezielle Anliegen und nimmt Anregungen und Kritik entgegen, die er – je nach Möglichkeit – entweder selbst bearbeitet oder an die zuständigen Stellen weiterleitet. Im Fokus seines Handelns steht stets eine seniorengerechte Infrastruktur. Wo hier noch Bedarf besteht, wird auch bei Ortsterminen in den Stadtteilen ermittelt, erzählt Josef Mös, seit 2005 Vorsitzender des Seniorenbeirats. Gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern könne so festgestellt werden, wo beispielsweise Sitzgelegenheiten fehlen, wo Bushaltestellen überdacht werden sollten, ob Einkaufsgelegenheiten auch von Gehbehinderten zu erreichen sind oder wo eine zusätzliche Beleuchtung für mehr Sicherheit sorgen könnte. Aktuell, so Mös, laufe gerade in Kooperation mit der Verkehrswacht ein Projekt für ein spezielles Verkehrssicherheitstraining für Seniorinnen und Senioren.

 

Unterschiedliche Informationsveranstaltungen oder Delegiertenfahrten sowie ein reger Austausch mit den Partnerstädten Pilsen, Brixen und Budavár gehören ebenfalls zum Angebot des Seniorenbeirats.

 

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Vorsitzender Josef Mös bei einer Sitzung des Seniorenbeirats © Bilddokumentation Stadt Regensburg

Interessenvertretung für Pflegebedürftige und ihre Angehörigen

 

Immer hat der Beirat die Interessen der älteren Bürgerinnen und Bürger im Auge, die stark gesundheitlich eingeschränkt sind und möglicherweise nicht mehr für ihre Belange einstehen können. Er ist Ansprechpartner für den Stadtrat, die Stadtverwaltung und alle sozialen Verbände und Einrichtungen.

 

Geschäftsführende Stelle ist das Seniorenamt der Stadt Regensburg. Alle vier Jahre wählen die Delegierten der Regensburger Altenclubs aus ihren Reihen sechs Vertreterinnen und Vertreter. Hinzu kommen weitere sechs Vertreter aus Vereinen und Verbänden, und zwar aus dem Bayerischen Landessportverband e.V., der Seniorenbegegnungsstätte im Gustav-Adolf-Wiener-Haus des Diakonischen Werks Regensburg e.V., dem Treffpunkt Seniorenbüro der Stadt Regensburg, dem Kreisverband Regensburg des VdK, dem Förderverein zur Unterstützung des Seniorenbeirats der Stadt Regensburg e.V. sowie der stationären Altenhilfe, die von den jeweiligen Institutionen ernannt werden.

 

Dem demografischen Wandel gerecht werden

 

Petra Frauenstein, die stellvertretende Leiterin des städtischen Seniorenamts, ergänzt als beratendes Mitglied den Beirat und vertritt die geschäftsführende Stelle bei der Stadt Regensburg. Ihr ist es wichtig zu betonen, dass sich in den vergangenen 40 Jahren nicht nur die Bevölkerungsstruktur verändert hat, sondern auch die Herausforderungen an die Gesellschaft, schließlich sind laut Statistischem Bundesamt heute bereits rund 21 Prozent der Bundesdeutschen 65 Jahre und älter. Und die Tendenz ist steigend. Dies sieht auch Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer so: „Ältere Menschen sind heute gesünder, fitter, leistungsfähiger und engagierter als frühere Generationen. Wir müssen diese Potenziale nutzen und gesellschaftliche Teilhabe ermöglichen. Gleichzeitig gibt es aber auch viele Seniorinnen und Senioren, die einen hohen Unterstützungsbedarf haben. Darauf müssen wir uns einstellen, auch in Hinblick darauf, dass meist ein selbstbestimmtes Leben in einer vertrauten Umgebung gewünscht wird. Der Seniorenbeirat ist ein wichtiges Instrument, die Bedürfnisse unserer älteren Mitbürgerinnen und Mitbürger zu eruieren und gemeinsam nach Möglichkeiten zu suchen, dem demografischen Wandel unserer Gesellschaft auch in Zukunft gerecht zu werden.“

Text: Dagmar Obermeier-Kundel

9. Januar 2019