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Sonderausstellung: Die Spuren von Jahrtausenden – 25 Jahre archäologische Großgrabung Burgweinting

Im Stadtteil Burgweinting finden seit 25 Jahren umfangreiche archäologische Grabungen und Forschungen statt. Ab sofort bis Juni 2020 werden die spektakulären Funde im Historischen Museum gezeigt.

25 Jahre archäologische Großgrabung Burgweinting - Glasgefäße
Glasgefäße aus der Römerzeit © Museen der Stadt Regensburg

21. September 2019

Im Nordwesten des Regensburger Stadtteils Burgweinting finden seit 25 Jahren umfangreiche archäologische Grabungen und Forschungen statt. Aus Anlass des Jubiläums werden die spektakulären Funde ab sofort bis Juni 2020 in einer großen Ausstellung im Historischen Museum gezeigt. Auf einer Fläche von über 450 Quadratmetern werden in 37 Vitrinen etwa 1 000 Einzelstücke präsentiert; hinzu kommt modernste Multimedia-Technik mit mehreren 3D-Rekonstruktionen. So werden die verschiedenen Zeitebenen der Vergangenheit wieder lebendig und auch für Laien anschaulich.

Die Zahlen können sich sehen lassen: 66 Hektar zusammenhängende Ausgrabungsfläche – die größte Flächengrabung Süddeutschlands. Funde aus einem Zeitraum von über 4 000 Jahren – von der Jungsteinzeit bis ins frühe Mittelalter. Objekte, die insgesamt mehr als 550 Kisten füllen. Das ist die Bilanz von 25 Jahren Arbeit der Archäologen in Burgweinting. Seit 1994 sind sie im Einsatz – zunächst unter der Leitung des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege, später dann der Stadt Regensburg. Renommierte Grabungsfirmen wie ArcTron, Archaios und Arcteam sowie Wissenschaftler und Studenten der Universitäten Regensburg und Osnabrück waren daran beteiligt.

Die Fülle der Befunde und Funde, die im Lauf der Jahre zu Tage traten, war unerwartet. Zu Beginn der Ausgrabungen war nur wenig Konkretes über die vor- und frühgeschichtliche Besiedlung des Areals bekannt. Was man wusste: Hier hatten sich schon vor 7 500 Jahren Ackerbauern niedergelassen. Grabstätten aus der Bronze- und Eisenzeit, Siedlungen von Kelten und Römern waren aus Einzelfunden bekannt.

25 Jahre archäologische Großgrabung Burgweinting - Ausgrabung
Ausgrabung eines römerzeitlichen Fassbrunnens 2012 © Arcteam GmbH, Regensburg

Doch erst über die kontinuierliche Freilegung großer Flächen konnte man belastbare quantitative und qualitative Erkenntnisse gewinnen. Der fruchtbare Lössboden in Kombination mit dem Wasserlauf des Aubachs zog über Jahrtausende die Menschen an. Siedlungsspuren lassen sich bis in die Jungsteinzeit zurückverfolgen. In der frühen Bronzezeit existierte bereits ein größeres Dorf mit Langhäusern und einem Gräberfeld. Es gab Phasen mit kleineren Siedlungen; in anderen Zeiten muss ein Dorf über hundert Gebäude umfasst haben. Zwischen der Zeit der Kelten und der der Römer zeichnet sich eine größere Unterbrechung der Besiedlung ab. Die Römer legten dann vier Gutshöfe mit einer Vielzahl von Brunnen an; mit den landwirtschaftlichen Produkten der Höfe wurden die Soldaten im Legionslager Castra Regina versorgt. Nach dem Abzug der Römer entstanden mehrere germanische Gräberfelder. Die dort bestatteten Bajuwaren dürften in enger Beziehung zum Herzogshaus der Agilolfinger gestanden haben, das in Regensburg, der frühmittelalterlichen Hauptstadt von Bayern, residierte. Denn ein Teil der Gräber war sehr reich ausgestattet.

Das Gesamtbild ergibt, dass es sich bei der Gegend um eine der bedeutendsten frühen Kulturlandschaften Bayerns gehandelt haben muss. Dazu passen die zum Teil spektakulären Fundstücke, die zutage traten, zum Beispiel eine bronzezeitliche Zierscheibe aus Gold,eine Goldscheibenfibel mit Kreuzmotiv oder ein komplett erhaltenes Trinkglas aus dem ostgotischen Italien.

Mit der archäologischen Erschließung einer Fläche nördlich der Franz-Josef-Strauß-Allee – unter anderem im Bereich des seit kurzem in Bau befindlichen Zentraldepots der Stadt Regensburg und der Diözese Regensburg – fanden die Ausgrabungen im Jahr 2017 ihren vorläufigen Endpunkt. Doch damit ist die wissenschaftliche Arbeit noch lange nicht getan. Dissertationen, Abschlussarbeiten und Fachartikel versuchen, die Funde einzuordnen und auszuwerten – ein Prozess, der auch in den nächsten Jahren weitergehen wird.

Um die spannenden Erkenntnisse der Fachleute einer größeren Öffentlichkeit vorzustellen, hat das Historischen Museum Regensburg über Jahre hinweg eine große Sonderausstellung vorbereitet. Unter der Projektführung von Dr. Andreas Boos, Leiter der archäologischen Abteilung im Museum, hat – zusammen mit der archäologischen Restaurierung – ein dreiköpfiges Team ganze Arbeit geleistet. Zu ihm gehören der langjährige Leiter der Ausgrabungen Dr. Joachim Zuber, der seine Dissertation über die letzte bronzezeitliche Siedlung in Burgweinting verfasst hat, die Prähistorikerin Gertraud Wolf M.A., die unter anderem mit der grafischen Aufarbeitung des Fundmaterials betraut war, und der provinzialrömische Archäologe Maximilian Ontrup M.A., der sich in seiner Masterarbeit mit einem der vier römischen Gutshöfe beschäftigt hat.

Die erfolgreiche Eröffnung am 20. September und die ersten Reaktionen der Besucher haben den Ausstellungsmachern gezeigt, dass ihre lange, mühsame Kleinarbeit sich gelohnt hat. Diese Bestätigung ist wichtig – denn es bleibt auch für die Zukunft viel zu tun. Das Team ist kontinuierlich mit der wissenschaftlichen Aufarbeitung weiterer Großgrabungen im Regensburger Raum betraut. Dazu gehören zum Beispiel auch die beiden mehrjährigen Ausgrabungen am Donaumarkt und am Dörnberg-Areal. Diese Projekte werden die Wissenschaftler noch auf Jahre hinaus beschäftigen.

Für die Besucherinnen und Besucher dokumentiert die Burgweinting-Ausstellung sehr eindrucksvoll, welche Ergebnisse die Arbeit der Archäologen für unser Wissen über die Stadt Regensburg hervorbringt: neue und überraschende „Spuren von Jahrtausenden“. Sie sind es auf jeden Fall wert, dass man ihnen nachgeht.

Text: Matthias Freitag und Maximilian Ontrup