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Regensburger Klima im Wandel der Zeit

Laue Temperaturen am Weihnachtsfest gefolgt von Blitzeis zum neuen Jahr, brütend heiße Sommertage, Starkregen, … das Wetter hält uns auf Trab, das Klima verändert sich. Spuren davon lassen sich auch in der Regensburger Altstadt und in der Stadtgeschichte finden

Stadtwissen - Klima im Wandel der Zeit - Baumburger Turm

16. Juni 2019

Sehen und gesehen werden im Mittelalter

Heute versucht man, Gebäude möglichst gut zu isolieren, um Wärmeverlust zu vermeiden. Als es in unseren Gefilden noch wärmer war, war der Fokus eher anders. Loggien standen zum Beispiel im Mittelalter hoch im Kurs. Da konnte man sich in geselliger Runde in die Sonne setzen, das Geschehen vor dem eigenen Haus beobachten und die Passanten je nach Belieben grüßen. Oder man nutzte den Platz, um den Kunden seine Waren zu präsentieren.

So oder so, im Mittelalter gehörten Loggien gerade an den Häusern der Wohlhabenderen zum Regensburger Stadtbild dazu. Heute entdecken wir sie seltener oder wir können sie nur noch erahnen, denn man mauerte sie vielfach zu. Da das Klima im Laufe der Jahrhunderte in Regensburg abkühlte, brachten die Loggien nämlich bald vor allem eines: massiven Wärmeverlust in der guten Stube. Erhalten geblieben ist eine Loggia beispielsweise am Baumburger Turm am Watmarkt.

Bayerwein – das Trend-Getränk

Nicht nur die Loggien sind verschwunden, auch viele Weinberge gehören der Vergangenheit an. Oder können Sie sich vorstellen, dass einst die Hänge des Dreifaltigkeitsberges mit Wein bebaut waren? Oder der Keilsteiner Hang? Das ganze Mittelalter hindurch war das der Fall. Und das Ergebnis der Ernte, der Baierwein, war entsprechend das Getränk der Stunde.

Man geht davon aus, dass bereits die Römer, als sie sich an der Donau niederließen, Wein anbauten. Und zwar nicht nur, weil ihnen der Transport der edlen Tropfen über die Alpen zu umständlich war, sondern auch, weil zur damaligen Zeit hervorragende klimatische Bedingungen für den Weinanbau vorgeherrscht haben mussten.

Klimatische Veränderungen waren es dann auch, die zu einem Rückgang des Weinanbaus führten. Im 17. Jahrhundert wurden dann im Dreißigjährigen Krieg die Weinberge stark verwüstet. Gleichzeitig war das Bier in Bayern auf dem Vormarsch.

Aber ganz ist der Wein aus Regensburg nicht verschwunden. Im Stadtteil Winzer hat die Stadtverwaltung Regensburg einen rund 6 000 Quadratmeter großen Weinberg. Dort wird bis heute die Trauben für den Stadtwein „Salutaris“ geerntet, der bei Empfängen der Stadt serviert und Regensburgerinnen und Regensburgern ab ihrem 90. Geburtstag geschenkt wird.

Das Klima wird sich weiter verändern und auch Regensburg muss darauf reagieren. Deshalb gibt es in der Stadtverwaltung zum Beispiel eine Klimaresilienz-Managerin, die sich mit den Auswirkungen des Klimawandels auf die Stadt beschäftigt und nach möglichen Lösungen sucht.

Text: Sonja Jäger