Tanzen und Taumeln. Die 1950er-Jahre in Regensburg
Neue Sonderausstellung im Historischen Museum startet am 3. Oktober 2026
Wie erlebten die Menschen in Regensburg die 1950er-Jahre? Zwischen wirtschaftlichem Aufschwung, gesellschaftlichem Aufbruch und dem schwierigen Umgang mit der NS-Vergangenheit entstand eine Zeit voller Widersprüche. Die neue Sonderausstellung „Tanzen und Taumeln. Die 1950er-Jahre in Regensburg“ im Historischen Museum Regensburg beleuchtet diese spannende Epoche aus unterschiedlichen Perspektiven. Am Samstag, 3. Oktober 2026, öffnet die Ausstellung ihre Türen.
Die 1950er-Jahre in der Bundesrepublik Deutschland waren eine Zeit zwischen Wiederaufbau, wirtschaftlichem Aufbruch und gesellschaftlicher Verdrängung. Nach den Entbehrungen des Zweiten Weltkriegs stiegen Wohlstand und Lebensstandard, neue Arbeitsplätze entstanden und das sogenannte Wirtschaftswunder prägte das Lebensgefühl einer ganzen Generation. Gleichzeitig herrschten weiterhin traditionelle Rollenbilder und die Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit wurde vielfach verdrängt.
Auch Regensburg befand sich in den 1950er-Jahren im Aufbruch. Die historische Altstadt war im Zweiten Weltkrieg vergleichsweise gut erhalten geblieben. Dennoch stand die Stadt vor großen Herausforderungen: Tausende Wohnungen fehlten für die einheimische Bevölkerung sowie für Flüchtlinge und Vertriebene. Neue Wohnsiedlungen, etwa im Hohen Kreuz, entstanden. Unternehmen wie Siemens siedelten sich in Regensburg an und schufen neue Arbeitsplätze.
Zwischen Wiederaufbau und moderner Stadt
Anders als in vielen deutschen Städten musste Regensburg seine historische Altstadt nach dem Krieg nicht wiederaufbauen. Die Frage war vielmehr, wie sich die mittelalterlich geprägte Stadt an die Anforderungen einer modernen Gesellschaft anpassen sollte.
Viele historische Gebäude waren in einem schlechten baulichen Zustand. Zahlreiche Menschen lebten auf engem Raum und unter einfachen Bedingungen. Während einige Gebäude sorgfältig instandgesetzt wurden, mussten andere Umbauten oder Abrisse hinnehmen. Historische Bausubstanz wurde vielfach als unpraktisch oder überholt betrachtet.
Erst in den folgenden Jahrzehnten setzte sich zunehmend die Erkenntnis durch, dass gerade die weitgehend geschlossene historische Altstadt ein schützenswertes Erbe darstellt. Museumsleiter Dr. Sebastian Karnatz betont: „In den 1950er-Jahren wurden im Umgang mit der Altstadt die Grundlagen für die spätere Aufnahme Regensburgs in das Welterbe der UNESCO gelegt.“
Kino, Dult und Milchpilz
Die 1950er-Jahre brachten auch neue Orte und Formen der Freizeitgestaltung. Der Milchpilz-Kiosk an der Fürst-Anselm-Allee oder das Gloria-Kino wurden zu beliebten Treffpunkten und spiegelten den Optimismus der Nachkriegszeit wider.
Mit wachsendem Wohlstand blieb den Menschen allmählich wieder mehr Geld und Freizeit übrig. Kino, Tanzlokale, Biergärten und Wirtshäuser gehörten ebenso zum Freizeitangebot wie Ausflüge an die Donau. Ein Höhepunkt im Jahreslauf war – damals wie heute – die Regensburger Dult. Fahrgeschäfte, Bierzelte, Musik und Marktstände zogen Besucherinnen und Besucher aus der gesamten Region an.
Das wichtigste Unterhaltungsmedium war zunächst das Radio. Gegen Ende des Jahrzehnts hielten auch die ersten Fernsehgeräte Einzug in Regensburger Haushalte. Da sich nur wenige Familien ein eigenes Gerät leisten konnten, traf man sich bei Nachbarn oder in Gaststätten, um gemeinsam die neuen Fernsehsendungen zu verfolgen.
Eine Ausstellung zwischen Restauration und Aufbruch
Die Gesellschaft der 1950er-Jahre bewegte sich zwischen Restauration und Aufbruch. Genau diese Spannungsfelder nimmt die große Sonderausstellung „Tanzen und Taumeln. Regensburg in den 1950er-Jahren“ im Historischen Museum Regensburg in den Blick.
Die Ausstellung möchte dabei nicht nur die vermeintlichen Segnungen des Wirtschaftswunders zeigen. Sie thematisiert ebenso den schwierigen Umgang mit dem gesellschaftlichen und politischen Erbe des Nationalsozialismus und fragt danach, wie die Menschen in Regensburg mit den Erfahrungen der jüngsten Vergangenheit umgingen.
Weit über 100 Objekte aus den Sammlungen der Museen der Stadt Regensburg werden durch Leihgaben des Museums für Konkrete Kunst in Ingolstadt sowie durch zahlreiche Privatleihgaben ergänzt. Sie eröffnen unterschiedliche Zugänge zu einer Zeit, die von tiefgreifenden Veränderungen geprägt war.
Kulturreferent Wolfgang Dersch freut sich besonders über die vielfältigen Perspektiven der Ausstellung: „Die Schau zeigt eindrucksvoll, dass die Bestände des Historischen Museums weit mehr Zugänge zum Erbe der Stadt ermöglichen, als die derzeitige Dauerausstellung vermuten lässt. Sie ist nicht zuletzt auch ein Schritt hin zu einem zeitgemäßen Stadtmuseum für Regensburg.“
Eine Ausstellung zum Sehen, Hören und Tanzen
Die 1950er-Jahre werden in der Ausstellung nicht nur über historische Fotografien, Dokumente und Objekte erfahrbar. Auch die Kultur und das Lebensgefühl der Zeit spielen eine wichtige Rolle. Entsprechend dem Titel der Ausstellung darf und soll nicht nur geschaut, sondern auch gehört und getanzt werden.
„Tanzen und Taumeln. Regensburg in den 1950er-Jahren“ lädt dazu ein, eine Epoche neu zu entdecken, in der Aufbruch und Verdrängung, Modernisierung und Tradition eng miteinander verbunden waren.
Alle Informationen zur Ausstellung auf einen Blick
Die Sonderausstellung „Tanzen und Taumeln. Die 1950er-Jahre in Regensburg“ ist vom 3. Oktober 2026 bis 4. April 2027 im Historischen Museum Regensburg zu sehen.
Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag, jeweils 10 bis 16 Uhr (reguläre Öffnungszeiten des Historischen Museums).
Der Eintritt zur Sonderausstellung ist im regulären Eintrittspreis für das Historische Museum enthalten. Jeden ersten Sonntag im Monat ist der Eintritt in das Museum kostenfrei.
Weitere Informationen zur Ausstellung und zum Historischen Museum unter www.regensburg.de/museen
29. September 2026


