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Regenbogenempfang

- Es gilt das gesprochene Wort -

Rede von Oberbürgermeister  Dr. Thomas Burger anlässlich des Regenbogenempfangs 2026 am 3. Juli 2026 im Historischen Reichssaal in Regensburg


Liebe Anwesende,
liebe queere Community, 

liebe Henny Engels, 
liebe Meike Harms,

liebe Freundinnen und Freunde einer offenen Stadtgesellschaft, 

wenn ich an den Regenbogen denke, denke ich an ein Lied: „Somewhere over the Rainbow …“

Der Hawaiianer „Iz“ (gesprochen: „Iss“) sang 1990 von einem Ort jenseits der Wolken, an dem jeder Mensch so sein darf, wie er ist. 

Die andere Geschichte über den Regenbogen erzählt Judy Garland.  Sie singt „Over the Rainbow“ 1939 in „Der Zauberer von Oz“. 
In diesem Film spielt Judy Garland die Waise Dorothy, die ohne Vorbehalt eine Reihe von Außenseitern um sich versammelt, darunter einen Löwen, der nicht gerade den Eigenschaften entspricht, die oft mit Löwen verbunden werden – wie männliche Stärke und Furchtlosigkeit –, und der sich selbst als „Sissy“ bezeichnet. 

In einer Zeit, in der Homosexualität verboten war, wird „Over the Rainbow“ zur Hymne der Homosexuellenszene und der Begriff „Friend of Dorothy“ zu ihrem geheimen Code. 

Heute haben viele Länder die so genannten Homosexuellenparagrafen aus ihren Gesetzbüchern gestrichen. Trotzdem kämpfen nach wie vor viele Menschen um Sichtbarkeit und die Anerkennung ihrer Identität – sei es aufgrund ihrer sexuellen Orientierung oder ihrer Geschlechtsidentität.   

Genau für diese Sichtbarkeit steht der Regenbogen. Er ist das starke Symbol für Respekt, für gleiche Rechte, für ein Leben ohne Angst und Verfolgung. 

Der Regenbogen erinnert daran, dass Engagement und Haltung notwendig sind, um Diskriminierung wirksam zu sanktionieren und Diversität zu leben. 

Als Stadt bekennen wir uns zur Vielfalt. Sie ist Teil unseres Selbstverständnisses. Vor genau fünf Jahren, im Juli 2021, hat sich die Stadt Regensburg offiziell zur Umsetzung der 17 Nachhaltigkeitsziele der UN verpflichtet. 

„Weniger Ungleichheiten“ lautet das Ziel 10 der Nachhaltigkeits-Agenda. Im Detail bedeutet das, Einkommensungleichheiten zu reduzieren und die Teilhabe aller Menschen unabhängig von Alter, Geschlecht, sexueller Orientierung, Herkunft, Religion oder Behinderung zu gewährleisten. 

Mit den UN-Nachhaltigkeitszielen verfolgen wir einen ganzheitlichen Nachhaltigkeitsbegriff. Die nachhaltige Stadt ist gerecht, offen und inklusiv. 

Auch wenn die genannten Ziele Teil der Nachhaltigkeitsagenda der Vereinten Nationen sind, also global gedacht, beginnt echte Teilhabe in der Stadt: in der Nachbarschaft, auf der Straße, im Zug oder im Supermarkt, im Alltag, am Arbeitsplatz oder in Behörden.

Die Qualität einer inklusiven Stadt wird dort deutlich, wo sich ihre Gesellschaft um Minderheiten kümmert, 

  • um junge Menschen, die Orientierung suchen
  • um ältere Menschen, deren Geschichte zu lange unsichtbar war,
  • oder um queere Menschen, die Sicherheit brauchen. 

Und manchmal geht es auch um sehr praktische Dinge, wie Schutzräume oder Beratungsstellen. In Regensburg entsteht mit „Queer Support Oberpfalz“ gerade eine solche Beratungsstelle. Profamilia baut sie in Kooperation mit Queeres Regensburg auf, gefördert durch das Bayerische Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales. Ein bedeutendes Projekt für unsere Region, für das wir sehr dankbar sind. 

Ich danke an dieser Stelle allen Initiativen und Vereinen, die sich in Regensburg um Sichtbarkeit, Freizeitaktivitäten und Beratung der queeren Community kümmern. Mit ihren vielen kleinen und großen Projekten treten Sie tagtäglich für die Vielfalt in unserer Stadt ein. 

Es ist wichtig, diese Vielfalt sichtbar zu machen – so wie heute mit diesem Empfang und morgen mit der Demonstration zum Christopher Street Day. Unsere Stadt braucht Menschen, die Vielfalt leben und solche, die dafür sensibilisieren, Diskriminierung frühzeitig zu erkennen. So ein Mensch ist Henny Engels. 

Herzlich willkommen, Henny Engels, als Gastrednerin an diesem Abend, herzlich willkommen, als Vorsitzende des Beirats der Antidiskriminierungsstelle des Bundes sowie langjähriges Mitglied im Bundesvorstand des LSVD+-Verbandes Queere Vielfalt e.V. 

Henny Engels verbindet in ihrer Arbeit analytische Klarheit mit persönlicher Tiefe. Sie spricht Diskriminierung konkret an. Als Katholikin streitet sie leidenschaftlich für die Rechte der LGBTIQ+-Community.  

Liebe Henny Engels, danke, dass Sie nach Regensburg gekommen sind. Ich freue mich sehr auf Ihre Rede.

Ebenso freue ich mich auf die Bühnenpoetin Meike Harms. Kunst vermittelt, was Menschen bewegt, mal sarkastisch überspitzt, mal augenzwinkernd, mal humorig verpackt. 

Meike Harms ist Poetry-Slammerin und Poesiepädagogin. Sie verbindet Poetisches mit Politik, pointiert das Gesellschaftliche und lässt uns staunen über einen unglaublich virtuosen Umgang mit Sprache. 2014 war Meike Harms Bayerische Slam-Meisterin, 2023 deutschsprachige Vizemeisterin im Poetry Slam. 

Meike Harms weiß, wie Worte wirken und ist überzeugt: „Vor Poesie sind alle gleich.“ 

Liebe Meike Harms, ich bin sehr gespannt auf Ihren Auftritt. 

Liebes Publikum, der Regenbogen erinnert uns daran, dass Vielfalt eine große Chance ist: 

  • die Chance, voneinander und miteinander zu lernen,
  • die Chance, andere Perspektiven einzunehmen  
  • und die Chance, unsere Gesellschaft menschlicher zu gestalten. 

Wenn wir heute hier zusammenkommen, dann bekräftigen wir dadurch auch: 

Wir stehen füreinander ein, 

  • für Würde
  • für Respekt
  • und für das Recht aller Menschen, so zu leben, wie sie sind.

Der Ort, den „Somewhere over the Rainbow“ besingt, ist kein Traumland.  Dieses Land ist unser Land. Auf uns kommt es an, auf unser Handeln, und unsere Haltung. 

Lassen Sie uns dieses Land gestalten. Lassen Sie uns unsere Stadt gestalten.

Ich freue mich darauf und übergebe das Wort jetzt an Henny Engels. 

Vielen Dank.