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Einweihung Chancenhaus

- Es gilt das gesprochene Wort -

Rede von Oberbürgermeister Dr. Thomas Burger anlässlich der Einweihung des Chancenhauses am Montag, 29. Juni 2026

Anrede,

die wichtigsten Orte einer Stadt sind dort, wo Menschen neue Perspektiven finden. Das Chancenhaus ist ein solcher Ort. Es bietet Raum für Zuversicht, für Unterstützung und für neue Wege. Es ist ein Ort, der Menschen – insbesondere Familien – in schwierigen Lebenslagen dabei hilft, wieder Fuß zu fassen und ihre Zukunft selbstbestimmt zu gestalten.

Der Standort für diesen Neubau wurde bewusst dafür ausgewählt. Er bietet wichtige Voraussetzungen für den Alltag der Familien, die hier vorübergehend leben werden: Bushaltestellen, eine Grundschule, ein Kinderspielplatz sowie Einkaufsmöglichkeiten befinden sich in unmittelbarer Nähe. 

Der Aufenthalt im Chancenhaus soll dabei stets eine Brücke in ein eigenständiges Leben sein: Die Familien sollen nach einer erfolgreichen Übergangszeit wieder in ein reguläres Mietverhältnis wechseln. Mit dieser Einrichtung wird eine Chance auf Integration, Teilhabe und einen gelungenen Neustart geschaffen.

Auch die Architektur und die Bauweise des Hauses folgen einem klaren Leitgedanken: Funktionalität, Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung sollen hier eine Einheit bilden. Entstanden ist ein schlichter viergeschossiger Holzhybridbau mit Holzfassade und Satteldach. Damit fügt sich das Gebäude harmonisch in die bestehende Umgebung ein und vermittelt trotz seiner Größe einen freundlichen und einladenden Eindruck. 

Das Haus zeigt, dass soziale Verantwortung und durchdachte Architektur durchaus Hand in Hand gehen können: Auch bei der Konstruktion wurde auf eine zukunftsweisende und nachhaltige Bauweise gesetzt. Zum Einsatz kommen tragende Stahlbetonfertigteile für die Treppenräume und Nasszellen sowie massive Brettsperrholzelemente für die übrige Tragstruktur. 

Besonderen Wert wurde auf Langlebigkeit und Alltagstauglichkeit gelegt. Robuste, sichtbar belassene Oberflächen, strapazierfähige Bodenbeläge aus Linoleum sowie pflegeleichte Materialien sorgen dafür, dass das Gebäude den Anforderungen einer intensiven Nutzung dauerhaft gerecht wird.

Gleichzeitig wird auch ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz geleistet. Eine moderne Wärmepumpe, eine Photovoltaikanlage auf dem Dach und der konsequente Einsatz von Holz als Hauptbaustoff schaffen die Grundlage für eine sehr gute Energiebilanz und eine positive CO₂-Bilanz des Gebäudes.

Das Chancenhaus wird künftig bis zu 100 Menschen aufnehmen können. Das Gebäude besteht aus gleich großen Wohnmodulen, die zu Wohneinheiten von zwei bis vier Zimmern zusammengeschaltet sind und je nach Familiengröße flexibel zugewiesen werden können. Jede Familie erhält ihren eigenen Bereich und eine fest zugewiesene Einheit in den Gemeinschaftsküchen, für deren Pflege und Ordnung sie selbst verantwortlich ist.

Im Erdgeschoss entstehen Büroräume für die Sozialbetreuung sowie ein vom Foyer abtrennbarer Multifunktionsraum, der Raum für Begegnung, Beratung und gemeinschaftliche Veranstaltungen bietet.

Die Bewohnerinnen und Bewohner lernen, welche Rechte und Pflichten mit einem Mietverhältnis verbunden sind und welche Voraussetzungen für eine erfolgreiche Wohnungssuche auf dem regulären Wohnungsmarkt erfüllt werden müssen.

Begleitet wird dieser Prozess durch hauswirtschaftliche Coachings, Beratungsangebote und Freizeitaktivitäten. Pädagogisch geschulte Fachkräfte stehen den Bewohnerinnen und Bewohnern als feste Ansprechpartner zur Seite – bei allen Fragen rund um das Wohnen, bei Behördengängen und Anträgen, aber auch bei der Unterstützung von Kindern und Familien. Gleichzeitig wird eine enge Zusammenarbeit mit den bestehenden Angeboten der Jugendhilfe sichergestellt.

Idealerweise leben Familien und Alleinerziehende für maximal ein Jahr im Chancenhaus, bevor sie den Schritt in eine eigene Mietwohnung schaffen. 

Dass wir dieses Vorhaben so erfolgreich in die Tat umsetzen konnten, verdanken wir einer großartigen Teamleistung. Ein besonderer Dank gilt daher den beteiligten Ämtern der Stadtverwaltung, den Planungsbüros Diezinger Architekten und Tragraum Ingenieure, sämtlichen weiteren Fachplanern sowie dem beauftragten Generalunternehmer, der Fa. Züblin, für die zügige und professionelle Realisierung.

Die Gesamtkosten belaufen sich auf rund acht Millionen Euro. Dass wir hierbei sehr verantwortungsvoll mit den Ressourcen umgehen, beweist das städtische Amt für Hochbau, welches die Projektleitung selbst übernommen hat und dadurch spürbar Kosten einspart.

Mit dem Chancenhaus investieren wir in die Zukunft von Menschen. Es steht für Hilfe zur Selbsthilfe. Es verbindet Schutz und Geborgenheit mit Eigenverantwortung und Zukunftschancen – und gibt Menschen die Möglichkeit, wieder festen Boden unter den Füßen zu gewinnen.

Vielen Dank!