Verabschiedung der Stadtspitze und der ausscheidenden Stadtratsmitglieder
Rede von Bürgermeisterin Dr. Astrid Freudenstein anlässlich der Verabschiedung der Stadtspitze und der ausscheidenden Stadtratsmitglieder am 30. April 2026 um 16 Uhr im Historischen Reichssaal
- es gilt das gesprochene Wort -
(Anrede)
Ein Abschied ist immer eine Gelegenheit zurückzuschauen. Ich möchte das heute auch tun und Sie gedanklich mitnehmen ins Jahr 1996 – das Jahr, in dem unser Kollege Joachim Graf zum ersten Mal in den Stadtrat gewählt worden ist.
Der Stadtrat sah damals noch ganz anders aus als heute:
Gerade einmal sechs Parteien und Gruppierungen waren vertreten, und es gab eine klare Mehrheit einer Partei. Du, lieber Joachim Graf, warst als einziger ÖDP-ler schon so etwas wie ein Exot.
In der heute zu Ende gehenden Stadtratsperiode – Sie wissen es – hatten wir 12 Parteien und Gruppierungen, die sich zusammenraufen mussten. Entsprechend größer und lebhafter wurden die Ausschüsse, und auch die Sitzungen dauern heute deutlich länger als ich es noch aus meinen eigenen Anfängen im Stadtrat 2008 kenne.
Diese Vielfalt spiegelt gesellschaftliche Entwicklungen.
Regensburg hat sich verändert, auch was Einwohner und Gesellschaft betrifft. War unsere Stadt einst der größte Bundeswehr-Standort Bayerns, so leben wir heute in einer jungen Universitätsstadt. Es ist völlig normal, dass sich das auch in der Zusammensetzung des Stadtrats spiegelt.
Dazu kommt: Der Stadtrat wird zwar im landläufigen Sprachgebrauch manchmal als „Kommunal-Parlament“ bezeichnet. Er ist aber eigentlich kein Parlament.
Parlamente – wie der Bundestag oder der Landtag – beschließen Gesetze, sie bilden die Legislative.
Der Stadtrat dagegen ist ein Kollegialorgan, er ist Teil der kommunalen Selbstverwaltung, er gehört zur Exekutive.
In den Parlamenten ist es wichtig und erwünscht, die großen Linien zwischen den Parteien deutlich zu machen und gegeneinanderzustellen. Der Stadtrat hat diesen Auftrag nicht.
Unser Stadtrat ist und war über all die Jahre immer in der Lage, gute Entscheidungen für Regensburg zu treffen – die Entwicklung der letzten 30 Jahre zeigt das sehr deutlich.
Einige Beispiele (ohne Anspruch auf Vollständigkeit):
Wir besuchen heute ganz selbstverständlich das Haus der Bayerischen Geschichte am Donaumarkt, laufen oder radeln über die sanierte Steinerne Brücke oder treffen uns bei Spielen im neuen Jahnstadion oder in der Donau-Arena.
Auf den verschiedenen Geländen der ehemaligen Kasernen sind neue moderne Stadtquartiere geplant – mit viel Wohnraum und wegweisenden Ein-richtungen wie dem TechCampus, dem RUBINA oder dem Sportpark Ost …
Burgweinting hat sich zu einem Top-Standort in Regensburg entwickelt mit lebendigen Wohngebieten und großen Gewerbeansiedlungen …
… all das geht auf Entscheidungen zurück, die der Stadtrat getroffen hat – als gewählte Vertretung der Regensburgerinnen und Regensburger.
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
wir alle haben an diesen Entscheidungen mitgewirkt – der eine über drei Jahrzehnte, andere „nur“ ein oder zwei Amtsperioden.
Wir konnten dabei in all den 30 Jahren, auf die wir heute zurückblicken, auf die Unterstützung vieler Beteiligter zählen, bei denen ich mich an dieser Stelle im Namen des Stadtrats herzlich bedanken möchte:
Bei den Oberbürgermeistern a.D. Hans Schaidinger, Joachim Wolbergs und bei Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer.
Beim Zweiten Bürgermeister a.D. Gerhard Weber.
Bei den dritten Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern a.D., der 2023 verstorbenen Hildegard Anke, bei Petra Betz, bei Jürgen Huber und bei Bürgermeister Ludwig Artinger.
Bei den Referenten, Amtsleitern und allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Stadtverwaltung.
Und natürlich nicht zuletzt bei unseren Familien und Freunden, die oft auf uns verzichten mussten, aber unser Ehrenamt immer geduldig und verständnisvoll mitgetragen haben.
Die vergangene Stadtratsperiode war eine Besondere: Die Corona-Pandemie hat auch unsere Arbeit im Stadtrat geprägt: Statt im Neuen Rathaus fanden die Sitzungen anfangs im Marina-Forum statt, damit wir die Abstände einhalten konnten. Auch die gewohnten Treffen nach den Sitzungen, bei denen man sich auf persönlicher Ebene austauschen kann, waren zu Beginn nicht möglich.
Wir haben dabei gemerkt, wie entscheidend und unersetzbar der persönliche Kontakt ist – gerade in einem Kollegialorgan wie dem Stadtrat.
Und auch wenn wir im Nachhinein gesehen gemeinsam ganz gut durch diese Zeit gekommen sind, hoffe ich sehr, dass uns ähnliche Erfahrungen künftig erspart bleiben.
Ich wünsche allen Kolleginnen und Kollegen, die heute aus ihrem Ehrenamt ausscheiden, von Herzen alles Gute für die Zukunft. Ich hoffe – und bin davon überzeugt – Sie werden sich auch weiterhin an anderer Stelle in unsere Stadtgesellschaft einbringen.
Der neuen Stadtspitze und den Kolleginnen und Kollegen im neuen Stadtrat wünsche ich viel Erfolg und eine glückliche Hand für ihre Arbeit in den kommenden sechs Jahren – zum Wohle unserer Stadt und ihrer Bürgerinnen und Bürger.
Auch die Amtszeit der Oberbürgermeisterin geht heute zu Ende – und mir als „Nummer 2“ der scheidenden Stadtspitze kommt es zu, der scheidenden Oberbürgermeisterin, im Namen des Stadtrats, der Bürgermeister, der gesamten Verwaltung und der Regensburger Bürgerinnen und Bürger zu danken.
Wir sind 2008 gemeinsam in den Stadtrat gewählt worden und haben unter anderem im Schulausschuss zusammengearbeitet.
2014 wurdest Du zur Bürgermeisterin gewählt.
Wie Du dann 2017 von einem Tag auf den anderen die Amtsgeschäfte des Oberbürgermeisters mit übernommen hast – souverän und mit einer unglaublichen Ruhe in dieser wirklich schwierigen Situation – war beeindruckend.
Du hast das „Schiff Regensburg“ in den folgenden Jahren durch stürmische Zeiten gelenkt und dabei stets die Nerven behalten.
Ich wünsche Dir erfüllende, glückliche und vor allem gesunde Jahre als „Ruheständlerin“ mit Deiner Familie und Freunden, und darf Dir jetzt Deine Ruhestandsurkunde und Dein Abschiedsgeschenk überreichen: eine Tischskulptur aus Holz des Regensburger Künstlers Koloman Wagner.