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Stadtfreiheitstag 2017

- Es gilt das gesprochene Wort - 

Rede von Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer anlässlich des Stadtfreiheitstags 2017 am 18. November 2017 um 20 Uhr im Historischen Reichssaal


Anrede

Seit 1980 begeht Regensburg den Stadtfreiheitstag, der an ein entscheidendes Datum in unserer Stadtgeschichte erinnert. Am 10. November 1245 erhob Kaiser Friedrich II. mit dem Edikt von Pavia Regensburg in den Stand einer Freien Reichsstadt, die nur dem Kaiser unterstellt war. 

Friedrich II. gilt als derjenige Staufer, der die Nachwelt am meisten geprägt hat. Er war ein überaus gebildeter, vielseitig interessierter Herrscher, der zu seiner Zeit „Stupor mundi“ genannt wurde – das Staunen der Welt – oder auch „Immutator Mundi“ – der Verwandler der Welt. Die Überlieferung berichtet, dass Friedrich, der seinen Lebensmittelpunkt in Sizilien hatte, inmitten von arabischer, griechischer, jüdischer und deutscher Kultur aufwuchs und viele Sprachen beherrschte.

Rückhalt bei den deutschen Landesherrn sicherte er sich nicht etwa durch politischen Druck und militärische Macht, sondern durch das Verleihen umfassender Privilegien. Ein Teil dieser Privilegien reichte hinunter zu den großen Städten – und so wurden auch Regensburg ungeahnte Freiheiten zuteil. Das Edikt von Pavia war viel mehr als nur eine Fußnote in der Geschichtsschreibung unserer Stadt. 

Durch Friedrichs Wort gab es keine Leibeigenschaft mehr und keine Fremdbestimmung durch Baiernherzog und Bischof. Die Stadt konnte ihr Schicksal in die eigenen Hände nehmen, und so entwickelte sich Regensburg im Mittelalter zu einer der größten und wichtigsten deutschen Städte - mit weitverzweigten Handelsbeziehungen, die sich bis Kiew, Istanbul, Frankreich und England erstreckten.

In die Stadt zogen Offenheit und Internationalität ein – und auch das Wissen: Das Kloster Emmeram gehörte damals zu den großen Wissenszentren in Europa. Große Gelehrte – wie Albertus Magnus, Aventinus und Johannes Kepler wirkten in Regensburg. Die Rabbiner der Regensburger Talmudschule galten als Spitzengelehrte ihrer Zeit. Und schließlich kam von 1663 bis 1806 mit dem immerwährenden Reichstag die große deutsche und europäische Politik in unsere Stadt. Handel, Wissenschaft und dazu Politik von deutscher und sogar europäischer Dimension – für all das legte Friedrich II. den Grundstock mit den Freiheiten, die er Regensburg gewährte.

Mit dem Stadtfreiheitstag erinnern wir daran, was es insbesondere für eine Stadtgesellschaft bedeutet, frei zu sein. Wir erinnern daran, dass die Freiheit, in der wir heute so selbstverständlich leben, immer wieder in größte Gefahr geriet und nach diesen bitten Zeiten hart wiedererkämpft werden musste. Wir erinnern daran, dass es ohne umfassende Demokratie und ohne ein Rechtswesen, das sich an Gerechtigkeit orientiert, wahre Freiheit nicht gibt - und auch nicht ohne bestmögliche Bildungschancen. An den vielen Freiheiten, die uns Stadt heute im Großen wie im Kleinen bietet, hat die Universität Regensburg einen sehr wesentlichen Anteil.

Deswegen freut es mich auch sehr, dass die Stadt in diesem Jahr ein besonderes Jubiläum mitfeiern kann: Vor 50 Jahren hat an der Universität Regensburg der Vorlesungsbetrieb begonnen. Die Gründung dieser Hochschule und der Entschluss, ein Universitäts-Klinikum zu errichten, haben großen Anteil an der beachtlichen Entwicklung unserer Stadt. Deswegen nutze ich sehr gerne jede Gelegenheit deutlich zu machen, dass sich die gesamte Stadt der Universität und allen, die dort lernen, lehren und den Hochschulbetrieb organisieren, eng verbunden fühlt.

Bei der Vorbereitung dieses Stadtfreiheitstags haben wir die Leitung der Universität gebeten, uns bei der Wahl des diesjährigen Festredners mit ihrem Rat zu unterstützen. Es freut mich nun sehr, dass wir Professor Reinhard Zimmermann, Direktor am Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Privatrecht in Hamburg, dafür gewinnen konnten, den Festvortrag zu halten.

Und es freut mich zudem, dass die Uni-Jazzcombo die musikalische Begleitung dieses Abends übernimmt. Ich darf Ihnen die Musiker vorstellen: Am Piano Lorenz Kellhuber, Oliver Horeth am Bass und Nico Rödl am Schlagzeug. Herr Professor Zimmermann, im Namen der Stadt heiße ich Sie herzlich hier im Reichssaal willkommen, in dem deutsche und auch europäische Geschichte geschrieben worden ist. Zunächst aber dürfen wir uns auf ein weiteres Stück der Uni-Jazzcombo freuen - mit dem anregenden Titel „Body and Soul“.

Viel Vergnügen.