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Ersatztrasse Steinerne Brücke: Tunnel ist keine gangbare Lösung

Neue Machbarkeitsstudie bestätigt Einschätzungen der Stadt Regensburg

Seit der Sperrung der Steinernen Brücke wird im Rahmen der Diskussion über eine adäquate Ersatztrasse auch eine Tunnellösung in die Überlegungen mit einbezogen. Nun liegt die eigens in Auftrag gegebene Machbarkeitsstudie zu dieser Alternative vor. Die neuen Ergebnisse der Studie bestätigen die im Jahr 2008 dargelegten Einschätzungen der Stadtverwaltung zum Bustunnel. Die damalige Entscheidung der Stadt, Tunnelvarianten mangels Realisierungschancen nicht mehr weiterzuverfolgen war und ist auch heute noch uneingeschränkt richtig.

Vorgeschichte

Bereits im Rahmen des Planungs-Dialoges wurde im Jahr 2005 von der Stadtverwaltung eine denkbare Tunneltrasse, die zwischen Stadtamhof und dem Unteren Wöhrd verläuft, erarbeitet. Im Jahr 2008 wurden Alternativen für eine Ersatztrasse geprüft. In der dazugehörigen Berichtsvorlage an den Stadtrat wurden auch Tunnellösungen behandelt. Das Fazit ergab, dass mit einem Bustunnel insbesondere nicht vertretbare Risiken zeitlicher und finanzieller Art verbunden sind. So wurde am 14. Oktober 2008 im Ausschuss für Stadtplanung, Verkehr, Umwelt- und Wohnungsfragen mit großer Mehrheit beschlossen, Tunnelvarianten mangels Realisierungschancen nicht mehr weiterzuverfolgen.

Im Sommer 2009 griff die Fraktion der Freien Wähler die Tunnellösung wieder auf. Sie stellte einen Antrag mit dem Ziel, Planungen für einen Bustunnel aufzunehmen. Gestützt wurde der Antrag auf die Machbarkeitsstudie einer Planungsgemeinschaft, die einen einstreifigen und unter der Bebauung des Grieser Spitz verlaufenden Bustunnel als verkehrlich ausreichend und kostengünstig herstellbar deklarierte. Mitte September wurde die Verwaltung beauftragt, den Inhalt der Machbarkeitsstudie auf Tauglichkeit zu prüfen.

Prüfung durch Verwaltung

Die Verwaltung hat sich bei der Bearbeitung auf dem Spezialgebiet der Tunnelsicherheit und zur Kostenprüfung eines externen Fachgutachters bedient. Mit dem Institut BUNG Ingenieure AG, Heidelberg, und insbesondere mit dessen Aufsichtsratsvorsitzenden Prof. Dr.-Ing. Baltzer konnte deutschlandweit die wohl höchste Fachkompetenz zur Tunnelsicherheit gewonnen werden.

In die für rund 41 000 Euro durchgeführte Untersuchung wurden die im beiliegenden Kartenausschnitt dargestellten Tunneltrassenvarianten einbezogen. Die Prüfung kommt im Wesentlichen zum Ergebnis, dass eine Tunnellösung unter bestimmten Voraussetzungen zwar machbar wäre. Ein Bustunnel ist jedoch letztendlich vor allem hinsichtlich der Kosten keine wirkliche Alternative zu einer Brückentrasse. Das Ergebnis wird am 18. Mai im Ausschuss für Stadtplanung, Verkehr, Umwelt und Wohnungsfragen vorgestellt.

Ergebnis

Die in der Machbarkeitsstudie der Freien Wähler Fraktion favorisierte Tunnellösung hat wesentliche Defizite hinsichtlich der Tunnelsicherheit. Einige wären vor allem durch eine größere Tunnelbreite überwindbar. Doch ist wegen der unvermeidlichen großen Steigungen im Tunnel zum Beispiel die Selbstrettung insbesondere von älteren und mobilitätseingeschränkten Menschen deutlich erschwert. Da insbesondere dieser Personenkreis auf den ÖPNV angewiesen ist und regelmäßig mit den Linienbussen fährt, ist eine derartige Tunnellösung deshalb und in Anbetracht sicherer und kostengünstigerer Alternativen nicht weiterzuverfolgen.

Die Alternative wäre ein Tunnel mit geringeren Steigungen und einer Umfahrung der Bebauung. Doch durch diese Tunnelvariante in sogenannter „offener Bauweise“ müsste im Rahmen der Baumaßnahme in die ausgedehnten Grünflächen im Bereich des Grieser Spitz und des Unteren Wöhrdes und in den dortigen Baumbestand eingegriffen werden.

Auch die Finanzierung hielt einer kritischen Prüfung nicht stand. In der Machbarkeitsstudie der Freien Wähler werden für einen Bustunnel geschätzte Bruttobaukosten von etwa 17 Millionen Euro angegeben. Die Kostenprüfung ergab stattdessen auch bei der kostengünstigsten Variante realistisch eine „Verdoppelung“ der Bruttobausumme auf etwa 35 Millionen Euro. Diese Summe entspricht auch einer Größenordnung, die von der Stadtverwaltung schon früher ermittelt und den Entscheidungen der Stadt zugrunde gelegt wurde. Erheblich sind auch die zu erwartenden laufenden jährlichen Betriebs- und Unterhaltskosten für einen Tunnel von etwa 250 000 Euro. Damit stehen die mit einem Tunnel verbundenen Kosten in keinem angemessenem Verhältnis zum angestrebten verkehrlichen und betrieblichen Nutzen einer Ersatztrasse. Eine weitere Konsequenz wäre die Entwertung des Jakobi-Geländes, dessen Nachfolgenutzung erheblich erschwert würde.

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass die neuen Ergebnisse der Studie die bisherigen Einschätzungen der Stadt Regensburg bestätigen.