Wissenschaft ist ernst, schwer zu verstehen und langweilig? Nicht in Regensburg.
Was Theater mit der Wissenschaft zu tun hat, das zeigt Paul Kaiser im Theater am Haidplatz. In der skurrilen Figur des Dr. Wahn verbindet Paul Kaiser seine beiden Traumberufe – Forscher und Schauspieler. Dr. Wahn sei so eine Art „kabarettistischer Faust“, sagt Kaiser. Er will die Welt erklären können, restlos, versteht sich, und darüber gerät er an die Grenzen dessen, was der Mensch erfassen kann. Newton, Einstein und Heisenberg, Quantenphysik, Relativitätstheorie und Unschärferelation: Dr. Wahn kennt sich aus in der Welt der Physik, und gerade deshalb gerät er schier in Verzweiflung über all diesen kniffligen Fragen:
Was befindet sich eigentlich auf der anderen Seite eines Schwarzen Lochs? Dreht sich das Weltgeschehen auf ewig im Kreis? Hat das Universum ein eigenes Bewusstsein? Kehren wir eines Tages von hinten ins Paradies zurück?
Das Theater Regensburg hat sich aber auch immer wieder sehr ernsthaft mit dem Thema Wissenschaft beschäftigt. In Brechts „Leben des Galilei“ und Dürrenmatts „Die Physiker“ ging es um die Verantwortung des Wissenschaftlers in der Gesellschaft. In Michael Frayns „Kopenhagen“ wurde das Verhalten der Physiker Niels Bohr und Werner Heisenberg während der Zeit des Nationalsozialismus beleuchtet. In literarischer Spiegelung ging es in den sehr erfolgreichen Inszenierungen der beiden Teile von Goethes Faust um das Thema des Forschers, der immer tiefer in die Weltgeheimnisse eindringen will.
Das Theater Regenbogen, die Kinder- und Jugendtheatersparte des Theaters Regensburg, wird im Frühjahr 2012 mit dem „Urfaust“ Goethes klassischen Stoff für das junge Publikum aufbereiten. In „Westindische Früchte“, einer weiteren Produktion, kann das junge Publikum zusammen mit dem Koch Stoffel auf dem Schiff von Christopher Kolumbus erfahren, dass die Welt eine Kugel ist
Auch das Musiktheater setzt sich immer wieder mit Wissenschaft und Wissenschaftlern auseinander, etwa in der Vertonung des Fauststoffes (Boitos „Mephistophele“). In den Musicals „Jekyll & Hyde“ und „The Rocky Horror Show“ geht es um das mithilfe der Wissenschaft erzeugte Wesen.
Ballettdirektor Olaf Schmidt hat mit seiner überregional beachteten Internationalen Aids-Tanzgala direkten Kontakt zur Regensburger Wissenschaft geknüpft: Prof. Dr. Bernd Salzberger von der Uni Regensburg ist Schirmherr der Gala. Ein wichtiger Bestandteil des Programms ist stets der Bericht von Prof. Dr. Salzberger über den aktuellen Stand der Aidsforschung. Darüber hinaus hat sich das Ballettensemble für die Alzheimer Gesellschaft engagiert.
Dem Theater ist bei einzelnen Produktionen der Austausch mit Wissenschaftlern immer wieder sehr wichtig, gerade bei Stücken mit medizinischen Fragestellungen. Bei den Produktionen der Kammeropern „Lenz“ und „Der Patient“ haben Mediziner des Bezirksklinikums Regensburg das Theater unterstützt. Bei der Schauspielproduktion „Der gute Tod“ konnte das Ensemble auf das Fachwissen eines Allgemeinmediziners, eines Juristen, mehrerer Geistlicher und des Regensburger Autismus-Vereines zurückgreifen.
All dies zeigt: Theater lässt sich als die Wissenschaft vom Menschen begreifen.
Im Frühjahr 2010 hat das Turmtheater Regensburg die Reihe "Fröhliche Wissenschaften" ins Leben gerufen. Das Anliegen war, die allgemein hin als relativ trocken angesehene Wissenschaft mit Schauspiel zu vermischen, um einen ebenso heiter-komischen wie auch informativen Theaterabend zu gestalten. Da in Regensburg der wohl berühmteste Schlafmeister Deutschlands, Prof. Dr. Jürgen Zulley, forscht und lehrt, lag es auf der Hand einen gemeinsamen Schlafabend zu kreieren.
Die Schauspieler Heinz Müller und Martin Hofer spielen Szenen mit Texten aus der Weltliteratur - im Bett. Dazu hält Prof. Dr. Zulley seine unterhaltsamen und interessanten Vorträge. Ein Erfolg, der fortgesetzt wird.
Im Oktober 2011 präsentiert das Turmtheater eine weitere Produktion dieser Wissenschaftsreihe: einen Theaterabend mit dem Dialektforscher Prof. Ludwig Zehetner, der an der Universität Regensburg bayerische Dialektologie lehrt und das Publikum tief in die oft rätselhaften Eigenheiten der hiesigen Mundart einführt.