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Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

„Nur wer die Vergangenheit kennt, hat eine Zukunft.“ Dieser Ausspruch von Wilhelm von Humboldt ist mir ganz spontan eingefallen, als ich gelesen habe, welche Art von Kritik ein Regensburger Stadtrat an der Ausstellung „Bertold Furtmeyr – Meisterwerke der Buchmalerei“ geübt hat. Unter anderem wird ein „konservatives, rückwärtsgewandtes und klerikal orientiertes Kunstverständnis“ ins Feld geführt.

Nun ja, die Ausstellung findet im Historischen Museum statt und hat es sich zum Ziel gesetzt einen der bedeutendsten Meister der Buchmalerei des ausgehenden Mittelalters einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Historische Museen haben die Aufgabe, sich mit der Vergangenheit zu beschäftigen; sie sind damit im wahrsten und positiven Sinn des Wortes „konservativ“ und nach rückwärts, also der Vergangenheit zugewandt. Dass die Ausstellung zudem klerikal orientiert ist, ergibt sich aus dem geschichtlichen Zusammenhang. Klerikal heißt kirchlich, und Buchmalerei beschäftigte sich, wie die Malerei generell, im Mittelalter mit religiösen Motiven, häufig mit der Illustration von Bibeln und Gebetbüchern. Die Künstler und Handwerker der damaligen Zeit, egal ob Maler, Baumeister, Gold- und Silberschmiede oder Steinmetze erhielten ihre Aufträge zum großen Teil von der Kirche.

Die Kunst dieser Zeit in einem Historischen Museum zu zeigen, hat nichts mit einem rückwärtsgewandten Kunstverständnis zu tun. Unsere Vergangenheit hat uns geprägt und sie ist Teil unserer Zukunft. Diesen Bogen hat das Kultur-Jahresthema „…10 Aufbruch“ in hervorragender Weise gespannt. Wenn wir jetzt aufbrechen in ein neues Jahr und ein neues Jahrzehnt, dann blicken wir mit neuen Ideen nach vorn, aber in unserem Proviantpäckchen befindet sich immer auch eine Portion Vergangenheit.

Ihr

Unterschrift OB Hans Schaidinger

Hans Schaidinger

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