Laudatio an den Papst
Vom 20. bis 21. Juni 2006 reiste eine Delegation der Stadt unter Führung von
OB Schaidinger in den Vatikan, um Papst Benedikt XVI. im Rahmen einer Sonderaudienz die Ehrenbürgerwürde der Stadt Regensburg zu verleihen.
Rede von OB Hans Schaidinger anlässlich der Verleihung der Ehrenbürgerwürde an Papst Benedikt XVI. im Vatikan
Heiliger Vater, wir freuen uns, dass unsere Delegation hier bei Ihnen in der Ewigen Stadt zu Gast sein darf, um Ihnen die Ehrenbürgerurkunde der Stadt Regensburg zu überbringen.
Dass der Stadtrat von Regensburg Sie einstimmig in den Kreis der Ehrenbürger aufgenommen hat, dafür gibt es viele Gründe. Sie gehören zu den großen Persönlichkeiten der Theologie und der Zeitgeschichte und nehmen unter den Ehrenbürgern unserer Stadt eine Sonderstellung ein.
„Was unserer Zeit fehlt, ist nicht so sehr die Fähigkeit zu trauern als die Fähigkeit, sich zu freuen“, so Ihre Worte. Wie sehr sich die Regensburger gefreut haben, als es nach dem Aufsteigen des weißen Rauches hieß: „Habemus Papam“ und dann aus der Ahnung Gewissheit wurde, wer nun dieser neue Papst sein würde, wissen Sie aus erster Hand. Die Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt, gleich welcher Konfession oder Weltanschauung, waren stolz darauf und sie waren bewegt, dass einer der ihren nun die Geschicke einer die ganze Welt umspannenden Kirche leiten würde.
Regensburg vereinnahmt Sie nicht, sondern wir sind stolz darauf und es ist eine Ehre für uns, dass Sie stets Ihre Verbundenheit zu unserer Stadt gezeigt haben.
Nach all den Jahren, die Sie beruflich und privat in Regensburg und der Stadtrandgemeinde Pentling verbracht haben, sind Sie im Bewusstsein und im Herzen der Regensburger geblieben. Als Priester in St. Josef-Ziegetsdorf, durch Ihre Gottesdienste in St. Paul, als Professor für Systematische Theologie an der Universität Regensburg und auch als ihr Vizepräsident haben Sie die Herzen der Bürgerinnen und Bürger, der Gläubigen und Studierenden gewonnen. Nun hat sich der Radius Ihres Herzens erweitert. Sie sind jetzt auf dem besten Weg, als Oberhaupt einer universalen Kirche die Herzen der Menschen dieser Einen Welt zu gewinnen.
Sie sind weit gekommen: örtlich, geistlich und beruflich. Und dennoch – oder vielleicht gerade deswegen - sind Sie Ihren Wurzeln treu geblieben. „Mein Herz schlägt bayerisch. In meinem Amt gehöre ich der Welt“, so haben Sie es beschrieben.
Zu Recht kann man Sie als bayerischen Italiener bezeichnen. Die Wurzeln Ihrer Herkunft liegen in Bayern, der „Terra Benedicta“, und ein Gutteil davon in Regensburg, das Sie als Ihr Zuhause bezeichnet haben.
Dies bringen Sie auch in Ihrem päpstlichen Wappen zum Ausdruck. An der erhabensten Stelle des Schildes befindet sich eine große goldene Muschel. Die Jakobsmuschel erinnert an das Wappen des alten Schottenklosters St. Jakob in Regensburg. Ein Ort alter christlich-missionarischer Tradition: Durch die
iro-schottische Missionierung wurde dem Haus Europa der Weg schon früh geebnet, innerhalb der Grenzen des christlichen Abendlandes. Das 1090 gegründete Schottenkloster St. Jakob war ein Meilenstein auf diesem Weg. Zudem war es eine wichtige Station auf dem historischen Jakobsweg und für Sie ein Ort, dem Sie sich immer sehr verbunden gefühlt haben.
Seine heimatlichen Wurzeln zu kennen, ist für jeden Menschen Grundlage einer stabilen Existenz. Als Papst sind Sie nun so etwas wie ein universales Gemeingut, von dem Vorbild und Orientierung erwartet werden. Wir freuen uns, dass Sie bei all dem Regensburg als innere Heimat sehen und diese Verbundenheit immer wieder zum Ausdruck bringen.
Auch durch Ihren in Regensburg sehr geschätzten Bruder Georg Ratzinger sind Sie persönlich eng mit der Donaustadt verbunden. Ein Blick in das Vorlesungsverzeichnis der Universität Regensburg zeigt, dass Sie der Katholisch-Theologischen Fakultät noch heute als Honorarprofessor angehören. Ein gewisser Stolz spricht aus dem Eintrag: „Ratzinger, Joseph,
Dr. theol., Papst Benedikt XVI.“
Dies alles – und sicher noch vieles mehr an Emotionen, Bindungen und persönlichen Erinnerungen - verbindet Sie mit unserer Stadt. Und ich bin mir sicher, dass Sie auch als Oberhaupt des Vatikanstaates Regensburg nicht vergessen werden. Im Gegenteil, die Achse Regensburg – Rom - Vatikan wird eine kurze und lebendige sein. Dies zeigt sich auch an Ihrem bevorstehenden Pastoralbesuch im September in Regensburg, auf den wir uns, Heiliger Vater, sehr freuen.
Sie kommen zu uns als oberster Seelsorger der römisch-katholischen Weltkirche. Als Papst haben Sie sich das Motto „Cooperatores Veritatis“ – Mitarbeiter der Wahrheit gegeben. Einer Ihrer herausragenden Titel ist der des Pontifex Maximus, des Großen Brückenbauers. Sie haben in der heutigen Welt eine Scharnierfunktion zwischen Religion, Gesellschaft und Politik. Als Brückenbauer der Menschlichkeit und des Friedens.
Gerade in Zeiten des weltweiten Umbruchs, oft verbunden mit Terror, Krieg, Leid und Gewalt, mahnen Sie Ethik und Verhältnismäßigkeit an: „Nicht derjenige ist der Größte, der am meisten zerstören kann, sondern ganz im Gegenteil, schon die geringste Liebeskraft ist größer als die größte Zerstörungskraft“, so sagten Sie in einem Interview.
Das Christentum haben Sie als „Schule des Glücks“ charakterisiert. Das ist eine sehr positive, kraftvolle Sicht, die natürlich nicht materiell zu verstehen ist. Diese innere Kraft nach außen hin mit Leben zu erfüllen, ist Ihnen gelungen. Die Erinnerung an Ihr aus dem Glück Ihres Glaubens genährtes stilles, zuversichtliches und bescheidenes Wesen ist bei den Regensburgern bis heute lebendig. Und ebenso Ihr brillanter Intellekt mit einer Mischung aus Ernst und Humor.
Die Verleihung der Ehrenbürgerwürde sichert Ihnen ewiges Heimatrecht in Regensburg. Ihre eigentliche innere Heimat ist wohl nicht von dieser Welt, aber auf Erden ist Regensburg ein Teil Ihrer Heimat. Erde und Himmel, Regensburg und Rom, da reichen die Kategorien der doppelten Staatsbürgerschaft nicht mehr aus.
Gestatten Sie mir am Schluss einen augenzwinkernden Gedanken Ihres Studienfreundes Georg Lohmeier über Ihren großen Namenspatron Benedikt von Nursia, den Schutzpatron Europas: „Der heilige Benedikt wollte, dass die Menschen auf Erden so glücklich werden wie möglich – und gerade noch in den Himmel kommen.“
Dass Ihre kommenden Jahre im Vatikan und in Rom glückliche sein mögen, wünsche ich Ihnen, Heiliger Vater, von Herzen – und das andere auch.
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