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Warum das Museum der Bayerischen Geschichte in Regensburg?

Regensburg - ein identitätsstiftender Ort für die Lebendigkeit der Geschichte Bayerns.

Ein Zitat von Hans Zehetmair, Bayerischer Staatsminister für Wissenschaft, Forschung und Kunst über Regensburg, das Schauplatz der bayerischen Landesausstellung im Jahr 2000 „Bavaria, Germania, Europa – Geschichte auf Bayerisch“ war. Ein Zitat das wohl auch Gründe zusammenfasst, die für Regensburg als Standort für das Museum der Bayerischen Geschichte sprechen:

„Es konnte kein besserer Ort für diese Gesamtschau bayerischer Geschichte gefunden werden als die von Römern gegründete Festungsstadt an der Donau, die alte bayerische Herzogsstadt, die Stadt der deutschen Könige und Kaiser, der Hof- und Reichstage, die heute eine bedeutende Universitäts- und Industriestadt ist und mit ihrer denkmalreichen Altstadt unmittelbar Größe und Vielfalt der bayerischen Geschichte vor Augen stellt.“

Welterbe - Impression - Die Porta Praetoria
Die Porta Praetoria © Peter Ferstl, Stadt Regensburg

Erbe und Auftrag

Bereits die bayerische Landesausstellung „Bavaria – Germania – Europa“ in Regensburg konnte überzeugend darstellen, dass das Europäische und das Deutsche nicht nur seine geografische Mitte in Bayern hat. Mit dem Fest der Bayern gelang es zudem in Regensburg, die bayerischen Stämme identitätsstiftend, traditionsbewusst und zukunftsfreudig zusammen zu bringen. Diese beiden Initiativen waren Teil des von der bayerischen Staatsregierung im Milleniumsjahr ausgegebenen Mottos „Erbe und Auftrag“.

Keine andere Stadt bot sich dafür besser an als Regensburg, in der früheste bayerische Geschichte und bayerische Identität, aber darüber hinaus europäische Wurzeln zu finden sind.

Bayerisches Herz, Seele Europas

In Regensburg treffen nicht nur nach der Antike das Romanische, Germanische und Slawische aufeinander, auch die volle Dimension bayerischer Authentizität, von den Agilolfingern, Ottonen, Welfen und Wittelsbachern ist wie nirgendwo anders in Bayern heute noch spürbar.

Große Frauen, starke Männer

Aus der frühen bayerischen Geschichte ragen drei große Frauen heraus, die untrennbar mit Bayern und Regensburg verbunden sind: Königin Theodolinde, eine Baumeisterin des christlichen Abendlandes, Herzogin Judith mit ihrer herausragenden Persönlichkeit und Königin Gisela, Nationalheilige im europäischen Donauraum. Weitere große Persönlichkeiten prägten Regensburg. Herzog Tassilo III., Urbild bayerischer Identität, Bischof Wolfgang, homo politicus und Reformer oder der bayerische Herzog Heinrich IV., der nachmalige Kaiser und Heilige, seien nur exemplarisch genannt.

SPQR – römisch demokratisch

Natürlich ist diese aus dem antiken Rom übernommene Abkürzung am Türstock des Alten Rathauses in Regensburg weniger anmaßend auf das antike Rom gemünzt, als vielmehr selbstbewusst auf die Demokratie der Ratisbona bezogen. Demokratie wird in Regensburg nicht erst im 20. Jahrhundert definiert. Im 19. Jahrhundert stellt Regensburg mit Freiherrn Gottlieb von Thon Dittmer 1848 den ersten liberalen Innenminister Bayerns.

Im 20. Jahrhundert führte ein Ministerpräsident aus Regensburg, Graf von Lerchenfeld, am Beginn der modernen Demokratie 1918 die Geschicke des jungen Freistaats. Direkt neben dem empfohlenen Standort für das Museum der bayerischen Geschichte wurde unmittelbar nach dem zweiten Weltkrieg die Junge Union Bayern gegründet.

Reichssaal im Alten Rathaus
Reichssaal im Alten Rathaus © Stadt Regensburg

750 Jahre Demokratie, 350 Jahre Europäischer Parlamentarismus

Aber gerade durch die Regensburger Rathaustür öffnet sich die Perspektive auf die bayerische und europäische Dimension. Hier tagte in geheimer Runde der bayerische Kurfürst mit dem deutschen Kaiser.

Der politische, wirtschaftliche, religiöse und wissenschaftliche Dialog ist ideelles Welterbe, ist bayerischer Genius am Regensburger Ort. Dialog und Kommunikation – nicht selten mühsam, schwierig, aber immer wieder prägend für Bayern und Europa – kennzeichnen das politische Leben und die demokratischen Traditionen.

Tradition und Aufbruch

Es waren und sind immer wieder die Bürgerinnen und Bürger – Individuen in der demokratischen Gesellschaft – die durch ihre Innovationen und ihren Schöpfergeist die Geschichte prägten und gestalten. Die Erfindung des Papiers und der Waschmaschine, die bayerische Dampfschifffahrt und die Flugzeugindustrie Messerschmitt, heute Biopark und Mikrochip beweisen, dass wirtschaftlicher Fortschritt, politisch demokratische Stabilität und kulturelle Identität symbiotisch in Regensburg zusammenwirken und geeignet sind, ein Spiegelbild Bayerns zu demonstrieren.

Die Regensburger Ausstellung 2003 mit dem Titel „Wende in Europas Mitte – vom feudalen zum bürgerlichen Zeitalter“ zeigte deutlich den Strukturwandel von der Provinzstadt im 19. Jahrhundert auf. Im 20. Jahrhundert hat sich das bayerische Regensburg vom einstigen Verwaltungszentrum zum boomenden Wirtschaftsstandort an der Donau entwickelt, an dem namhafte Unternehmen immer wieder als Sponsoren für die Kulturarbeit auftreten.

Die historische Altstadt als „Außengelände“ des Museums der bayerischen Geschichte, das Historische Museum Regensburgs als starker Anker bayerischer Kulturgeschichte von der Römerzeit bis zum Ende des 18. Jahrhunderts in Vernetzung mit der Konzeption des Museums der bayerischen Geschichte mit dem Schwerpunkt 19. und 20. Jahrhundert und die identitätsstiftende Ausstrahlung des altbayerischen Regensburg sind Garant dafür, dass sich die Bevölkerung Bayerns in hohem Maße mit ihrer ersten Hauptstadt damals, der bayerischen Authentizität des Ortes heute und der pulsierenden und zukunftsorientierten Urbanität solidarisieren werden.