Die Regensburger beschlossen vor gut 100 Jahren, dass ein König, der sich besonders um die Stadt verdient gemacht hat, ein würdiges Denkmal bekommen soll. Die Stadt Regensburg beauftragte den Münchner Akademiedirektor Ferdinand von Miller, ein Reiterstandbild König Ludwig I. zu fertigen. „Errichtet von der dankbaren Stadt Regensburg“ ließen die Regensburger in den Marmorsockel des Denkmals gravieren. Und dankbar war die Stadt zu Recht, schließlich war König Ludwig I. der einzige Wittelsbacher in der Geschichte, der sich stark für Regensburg einsetzte.
Nach der Auflösung des Immerwährenden Reichstages wurde Regensburg im Jahr 1810 eine bayerische Provinzstadt. Zusätzlich von napoleonischen Truppen erheblich zerstört, war der Glanz der freien Reichsstadt dahin. König Ludwig I. erkannte, dass die Stadt in der Bedeutungslosigkeit versank und versuchte der großen geschichtlichen Vergangenheit gerecht zu werden. Ludwig I. wollte der Stadt einen Teil ihrer einstigen kulturellen Bedeutung zurückgeben, indem er sich vor allem der Baudenkmäler annahm. Er bereicherte die Kulturlandschaft um Regensburg mit dem Bau der Walhalla und der Befreiungshalle. In Regensburg selbst lag ihm vor allem der ursprünglich rein gotische Dom am Herzen. Er ließ den Kathedralbau von allen stil fremden Elementen, wie der barocken Stuckkuppel befreien, und ordnete eine umfassende Regotisierung an. Vor allem schmerzten ihn die seit dem Mittelalter unvollendet gebliebenen Domtürme. Er gab die Fertigstellung der Türme in Auftrag und gilt damit zu Recht als Vollender des Regensburger Doms.
Gerade deshalb wählten die Regensburger im Jahr 1902 den Domplatz als Standort für das Denkmal des Monarchen. Der Standort war nicht nur sinnbezogen, das Standbild wurde sogar speziell mit Gestik und Blick zum Dom hin entworfen. Beim Material des Standbilds entschied sich Ferdinand von Miller, der sich schon für den Bronzeguss der Münchner Bavaria verantwortlich zeichnete, auch hier für Bronze, das als besonders ehrwürdiges und dauerhaftes Material galt.
Doch selbst ein solch dauerhaftes Material leidet, wenn es jahrzehntelang unter dichtem Laub steht. Im Jahr 1936 wurde das Denkmal nämlich vom Domplatz entfernt und in die Bahnhofsallee gebracht. Die Nässe durch das Laub der Bäume setztem dem Reiterdenkmal stark zu. Der neue Platz führte nicht nur zu Beschädigungen am Denkmal, verborgen vom Laub wurde ihm kaum mehr Beachtung geschenkt und der Sinnbezug des Standorts fehlte vollständig.
In den Jahren des Exils gab es in Regensburg immer wieder Initiativen, das Reiterstandbild auf den ursprünglichen Platz zurückzuholen, wie von Professor Jörg Traeger und Karl Bauer eindrucksvoll dokumentiert.
Das bürgerschaftliche Engagement des Vereins „Welterbe Kulturfonds Regensburg – Die Förderer e. V.“ schaffte nun, was die Jahrzehnte davor verwehrt blieb: der König kehrt zurück. Auch ein König braucht Geldgeber, und so konnte die Restaurierung und Rückführung nur mit Hilfe namhafter Spenden durch die Brauerei Bischofshof, die Krones AG und das Reisebüro Venus gelingen. Auf dem Geländer der Brauerei Bischofshof befindet sich das Reiterdenkmal gerade noch zur Restaurierung.
Im neuen „Glanz“ wird das Reiterstandbild am 9. Mai 2010, 180 Jahre nach dem ersten Besuch Ludwig I. in Regensburg, feierlich auf den Domplatz Regensburgs zurückkehren. König Ludwig I. kehrt nicht nur zurück auf den Domplatz, sondern direkt auf den originalen Standort. Die Fundamente des ursprünglichen Sockels wurden gefunden und wiederverwendet.
Wie die Enthüllung am 8. Mai 1902 wird auch die Rückkehr des Denkmals am 9. Mai 2010 mit einem großen Fest gefeiert. Die Festlichkeiten eröffnet ein Pontifikalamt im Dom mit Bischof Dr. Gerhard Müller um 10.00 Uhr. Um 14.00 Uhr wird das König Ludwig I. Denkmal in einem Festzug durch die Maximilianstraße begleitet und am Domplatz wiedererrichtet. Bei einer gemeinsamen Feier mit bayerischer Musik, Brotzeiten und Bier kann der Domplatz dann im neuen alten Glanz bestaunt werden. Denn der König ist zurück auf dem Domplatz, diesmal hoffentlich endgültig.