Navigation und Service

Stadtfreiheitstag 2016 (Laudationes)

- Es gilt das gesprochene Wort - 

Verleihung der Albertus-Magnus-Medaille an Herrn Prof. Dr. rer. soc. Dr. h.c. Joachim Möller

Die durch Stadtratsbeschluss vom 18.05.1949 geschaffene Albertus-Magnus-Medaille kann an Persönlichkeiten verliehen werden, die sich als Wissenschaftler oder Künstler oder Förderer der kulturellen Bestrebungen der Stadt besondere Verdienste erworben haben.

Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Dr. Möller,

Sie wurden im Januar 1953 in Reinstorf geboren und besuchten nach der Grundschule in Lüneburg das Johanneum, das älteste und traditionsreichste Gymnasium der ehrwürdigen Hansestadt, bevor Sie 1971 ein zweijähriges Studium Generale an der Universität Tübingen begannen.

Bis 1981 belegten Sie mehrere Studiengänge an den Universitäten in Tübingen, Straßburg und Konstanz. Im gleichen Jahr erfolgte Ihre Promotion zum Doktor der Sozialwissenschaften. Sie habilitierten sich 1990 an der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften und Statistik der Universität Konstanz.

Nach verschiedenen Lehraufträgen im In- und Ausland sowie einem Forschungsaufenthalt in Norwegen wurden Sie 1991 zum C 3-Professor für Volkswirtschaftslehre an der Universität Regensburg ernannt. 1995 erfolgte der Ruf auf eine C 4-Professur am gleichen Institut. Bis heute sind Sie Inhaber des Lehrstuhles für Volkswirtschaftslehre an der Universität Regensburg.

Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Dr. Möller,

seit 2007 sind Sie Direktor des im Jahre 1967 als Forschungseinrichtung der damaligen Bundesanstalt für Arbeit gegründeten Institutes für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Die Einrichtung ist seit 2004 eine besondere Dienststelle der Bundesagentur für Arbeit.

Das IAB hat seinen Sitz in Nürnberg mit Repräsentanzen an zehn weiteren Standorten im Bundesgebiet und erforscht den Arbeitsmarkt, um politische Akteure auf allen Ebenen kompetent zu beraten. Damit trägt das Institut im Rahmen seines gesetzlichen Auftrags zu einem besseren Verständnis der Funktionsweise des Arbeitsmarkts, der Erwerbschancen und der Lebensbedingungen in einer sich dynamisch verändernden Welt bei. Forschungs- und Publikationsfreiheit garantieren, dass ein unabhängiger und damit auch kritischer Rat erteilt werden kann.

Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Dr. Möller,

Sie sind darüber hinaus Mitglied des Wissenschaftlichen Beirates des Osteuropa-Institutes Regensburg und haben dem Institut in der schwierigen Phase des Umzuges von München nach Regensburg zwei Jahre lang als Direktor vorgestanden. An der Regensburger International Real Estate Business School vertreten Sie in Forschung und Lehre den Bereich Regionalökonomie.

Gemäß einem Ökonomen-Ranking der FAZ aus dem Jahr 2015 gehören Sie zu den 100 einflussreichsten Ökonomen Deutschlands. Die Liste misst, sehr geehrte Damen und Herren, wer sich in Medien, Politik und Forschung Gehör verschaffen kann. 

Um in der Rangliste ganz vorne zu stehen, muss ein Wirtschaftsforscher in den einschlägigen Medien präsent und von Politikern als Ratgeber geschätzt sein sowie in der Wissenschaft Impulse geben, die andere Forscher dazu bringen, seine Arbeiten zu zitieren.

Prof. Dr. Dr. Möller, Sie belegen im aktuellen Ranking Platz 33. 

Zu Ihren Forschungsgebieten gehören u. a. Lohnstrukturen und Lohngleichheiten, internationale Vergleiche und Regionalanalysen, ökonomische Effekte der EU-Osterweiterung oder die Auswirkungen von Mindestlöhnen.

In dem von Ihnen gestarteten Projekt CORIS (Cluster-orientiertes Regionales Informationssystem) werden Netzwerke, sogenannte Cluster, von Unternehmen und unterstützenden Einrichtungen in verschiedenen Regionen, unter anderem in Ostbayern, sichtbar gemacht. 

Für Ihre besonderen Verdienste im Bereich der Wissenschaft und der Fortentwicklung der Regionalökonomie hat Ihnen der Stadtrat der Stadt Regensburg die Albertus-Magnus-Medaille verliehen. Mit dieser Auszeichnung möchte die Stadt Regensburg unter anderem Ihr besonderes Engagement im Rahmen der arbeitsmarktpolitischen Forschung sowie Ihr Engagement in dem von Ihnen gestarteten Projekt CORIS würdigen. Vor allem mit letzterem haben Sie es geschafft, die Region ökonomisch besser zu vernetzen und damit erheblich zu stärken.

Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Dr. Möller,

ich gratuliere Ihnen sehr herzlich zu der verdienten Auszeichnung.


Verleihung der Matthäus-Runtinger-Medaille an Herrn Christian und Stefan Aumüller

Die durch Stadtratsbeschluss vom 26.07.1979 geschaffene Matthäus-Runtinger-Medaille kann an Persönlichkeiten verliehen werden, die sich auf dem Gebiet der Wirtschaft, der Gesellschaft, im Arbeitsleben oder im vorpolitischen Raum große Verdienste um das Wohl  oder das Ansehen der Stadt erworben haben.

Die Aumüller Druck GmbH & Co. KG wurde 1888 als Zeitungsverlag „Bayerischer Volksbote“ gegründet.

Seit dem Einstieg von Georg und Josef Aumüller in das Unternehmen im Jahre 1912 befindet es sich im Familienbesitz. Nach dem zweiten Weltkrieg erhielt Georg Aumüller von der amerikanischen Militärregierung in Deutschland die Lizenz zur Weiterführung der Buch- und Kunstdruckerei „Gg. Aumüller und Sohn“.

Sehr geehrter Herr Stefan Aumüller,

sehr geehrter Herr Christian Aumüller,

die Geschichte Ihrer Druckerei verlief sehr erfolgreich. Stets Neuerungen aufgeschlossen, konnte nicht nur der Anschluss an richtungsweisende Technologien gehalten, sondern der Betrieb auch konsequent ausgebaut und zu einem modernen und erfolgreichen Unternehmen weiterentwickelt werden. Als Sie beide im Jahre 1987 in das Unternehmen eintraten, hatten Sie zuvor sowohl eine technische als auch kaufmännische Ausbildung absolviert und zugleich strategische Projekte im väterlichen Betrieb betreut.

Sie führen die Familiendruckerei in der vierten Generation äußerst erfolgreich. Auch den Einzug der digitalen Medien mit der einhergehenden Verringerung der Nachfrage nach Druckprodukten konnten Sie durch marktstrategische Maßnahmen geschickt meistern.

Der Name Aumüller steht für erstklassiges Handwerk, hohe Wirtschaftlichkeit und insbesondere eine auf soziale und ökologische Nachhaltigkeit ausgerichtete Unternehmenskultur. Sie haben es sich als Geschäftsführer zum Ziel gesetzt, alle Prozesse im Unternehmen konsequent nach ökologischen Prinzipien auszurichten. Dies ist ein Prozess, der ständig fortgeschrieben werden muss. Der Betrieb nimmt beispielsweise am Europäischen Umweltmanagement- und Umweltauditsystem EMAS teil. Die Vision von EMAS ist eine „emissionsarme Gesellschaft“, die unser Klima und die natürlichen Ressourcen schützt. Durch ein umfassendes Informations- und Beratungsangebot sowie eigene Kompensationsprojekte unterstützt EMAS Privatpersonen und Unternehmen dabei, den eigenen CO2-Fußabdruck nachhaltig zu minimieren.

Insbesondere sollen die Mitarbeiter im Familienbetrieb einen Arbeitsplatz vorfinden, der von geringer Lärm- und Staubbelastung geprägt ist. Für sein umweltbewusstes Verhalten erhielt das Unternehmen im Jahre 1995 den Umweltpreis der Stadt Regensburg. 

Zudem ist Ihr soziales Engagement als Geschäftsführer vorbildlich. Ihr Unternehmen hat in den vergangenen Jahren einige Preise ausgelobt, die in regelmäßigen Zeitabständen von einem bzw. zwei Jahren verliehen werden und mit bis zu 10 000 Euro dotiert sind.

Im Einzelnen sind dies:

  • der Aumüller Integrationspreis,
    wodurch gelungene Projekte zur Integration einer größeren Öffentlichkeit vorgestellt werden sollen.
    Ziel ist die Ermutigung zu weiteren Integrationsbemühungen.

  • der Aumüller Schulpreis,
    damit soll das Engagement von aktiven Lehrerinnen und Lehrern in der Öffentlichkeit eine entsprechende Wertschätzung erfahren.

  • der Aumüller Berufsschulpreis,
    der das Engagement von Lehrerinnen und Lehrern sowie leistungsbereiten Berufsschülerinnen und –schülern stärker würdigen soll.

Zudem vergibt die Firma Aumüller jährlich zwei Teilstipendien für Schüler aus dem Raum Regensburg und der Oberpfalz für ein Austauschjahr mit der Austauschorganisation „YOUTH FOR UNDERSTANDING“.

2009 wurde der Betrieb mit dem Ausbilderpreis der Stadt Regensburg ausgezeichnet. Außerdem wurde dem Familienbetrieb im Jahre 1993 der Margarete- Runtinger-Preis verliehen.

Aufgrund Ihrer besonderen Verdienste im Bereich der Wirtschaft und der Gesellschaft hat Ihnen, sehr geehrte Herren, der Stadtrat der Stadt Regensburg die Matthäus-Runtinger-Medaille verliehen, zu der ich Ihnen herzlich gratulieren möchte.


Verleihung der Stadtschlüssel an Frau Birgit Beck

Der Stadtrat hat am 25.05.2004 beschlossen, die Auszeichnung „Stadtschlüssel“ zu schaffen. Mit den Stadtschlüsseln können Persönlichkeiten und Institutionen ausgezeichnet werden, die sich Verdienste um das Wohl der örtlichen Gemeinschaft erworben haben.

Sehr geehrte Frau Beck,

seit mehr als fünf Jahrzehnten engagieren Sie sich für die Bevölkerung in Südafrika, insbesondere gilt Ihre Arbeit dem Kampf gegen HIV/Aids. Darüber hinaus ist es Ihnen ein großes Anliegen, Regensburger Bürger zu unterstützen.

Im zarten Alter von 16 Jahren haben Sie bereits ein Freizeitprogramm für Jugendliche im Christlichen Verein Junger Menschen und in der Evangelischen Jugend gestaltet. Daraus wurde eine hauptamtliche Funktion als Jugendleiterin bei der Evangelischen Jugend und im Dekanat Regensburg.

Mit viel Hingabe und großem Zeitaufwand engagierten Sie sich über vier Jahrzehnte in der evangelischen Kirchengemeinde St. Lukas. Sie gestalteten Kindergottesdienste, waren als Kirchenvorsteherin und Gottesdienstmitarbeiterin tätig. Daneben hatten Sie noch die Leitung des Frauenkreises inne, in dem sich Frauen mit Vorträgen und Diskussionsrunden über verschiedene Themen austauschen. Außerdem zeigten Sie sich für den Verkauf von Eine-Welt-Waren in der Kirchengemeinde St. Lukas verantwortlich.

Einen besonderen Anstoß für Ihre große Unterstützung von Menschen in der Dritten Welt gaben Ihnen die Besuche vor Ort, als Sie das Leid der Bevölkerung selbst erlebten. Eine Südafrikanerin, die Sie für ein Jahr in Ihrer Familie aufnahmen, konnte Ihnen zahlreiche Lebensumstände aus ihrer Heimat näherbringen.

Sie zählen zu den Mitbegründern des Evangelischen Bildungswerks Regensburg und waren zwölf Jahre lang im Vorstand tätig. Gemeinsam mit weiteren Vereinsmitgliedern haben Sie den Arbeitskreis Südliches Afrika im Evangelischen Bildungswerk ins Leben gerufen, mit dem Sie zahlreiche Informationsabende, Spendensammlungen, und Gottesdienste organisierten.

Darüber hinaus haben Sie sich in der Vergangenheit mit großem Zeitaufwand in weiteren Organisationen aktiv engagiert. So waren Sie beispielsweise in der KinderAIDShilfe Südafrika, der Regensburger Aktion gegen Fremdenfeindlichkeit und im Ökumenischen Netz Bayern aktiv.

Maßgeblich auf Ihre Initiative geht die Gründung des Regensburger Aktionsbündnisses gegen Aids zurück. Im Jahre 2006 schlossen sich mehrere Regensburger Organisationen zusammen, um die Öffentlichkeit bei verschiedenen Anlässen für das Thema HIV/Aids zu sensibilisieren und sich für den solidarischen Umgang mit erkrankten Menschen einzusetzen. Darin sind die Psychosoziale AIDS-Beratungsstelle Oberpfalz (BRK), die Kinderaidshilfe Südafrika, der Kinderhilfsverein "Yes we care!" e.V., das Aidspräventionsprojekt JANA und UNICEF Regensburg vertreten.

Mit einer besonderen Aktion machten Sie vor drei Jahren deutschlandweit auf Ihr Aktionsbündnis gegen Aids aufmerksam. Sie starteten mithilfe von Regensburger Bürgern einen Rekordversuch zur längsten Solidaritätsschleife der Welt, die aus gestrickter roter Wolle bestand. Die zusammengenähten Stücke wurden als Schleife auf einer Länge von über einen Kilometer zwischen Dom und Kolpingshaus ausgelegt. Alleine beim Auslegen des symbolischen Zeichens am 1. Dezember 2013 nahmen 800 Personen teil, die Zahl der freiwilligen Handarbeiter war vermutlich weit höher.

Nicht nur die Unterstützung von Menschen in der Dritten Welt ist Ihnen ein Anliegen, Sie setzen sich auch für das Wohl bedürftiger Menschen in der Region Regensburg ein. Gemeinsam mit weiteren Engagierten haben Sie im vergangenen Jahr eine „Kleiderbox“ der Diakonie Regensburg aufgebaut, in der Kleidungsstücke für Flüchtlinge gesammelt und verteilt werden, zudem arbeiten Sie bei den Sozialen Initiativen mit. 

Aufgrund Ihres großen und vielseitigen Engagements verleiht die Stadt Regensburg Ihnen, Frau Beck, die Auszeichnung „Stadtschlüssel“, zu der ich Ihnen sehr herzlich gratulieren möchte. 


Verleihung der Stadtschlüssel an Frau Ingrid Maltz

Sehr geehrte Frau Maltz,

Sie können ein umfassendes ehrenamtliches Engagement in verschiedenen Institutionen vorweisen. Seit vielen Jahrzehnten leisten Sie einen wertvollen Beitrag für die Evangelische Kirche und deren angegliederte Organisationen. Daneben finden Sie noch die Zeit, bei gemeinnützigen Vereinen und Projekten mitzuwirken. Der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde Dreieinigkeitskirche sind Sie mehr als 40 Jahren verbunden.

Im Jahre 1970 übernahmen Sie mit Ihrem Ehemann die Leitung des Kreises junger Ehepaare, der sich später in „Midlife-Kreis“ umbenannte. Bis heute haben Sie die Leitung dieser Freizeitgruppe inne und organisieren zahlreiche Ausflüge und Führungen für die Mitglieder. In der Kirchengemeinde waren Sie zudem als Kindergottesdiensthelferin im Einsatz und verstärkten als Mitglied den Kirchenchor „Kantorei Regensburg“.

Bis zur Gründung des Kindergartens im Stadtpark leiteten Sie mit viel Fürsorge eine Vorschulgruppe, die unter dem Verein „Regensburger Eltern“ gegründet worden war. Gemeinsam mit weiteren Damen waren Sie zwischen 1977 und 1989 die Vorsitzende eines Frauenkreises.

Die Mitglieder der Evangelischen Frauenarbeit im Dekanat Regensburg wählten Sie 1975 zur Vorsitzenden, dieses Amt hatten Sie zwölf Jahre inne. Im Zuge der Dekanatsfrauenarbeit übernahmen Sie weitere Funktionen in verschiedenen Einrichtungen der Evangelischen Kirche. So waren Sie Mitglied des Vorstands im Diakonischen Werk und vertraten in der Dekanatssynode und im Dekanatsausschuss die Interessen der Gläubigen. Bei Sammlungen des Diakonischen Werks halfen Sie tatkräftig mit, um Gelder für Wohlfahrtsorganisationen zusammen-zutragen.

Auf überregionaler Ebene vertraten Sie als Dekanatsdelegierte in der Frauengleichstellungsstelle der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Bayern die Interessen von Frauen. Im Evangelischen Bildungswerk Regensburg waren Sie mehrere Jahre Mitglied im Vorstand und wurden dank Ihres Engagements zur 2. Vorsitzenden gewählt.

Zahlreiche weitere Institutionen können auf Ihre Unterstützung zählen, so wehrten Sie sich in den 1980er Jahren im Arbeitskreis Theologie und Kernenergie gemeinsam mit weiteren Christen gegen die geplante Wiederaufbereitungsanlage Schwandorf, waren im Arbeitskreis Südliches Afrika gegen Apartheid tätig und finanzieren seit einigen Jahren durch Benefizveranstaltungen mit der KinderAIDSHilfe Südafrika das Kinder und Familienzentrum Elonwabeni in Südafrika.

Ein weiterer Aspekt Ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit ist die Mitarbeit im Aktionsbündnis gegen Aids. Bei der Anfertigung der „Aidsschleife“ im Jahr 2013, einem mehr als 1 000 Meter langen, von Hand gestricktem Band aus roter Wolle, übernahmen Sie eine wichtige Aufgabe. Sie waren die Dame im Hintergrund, die für einen reibungslosen Ablauf der Aktion sorgte und als Ansprechpartnerin für die Handarbeiter fungierte. Selbstverständlich strickten Sie auch selbst fleißig mit.

Nach der Aktion koordinierten Sie mit viel Feingefühl das Umarbeiten der Aidsschleife in Kleidungsstücke und Decken, die bei verschiedenen Veranstaltungen zugunsten der im Aktionsbündnis vertretenen Organisationen verkauft wurden. Meist waren Sie selbst an den Verkaufsständen tätig und brachten die Handarbeitsstücke unters Volk.

Sie gehören zu denjenigen, die es beim Projekt „Museum und Turm“ der Dreieinigkeitskirche ermöglichten, dass interessierte Bürger und Touristen den Nordturm der Dreieinigkeitskirche besteigen und einen wunderschönen Blick über Regensburg genießen können. Darüber hinaus befindet sich im Turm ein kleines Museum, dass Sie mit weiteren Ehrenamtlichen liebevoll umgestaltet haben und betreuen. Darin sind historisch wertvolle Gegenstände, meist aus dem 17. Jahrhundert, wie zum Beispiel Hostienbecher, Abendmahlskelche und Kollektenbücher ausgestellt.

Besonders am Herzen liegen Ihnen geflüchtete Personen, die in Regensburg ankommen. Bereits in den 1980er Jahren begleiteten Sie Heimatvertriebene in der Gumpelzhaimerstraße und bauten eine Kleiderkammer im Pfarrhaus an der Taxisstraße auf. Aktuell arbeiten Sie beim Helferkreis Weinweg mit und versorgen bei der Kleiderkammer der Diakonie Flüchtlinge mit Utensilien des täglichen Bedarfs. 

Die Stadt Regensburg verleiht Ihnen Frau Maltz für Ihr besonderes und breitgefächertes Engagement die Auszeichnung „Stadtschlüssel“, wozu ich Ihnen sehr herzlich gratulieren darf.


Weiterhin wurden die Stadtschlüssel an Frau Ute Winkler-Stumpf verliehen

Sehr geehrte Frau Winkler-Stumpf,

Noma – wer die zerstörten Gesichter von Kindern, die an dieser furchtbaren Krankheit leiden, je gesehen hat, den lassen die schrecklichen Bilder selten wieder los. Bei lebendigem Leib frisst sich die bakterielle Erkrankung durch das Gewebe und zerstört im weiteren Verlauf auch tieferliegende Schichten wie Muskulatur und Knochen. Dies führt unweigerlich zu Beeinträchtigungen aller körperlichen Funktionen, wie Essen, Sprechen, Riechen, Sehen und Hören. Am Ende steht der Tod. Die Krankheit wird durch Unterernährung, Vitaminmangel und unzureichende Hygiene ausgelöst.

In Europa weitestgehend unbekannt, sind es vor allem Länder der Dritten Welt und hier insbesondere Gebiete in Westafrika, die von Noma betroffen sind. Dazu zählen neben anderen die Staaten Mali, Niger oder Guinea. 

Im August 1994 berichtete der Moderator Günther Jauch in seiner Sendung „Stern TV“ erstmals über die Infektionskrankheit Noma. Der Fernsehbeitrag über die schrecklichen Folgen für die Kinder in Afrika hat damals Millionen Zuschauer aufgewühlt.

Auch Sie, Frau Winkler-Stumpf, waren von den Bildern erschüttert und beschlossen zu handeln. Noch im gleichen Jahr gründeten Sie den gemeinnützigen Verein „Hilfsaktion Noma e. V.“, um Kindern zu helfen, die von der Krankheit befallen waren. Der Entschluss fiel, nachdem zwei Kinder aus Niger in Regensburg operiert worden waren und Sie sich bei deren Rückführung persönlich ein Bild vom Ausmaß der Not in dem westafrikanischen Land machen konnten. Wieder zurück in Regensburg, nahmen Sie mit ein paar engagierten Mitbürgerinnen und Mitbürgern die Vereinsgründung in Angriff.

Es gelang Ihnen zahlreiche Organisationen zu motivieren, Ihr Noma-Hilfsprojekt in Afrika finanziell zu unterstützen, und so bauten Sie in Niger ein umfassendes Netzwerk auf. In der Hauptstadt Niamey wurde bald ein kleines Spital errichtet. Es kamen Kinderzentren in Städten entfernter Gebiete hinzu, in denen die kleinen Patienten erst vor den Operationen gesammelt und danach weiter betreut und versorgt wurden. Mit regelmäßigen chirurgischen Einsätzen wurde so tausenden Kindern geholfen.

In der nigrischen Stadt Birni N’Konni eröffnete der Verein im Jahre 2006 ein Impf- und Ernährungszentrum, das einen maßgeblichen Beitrag zur Prävention der Krankheit leistet. Bisher wurden rund 40 000 Kinder geimpft und etwa 75 000 unterernährte Kinder zum Normalgewicht gebracht. In den vergangenen 22 Jahren wurden gut 3 700 Operationen durchgeführt.

In Niger existiert zudem ein Ausbildungszentrum, an dem medizinisches Personal auch aus benachbarten Ländern in der Behandlung von Noma geschult wird und die Hilfe so langfristig gesichert bleibt. Da afrikanische Mediziner ausgebildet werden, besteht durchaus die Chance, dass in naher Zukunft an Noma Erkrankte unabhängig von Europa selbständig behandelt werden können.

Im Jahr 2008 richtete die Regierung von Guinea-Bissau an Sie, sehr geehrte Frau Ute Winkler-Stumpf, die Bitte, in das Land zu reisen und zu prüfen, ob Patienten auch dort geholfen werden könnte. Nun begann auch in Guinea-Bissau die medizinische Entwicklung ähnlich wie in Niger anzulaufen. 

Im Folgenden konnten Sie in Kooperation mit der Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Hilfe auf weitere sieben Staaten Westafrikas ausdehnen. Mit Behandlung und Genesung endet aber nicht die Betreuung der Kinder und Jugendlichen, die in die Obhut der medizinischen Einrichtungen gebracht wurden. Ihr Verein begleitet die Geheilten auch auf ihrem weiteren Lebensweg und den Schritten in ein neues, Noma-freies Leben. So kümmert sich Ihre Hilfsorganisation um schulische oder berufliche Ausbildung oder gibt finanzielle Starthilfen für eine Selbständigkeit.

Oft überzeugten Sie sich persönlich von den Hilfsmaßnahmen vor Ort oder besuchten in den ländlichen Gebieten ehemalige Patienten, denen es fortan vergönnt ist, trotz Noma ein glückliches und selbstbestimmtes Leben führen zu können. 

Frau Winkler-Stumpf, mit Ihrem Engagement sind Sie eine hervorragende Botschafterin Regensburgs. 

Die Stadt Regensburg würdigt Ihre besonderen Verdienste im Bereich der internationalen medizinischen Hilfe mit der Auszeichnung „Stadtschlüssel“, zu der ich Ihnen sehr herzlich gratulieren darf.