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Empfang für eingebürgerte ausländische Mitbürgerinnen und Mitbürger

- Es gilt das gesprochene Wort! -

Rede von Oberbürgermeister Joachim Wolbergs anlässlich des Empfangs der im Jahre 2015 eingebürgerten ausländischen Mitbürgerinnen und Mitbürger am 22. Februar 2016 um 19 Uhr im Kurfürstenzimmer des Alten Rathauses. 

 

Anrede

Sehr geehrte Damen und Herren, 

ich begrüße Sie zum heutigen Empfang für die im Jahr 2015 deutschen Staatsangehörigen eingebürgerten und möchte Sie alle herzlich zu diesem feierlichen Anlass im Kurfürstenzimmer des Alten Rathauses willkommen heißen.

Sie alle haben im Jahr 2015 die deutsche Staatsangehörigkeit durch Einbürgerung erworben. Und wie jedes Jahr ist es mir ein besonderes Anliegen, Sie aus diesem Anlass einzuladen und Ihnen für Ihr Kommen zu danken.

Sie alle, meine Damen und Herren, konnten im Laufe des vergangenen Jahres Ihre Einbürgerungsurkunde in Empfang nehmen, durch die Sie deutsche Staatsangehörige wurden. Dazu möchte ich Ihnen an dieser Stelle persönlich und im Namen der Stadt Regensburg recht herzlich gratulieren.

Sie sind alle aus den verschiedensten Gründen vor Jahren oder Jahrzehnten hierher zu uns nach Deutschland gekommen. Dabei spielt Krieg und Verfolgung im Herkunftsstaat ebenso eine Rolle wie Familienzusammenführung, berufliche Perspektiven oder das Absolvieren einer Ausbildung oder eines Studiums in Deutschland, um nur einige Beispiele zu nennen. Immer mehr der eingebürgerten Personen sind allerdings bereits seit Geburt hier in Deutschland.

Im Jahre 2015 wurden von den Sachbearbeiterinnen und Sachbearbeitern des Bürgerzentrums insgesamt 233 Personen aus 56 Nationen eingebürgert. Die Zahl der Einbürgerungen ging im Unterschied gegenüber dem Vorjahr erstmals seit 5 Jahren wieder leicht zurück.

Die eingebürgerten Personen stammen insbesondere aus folgenden Staaten:

  • aus Rumänien:    28 Personen
  • aus der Türkei:    21 Personen
  • aus Bulgarien:     16 Personen
  • aus Ungarn:        11 Personen
  • aus der Ukraine:  10 Personen
  • aus Vietnam:       10 Personen
  • Italien:                 9 Personen
  • Polen:                   9 Personen

An weiteren selten vertretenen Herkunftsländern möchte ich unter anderem auch Argentinien, Usbekistan oder die Schweiz gerne erwähnen.

Besonders auffällig im vergangenen Jahr war die Zunahme der Einbürgerungen von Personen aus Ländern, die bereits seit langer Zeit der Europäischen Union angehören wie zum Beispiel Italien, Spanien und Frankreich.

Die Einbürgerungen aus allen EU-Staaten stiegen 2015 um 42%. 

Die Entscheidung für den Erwerb der deutschen Staatsangehörigkeit war für viele von Ihnen ein wichtiger Schritt in einem lange andauernden Integrationsprozess. Die meisten von Ihnen sind bereits seit mehr als acht Jahren hier in Deutschland. Mit Ihrem Wunsch, deutsche Staatsbürger zu werden, haben Sie auch zum Ausdruck gebracht, dass Sie sich in Deutschland, nicht zuletzt aber auch in unserer Stadt, wohlfühlen und hier heimisch geworden sind.

Mit der Staatsbürgerschaft wurde Ihnen eines der höchsten Güter unseres Staates verliehen und gleichzeitig werden damit auch Ihre Integrationsleistungen gewürdigt. Der Erwerb der deutschen Staatsangehörigkeit war für viele von Ihnen sicher auch mit Hürden verbunden. Aber Sie alle haben die oftmals schwierigen und langwierigen Mühen auf sich genommen, um dieses Ziel zu erreichen.

Sie alle mussten unter anderem Kenntnisse der deutschen Sprache in Wort und Schrift nachweisen. Für manchen war damit zweifelsohne auch ein großer Lernaufwand verbunden. Aber die deutsche Sprache ist eben ein entscheidender Faktor für eine erfolgreiche Integration und nicht zuletzt die Voraussetzung für eine aktive Teilnahme am gemeinschaftlichen Leben in Deutschland.

Als Hemmnis für die Einbürgerung ist auch zu erwähnen, dass die Beschaffung der erforderlichen Dokumente aus den Herkunftsstaaten nicht immer einfach ist. Auch sind die Entlassungsverfahren in manchen Ländern langwierig. Trotz allem haben Sie sich aber entschlossen, die deutsche Staatsangehörigkeit zu erwerben, was Sie im vergangenen Jahr dann auch erreicht haben.

Die Einbürgerung bringt viele Vorteile mit sich. Sie sind jetzt deutsche Staatsbürgerinnen und Staatsbürger mit allen Rechten, aber auch mit allen damit verbundenen Pflichten. So können Sie von nun an Ihren Aufenthalt, Ihren Wohnsitz, Ihre Arbeitsstelle oder Ihren Studienplatz innerhalb der Bundesrepublik Deutschland und in allen Staaten der Europäischen Union frei wählen.

Darüber hinaus gelten für Sie weitere Grundrechte wie die Gleichstellung von Mann und Frau, Schutz der Menschenwürde, Religionsfreiheit oder Meinungsfreiheit.

Ich möchte Sie ermutigen, die mit dem Erwerb der deutschen Staatsangehörigkeit eingetretene Veränderung als Chance wahrzunehmen, noch intensiver an unserem Gesellschaftsleben teilzunehmen. Hierbei ist aber die Wahrung Ihrer kulturellen und religiösen Identität eine unverzichtbare Bereicherung für uns alle. Die Brücken auf diesem Weg heißen Verständnis, Respekt, Akzeptanz und Toleranz. Und ein besonders wichtiger Brückenpfeiler ist die Anerkennung der Individualität und Identität des Anderen. Dieses Verständnis basiert auf der Grundlage unserer rechtsstaatlichen und verfassungsmäßigen Ordnung.

Da dem Thema Integration eine besondere Bedeutung zukommt beabsichtigt die Stadt Regensburg in diesem Jahr eine zentrale Organisationseinheit zu schaffen, zu der neben der Koordinierungsstelle für Flüchtlinge und Asylsuchende auch die Abteilung für Ausländerangelegenheiten gehören sollen. Ziel dieses neuen Amtes ist, die Aufgaben der bisher getrennten Abteilungen zusammenzuführen, zentral zu bündeln und den Mitbürgerinnen und Mitbürgern mit Migrationshintergrund eine zentrale Anlaufstelle zu bieten.

Für das Funktionieren unserer Gesellschaft ist es zudem von großer Bedeutung, dass Sie sich als Staatsbürgerin und Staatsbürger in diesem Land und in unserer Stadt zu Wort melden und unser Gemeinwesen mitgestalten. Dazu zählt auch die Teilnahme an politischen Wahlen, wozu Sie in den nächsten Jahren mehrfach Gelegenheit haben werden. Sie alle sind aufgerufen, Ihr Wahlrecht zu nutzen und damit aktiv mitzuwirken, denn Wahlen gehören zu den wichtigsten Eckpfeilern unserer Demokratie.

Exemplarisch für die besondere Teilnahme am kulturellen und öffentlichen Leben darf ich Frau Maia Simmet erwähnen, die ich heute auch persönlich begrüßen darf. Frau Simmet wurde, so wie Sie alle, im vergangenen Jahr eingebürgert. Nachdem sie ihr Germanistikstudium im Heimatland Georgien beendet hatte, entschloss sich Frau Simmet im Jahr 2002, ihr Studium in Deutschland fortzusetzen. Nach ihrer Einreise und der bestandenen deutschen Sprachprüfung für den Hochschulzugang für ausländische Studenten (DSH) begann sie 2003 ein Studium an der Universität Regensburg in den Fachbereichen Germanistik und Slavistik. 2006 legte sie eine 3-jährige Babypause ein. Anschließend setzte sie ihr Studium mit einem zusätzlichen Aufbaustudium „ Deutsch als Fremdsprache“ fort. 2011 schloss sie ihr Studium mit dem Titel „Bachelor of Arts“ erfolgreich ab.

Schon während ihres Studiums engagierte sich Frau Simmet bei verschiedenen Regensburger Institutionen auf unterschiedlichsten Gebieten. So übernahm Sie beim Amt für Jugend und Familie der Stadt Regensburg beim Projekt „Elterntalk“ mit den Themen Internet, Gewalt und Konsum für einen Zeitraum von mehr als 2 Jahren die Moderation und Durchführung. Als pädagogische Mitarbeiterin an der Schule am Napoleonstein übernahm sie die Hausaufgaben- und Freizeitbetreuung für Kinder der Ganztagsbetreuung. Frau Simmet war Vorsitzende und Mitbegründerin des Georgisch-Deutschen Kulturvereins IMER-AMIER, dessen Motto „Georgien im Herzen – in Regensburg zu Hause“ ist und welches auch hier so gelebt wird. Hier wurden regelmäßig ehrenamtlich Deutschkurse von ihr organisiert und abgehalten.

Seit März 2011 arbeitet Sie als Klassenleiterin der Flüchtlingsklasse und Lehrkraft für Deutsch, Sozialkunde und interkulturelles Training an der Kerschensteiner Berufsschule in Regensburg. Ebenfalls im Jahr 2011 ist Frau Simmet mit dem „Aumüller-Integrationspreis“ ausgezeichnet worden. Sie erhielt den Preis für Ausarbeitung hervorragender Konzepte, in denen Personen mit Migrationshintergrund in vorbildlicher Weise gefördert werden. Im Dezember 2014 wurde Frau Simmet in den Integrationsbeirat der Stadt Regensburg gewählt.

Dessen Aufgabe ist es, Menschen mit Migrationshintergrund in der Stadt zu repräsentieren und den Stadtrat in deren Angelegenheiten durch Anregungen, Empfehlungen und Stellungnahmen zu beraten.

Für Ihr großartiges Engagement will ich Ihnen, Frau Simmet, persönlich und natürlich auch seitens der Stadt Regensburg recht herzlich danken, da es sich hier um ein Musterbeispiel für eine gelungene Integration handelt. Gleichzeitig hoffe ich, dass ihr gesellschaftliches Engagement der Stadt Regensburg noch lange erhalten bleibt.

Dass ich hier nur ein Beispiel einer besonders gelungenen Integration nenne, soll keinesfalls die Leistung anderer schmälern. Ich möchte Sie ermutigen, sich gesellschaftlich zu engagieren, sei es in Parteien, Verbänden, Gewerkschaften, Sportvereinen, bei der Freiwilligen Feuerwehr oder in einer anderen Einrichtung oder Organisation. Schließlich sind wir alle daran interessiert, dass Sie sich in Ihrer neuen Heimat wohlfühlen.

In diesem Sinne möchte ich mit Ihnen nun auf Ihr Wohl das Glas erheben und einige von Ihnen in einem persönlichen Gespräch näher kennen lernen.