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Verkehrsfreigabe erster Bauabschnitt Steinerne Brücke

- Es gilt das gesprochene Wort! -

Grußwort von Herrn Oberbürgermeister Joachim Wolbergs anlässlich der Verkehrsfreigabe des ersten Bauabschnitts der Steinernen Brücke am 20. Juli 2015, um 10 Uhr

Anrede

Als die Steinerne Brücke vor rund 870 Jahren erbaut wurde, soll – so erzählt es zumindest die Sage – der Teufel seine Hand im Spiel gehabt haben. 

Ich bin sicher, Sie alle kennen die Geschichte von der Wette zwischen dem Brückenbaumeister und dem Dombaumeister, wer sein Bauwerk früher vollenden werde. Bekanntlich hat der Brückenbaumeister die Wette gewonnen – aber nur, weil er einen Pakt mit dem Teufel geschlossen hatte: Hilfe beim Brückenbau gegen die Seelen der ersten Lebewesen, die die neue Brücke betreten. Für den Teufel ist die Rechnung dann allerdings nicht aufgegangen, denn der Brückenbaumeister hat als erste Lebewesen ein paar Tiere über die Brücke gescheucht. Vor Zorn soll der Teufel versucht haben, das neue Bauwerk gleich wieder zu zerstören, was ihm aber nicht gelungen ist.

Meine sehr geehrten Damen und Herren,
ich kann Sie beruhigen: bei der aktuellen Instandsetzung, deren ersten Bauabschnitt wir heute feierlich der Öffentlichkeit übergeben, sind unsere Brückenbauer nicht mit dem Teufel im Bunde. Ihre Seelen sind also in Sicherheit.

Aber: Bei dem Ärger, der diesen Bauabschnitt zeitweise begleitet hat, hätten abergläubische Naturen manchmal durchaus glauben können, dass der Teufel hier späte Rache an den Nachfahren des Brückenbaumeisters nehmen möchte.

Wie in der Sage ist die Geschichte jedoch auch hier für die Brückenbauer am Ende gut ausgegangen: Der nördliche Teil der Steinernen Brücke liegt jetzt fertig saniert vor uns und darf ab heute von den Regensburgerinnen und Regensburgern wieder genutzt werden. Allerdings wohlgemerkt nur noch zu Fuß oder mit dem Fahrrad. Für den Kfz-Verkehr bleibt die Brücke dauerhaft gesperrt, so wie es der Stadtrat 2008 beschlossen hat.

Meine sehr geehrten Damen und Herren,
lassen Sie uns kurz zurückblicken auf den ersten Bauabschnitt, dessen Fertigstellung wir heute feiern. Die wesentlichen Bestandteile dieses Bauabschnitts waren die Instandsetzung der Bögen 12 bis 15 (inklusive Brückenoberfläche) und die Sanierung des nördlichen Brückenvorplatzes. 

Die Instandsetzung dieser ersten vier Bögen auf der Nordseite der Brücke bedeutete eine besondere Herausforderung. In diesen Bögen ist nämlich noch sehr viel Original-Bausubstanz aus dem 12. Jahrhundert enthalten – mehr als in anderen Teilen der Brücke. 

Hinzu kam, dass die Bögen in diesem Brückenabschnitt besonders starke Schäden aufgewiesen haben. Mit verantwortlich für diese besonders großen Schäden war eine aus heutiger Sicht unsachgemäße Sanierung in den 1960er Jahren. Damals hatte man Löcher im Natursteinmauerwerk mit Zement und zementgebundenem Mörtel aufgefüllt. Durch den Zement konnte das Niederschlagswasser, das in den Bogen einsickerte, nicht mehr abfließen. Es bildeten sich Wasseransammlungen im Mauerwerk, die die Zersetzung des Natursteins beschleunigt haben.

Damit so etwas nicht noch einmal passiert, wurde die aktuelle Sanierung akribisch vorbereitet: Die ersten Untersuchungen fanden bereits in den 1990er Jahren statt. Das Sanierungskonzept wurde in enger Abstimmung mit den Denkmalschutz-Behörden des Freistaats Bayern und der Stadt Regensburg erarbeitet.

Das oberste Ziel lautete dabei: Die Steinerne Brücke soll substanzschonend und denkmalgerecht saniert werden. Löcher und Risse werden dabei durch Naturstein – im Wesentlichen durch Regensburger Grünsandstein – ersetzt.  

Glücklicherweise hatte die Stadt ausreichend Bestände dieser Steine aus früheren Brücken-Abbrüchen vorrätig. Und glücklicherweise hatten diese Steine auch die nötige Qualität, um in ein historisches Bauwerk wie die Steinerne Brücke eingebaut zu werden. Das haben mehrere Gutachten bestätigt.

Die Arbeiten auf der Steinernen Brücke haben 2010 hier an der Nordseite begonnen. Damals wurden zunächst die Behelfsstege, das Gerüst und die Einhausung errichtet und die Brüstungen sowie der Fahrbahnbelag entfernt. Im Jahr darauf folgte die Natursteininstandsetzung des Schild- und Bogenmauerwerks.

Leider zeigte sich bald, dass die damit beauftragte Firma mit den Arbeiten im gesetzten Zeitraum nicht fertig wurde und nicht absehbar war, bis wann sie diese zu Ende bringen würde.

Um die Anschlussarbeiten in den weiteren Bauabschnitten nicht zu gefährden, hat die Stadt damals zweierlei getan:

  • Sie hat den zweiten Bauabschnitt (die Sanierung der Rampe zum Oberen Wöhrd) so begonnen, wie er im Bauzeitenplan vorgesehen war, obwohl der erste Bauabschnitt noch nicht fertig war. Das bedeutete freilich auch, dass zusätzliche Behelfsstege errichtet werden mussten, weil die Stege aus Bauabschnitt eins noch gebraucht wurden und nicht wie geplant umgesetzt werden konnten.
  • Zum anderen hat die Stadt im Jahr 2013 die Firma für die Natursteinarbeiten ausgewechselt. Glücklicherweise haben wir damals eine Firma gefunden, mit der die Zusammenarbeit reibungslos lief, so dass auch der erste Bauabschnitt erfolgreich weitergetrieben werden konnte. Die verlorene Zeit in diesem ersten Bauabschnitt war jedoch nicht mehr aufzuholen.

Auch im dritten und vierten Bauabschnitt konnten wir dieselbe Firma mit den Natursteinarbeiten beauftragen. Wir haben also allen Grund, davon auszugehen, dass es hier ebenfalls ohne Komplikationen weiterlaufen wird.

Ohne Komplikationen und plangemäß ist auch der Bauabschnitt 2 verlaufen: Er hat den ersten Bauabschnitt auch in der Ausführung überholt und wurde im Dezember 2013 fertiggestellt.

Meine sehr geehrten Damen und Herren, 
zur Instandsetzung einer Brücke gehört natürlich nicht nur das Mauerwerk, sondern auch der sogenannte Brückenüberbau, also die Brüstungen und der Fahrbahnbelag mit Sockelsteinen und Abflussrinnen.

Dieser Überbau der Steinernen Brücke – das kann man jetzt, da rund die Hälfte der Brücke fertig ist, sehr gut sehen – bekommt im Zuge der Sanierung ein verändertes Gesicht, das wieder stärker an die Gestaltung der Brücke bis zum Ende des 19. Jahrhunderts anschließt. Die Brüstungen bestehen nicht mehr aus Beton, sondern aus massivem Flossenbürger Granitstein; und anstelle von Kopfsteinpflaster werden Natursteinplatten – ebenfalls aus einheimischem Granit – verlegt. Die neue Gestaltung wurde im Jahr 2009 in enger Abstimmung mit der Denkmalpflege an einem Musterbauwerk erarbeitet. 

Wir werden oft gefragt, warum wir die Brücke jetzt so modern gestalten und nicht einfach das „historische Kopfsteinpflaster“ erneuert haben. Lassen Sie mich deshalb an dieser Stelle noch einmal betonen: Kopfsteinpflaster (der Fahrbahnbelag also, der uns so vertraut ist) wurde auf der Steinernen Brücke erst im Jahr 1903 im Zuge des Straßenbahn-Baus verlegt.

Und die Betonbrüstungen, die wir jetzt entfernt haben, stammen aus der letzten Sanierung der Brücke in den 1950er/60er Jahren. Der Brückenüberbau musste nämlich im Lauf der Zeit immer wieder komplett erneuert werden, da dieser Teil der Brücke am stärksten abgenutzt wird.

In früheren Jahrhunderten ist dabei für die Brüstungen neben Sandstein und anderen Materialien nachweislich auch Flossenbürger Granit verwendet worden, zuletzt in den Jahren 1877/78. Der Fahrbahnbelag bestand seit dem 17. Jahrhundert aus Granitblöcken aus dem Steinbruch Hirschling, nördlich von Regensburg. Die scheinbar neue Gestaltung ist also eigentlich eine Rückkehr zum historischen Natursteinmaterial.

Wir möchten die Brücke damit übrigens auch bewusst von den anderen Straßen der Stadt absetzen und ihre besondere Bedeutung betonen. Aus diesem Grund haben wir auf den Brückenvorplätzen nicht die Gestaltung der Brücke fortgesetzt, sondern sie nach dem Muster der Altstadtgassen mit Kleinsteinpflaster aus Granit gestaltet.

Eine echte Neuerung, die aber von außen nicht sichtbar ist, ist der Aufbau der Fahrbahn: Unter den Granitplatten wurden mehrere Schichten einer Abdichtung aufgebracht, die das Durchsickern von Niederschlagswasser in die Bögen verhindern. Die historische Bausubstanz wird so geschützt.

Meine sehr geehrten Damen und Herren,
die Sanierung eines historischen Wahrzeichens wie der Steinernen Brücke könnte eine Kommune nicht allein bewältigen. Zum Glück müssen wir das auch nicht, und dafür sind wir sehr dankbar. Die insgesamt rund 20 Millionen Euro Sanierungskosten werden zu rund zwei Dritteln gefördert.

An dieser Förderung beteiligen sich:

  • der Bund mit Mitteln aus dem Programm zur Förderung von Investitionen in nationale UNESCO-Welterbestätten und aus dem Bereich der Städtebauförderung,
  • der Freistaat Bayern mit Mitteln aus dem Bereich der Städtebauförderung, aus dem Entschädigungsfonds und dem Kulturfonds Bayern,
  • die Bayerische Landesstiftung,
  • der Bezirk Oberpfalz und
  • die Deutsche Stiftung Denkmalschutz.

Allen Zuwendungsgebern ein herzliches Dankeschön.

Danken möchte ich auch allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Stadt Regensburg, des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege und aller anderen beteiligten Stellen und Behörden, die an der Planung und Ausführung des ersten Bauabschnitts beteiligt waren, sowie bei den zahlreichen Büros und Firmen, die daran mitgearbeitet haben.

Im Einzelnen sind hier zu nennen:

  • das Büro für Baukonstruktionen von Dr. Ralf Egermann das die Planungen erstellt hat,
  • die Firma Roland Benke, die die vorbereitende Bauforschung betrieben hat,
  • die Steinwerkstatt von Herrn Sebastian Endemann, die die Fachbauleitung übernommen und die Belange der Denkmalpflege mit vertreten hat,
  • die TÜV Rheinland LGA Bautechnik GmbH, die die technischen Untersuchungen durchgeführt hat,
  • die Bamberger Natursteinwerke Hermann Graser GmbH, die die Bögen saniert hat,
  • die ARGE Scholz/Hermann/Baumann, die die Brüstungen geliefert und versetzt hat,
  • die Max Bögl GmbH, die die Abdichtungen erstellt hat,
  • die Michael Leitner GmbH, die die Nordrampe am Brückenbasar gepflastert und den Brückenbelag hergestellt hat,
  • die Stahlbau Mühlbauer GmbH, die die Behelfsstege errichtet hat

und

  • die Matthias Bauer GmbH, die die Gerüste aufgestellt hat.

Allen Beteiligten vielen Dank!

Ein besonderes Dankeschön möchte ich außerdem an alle Regensburgerinnen und Regensburger richten – insbesondere natürlich an die Bewohner und Geschäftsleute von Stadtamhof und an die Spitalstiftung. Mit der jahrelangen Baustelle direkt am wichtigsten Zugang zur Haupt- und Geschäftsstraße von Stadtamhof mussten wir Ihnen Einiges abverlangen.

Ich möchte mich deshalb ausdrücklich für Ihre Geduld, Ihr Verständnis und Ihre Unterstützung bedanken, mit der Sie unsere Arbeiten begleitet haben.

Meine sehr geehrten Damen und Herren,
die Arbeiten an der Steinernen Brücke sind noch nicht abgeschlossen, aber mit der Fertigstellung des ersten Bauabschnitts ist ein wichtiger Meilenstein erreicht.

Momentan läuft die Baustelle zügig weiter. Im Bauabschnitt 3, der gerade auf der Südseite läuft, liegen wir gut im Zeitplan. Dieser Teil der Brücke wird voraussichtlich nächstes Jahr abgeschlossen. Parallel dazu werden wir im Frühjahr 2016 in der Brückenmitte mit dem vierten Bauabschnitt beginnen.

Wenn nichts Unvorhergesehenes mehr passiert, können wir die Baustelle Steinerne Brücke wie geplant im Jahr 2017 abschließen und das Regensburger Wahrzeichen wieder komplett den Bürgerinnen und Bürgern übergeben.

Ich würde mich freuen, wenn ich Sie alle dann auch wieder hier auf der Steinernen Brücke begrüßen dürfte.

Jetzt aber wollen wir erst einmal den ersten Bauabschnitt freigeben. Zuvor spielen noch einmal die Mühlbacher Musikanten unter der Leitung von Hans Gabler.