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Grundsteinlegung Haus der Bayerischen Geschichte

- Es gilt das gesprochene Wort - 

Rede des Oberbürgermeisters Joachim Wolbergs anlässlich des Staatsakts zur Grundsteinlegung Haus der Bayerischen Geschichte am Freitag, 22. Mai 2015, 11 Uhr

Begrüßung,  

Ministerpräsident Horst Seehofer
Staatminister für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst Dr. Ludwig Spaenle
Stellvertreter des Staatsministers des Innern, für Bau und Verkehr Joachim Herrmann
Direktor des Hauses der Bayerischen Geschichte Dr. Richard Loibl
Bischof Dr. Rudolf Voderholzer
Regionalbischof Dr. Hans-Martin Weiss

Anrede, die heutige Grundsteinlegung zum Museum der Bayerischen Geschichte ist für Regensburg ein Anlass zu großer Freude.

Genauso groß war bereits unsere Freude, als wir im Wettbewerb mehrerer bayerischer Städte den Zuschlag für den Standort bekamen. 

Die Konkurrenz war damals beträchtlich; umso mehr sind wir stolz darauf, dass wir mit einem schlüssigen Konzept, wie das neue Museum in die bestehende Regensburger Museumslandschaft eingebettet werden soll, und mit einem unvergleichlich attraktiven Standort mitten in der Altstadt und direkt an der Donau den Freistaat Bayern als Bauherrn überzeugen konnten.

Mit der Grundsteinlegung findet in Regensburg ein jahrzehntelanger Diskussionsprozess über die Nutzung einer der wenigen großen Freiflächen in der Altstadt, den Donaumarkt, einen glücklichen Abschluss.

Eine kulturelle Nutzung an diesem prominenten Standort war immer das Konzept der Stadt Regensburg.

Das Museum der Bayerischen Geschichte füllt diese Idee in einer aus unserer Sicht idealen Art und Weise mit Leben.

Beim Baugelände handelt es sich topographisch um ein absolutes Filetstück. Bombentreffer des Zweiten Weltkriegs, von denen die Altstadt sonst ja zum Glück weitestgehend verschont geblieben ist, und eine aus heutiger Sicht verfehlte Verkehrsplanung der 1950-er und 1960-er Jahre ließen – städtebaulich einzigartig in Regensburg – eine weiträumige Freifläche entstehen, die zu großzügiger und kreativer Gestaltung geradezu einlud.

Dass es nun ausgerechnet ein Museum, ein historisches Museum, sein wird, mit dem dieses Filetstück bebaut und belebt wird, passt perfekt zu seiner historischen Dimension.

Sie ist im Rahmen der archäologischen Untersuchungen, die wir im Vorfeld der heutigen Grundsteinlegung durchgeführt haben, deutlich zu Tage getreten.

Gefunden wurden unter anderem eindrucksvolle Zeugnisse aus römischer Zeit und Hinweise auf eine frühmittelalterliche Gerichtsstätte.

Sie stehen exemplarisch für etwas, was zum innersten Kern der Regensburger Identität gehört: das hohe Alter der Stadt und ihre mittelalterliche Blütezeit als damaliger Zentralort Bayerns.

Von dieser Identität ausgehend, kann Regensburg dem neuen Museum mit gelassenem Selbstbewusstsein seine eigene Geschichte, dokumentiert in seiner eigenen Museumslandschaft, zur Seite stellen.

Die Kombination, die sich für die Zukunft abzeichnet, ist geradezu ideal:

Das Museum der Bayerischen Geschichte wird schwerpunktmäßig das 19. und 20. Jahrhundert abdecken; unser Historisches Museum geht ergänzend und kontrastierend zurück ins Mittelalter, in die Römerzeit und bis in die Vor- und Frühzeit.

Und natürlich auch: Das Museum der Bayerischen Geschichte erzählt von der Vergangenheit aus der Perspektive des ganzen Landes; unsere Museen der Stadt Regensburg betonen dagegen die regionale und lokale Sichtweise.

Und daran ist besonders spannend, dass es nicht einfach nur die gleiche Geschichte, erzählt aus einer anderen Perspektive, ist, sondern oft genug eine alternative, eine eigene Geschichte: die einer Stadt und ihrer Bürger, einer Freien Reichsstadt und ihrer freien Bürger, mit eigenen Traditionen und einem eigenen Lebensstil.

All das wird im Nebeneinander verschiedener Häuser in naher Nachbarschaft zu sehen sein.

Das ist der nächste höchst interessante – und von uns deshalb immer besonders betonte – Aspekt beim neuen Museum:

Mit ihm wird ein regelrechtes Museumsquartier in Regensburg entstehen. Zum Historischen Museum sind es vom Donaumarkt nur ein paar Minuten zu Fuß, und auf dem Weg liegt außerdem noch unsere städtische Galerie im „Leeren Beutel“.

Direkt gegenüber kann man im „document Legionslagermauer“ die römische Vergangenheit Regensburgs sogar am Originalort besichtigen.

Hinzu kommen zahlreiche weitere Museen in der Altstadt – und natürlich die Altstadt selber, mit ihren knapp 1000 Baudenkmälern und ihrem Status als UNESCO-Welterbe:

Das alles ist ein Umfeld für das Museum der Bayerischen Geschichte, wo sich Ergänzungen, Querverweise, Synergien ganz von allein ergeben.

Lassen Sie es mich als Oberbürgermeister so sagen: „Was Sie im Museum der Bayerischen Geschichte nicht sehen, das sehen Sie bei uns.“

Ohne den Fachleuten vorgreifen zu wollen: So könnte dann auch ein Marketingkonzept der Zukunft aussehen.

Und ein Konzept für die Wissenschaftler, wie sie in den Museen gemeinsame Schnittmengen, aber auch unterschiedliche Schwerpunkte bei ihren Sammlungen und Forschungen definieren.

Wie gut staatliche und städtische Museen zusammenwirken können, das haben wir im letzten Jahr anlässlich der Bayerischen Landesausstellung „Ludwig der Bayer. Wir sind Kaiser!“, gesehen.

Vor diesem Hintergrund und den positiven Erfahrungen, die wir dabei gemacht haben, möchte ich dem Freistaat Bayern danken für die Grundsatzentscheidung, das Museum der Bayerischen Geschichte in Regensburg anzusiedeln.

Ich danke den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern vom Haus der Bayerischen Geschichte für ihr Engagement und bin schon im Vorfeld voller Bewunderung für die viele Arbeit, die sie in der kurzen Zeit bis zur Eröffnung zu bewältigen haben werden.

Ein ganz herzliches Dankeschön geht aber auch – und nicht zuletzt – an unsere eigenen städtischen Museumsleute, die bei der Landesausstellung ebenso wie bei den Vorbereitungsarbeiten zum neuen Museum eng und mit viel Engagement und Sachverstand mit ihren Kolleginnen und Kollegen vom Haus der Bayerischen Geschichte zusammengearbeitet haben und sicher in Zukunft auch weiterhin zusammenarbeiten werden.

Dass der Festakt zur Grundsteinlegung des Museums der Bayerischen Geschichte in Räumlichkeiten des Historischen Museums von Regensburg stattfindet, sehe ich als ein Zeichen und ein Symbol dafür, wie eng zwischen beiden Institutionen schon jetzt kooperiert wird – und genauso soll und wird es auch in der Zukunft sein!