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Eröffnung der Ausstellung „PanAmericanArte. Kulturen verbinden – Brücken bauen“

Grußwort von Herrn Oberbürgermeister Joachim Wolbergs zur Eröffnung der Ausstellung „PanAmericanArte. Kulturen verbinden – Brücken bauen“ am Donnerstag, den 9. April 2015 in der Minoritenkirche des Historischen Museums, 18 Uhr

Meine sehr verehrten Damen und Herren, sehr verehrter Herr Kulturreferent Unger, lieber Herr Dr. Germann-Bauer, liebe Stadtratskolleginnen und –kollegen,

ich darf Sie alle recht herzlich hier in der Minoritenkirche des Historischen Museums der Stadt Regensburg willkommen heißen.

Ein besonderer Gruß ergeht zunächst an den Generalkonsul der Republik Peru, Ernesto Moisés Pinto-Bazurco Rittler. Wir freuen uns sehr, dass Sie uns mit Ihrem Besuch die große Ehre erweisen.

Ebenso ein herzliches Willkommen an das Ehepaar Mariana Steiner und Michael Schäffer, die das hier präsentierte Kunstprojekt PanAmericanArte ins Leben gerufen haben. Auch das Andy Weiss Trio, die unsere Vernissage musikalisch rahmen, möchte ich herzlich begrüßen.

Am Anfang war – ein Weihnachtsgeschenk: Vor gut 40 Jahren nämlich fand ein Junge ein Buch unterm Christbaum, das seiner Biografie die entscheidende Richtung und Weichenstellung vorgeben sollte. „Traumstraße der Welt", so lautete der vielversprechende Titel, dessen Verfasser der Filmemacher Hans Domnick war.

Der war irgendwann Mitte der 50er Jahre, in Begleitung seiner Ehefrau und ausgerüstet mit verschiedenen Autos und Cinemascope-Kameras, über den großen Teich gereist, um sodann seine Fahrt, die Panamericana von Alaska bis nach Feuerland hinunter, filmisch zu dokumentieren. Für das Ergebnis, den zweiteiligen Dokumentarfilm „Traumstraße der Welt", erhielt er 1958 bei den Filmfestspielen in Berlin sogar den Silbernen Bären.

Dass sich dieser Hans Domnick auch aufs Marketing verstand, ist nicht nur am gleichnamigen Kartenspiel erkennbar, er erweiterte die Verwertungskette zudem um das Buch zum Film – von dem eingangs schon die Rede war. Diesen opulenten Bildband nämlich fand ein 12-jähriger Junge in Hemau im Jahr 1969 unterm Christbaum.

Das ist die Geburtsstunde des Lebenstraums von Michael Schäffer. Die legendäre Panamericana von Norden nach Süden zu befahren, dieser Wunsch wird ihn nicht mehr loslassen.

Die Panamericana, sie ist viel mehr als eine bloße Verbindung von A nach B und auch mehr als ein transkontinentaler Transportweg: Sie ist ein Netzwerk, eine langgestreckte Lebensader von Alaska im hohen Norden bis Argentinien im tiefen Süden.

Ein Kapillarsystem, das den Kontinent mit Gütern und Menschen durchströmt und das nicht nur extreme Entfernungen, sondern auch kulturelle Grenzen überwindet. Bereits bei den Planungen dieser Straße in den 1920er Jahren, war die Vision von einer Route der Völkerverständigung ein entscheidender Geburtshelfer.

Diesem Pfad folgte auch Michael Schäffer mit seinem hier präsentierten Kunstprojekt PanAmericanArte. Er war allerdings nicht alleine unterwegs, sondern gemeinsam mit seiner Frau, der Künstlerin Mariana Steiner. Als Diplomatentochter war ihre Weltanschauung von Anfang eine Grenzanschauung.

Aufgewachsen in Argentinien und Costa Rica wurde sie später geprägt vom geteilten Berlin: Mit ihren Eltern lebte sie in der Hauptstadt der DDR. Die Schule besuchte sie aber im anderen Teil der Stadt. Tag für Tag passierte sie den Checkpoint Charlie, morgens von Ost nach West, und nach Schulende wieder von West nach Ost.

Das, sagt sie, war für sie eine so wichtige Erfahrung: Grenzen sind dazu da, überwunden zu werden. So war der Schritt zum Kunstprojekt PanAmericanArte nur mehr ein Katzensprung: Entlang dieser historischen Straße sollte ein grenzüberschreitendes Gemälde geschaffen werden. Grenzen überwinden und Menschen verbinden – das war der Kerngedanke, mit dem das Ehepaar sich vor drei Jahren, also 2012 auf den Weg machte.

Aller Anfang ist schwer – das kenne ich zur Genüge aus der Politik. Von der Vision zur Verwirklichung ist es oft ein steiniger Weg. Auch die ersten Meter dieses Projekts sollten sich als mühevoll erweisen. Denn den Künstlern war die Idee zunächst nur schwer zu vermitteln. Aber: Die Kraft des Konzepts entfaltete nach und nach seine eigene Dynamik.

Ab der Wegmarke Mexiko lief alles wie am Schnürchen. Dort erhielt das Projekt PanAmericanArte viel Aufmerksamkeit, weil Presse und Fernsehen vor Ort für die nötige Publizität sorgten. Von da an verbreitete sich die Message über die Medien wie ein Lauffeuer.

Auf der Reise durch insgesamt 20 Länder des amerikanischen Kontinents summierte sich nicht nur die zurückgelegte Strecke auf mehr als 100.000 Kilometer, auch die Länge der Leinwand – Sie sehen sie hier in ihrer eindrucksvollen Dimension – wuchs entlang der Route. Mehr als 150 Künstlerinnen und Künstler verschrieben sich dieser Idee und trugen gemeinsam dazu bei, dass sich Werk an Werk fügt und so ein malerisches Manifest der visuellen Völkerverständigung entstehen konnte.

Am Ende spannten die 115 Meter einen beeindruckenden Bilderbogen über die trennenden Ländergrenzen hinweg. Allein die Universalsprache der Kunst baut Brücken und bringt Kulturen zusammen: Bis heute vereint das bunte Band der gemeinsam gestalteten Leinwand die Menschen über den Kontinent hinweg. Zurück bleibt ein nachhaltiges Netzwerk benachbarter Weggefährten, die sich freundschaftlich verbunden fühlen.

Ziel war es, ein künstlerisches Spiegelbild jener Vielfalt zu schaffen, die den amerikanischen Kontinent kennzeichnet. So, wie die Panamericana von einem Polarkreis zum anderen durch den gesamten amerikanischen Doppelkontinent führt, durch die einsame Gletscherwelt Alaskas, die bizarren Bergkulissen der Rocky Mountains in Kanada, das brodelnde Erdreich im Wunderland des Yellowstone Nationalparks, das atemberaubende Landschaftsdrama des Grand Canyon, die großen Tempelanlagen der alten Azteken- und Mayakulturen in Mexiko, die Vulkangebirge Mittelamerikas, die Urwaldströme Venezuelas, die tropische Pflanzenwelt Kolumbiens und Ecuadors, die Hochebene von Peru mit der einstigen Königsstadt Cuzco oder der blaugrün schimmernde fast 4000 Meter hoch gelegene Titicacasee an der Grenze nach Bolivien, die zerklüftete Steilküste von Chile und die unermessliche Pampa Argentiniens.

So vielfältig präsentiert sich auch das künstlerische Kaleidoskop, das Mariana Steiner und Michael Schäffer von ihrer Reise als beredtes Zeugnis mit nach Hause gebracht haben. Ein Werk scheint dem anderen die Hand zu reichen, sodass dieser karge Kirchenraum des ehemaligen Minoritenklosters am Dachauplatz durchwirkt wird von einem farbenfrohen Band.

Lassen Sie mich am Ende den jüngst verstorbenen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker zitieren. Er hat einmal gesagt: „Es geht nicht darum, Grenzen zu verschieben, sondern ihnen den trennenden Charakter für die Menschen zu nehmen.“ Mariana Steiner und Michael Schäffer haben mit ihrem Kunstprojekt PanAmericanArte diese Mission mustergültig erfüllt.

Wir sind sehr stolz, dass diese Ausstellung erstmals in voller Länge ihre Premiere hier bei uns in Regensburg feiert. Mein Dank gilt all jenen, die zum Gelingen beigetragen haben: Insbesondere Ihnen beiden, Mariana Steiner und Michael Schäffer, aber auch den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Historischen Museums. Ebenso natürlich den drei Musikern des Andy Weiss Trios – Ihnen selbst Herr Weiss, Sebastian Wintermeier und Frank Wittich – sei herzlich für stimmige musikalische Begleitung gedankt.

Ein besonderer Dank geht an unsere Medienpartner: Die Mittelbayerische Zeitung, TVA und Charivari, die diese Ausstellung als überaus kompetente wie erfahrene Pressepartner begleiten. Auch bei der Sparda-Bank Ostbayern bedanken wir uns ganz herzlich für die großzügige Spende. Ebenso freuen wir uns sehr über die Kooperation mit Medimax, die uns die großen Flachbildschirme zur Verfügung stellen.

Ich wünsche dieser Ausstellung, die ich hiermit als eröffnet erkläre, zahlreiche interessierte Besucherinnen und Besucher!