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Eröffnung des Regensburger Christkindlmarktes

- Es gilt das gesprochene Wort! -

Rede von Oberbürgermeister Joachim Wolbergs zur Eröffnung des Regensburger Christkindlmarktes, am Montag, 23. November 2015, um 18 Uhr auf dem Neupfarrplatz

Anrede

Nach den dramatischen Ereignissen der letzten Wochen habe ich lange überlegt, mit welchen Worten ich Sie alle diesmal zur Eröffnung unseres traditionellen Christkindlmarktes willkommen heißen kann. 

Mir ist dabei sehr Vieles durch den Kopf gegangen, und schließlich bin ich auf ein kurzes Volksgedicht aus Brasilien gestoßen, das – wie ich finde – uns gut dabei helfen kann, wieder zur Normalität zurückzufinden. Es erzählt davon, dass die Bedeutung von Weihnachten nicht auf ein paar Tage am Ende des Dezembers begrenzt ist.

In dem Gedicht heißt es: 
„Jedesmal, wenn zwei Menschen einander verzeihen, ist Weihnachten.
Jedesmal, wenn Ihr Verständnis zeigt für Eure Kinder, ist Weihnachten.
Jedesmal, wenn Ihr einem Menschen helft, ist Weihnachten.
Jedesmal, wenn ein Kind geboren wird, ist Weihnachten.
Jedesmal, wenn Du versuchst, Deinem Leben einen neuen Sinn zu geben, ist Weihnachten.
Jedesmal, wenn Ihr einander anseht mit den Augen des Herzens, mit einem Lächeln auf den Lippen, ist Weihnachten.“

Liebe Regensburgerinnen und Regensburger,
in diesem Jahr tun sich viele unter uns schwer damit, all das auszublenden, was uns die täglichen Nachrichten bringen. In diesem Jahr ist alles etwas anders. Aber gerade deswegen finde ich es sehr gut, dass Sie, liebe Regensburgerinnen und Regensburger, es sich nicht nehmen lassen, die traditionelle Eröffnung unseres Christkindlmarkts mitzuerleben. 

Ich begrüße Sie ganz herzlich! 

In diesen Gruß schließe ich natürlich auch alle ein, denen es jetzt nicht möglich ist, bei uns zu sein. Ich finde es schön, dass in ganz Ostbayern die Hörerinnen und Hörer von Radio Charivari diese Eröffnung live miterleben und sich vorstellen können, welch ganz besonderen Atmosphäre wir gerade erleben dürfen: Ein kleines, hell erleuchtetes Budendorf, mitten in unserer wunderschönen Altstadt, mit diesem unvergleichlichen Duft nach Knacker mit allem.  

Trotz allem, was wir in der letzten Zeit erleben mussten, beginnt für uns jetzt wieder eine ganz besondere Zeit im Jahr. Eine Zeit mit hellem Lichterschmuck in den Straßen, mit  der Suche nach Geschenken und mit dem Wunsch, an Weihnachten endlich einmal wieder Harmonie und Ruhe finden zu können. Die Vorfreude auf die Weihnachtstage können wir uns ohne die Christkindlmärkte  nicht vorstellen – und erst recht nicht ohne diesen wunderbaren Christkindlmarkt hier auf dem Neupfarrplatz. 

Wir freuen uns über leuchtende Kinderaugen, die über Christbaumkugeln, Weihnachtspyramiden und Kerzenlicht staunen. Wir fiebern mit unseren Kleinen dem Öffnen des letzten Türchens auf dem Adventskalender entgegen. Und wir erinnern uns an unsere eigene Kindheit, als das Stückerl Schokolade, das jeden Tag ein neues Türl freigegeben hat, für uns etwas ganz Besonderes war. Je näher der Heilige Abend gekommen ist, umso mehr haben wir uns auf das Gefühl von Geborgenheit gefreut, das uns Weihnachten bringt.

Liebe Regensburgerinnen und Regensburger,
Christkindlmärkte sind nicht nur dazu da, das Weihnachtsflair in eine Stadt zu zaubern – sie helfen auch wunderbar bei der Suche nach Geschenken. So ein Geschenk muss ja nicht unbedingt teuer sein - aber es soll von Herzen kommen und zeigen: Schau her, ich hab´ an Dich gedacht, und mit dem, was ich für Dich gefunden habe, will ich Dir eine Freude bereiten. Ich bin mir ziemlich sicher, dass Sie an den vielen Buden und Ständen hier in der Altstadt bestimmt etwas finden, mit dem Sie Freude bereiten können.

Freude bereitet ein Christkindlmarkt auch noch in anderer Hinsicht: Hier trifft man sich mit Freunden, mit Verwandten, mit Arbeitskollegen. Und oft begegnet man auf dem Christkindlmarkt auch ganz zufällig Menschen, die man schon lange nicht mehr gesehen hat. Christkindlmärkte bringen die Menschen zusammen – und sie erinnern uns gemeinsam mit der Botschaft des Weihnachtsfests daran, dass wir alle einander brauchen. 

Die Weihnachtsgeschichte lehrt uns etwas ganz wichtiges: Sie lehrt uns Mitmenschlichkeit und Fürsorge, sie lehrt uns das Mitfühlen - und sie lehrt uns, wie wichtig es ist, Menschen in Not beizustehen. Diese Botschaft gilt für uns alle – ganz unabhängig davon, welcher Religion wir angehören, welche Sprache wir sprechen und aus welcher Kultur wir kommen. Es zählt nur, dass wir alle guten Willens sind und dass wir an den großen menschlichen Werten festhalten – und dass wir diese so wichtigen Werte an unsere Kinder und Enkel weitergeben. Dazu gehört auch, dass wir uns um die Menschen kümmern, denen es wirklich nicht gut geht.

Auch in unserer so erfolgreichen und wohlhabenden Stadt gibt es Menschen, die auf unsere Unterstützung und direkte Hilfe angewiesen sind. Ich denke an die vielen älteren Menschen mit viel zu geringer Rente. Ich denke an Familien, die in finanziellen Notlagen stecken oder soziale Probleme bewältigen müssen. Ich denke an Menschen, die dringend nach Arbeit suchen und keine finden können. Und ich denke ganz besonders an Kinder und Jugendliche, die sich vergebens nach Zuwendung und Liebe sehnen.

Wir sind dazu aufgerufen, alles dafür zu tun, dass uns in unserer Stadt niemand verlorengeht. Es liegt an jedem Einzelnen von uns, dass wir gut aufeinander achtgeben. Das gilt auch für die vielen hundert Menschen, die aus Syrien, aus Afghanistan, aus dem Irak und aus vielen anderen Ländern zu uns geflüchtet sind – aus Ländern, in denen Krieg, Verfolgung und große Not herrschen. Nicht oft hat die weihnachtliche Geschichte von der Herbergssuche eine solche Aktualität gehabt wie heute.

Liebe Regensburgerinnen und Regensburger,
ich kann Ihnen kaum sagen, wie sehr ich mich darüber freue, Oberbürgermeister in einer Stadt sein zu dürfen, in der es den Bürgerinnen und Bürgern sehr, sehr wichtig ist, am Schicksal aller Menschen Anteil zu nehmen, die Hilfe brauchen. In unserer Stadt erleben wir eine ganz selbstverständliche, herzliche und tatkräftige Hilfsbereitschaft. Wir sind uns darin einig, dass wir den Menschen, die sich zu uns gerettet haben, nicht nur eine Unterkunft geben wollen. Wir wollen ihnen dabei helfen, so schnell wie möglich zu unserer Stadtgesellschaft dazuzugehören - mit allen Lebensmöglichkeiten, mit allen Rechten und auch mit allen Pflichten.

Wir in Regensburg zeigen deutlich, dass wir uns kümmern und nicht ablehnen. Dass wir Menschen aufnehmen und annehmen. Dass wir sie nicht als namenlose Flüchtlinge ansehen, sondern als unsere Mitbürgerinnen und Mitbürger. Und wir machen auch ganz klar, dass wir wissen, warum all diese Menschen zu uns geflohen sind: Weil sie unsäglichem Schrecken und Leid entkommen wollen. Wir müssen ganz genau zwischen denen unterscheiden, die Leid in die Welt bringen, und denen, die vor diesem Leid fliehen.

Ich würde mich sehr darüber freuen, wenn es uns gelingt, den Zauber unseres Weihnachtsfests mit allen Menschen zu teilen, denen in diesen Tagen kein helles Licht scheint. Dafür braucht es ja auch nicht wirklich viel. Schon ein freundliches Lächeln und ein freundliches Wort können zeigen: Du bist bei uns willkommen, du gehörst zu uns, wir sind bei Dir. Wir tun das aus der festen Überzeugung heraus, dass die Starken den Schwachen und die Wohlhabenden den Armen helfen müssen. Das ist die große Botschaft, die von unserem Weihnachtsfest ausgeht. Diese Botschaft gilt für alle, die in unserer Stadt leben – für die, die hier geboren sind und für die, die neu zu uns kommen.

Wenn wir alle unbeirrbar an diese Botschaft glauben und nach ihr leben, dann werden wir in den Augen unserer Mitmenschen nicht nur an Weihnachten einen besonderen Glanz sehen. Und wir werden nicht nur an Weihnachten spüren, welche persönliche Erfüllung es bringen kann, aus menschlicher Verpflichtung heraus das Gute und das Richtige zu tun.

Ich wünsche Ihnen nun, liebe Regensburgerinnen und Regensburger, viele wunderbare  Momente und Erlebnisse in den kommenden Tagen und Wochen – und ganz besonders auf unserem Christkindlmarkt. 

Ich wünsche uns allen von Herzen eine ruhige und friedvolle Weihnachtszeit.