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Empfang für Bürgerinnen und Bürger, die im Jahre 2014 eingebürgert wurden

- Es gilt das gesprochene Wort! -

Rede von Oberbürgermeisters Joachim Wolbergs anlässlich des Empfangs der im Jahre 2014 eingebürgerten ausländischen Mitbürgerinnen und Mitbürger am 05.03.2015 um 19.00 Uhr im Kurfürstenzimmer des Alten Rathauses. 

Sehr geehrte Damen und Herren, 

ich begrüße Sie zum heutigen Empfang für die im Jahr 2014 eingebürgerten deutschen Staatsangehörigen, und möchte Sie alle herzlich zu diesem feierlichen Anlass im Kurfürstenzimmer des Alten Rathauses willkommen heißen.

Sie traten vergangenes Jahr in einen neuen Lebensabschnitt. Für Sie begann eine Wende in Ihrem Leben.

Sie sagten „Ja!“ zur deutschen Staatsbürgerschaft, gaben dafür, zumindest in den meisten Fällen, ihre vorherige Staatsbürgerschaft auf.

Sie verabschiedeten sich von Ihren vorherigen Bürgerrechten und – pflichten und nahmen dafür die deutschen Bürgerrechte und –pflichten an.

Was auch immer Ihre Beweggründe waren, diese werden so unterschiedlich sein, wie die Geschichten, die dazu führten.

Vielleicht wollen Sie sich politisch in das Land einbringen, in dem Sie seit Jahren wohnen und leben, vielleicht aufgrund von Erinnerungen an Ihr Heimatland oder Sie fühlen sich schlicht und ergreifend seit Langem „deutsch“ und wollen dies auch öffentlich zeigen und offiziell bestätigen.

So vielfältig die Wege nach Deutschland auch waren, die von vielen Einbürgerungswilligen genannten wichtigsten Gründe für ihre Einbürgerung sind oft dieselben:

Meist wird das Gefühl, in Deutschland verwurzelt zu sein und der Wunsch nach rechtlicher Gleichstellung als Hauptgrund angegeben.

Dies trifft auf die bereits in Deutschland Geborenen in besonderem Maße zu.

Dennoch, viele Eingebürgerte leben in einem emotionalen Zwiespalt.

Sei es aufgrund von Äußerlichkeiten oder einem Akzent, so können Sie in Deutschland mit Fragen wie beispielsweise „Wo kommst du eigentlich her?“ konfrontiert werden.

Sicher ist Neugier erlaubt und in den meisten Lebenslagen sogar sehr vom Vorteil, doch bringt es deutlich zum Ausdruck, „Du bist keiner von uns. Du bist anders als wir“.

Doch sind Sie das wirklich? Ist es nicht so, dass wir alle verschieden sind? Im Aussehen, im Denken und im Verhalten? Ist es nicht so, dass, wenn wir alle verschieden sind, DAS unsere größte Gemeinsamkeit ist?

Auf der anderen Seite werden Sie vielleicht in ihrem Herkunfts- oder Ursprungsland nicht mehr als „eine oder einer von dort“ gesehen, sondern sind durch persönliche Veränderungen, in deren Augen bereits schon lange „deutsch“ geworden.

Diese beiden Welten prasseln auf Sie ein.

Nicht mehr Teil der einen, aber auch nicht Teil der anderen Gesellschaft zu sein.

Dies ist eine Chance! Eine Chance für eine Neu-Definition. Nicht nur von Ihnen selbst, sondern Sie haben die Chance, insbesondere Regensburg NEU zu definieren.

Sie haben es in der Hand ein gemeinsames NEUES mitzugestalten. Und dazu rufe ich Sie heute gerne und herzlich auf. Einbürgerung geschieht in der Bundesrepublik Deutschland nie automatisch, sondern nur auf Antrag. Mit Ihrem Antrag auf Einbürgerung haben Sie eine bewusste Entscheidung für die aktive Teilhabe an unserer Gesellschaft getroffen.

Durch die Einbürgerung sind Sie gleich-berechtigte Bürgerin oder gleichberechtigter Bürger unseres Landes mit allen Rechten und Pflichten als Staatsbürger geworden.

Die Vorteile der Einbürgerung sind Ihnen sicherlich bewusst, doch lassen Sie mich das ein oder andere herausgreifen.

Nun verfügen Sie nicht nur über ein aktives sondern auch über ein passives Wahlrecht.

Wer weiß, vielleicht befindet sich unter Ihnen ein zukünftiger Kollege oder Kollegin im Stadtrat. Des Weiteren steht Ihnen der Zugang zum öffentlichen Dienst offen. Ihnen ist es nun möglich eine Beamtenlaufbahn zu beginnen.

Insbesondere möchte ich auf die Möglichkeit hinweisen, sich ehrenamtlich in Einrichtungen und Vereinen zu engagieren und SO das Leben in Regensburg aktiv mitzugestalten.

Wir sind auf Sie und ihre Unterstützung angewiesen, damit ein vielfältiges und gemeinschaftliches Leben in unserer Stadt möglich ist.

Einige von Ihnen engagieren sich bestimmt bereits in unterschiedlichen Bereichen.

Ob das in sozialen Einrichtungen, im Zusammenhang mit Ihren Wurzeln oder in Sportvereinen ist, spielt in erster Linie keine Rolle.

Wichtig ist, dass Sie die bewusste Entscheidung, Teil einer Gesellschaft zu sein, auch bewusst weiterführen und sich in diese aktiv einbringen. Das wünsche ich mir!

Der Begriff Integration leitet sich vom lateinischen Wort „integratio“ ab und bedeutet, dass ursprünglich Verschiedenes zu einem neuen Ganzen zusammengeführt wird, man das Verschiedene aber noch erkennen kann.

Ziel ist damit, nicht die eigene Kultur vollständig abzulegen, aber sich dennoch zur deutschen Rechts- und Kulturgemeinschaft zu bekennen.

Dafür haben Sie einige Mühen auf sich genommen. Insbesondere diejenigen von Ihnen, die nicht in Deutschland aufgewachsen sind, haben große Anstrengungen unternommen, um etwa die deutsche Sprache zu erlernen, deren Kenntnis für eine erfolgreiche Integration so wichtig ist.

Ohne ausreichende Sprachkenntnisse ist nicht nur der Kontakt mit Einheimischen, sondern auch die Teilhabe am beruflichen und gesellschaftlichen Leben schwierig.

Auch sich in einem fremden Kulturkreis zu bewegen, ist nicht immer einfach.

Hier sind besonders Verständnis, Respekt, Akzeptanz und Toleranz unverzichtbar, sowohl seitens des ausländischen Mitbürgers als auch seitens der sogenannten Aufnahmegesellschaft.

Mittlerweile sind wir in einer gesellschaftlichen Wende angekommen. Deutschland galt lange nicht als Einwanderungsland. Was es aber ist!

Diese Wende bewirkt ein Umdenken. Wir brauchen Vielfalt um uns weiterzuentwickeln. Wir brauchen neue Einflüsse um Charaktere zu formen und wir brauchen neue Gedanken um Innovationen voranzubringen.

Unser Bundespräsident Joachim Gauck sagte vor kurzem bei einer Einbürgerungsfeier:

„Sie und ich sind das neue „Wir“ – Sie sind genauso deutsch wie ich es bin“

Und da möchte ich ihm voll und ganz Recht geben. Es gibt kein „mehr deutsch“ oder „deutscher als jemand anderer“. Dies ist eine weitere Gemeinsamkeit, die wir teilen.

Leider gibt es nicht nur Positives, das mit einer höheren Prozentzahl von Einwohnern mit Migrationshintergrund einhergeht.

Es geschehen in letzter Zeit einige Zusammenschlüsse und Aufmärsche von vermeintlichen Traditionalisten.

Diese verursachen einen Rechtsruck, der in keinster Weise zu unterschätzen ist.

Was mich persönlich ganz massiv daran stört, ist, dass mit konfrontierten Problemen aus Medien oder möglicherweise von Erfahrungen weniger, plötzlich ganze Gruppen stigmatisiert werden.

Von diesen Entwicklungen dürfen wir uns nicht einschüchtern lassen. Lassen Sie uns einen Weg der Solidarität, einen Weg der Nächstenliebe und einen Weg des Miteinanders gehen, und somit Wegbereiter für künftige Generationen sein, damit unsere Umgebung ein friedlicher und lebenswerter Ort bleibt, und wir uns in Regensburg weiterhin sicher fühlen können.

Von den Mitarbeitern im Bürgerzentrum wurden im Jahr 2014 insgesamt 264 Einbürgerungen vollzogen. Genau eine mehr als im Vorjahr.

Die Frauen unter Ihnen, sind mit 59% in der Überzahl. Die jüngste Eingebürgerte hat noch nicht einmal das erste Lebensjahr vollendet, und der Älteste wird heuer seinen 75. Geburtstag feiern.

In allen Altersstufen ist der Wunsch und der Vollzug Deutsche oder Deutscher zu sein vertreten und dies ist ein sehr erfreulicher Zustand.

Insgesamt wurden letztes Jahr 41 Minderjährige eingebürgert, 60 Personen zwischen 19 und 25, 64 zwischen 26 und 35, 75 Personen zwischen 36 und 45, 21 zwischen 46 und 55, eine Person zwischen 56 und 65 und wie bereits erwähnt, eine Person älter als 66.

Die eingebürgerten Personen stammen aus insgesamt 59 unterschiedlichen Staaten. Die am häufigsten vorkommenden sind:

  • Türkei (28 Personen)
  • Rumänien (22 Personen)
  • Vietnam (17 Personen)
  • Indien (16 Personen)
  • Irak (12 Personen)
  • Ukraine (12 Personen)
  • Kroatien (10 Personen)
  • Tschechien (10 Personen)

An weiteren, selten vertretenen Herkunfts-ländern möchte ich unter anderem auch Guinea und Tschad gerne erwähnen.

Gerne stelle ich Ihnen drei erfolgreiche Einbürgerungen vor:

Zum einen Frau Alison Huber aus Großbritannien. Mit 23 Jahren absolvierte sie am „University College of Wales“ 1987 den „Bachelor of German“. Im Zuge ihres Studiums kam sie bereits 1985 nach Regensburg. Lediglich drei Jahre später zog sie für immer in unsere Stadt. Knapp 30 Jahre später erklärt sie in ihrem Antrag auf Einbürgerung, dass hier ihr Lebensmittelpunkt sei, und dieser es auch wohl bleiben würde.

Daran ist sicher nicht nur Regensburg an sich, sondern wahrscheinlich auch ihr Ehemann verantwortlich. Bereits 1990 heirateten die beiden und aus der Ehe kamen drei Kinder hervor.

Zum anderen darf ich Ihnen die Lebensgeschichte von Herrn Nihad Hussein Ahmed erzählen.

Im Jahr 2000 flüchtete er auf der Ladefläche eines LKWs aus dem Irak nach Deutschland.

Hier angekommen, beantragte Herr Nihad Hussein Ahmed Asyl. Ein knappes Jahr später fand er einen Arbeitsplatz, und ist seitdem fast ununterbrochen in einem Beschäftigungsverhältnis.

Sich neuen Bedingungen schnell anzupassen, die neue Sprache schnellstmöglich zu erlernen und sich voll und ganz auf etwas völlig Fremdartiges einzustellen ist eine herausragende Leistung. In der Begründung seines Einbürgerungsantrags kann man die Emotionen dieses ehemaligen Flüchtlings deutlich herauslesen:

„Mich persönlich würde es freuen, wenn ich die Staatsangehörigkeit des Landes habe, das ich als meine Heimat empfinde.“

Weiter schreibt er: „Ich habe deutsche Kollegen und Freunde […]. Deutschland ist mein zuhause. Deswegen habe ich mich entschieden auch offiziell ein Deutscher zu werden.“

Die Geschichte dieses Mannes steht stellvertretend für etliche andere Lebensläufe von Flüchtlingen. Vor 13 Jahren hat er ein Leben voller Einschränkungen und in Furcht hinter sich gelassen. Heute ist er bei uns sicher, zuhause und willkommen!

Zu guter Letzt möchte ich Ihnen Herrn Dr. Leonidas Sibomana vorstellen. Mit 74 Jahren ist er der Älteste unter den 2014 Neu-Eingebürgerten. Herr Dr. Sibomana ist 1940 in Ruanda geboren. Von Ende der 60er Jahre bis Anfang der 90er war er mit Unterbrechungen in der Bundesrepublik Deutschland.

Er studierte Allgemeine Sprachwissenschaft, Afrikanistik sowie Völkerkunde in Hamburg und promovierte 1974. Es folgten mehrere Lehrtätigkeiten im In- und Ausland, unter anderem an der Universität in München.

An der VHS in Regensburg lehrt er bis heute unter dem Motto: „Lernen soll und kann Spaß machen“. 10 Jahre lang arbeitete Herr Dr. Sibomana als Repräsentant und Koordinator bei einer Hilfsaktion für die Bekämpfung von Noma -einer bakteriellen Erkrankung-, in Niger.

Seit 2006 wohnt er nun dauerhaft in Regensburg. Über 40 Jahre ist Herr Dr. Sibomana nun in der BRD, hat viel von der Welt gesehen, sehr viel erlebt und erfüllte sich letztes Jahr einen Wunsch, und wurde deutscher Staatsbürger.

Darüber freut sich auch ganz bestimmt seine Ehefrau Maria, die Herr Sibomana bei seinem ersten Deutschlandaufenthalt kennenlernte. Die beiden sind nun seit 49 Jahren glücklich miteinander verheiratet.

Man könnte bestimmt abendfüllende Reden über Sie alle, sehr geehrte Gäste, halten. Lassen Sie mich meine Anerkennung und meinen herzlichen Glückwunsch zu Ihrem gemachten Schritt aussprechen!

Ich freue mich jetzt darauf, das ein oder andere Gespräch mit Ihnen zu führen!

Zum Schluss verbleibt mir lediglich, Ihnen für die Zukunft Alles Gute und heute einen schönen Abend zu wünschen.