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Wiederaufstellung des Sailer-Denkmals

-Es gilt das gesprochene Wort-

Rede von Oberbürgermeister Joachim Wolbergs anlässlich der Wiederaufstellung des Sailer-Denkmals am Emmeramsplatz am 20. Mai 2014

Feierlichkeiten um 18.00 Uhr in der Basilika St. Emmeram, anschließend ca. 18.30 Uhr Festzug zum Denkmal

Im Winter 1866/67 reifte in König Ludwig I. der Entschluss, seinen Lehrer und Freund Johann Michael Sailer durch die Errichtung eines Bronzestandbilds zu ehren. Dass der Monarch dieses Denkmal in Regensburg wünschte und nicht etwa in Aresing, dem Geburtsort des Theologen, ist umso bemerkenswerter als es sich dabei ja schon um die zweite monumentale Ehrung handelte, die Ludwig seinem Lehrer in Regensburg zukommen ließ. Denn bereits sechs Wochen nach dem Tod Sailers, am 2. Juli 1832, hatte der König bei einem Besuch am Grab das Vorhaben geäußert, zur Erinnerung an den Verstorbenen ein – wie er sagte – „würdiges, dem Baustile des Domes entsprechendes Denkmal“ errichten zu lassen. Wie Sie wissen, wurde diesem Vorhaben entsprochen. Noch heute befindet sich dieses Grabmal im Südchor des Doms.

Wenn nun also über 40 Jahre später der König ein zweites Sailer-Denkmal für Regensburg wünschte, mag dies auf den ersten Blick wenig originell erscheinen. Allerdings gibt es einen wesentlichen Unterschied zwischen den beiden Monumenten und ihrer Zielsetzung:

Während das Grabdenkmal den Besuchern des Domes vorbehalten ist, also primär den Katholiken, wendet sich die Statue, die Ludwig auf dem Emmeramsplatz wünschte, an alle Bürger, gleich welcher Konfession. So erscheint es auch ganz logisch, dass der große Theologe hier nicht dezidiert als katholischer Bischof dargestellt ist, sondern ganz allgemein als Lehrer, der sich mit einem Buch in der Hand den Menschen zuwendet. Der Bezug zum Katholizismus und zum Christentum überhaupt äußert sich auf subtilere Art: Ludwig begnügte sich nicht allein mit der Forderung, das Denkmal auf dem Emmeramsplatz aufzustellen. Er verfügte wörtlich, dass „die Vorderseite des Standbildes, wenn nicht gewichtige Gründe dagegensprechen, nach Süden gekehrt“ sein sollte. Mit anderen Worten: Sailer sollte auf St. Emmeram blicken und damit auf eines der großen historischen Zentren christlicher Kultur in Bayern.

Diesem Wunsch entsprechend, wurde die von Max von Widnmann modellierte und von Ferdinand von Miller in Bronze gegossene Statue am 20. Mai 1868, knapp drei Monate nach dem Tod ihres Stifters, feierlich enthüllt. Sie war damit, nebenbei gesagt, das erste öffentliche Personendenkmal Regensburgs.

Im Nationalsozialismus wurde am Emmeramsplatz ein Löschteich errichtet. Die Statue wurde im Sommer 1942 abtransportiert. Dass sie letztlich doch nicht eingeschmolzen wurde, ist nicht irgend jemands Verdienst, sondern eine wundersame Fügung. Bei Kriegsende stand die Figur weitgehend unbeschädigt – nur die Hände fehlten – auf dem sogenannten Glockenfriedhof in Hamburg.

Es war das Bischöfliche Ordinariat, das nach dem Krieg die Wiederaufstellung des Denkmals anregte. Als die Statue am 30. August 1949 wieder in Regensburg eintraf, gab es jedoch viele Stimmen, die sich gegen eine Wiederaufstellung am originalen Standort aussprachen.

Als Alternative wurde zunächst der Ägidienplatz gehandelt, denn der Emmeramsplatz war bereits in den Fokus der damaligen Verkehrsplaner geraten. Nach deren Vorstellung sollte eine sechsspurige Altstadt-Südtangente über den Platz geführt werden und die nördlich verbleibende Fläche – so wie das noch immer der Fall ist – als Parkplatz genutzt werden.

Als nach zwei Jahren vergeblicher Standortsuche noch immer nicht klar war, wo das Sailer-Denkmal eine passende neue Heimat finden könnte, schaltete sich im Sommer 1951 Erzbischof Buchberger in die Debatte ein. Er plädierte für eine Aufstellung in der Nähe des seinerseits in den Grünanlagen an der Maxstraße abgestellten Ludwigsdenkmals – ein Vorschlag, dem seitens der Stadt Regensburg nicht widersprochen wurde. Die Denkmalpflege hatte damals auch nichts dagegen – und so wurde die Statue am 11. November 1951, sechs Tage vor Sailers 200. Geburtstag, zum zweiten Mal enthüllt. Damit waren der König und der Bischof zu Nachbarn geworden – ein Zustand, der sich unter Hinweis auf die innere Nähe der beiden Persönlichkeiten schönreden ließ und an den sich viele Regensburger im Lauf der Zeit auch gewöhnten.

Vereinzelt kam es zwar zu denkmalpflegerisch und kunsthistorisch motivierten Zwischenrufen, die eine Rückführung der beiden Standbilder forderten. Doch diese Stimmen verhallten, bis es im Frühjahr 2008 zu einer Vereinbarung der Stadt Regensburg mit dem Verein „Welterbekulturfonds Regensburg – die Förderer e.V.“ kam, in der das gemeinsame Ziel formuliert wurde, das Denkmal von König Ludwig I. wieder am originalen Ort aufzustellen. Am 9. Mai 2010 war es dann soweit – und die Regensburgerinnen und Regensburger konnten die Rückkehr des für den Domplatz konzipierten Denkmals feiern.

Wenn wir heute, nur vier Jahre später, auch die Sailerstatue an ihrem originalen Standort zum dritten Mal enthüllen, wirkt dies geradezu logisch. Zu dieser logischen Folge wäre es aber nicht – oder zumindest nicht so schnell – gekommen, hätte sich nicht abermals der „Welterbekulturfonds Regensburg“ so konsequent und spendabel für die Restaurierung und Rückführung des Denkmals eingesetzt. Dafür gebührt dem Verein und seinem Vorsitzenden, Kulturreferenten Klemens Unger, unser aller Dank.

Am ursprünglichen Standort, also im Kreuzungspunkt der Achsen, der durch die Portale vom evangelischen Krankenhaus und der Regierung der OPf., sowie dem Portal des Freisinger Hofs und dem Eingang zur Basilika St. Emmeram definiert ist, wurde das Denkmal bewusst postiert, weil es hier auch bei einer späteren neuen Platzgestaltung an dieser Stelle eine würdige Bleibe haben wird.

Ich danke allen, die sich dafür engagiert haben, im Namen der Stadt, und freue mich im Anschluss an die Grußworte der beiden Bischöfe das Denkmal enthüllen zu dürfen.