Navigation und Service

Verleihung Kerschensteiner-Preis der BMW AG

-Es gilt das gesprochene Wort -

Grußwort von Oberbürgermeister Joachim Wolbergs anlässlich der Verleihung des Kerschensteiner-Preises der BMW-AG am 15. Dezember 2014

 

Anrede,

nachdem im letzten Jahr die Verleihung des Kerschensteiner-Preises der BMW-AG im städtischen Thon-Dittmer-Palais stattfand, darf ich Sie heuer zu dieser Feierstunde bei unserem Gastgeber BMW sehr herzlich begrüßen.

Es freut mich, dass Sie alle unserer Einladung gefolgt sind und ich nehme die Gelegenheit gerne wahr, den zwei Preisträgerinnen und dem Preisträger die Glückwünsche namens der Stadt auch persönlich zu übermitteln.

Nachdem nun bereits zum 28. Male junge Menschen, die sich durch besondere Leistungen und vorbildliches Verhalten in Betrieb und Berufsschule ausgezeichnet haben, mit dem Kerschensteiner-Preis geehrt werden, kann man in unserer sich immer schneller drehenden Welt von einer inzwischen schönen Tradition sprechen.

Dafür möchte ich mich bei BMW ganz herzlich bedanken.

Denn Sie waren die Ersten in Regensburg, die die Leistungen des beruflichen Nachwuchses durch einen in jeder Hinsicht attraktiven Preis gewürdigt haben.

Besonders bemerkenswert dabei: Es spielt keine Rolle, aus welchem Betrieb und aus welcher Ausbildungsrichtung die Preisträger stammen. Dieser Preis soll über den materiellen Wert hinaus für die Leistungsträger, die wir heute ehren, ein Ansporn sein, die weiteren Möglichkeiten beruflicher Qualifikation zu nutzen.

Ganz in diesem Sinne ehren wir heute die diesjährigen Preisträger, die mit herausragenden Ergebnissen ihre Ausbildung bereits abgeschlossen haben und mit ihrem hohen Können und Wissen dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen.

In der Reihenfolge der drei städtischen Berufsschulen darf ich sie aufzählen und beginne mit dem Preisträger

von der Berufsschule I:

Herr Thomas Winkler, Zerspanungsmechaniker

von der Berufsschule II

Frau Yvonne Brunsch, Pharmakantin

von der Berufsschule III

Frau Christina Anna Huf, Bürokauffrau.

Ganz besonders möchte ich auch Ihre Angehörigen begrüßen, die Sie mit Sicherheit nach Kräften unterstützt haben und sich somit auch ein wenig in Ihrem Erfolg sonnen dürfen.

Ich habe mir erlaubt, einen Blick in die Unternehmensphilosophie des Hauses BMW in Bezug auf ihre Mitarbeiter zu werfen und stieß dabei auf folgenden Inhalt:

Ich zitiere:

„Je besser Mitarbeiter ihre individuellen Kompetenzen, Ideen und Fähigkeiten einbringen können, umso leistungsstärker ist das Unternehmen insgesamt.

Umgekehrt bietet ein leistungsstarkes, mitarbeiterorientiertes Unternehmen einen attraktiven Arbeitsplatz für motivierte, talentierte Mitarbeiter.“ Zitat Ende.

Diese Auffassung des Miteinanders von Arbeitgeber und Arbeitnehmer sollten sich auch andere Firmen auf ihre Fahnen schreiben. Sie beschreibt nämlich eine „win-win-Situation“, wonach Mitarbeiter, die sich mit ihrem Unternehmen identifizieren und sich entsprechend engagieren, damit es ihm gutgeht, auch damit rechnen dürfen, vom Unternehmen gut behandelt zu werden.

Von diesem ständigen und beidseitigem Geben und Nehmen hängt letztendlich auch das Wohl unserer Gesellschaft ab, bezieht sich also nicht nur auf die Verhältnisse innerhalb von Wirtschaftsunternehmen.

Der Kerschensteiner-Preis zeigt auch, dass auf bestens ausgebildete und qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter allergrößter Wert gelegt wird und dass sich Leistung letztlich auch lohnt!

„Wissen ist Macht“, schrieb bereits im Jahre 1597 der englische Philosoph und Wissenschaftstheoretiker Francis Bacon. Für ihn waren Beobachtung und Experiment die Grundlagen und die Quelle des Wissens und wurden so zum Wegbereiter der Naturwissenschaft.

Für Bacon war „Macht durch Wissen“ vor allem ein Instrumentarium, um das Wohlergehen der Menschen zu befördern. Damit wandte er sich vor allem gegen einige seiner Zeitgenossen, die dem „gewöhnlichen“ Volk das nötige Grundwissen, das zum Erwerb weiteren Wissens erforderlich ist, vorenthalten wollten.

Im 19. Jahrhundert wurde „Wissen ist Macht!“ quasi zum Schlachtruf all derer, die sich mit einer besseren Ausbildung auch eine bessere Lebenslage erkämpfen wollten.

Mehr und fundierteres Wissen für die Arbeiterschaft wurde in diesem Zeitalter der Industrialisierung gerade auch für Industrie und Handwerk immer wichtiger, um sich den Herausforderungen dieser Epoche stellen zu können.

Das durch die damalige Volksschule vermittelte Wissen genügte nicht mehr. Die Klagen der Unternehmer über eine unzureichende Vorbildung der Berufsanfänger wurden immer lauter, übrigens eine Erscheinung, die auch heute immer wieder zu hören ist. Immer lauter wurde der Ruf nach einer besseren Grundbildung und einer einheitlichen und systematischen beruflichen Bildung.

Und so entstanden unter dem Druck von Industrie und Handwerk die ersten Gewerbeschulen, Realschulen, Polytechnische Schulen und technischen Hochschulen.

Die Lehrerverbände waren es vor allem, die sich für grundlegende Reformen des damaligen Schulsystems einsetzten. Besonders stach hierbei Georg Kerschensteiner hervor, der im Jahre 1895, als er zum Stadtschulrat ernannt worden war, in München die Umgestaltung der Fortbildungs- zu Berufsschulen begann. Seine Reformen waren Vorbild in Bayern und ganz Deutschland. Seine „Arbeitsschule“ trug den Namen Kerschensteiner in alle Welt - und so gilt er zu Recht als der „Vater“ des Berufsschulwesens.

Berufsbildung war für Kerschensteiner die Grundlage allgemeiner Menschenbildung, womit er an der uralten Vorstellung von „Lernen“ anknüpfte, die nichts anderes besagt, als dass Lernen als „Erwerb von Wissen“ auch an der seelischen und geistigen Reifung des Menschen mitwirkt.

Er verlangte, dass sich die Lehrinhalte an den Erfordernissen des Lebens orientieren, worunter er sowohl die berufliche Qualifizierung als auch die Erwartungen an soziales und staatsbürgerliches Verhalten verstand. Diese Forderung ist aktueller denn je.

Wissen ist speziell für unser Land von substanzieller Bedeutung, da wir an Rohstoffen kaum etwas besitzen und deshalb gezwungen sind, durch innovative Produkte unseren Platz in der ersten Liga der Wirtschaftsnationen zu sichern und nur so unseren Wohlstand wahren oder gar mehren können.

Umso wichtiger ist es, in Bildung und Ausbildung zu investieren, um den Wirtschaftsstandort Deutschland zu sichern. Dazu gehört auch, dass sowohl die Unternehmen als auch die öffentliche Hand ausreichend Geld in diesen Bereich stecken und nicht irgendwelchen Einsparbemühungen opfern.

Die Stadt Regensburg gibt allein rund 141 Millionen € im Rahmen des Investitionsprogramms 2014 bis 2018 nur für Schulen aus.

Eine Maßnahme wird dabei die Firma BMW besonders interessieren: Wir investieren im nächsten Jahr über 1,1 Millionen € in den Umbau und die Erneuerung der Ausstattung der Kraftfahrzeugtechnikabteilung der städtischen Berufsschule I insbesondere auch im Hinblick auf Elektromobilität.

Sie, liebe Preisträgerinnen und Preisträger, sind der lebende Beweis dafür, dass sich die Investitionen in Bildung und Ausbildung lohnen. Mit Ihrem außergewöhnlichen Engagement und Können haben Sie Ihre Berufsausbildung mit hervorragenden Ergebnissen abgeschlossen und sind somit auch Vorbild für andere. Damit haben Sie allerbeste Chancen nicht nur auf dem Arbeitsmarkt. Ihnen stehen nicht nur betriebliche, sondern auch weiter schulische Karrierewege offen. Nutzen Sie Ihre Möglichkeiten.

Und dass Sie sich nicht auf Ihren Lorbeeren ausruhen bin ich fest überzeugt. Bringen Sie aber – ganz im Sinne von Georg Kerschensteiner – Ihre Leistungsfähigkeit und Leistungsbereitschaft auch in Ihr gesellschaftliches Umfeld ein, sei es in Vereinen, Parteien oder Gewerkschaften, um nur einige Beispiele zu nennen. Ehrenamtliches Engagement ist der Kitt, der unsere Gesellschaft zusammenhält!

Abschließend darf ich Ihnen nochmals ganz herzlich zu Ihrem Erfolg gratulieren und Ihnen alles Gute und viel Glück für Ihre weitere Zukunft wünschen.