Navigation und Service

Verleihung des Preises für Frauen in Wissenschaft und Kunst

-Es gilt das gesprochene Wort-

Rede von Oberbürgermeister Joachim Wolbergs anlässlich der Verleihung des Preises für Frauen in Wissenschaft und Kunst am 21. November 2014, um 18 Uhr im Historischen Reichssaal

Anrede,

Sicherlich erwarten Sie jetzt von mir, dass ich meine Ansprache mit den Worten beginne: Ich freue mich sehr darüber, dass ich Ihnen heute diesen Preis überreichen darf. Ich muss Sie leider enttäuschen!

Viel lieber wäre es mir nämlich, wenn ich diesen Preis heute nicht überreichen würde, ja wenn es diese Auszeichnung der Stadt Regensburg überhaupt nicht geben müsste! Dies nämlich würde bedeuten, dass Frauen in Wissenschaft, Forschung und Kunst den Männern absolut gleichgestellt sind und keiner zusätzlichen Ermutigung bedürften, weiter zu forschen, zu lehren und künstlerisch tätig zu sein.

Doch leider ist dies noch immer nicht so! Zwar gibt es in unserer Gesellschaft heute deutlich weniger Schranken in den Köpfen, die Frauen davon abhalten, beruflich erfolgreich zu sein und Führungspositionen zu erfüllen.

Die tatsächlichen Schranken – sprich Familienplanung und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf – sind aber nach wie vor vorhanden. Aber die Verkrustungen beginnen sich zu lösen. Und das ist gut so! Denn Frauen sind natürlich genau so wie Männer ein unverzichtbares Potenzial, das wir ausschöpfen müssen, auch um weiter für die Zukunft gerüstet zu sein!

Noch aber gibt es Schranken und solange, bis wir diese Schranken nur noch aus historischen Schilderungen kennen und solange, bis sich Familienarbeit und berufliche Karriere gleichmäßig auf den Schultern von Mann und Frau verteilen, bedarf es noch einiger Bemühungen, die tatsächliche Gleichstellung voranzubringen. Diese Bemühungen müssen von der gesamten Gesellschaft ausgehen.

Davon will auch die Stadt Regensburg nicht ausgenommen sein. Regensburg ist einer der erfolgreichsten und dynamischsten Standorte für Wirtschaft und Wissenschaft in Deutschland und in Europa. Darauf sind wir stolz - Anlass, sich auf diesen günstigen Standort-Vorteilen auszuruhen, ist das aber für uns nicht!

Nein, wir sind bestrebt, die Stadt immer weiter zu entwickeln und noch ein Stückchen besser zu machen.

Wir als Stadt Regensburg haben zum Beispiel verstanden, dass erstens die Qualifikation und zweitens die Ausübung des gewünschten Berufes Faktoren sind, die den Wirtschaftsstandort und auch die Stadt voranbringen können. Das gilt für berufstätige Männer genauso wie für berufstätige Frauen. Und wir können es uns längst nicht mehr leisten, auf berufstätige Frauen allgemein und auf Frauen in Führungspositionen zu verzichten.

Die Stadt Regensburg hat damit schon vor langer Zeit angefangen. Derzeit arbeiten bei uns im Dienst der Bürgerinnen und Bürger rund 3300 Beschäftigte - fast die Hälfte davon sind Frauen, und eine ganze Reihe von Frauen hat dabei eine Führungsposition inne. Das zweithöchste Amt der Stadt, das zweite Bürgermeisteramt, ist seit den Kommunalwahlen 2014 mit einer Frau besetzt. Das Planungs- und Baureferat, zahlenmäßig das umfangreichste Referat der Stadt, leitet eine Frau, und viele städtische Amts- und Abteilungsleiterposten sind fest in weiblicher Hand. Mit attraktiven Jobmodellen will die Stadt im Wettbewerb um die besten weiblichen Fachleute auch weiterhin Punkte sammeln.

Ich will aber nicht verhehlen, dass es auch bei uns durchaus noch Handlungsbedarf gibt, bis wir davon sprechen können, dass Männer und Frauen gleiche Chancen in Führungspositionen bei der Stadtverwaltung haben. Die Förderung von Führungspositionen in Teilzeit und andere attraktive Arbeitsmodelle sind hier Bausteine, die die Zugangsschwellen senken sollen.

Aber auch nach außen hin wollen wir Zeichen setzen. Anfang dieses Jahres haben wir uns entschlossen, neben verschiedenen anderen Auszeichnungen auch einen städtischen Preis für Frauen in Wissenschaft und Kunst zu vergeben.

Warum tun wir das? Wir tun es nicht, weil wir irgendeine Quote erfüllen wollen. Wir tun es auch nicht, weil wir finden, dass jetzt mal Frauen gefördert gehören. Nein, dahinter stecken zwei Überlegungen.

Zum einen ist es tatsächlich so, dass Frauen in Wissenschaft und Forschung unterrepräsentiert sind, und zwar vor allem unter denen, die konsequent die akademische Karriereleiter weiter nach oben klettern. Mit einem hochwertigen Abschluss verbessern sie zumindest ihre Chancen, sich für Führungspositionen zu empfehlen oder an herausragender Stelle weiter zu forschen. Dabei wollen wir sie als Stadt unterstützen. Nicht umsonst ist ja das Preisgeld dafür gedacht, wissenschaftliche Projekte zu fördern.

Zum anderen sind wir der Ansicht, dass von dieser Region auch starke weibliche Impulse ausgehen sollen. Dazu gehört eine bestmögliche Förderung und Unterstützung der beruflichen Entwicklung von Frauen. Künftig wird es für einen modernen Arbeitgeber wichtig sein, familienfreundliche Arbeitsbedingungen sowohl für Männer als auch für Frauen zu schaffen.

Und damit zu diesem Förderpreis: Die Stadt Regensburg hat im Februar dieses Jahres diesen Preis ausgelobt. 15 000 Euro für eine oder zwei Preisträgerinnen. Übrigens ist im gleichen Zug der Kulturpreis der Stadt von fünf- auf zehntausend Euro verdoppelt worden. Wir haben ihn vorige Woche, im Rahmen unseres Empfangs für Künstlerinnen und Künstler, erneut vergeben.

Mit diesem Preis den ich heute überreichen werde, dem für Frauen in Wissenschaft und Kunst also, wollen wir nicht nur die wissenschaftliche Karriere von Frauen fördern, sondern auch die Kooperation zwischen Regensburger Unternehmen und den drei Hochschulen in ein besonderes Licht rücken. Denn um die enge Verzahnung von Anfangs- und Aufstiegsmöglichkeiten von vielen Studierenden, die bei Unternehmen ihre ersten Erfahrungen sammeln oder gleich übernommen werden, um diese Verzahnung geht es ja.

Deswegen hat sich eine Jury im Frühjahr Gedanken gemacht, wer dafür in Frage kommt. Vertreter der Stadt, die Hochschulpräsidenten und Gleichstellungs- und Frauenbeauftragte haben die Bewerbungen untersucht. Sie haben auf wissenschaftliche und künstlerische Qualität der Arbeit geachtet und Prognosen dazu abgegeben. Sie haben sich angesehen, in wieweit die Abschlussarbeiten relevant sein können für die künftige wissenschaftliche Karriere. Und sie haben sich ihr Konzept für die Verwendung des Preisgeldes angesehen.

Ich bin gespannt, was Sie damit in Angriff nehmen werden, Sie, liebe Frau Privatdozentin Doktor Sabine Amslinger und Sie, liebe Frau Privatdozentin Doktor Babett Edelmann-Singer, der ich außerdem ganz herzlich zu ihrem heutigen Geburtstag gratuliere. Herzlichen Glückwunsch!

Mit Ihren hervorragenden Habilitationsarbeiten haben Sie sich, Ihrem Lehrstuhl, der Universität und auch der Stadt einen großen Dienst erwiesen. Ihre Leistung fällt auch auf uns als Stadt und Wissenschaftsstandort zurück. Dafür danke ich Ihnen von Herzen!

Ich begrüße nun Frau Ida Hiller, die die Moderation des heutigen Abends übernehmen wird.

Sie ist für diese Aufgabe besonders prädestiniert, ist doch ihr beruflicher Lebensweg gekennzeichnet durch ihren Einsatz für eine Gleichstellung der Frauen.

Sie war nicht nur

  • Leiterin des Frauenbüros in Nürnberg

sondern übernahm auch Funktionen wie

  • die als Sprecherin der Bundesarbeitsgemeinschaft der kommunalen Frauenbeauftragten und Gleichstellungsstellen (BAG)
  • aber auch als Sprecherin der Landesarbeitsgemeinschaft der Bayerischen Gleichstellungsstellen (LAG)

und sie vertrat diese

  • im Personalausschuss des Bayerischen Städtetages
  • bei der Kommission der Frauenbeauftragten des Deutschen Städtetages und
  • und in der bayerischen interministeriellen Arbeitsgruppe "Koordinierte Krise"

Sehr verehrte Frau Hiller, ich übergebe Ihnen hiermit das Wort!