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Richtfest zum Bau der neuen Beruflichen Oberschule

-Es gilt das gesprochene Wort-

Ansprache von Oberbürgermeister Joachim Wolbergs anlässlich des Richtfestes zum Bau der neuen Beruflichen Oberschule auf dem Gelände der ehemaligen Nibelungenkaserne am 26. September 2014

 

Anrede

Ich freue mich sehr, heute mit Ihnen gemeinsam das Richtfest zum Bau der neuen Beruflichen Oberschule auf dem Gelände der ehemaligen Nibelungenkaserne feiern zu dürfen.

Am 25. September 2013 – also genau gestern vor einem Jahr – feierten wir mit dem symbolischen „Ersten Spatenstich“ den Beginn der größten Schulbaumaßnahme in der Geschichte Regensburgs. Beim „Ersten Spatenstich“ vor einem Jahr standen wir noch auf einem freien Baufeld und konnten die Dimensionen des Bauprojektes nur erahnen. Heute stehen wir auf dem Dach des ersten Bauabschnittes, auf der Decke des 3. Obergeschosses und können die raumgreifenden Strukturen des Schulkomplexes vom Hauptgebäude über die Zweifachsporthalle bis hin zum östlich entstehenden Parkhaus erkennen.

Ein Großbauprojekt wie dieses benötigt natürlich eine lange Anlaufzeit. Lassen Sie mich deshalb kurz auf die Entstehungsgeschichte dieses Schulneubaus und der aktuellen Schulsituation an der Beruflichen Oberschule eingehen.

Die Anzahl der Schülerinnen und Schüler an der Beruflichen Oberschule wächst von Jahr zu Jahr. Heute erwerben rund 45 Prozent die Hochschulreife an beruflichen Schulen. In Regensburg konnten dieses Jahr 667 Schüler und Schülerinnen der Staatlichen Fachoberschule und Berufsoberschule ihr bestandenes Abitur feiern.

101 junge Leute mehr als im Vorjahr haben sich für das kommende Schuljahr angemeldet. Insgesamt werden dann in 35 Klassen ca. 1400 Schüler und Schülerinnen an der Beruflichen Oberschule unterrichtet. Damit ist die Berufliche Oberschule die Schule mit den höchsten Schülerzahlen in Regensburg.

Die Stadt Regensburg trägt der zunehmenden Attraktivität dieses Schultyps Rechnung, indem sie jetzt auf dem Gelände der ehemaligen Nibelungenkaserne diesen groß angelegten Schulcampus errichtet. Dieser Prozess hat lange gedauert, das Vorhaben wurde oft geschoben und hat auch für viele Enttäuschungen gesorgt. Deshalb auch hier noch einmal Respekt und Anerkennung für all die Schüler, Eltern und Lehrer, die in der Vergangenheit für diesen Neubau auf die Straße gegangen sind, ohne im Einzelfall selber von dem Neubau zu profitieren.

Am 24.09.2009 beschloss der Stadtrat den Bau eines neuen Schulgebäudes für die Berufliche Oberschule in zwei Bauabschnitten mit dem längerfristigen Ziel einer einhäusigen Unterbringung. 2011 schließlich erwarb die Stadt das rund 40 Hektar große Gelände der ehemaligen Nibelungenkaserne für städtebauliche Zwecke vom Bund.

Neben der Beruflichen Oberschule wird auf diesem Gelände ein Technologie-Campus mit Technologiepark sowie Wohnraum für ca. 1800 Menschen in ca. 800 Wohneinheiten entstehen. Darüber hinaus sind, verteilt auf das Gesamtgebiet, etwa 300 Studentenwohnungen geplant.

Am 24.05.2011 beschloss der Bau- u. Vergabeausschuss die Durchführung eines Architektenwettbewerbes für den Neubau der Beruflichen Oberschule. Auf Empfehlung des Preisgerichts wurde als erster Preisträger das Architekturbüro Schulz & Schulz aus Leipzig prämiert und im März 2012 mit der weiteren Planung beauftragt.

In der Stadtratssitzung am 13.12.2012 fiel dann der Beschluss, den ersten Bauabschnitt zur Unterbringung der Ausbildungsrichtungen Technik FOS/BOS sowie Wirtschaft und Verwaltung FOS zu errichten und die gesamte Ausbildungsrichtung Sozialwesen bis zur Realisierung des zweiten Bauabschnittes weiterhin an der Landshuter Straße 61 zu belassen.

Da diese Zweihäusigkeit für die Schule – unter Umständen sogar für längere Zeit – nicht optimal gewesen wäre, wurde nochmal mit dem Bayerischen Finanzministerium verhandelt und wir konnten erreichen, dass aufgrund der außergewöhnlich hohen Kosten der Freistaat Bayern einen sehr hohen Zuschuss gewährt unter der Bedingung, dass beide Bauabschnitte zeitgleich verwirklicht werden.

Mit dieser Zusage in der Tasche können wir jetzt den ersten und zweiten Bauabschnitt in einem Guss durchführen und damit die Einhäusigkeit der Schule deutlich schneller realisieren. Bereits zum Schuljahr 2015/16 wird der erste Bauabschnitt mit Sporthalle bezugsfertig sein. Das Parkhaus für die Berufliche Oberschule mit insgesamt 327 Stellplätzen wird rechtzeitig zum Schulbeginn genutzt werden können. Der zweite Bauabschnitt für den sozialen Zweig mit den Außenanlagen und den Freisportflächen wird dann ein Jahr später zur Verfügung stehen.

Nach den Plänen des ersten Preisträgers dem Architekturbüro Schulz & Schulz aus Leipzig wird nun am Übergang zwischen Wohngebiet und gewerblicher Nutzung eine neue Schule als städtebauliches Bindeglied für eine sensible Nahtstelle installiert, das auf dem ehemaligen Kasernengelände eine neue urbane Mitte mit einem großzügigen Freibereich schafft.

Den Auftakt der neuen Bildungseinrichtung markiert ein urbaner Vorplatz zwischen Schule und Sporthalle. Die kammartige Struktur der abgestaffelten Gebäudekubatur zeichnet die drei Bildungseinrichtungen Technik, Wirtschaft und Sozialwesen entlang der Carl-Maria-von-Weber-Straße nach und folgt der abfallenden Topographie. Im Hofbereich der Schule erzeugt die Kammstruktur unterschiedliche Ruhe- und Kommunikationsbereiche, die der natürlichen Modellierung des Geländes folgen. Die campusartige Anlage der neuen Beruflichen Oberschule öffnet den bisher gesicherten Bereich der ehemaligen Nibelungenkaserne und ermöglicht über die Freiflächen im Hofbereich der Schule zukünftig die freie fußläufige Querung des Quartiers.

Raumprogramm:

Ein vorgelagerter Platz an der Südseite der Schulanlage markiert den Eingangsbereich. Hinter der offenen Glasfassade befinden sich die gemeinschaftlich genutzten Flächen wie Bibliothek, Pausenhalle und Mensa. Rechts davon erreicht man über einen gedeckten Weg die Ballsporthalle.

Im Anschluss an die Pausenhalle befinden sich halbgeschossig nach unten versetzt, die ersten Klassenräume. Der Küchentrakt wird an die Westfassade gelegt, so dass die Anlieferzone uneingeschränkt ohne Störung des Schulbetriebes funktioniert. In den zweihüftigen Klassentrakten befinden sich immer mit Blickkontakt zu den Außenanlagen die sogenannten „Lerninseln“ oder pädagogische Ausweichflächen. Diese entwurfsbestimmende Raumeinteilung findet sich 11 mal im Gesamtschulgebäude und unterstützt dadurch das neue pädagogische Lernkonzept.

Der Verwaltungstrakt mit angrenzendem Lehrerzimmer befindet sich im Herzen der Schulanlage im 1. Obergeschoss. Die Klassen sind im Gebäude je nach Größe und Fachbereich aufgeteilt. Die Fachklassen wie Chemie, Biologie und Physik sind im 3. Obergeschoss untergebracht. Bereits im 1. Bauabschnitt werden alle gemeinschaftlich genutzten Räume zusammen mit den Fachrichtungen Technik und Wirtschaft errichtet. Die Rohbauarbeiten für den 2. Bauabschnitt – für den Fachbereich Sozialwesen – wurden bereits Mitte Juni aufgenommen.

Die Ballsporthalle als Zweifachsporthalle ist um 160 m² größer und um 2 m höher als eine konventionelle Zweifachschulsporthalle. Damit können die Wünsche der Sportvereine in diesem Stadtteil erfüllt werden, indem die Ballsporthalle eine wettkampftaugliche Fläche und Höhe für Hallenfußball, Basketball, Handball und Volleyball bis zum Bayernliga-Niveau erreicht.

Gestaltung:

Das Material- und Farbkonzept ist durchgängig funktionell, geradlinig, werthaltig und damit einer Bildungsstätte für Erwachsene angemessen. Die jetzt noch nüchtern und kalt wirkenden Stahlbetonaußenwände werden mit sandfarbenen Klinkermauersteinen verkleidet. Die Fassaden sollen dann die typischen Naturtöne der Regensburger Fassaden wiederspiegeln.

Die Fensterbänder aus einer Holz-Aluminium-Konstruktion minimieren den Bauunterhalt, sind nach außen hin ansprechend in einem edlen anthrazitgrau behandelt und gestalten den Innenraum mit einem warmen Material.

Statik:

Das gesamte Bauwerk wurde in Stahlbetonbauweise errichtet. Im Bodengutachten wurde festgestellt, dass die Böden für die Lasten des Schulgebäudes nicht tragfähig genug sind, um Setzungsschäden auszuschließen. Deshalb wurde ein statisches Tragwerkskonzept mit Pfahlgründungen bis auf den Fels entwickelt. Der Fels beginnt auf dem Baugrundstück bei ca. 10 m Tiefe und erreicht teilweise bis zu 22 m. Die Bohrpfähle mussten bis auf den Fels gegründet werden mit einem Einzeldurchmesser von je 80 bzw. 100 cm.

Für die Gründung der Schule mit Sporthalle mussten 187 Bohrpfähle zwischen 10 und 22 m Länge erstellt werden. Aneinandergereiht entspricht dies einer Länge von 1,67 km. Zur Armierung dieser Bohrpfähle wurden 84 Tonnen Stahl benötigt. Allein für diese Gründungsmaßnahmen entstanden Kosten i.H.v. 1,53 Mio. €.

Energetisches Konzept:

Bei der Konzeption des Gebäude- und Technikkonzepts wurde ein hoher energetischer Standard als Ziel formuliert. Es werden u.a. folgende energetischen Optimierungsmaßnahmen vorgesehen:

  • Sehr guter Dämmstandard der opaken Bauteile
  • 3-fach Wärmeschutzverglasung
  • Energieeffiziente Wärmeerzeugung über eine Luft-/Wasser-Wärmepumpe
  • Verbesserung des sommerlichen Raumklimas durch effizienten Sonnenschutz, Lüftungs- und Fußbodentemperierung.
  • Zentrale Lüftungsanlagen mit 90% Wärme- Kälterückgewinnung
  • Tageslichtabhängige Steuerung des Kunstlichts mit Präsenzmeldern
  • PV-Anlage mit direkter Einspeisung in das Gebäude

Damit erreichen wir eine Unterschreitung der derzeit noch gültigen EnEV 2009 von ca. 49 Prozent. Aber auch die Anforderungen der zukünftigen EnEV, welche voraussichtlich 2016 in Kraft tritt, werden noch deutlich unterschritten. Die Einsparung an CO2 gegenüber den gesetzlichen Vorgaben beträgt ca. 75 Tonnen pro Jahr.

Barrierefrei

Die gesamte Schulanlage einschließlich Sporthalle wurde natürlich barrierefrei konzipiert. Alle Ebenen sind mit Aufzügen erreichbar.

Küche:

Die Küche ist als Warmausgabe- bzw. Regenerierküche für 400 Essen in 3 Schichten ausgelegt. Im Speisesaal sind Sitzplätze für 140 Personen vorgesehen.

Freisport- und Außenanlagen:

Der Neubau der Beruflichen Oberschule ist eingebettet in ca. 27.000 m² Außenanlagen, die als Campus um das Schulgebäude vielfältige Funktionen übernehmen. Dabei soll das gesamte Schulgelände öffentlich zugänglich sein.

Die Schulfreiflächen folgen der Staffelung der Gebäude sowie dem Relief des Geländes. Dem Schulgebäude sind insgesamt 5.000 m² Pausenhoffläche zugeordnet.

Bauzeit:

Dank des milden Winters 2013/2014 und der hervorragenden Arbeit der Rohbaufirmen liegen wir derzeit optimal im Bauzeitenplan. Derzeit laufen bereits die Ausbauarbeiten mit Hochdruck.

Ich bin mir sicher, dass die geplante Gesamtfertigstellung des 1. Bauabschnittes einschließlich Ballsporthalle bis zum Schuljahresbeginn 2015/2016 eingehalten werden kann.

Die Rohbauarbeiten für den 2. BA haben bereits begonnen. Die Außenanlagen und die Freisportanlagen beginnen im Herbst 2014.

Bis zum Schuljahresbeginn 2016/2017 wird die über viele Jahrzehnte bestehende Mehrhäusigkeit der Beruflichen Oberschule Geschichte sein.

Kosten:

Der Neubau der Beruflichen Oberschule wird das bisher teuerste Schulbauprojekt in der Geschichte der Stadt Regensburg sein. Die Gesamtkosten der Schule inkl. Ballsporthalle, Außenanlagen und Freisportanlagen betragen insgesamt ca. 43 Mio. €.

Zusammen mit dem gleichzeitig entstehenden Parkhaus mit 327 Stellplätzen auf fünf Parkebenen und einem Kostenansatz von 6,7 Mio. € investiert die Stadt Regensburg für die neue Berufliche Oberschule die stolze Summe von 50 Mio. € (ohne Grunderwerb, Einrichtung/Möblierung).

Ich bin jedoch überzeugt, dass diese Investition in das Erfolgsmodell der beruflichen Bildung eine lohnende Investition in unsere Zukunft, in unsere Jugend und nicht zuletzt einen wichtigen Schritt für die Weiterentwicklung der Wirtschaftsregion Regensburg darstellt.

Dank:

Für die Zustimmung zur Planung und Bereitstellung der Mittel danke ich den Stadträten und der Regierung der Oberpfalz. Beide standen dem Bauvorhaben offen gegenüber. Besonderer Dank gilt der Regierung d. Opf. für die Zusage zu der Gewährung eines höheren Fördersatzes und auch für die unkomplizierte Erteilung der Erlaubnis zum vorzeitigen Baubeginn.

Das Richtfest ist in erster Linie ein Fest der Bauschaffenden und so möchte ich die Gelegenheit dazu nutzen, mich bei allen am Projekt Beteiligten persönlich für die hervorragende Arbeit zu bedanken.

Ich danke besonders dem Architekturbüro Schulz+Schulz aus Leipzig, das für die Planung verantwortlich zeichnet und dem Architekturbüro Eichinger/Welck aus Donaustauf, die vor Ort die Bauabwicklung betreuen.

Für die Freisport- und Außenanlagen zeichnet das Büro r + b Landschaftsarchitekten aus Dresden verantwortlich, die zusammen mit dem Architekturbüro Schulz+Schulz den Architektenwettbewerb gewonnen haben.

Ebenso danke ich dem Ingenieurbüro Dr. Lammel aus Regensburg das für die Tragwerksplanung verantwortlich zeichnet.

Mein Dank richtet sich an die vielen Fachplaner, die den gesamten techn. Bereich projektieren.

  • IB Brundobler, Kelheim – Elektroplanung
  • Ingenieurbüro bhb, Rgbg. - Heizungs-/Lüftungs-/Sanitärplanung
  • IB Dr. Holzhauser, Bad Abbach - Bodengutachter
  • IB Schönleber, Rgbg. – Bauphysik
  • IB Witzl, Oberasbach – Brandschutz

Bei den ausführenden Firmen möchte ich mich, stellvertretend für die Vielzahl der beauftragten Handwerksbetriebe, bei der Baufirma Ferdinand Tausendpfund bedanken, von der die Rohbauarbeiten für den 1. Bauabschnitt und für die Ballsporthalle termingerecht ausgeführt wurden.

Erwähnen möchte ich noch die Firma PST Spezialtiefbau Süd aus Nürnberg die mit 187 Bohrpfählen dafür sorgten, dass unser Gebäude auf sicherem Fels steht.

Mein Dank geht an alle Firmen die bisher für die Realisierung unserer Pläne mit großer Fachkunde und Einsatz zu einer termingerechten Abwicklung beigetragen haben.

An diesem Projekt und seinem guten Gelingen wirken auch eine Vielzahl von Ämtern und Dienststellen mit. Ihnen allen, ganz besonders dem Amt für Hochbau und Gebäudeservice, das für die gesamte Projektleitung und Koordination verantwortlich ist, meine höchste Anerkennung.

In diesem Sinne wünsche ich den Bauschaffenden weiterhin ein gutes Gelingen sowie einen zügigen und unfallfreien Verlauf der weiteren Bauarbeiten.

Vielen Dank !