Navigation und Service

Eröffnung des Regensburger Christkindlmarktes

-Es gilt das gesprochene Wort-

Rede von Oberbürgermeister Joachim Wolbergs zur Eröffnung des Regensburger Christkindlmarktes, am Freitag, 28. November 2014, 18 Uhr, auf dem Neupfarrplatz

Anrede,

Mit dem ersten Adventswochenende beginnt für uns alle wieder eine ganz besondere Zeit, die wir uns ohne die Christkindlmärkte – und erst recht ohne diesen hier auf dem Neupfarrplatz – gar nicht vorstellen können.

Hier liegt der verlockende Duft von Bratwurst und Glühwein, von gebrannten Mandeln und Lebkuchen in der Luft. Hier sehen wir verzauberte Kinderaugen. Christbaumkugeln, Räuchermännchen, Weihnachtspyramiden, und Bienenwachskerzen erinnern uns daran, wie wir als Kinder die Wochen vor dem großen Fest erlebt haben:

Jeden Tag durften wir ein neues Türchen vom Adventskalender aufmachen, ein Stückerl Schokolade hat uns das Warten versüßt. Und je näher der Heilige Abend gekommen ist, desto mehr haben wir das Gefühl von wohliger Geborgenheit genossen.

Ich freue mich sehr darüber, dass ich Sie alle zur Eröffnung unseres traditionellen Regensburger Christkindlmarkts begrüßen darf. Ich finde es schön, dass Sie sich die Zeit genommen haben, diesen besonderen Moment zu erleben.

Begrüßen möchte ich auch alle, die nicht hier sein können. In ganz Ostbayern sind Hörerinnen und Hörer von Radio Charivari live mit uns verbunden. Wenn Sie für einen Moment die Augen schließen und sich ein kleines Budendorf mit hellen, warmen Lichtern und mit entspannten, freundlichen Menschen vorstellen, dann können Sie diese tolle Atmosphäre erahnen, die wir auf dem Neupfarrplatz gerade erleben.

Ganz wichtig in der Vorweihnachtszeit ist es, sich in den kommenden Wochen nicht in die übliche Hektik zum Jahresende ziehen zu lassen. Es gibt sicher noch einiges, das sich bei genauem Hinsehen ins neue Jahr verschieben lässt. Machen wir uns frei von Zwängen, die nicht wirklich welche sind. Und besinnen wir uns auf das was uns wichtig, lieb und teuer ist: nämlich Zeit für uns zu haben – Zeit für unsere Familien und unsere Freunde.

Zeit für Zuwendung, Zeit fürs Zusammensein und Zeit für Gespräche. Diese Zeit sollten wir uns alle gegenseitig schenken.

Ein vollkommen friedliches und entspanntes Weihnachtsfest ist in unserer unruhigen Welt keine Selbstverständlichkeit. Und es gibt leider viel zu viele Menschen, denen es momentan wirklich nicht gut geht.

Denken wir nur an die vielen Tausend Menschen, die schon seit Monaten – und auch in diesem Moment – verzweifelt auf der Suche nach Schutz und Ruhe sind. Die ihre Heimat aufgeben mussten, weil dort Krieg und Verfolgung herrschen. Die zu uns fliehen, um ihr Leben zu retten – und die jetzt an unsere Tür klopfen und um Einlass bitten. So wie in der biblischen Geschichte von der Herbergssuche.

Viele der Menschen, die jetzt unsere Hilfe erbitten, haben einen langen, unvorstellbar schweren Weg hinter sich. Sie haben in den Abgrund des Grauens geblickt. Sie leben in quälender Unsicherheit. Sie vermissen Familienangehörige. Sie wissen nicht, wie es weitergehen soll und haben nur noch eine Hoffnung - die Hoffnung auf ein Leben in Sicherheit.

Auch wir in Regensburg haben uns an die Geschichte von der Herbergssuche erinnert und Flüchtlinge aufgenommen. Es wäre schön, wenn wir zusammen versuchen könnten, den Weihnachtszauber mit diesen Menschen zu teilen.

Es reicht ja oft schon eine kleine Geste oder ein Lächeln, um jemanden zumindest für einen Moment glücklich und sein Leben in der Fremde einfacher zu machen.

Mich hat in den vergangenen Wochen und Monaten tief bewegt, mit welchem Engagement und mit welcher Herzlichkeit die Bürgerinnen und Bürger dieser wundervollen Stadt, die Flüchtlinge bei uns willkommen geheißen haben.

Wir tun das aus der festen Überzeugung heraus, dass die Starken den Schwachen, und die Reichen den Armen helfen müssen. Das gilt auch für all die Mitmenschen in unserer Gesellschaft die auf Unterstützung, Hilfe und Fürsorge angewiesen sind. Lassen wir auch sie spüren, dass wir sie annehmen, dass sie zu uns gehören und dass wir sie mit ihren Nöten nicht allein lassen.

Der amerikanische Schriftsteller und Politiker Benjamin Franklin hat gesagt:
„Ein gutes Gewissen ist ein ständiges Weihnachten." Das stimmt. Ich finde, dass es keinen besonderen Anlass geben sollte, damit man sich um seine Mitmenschen kümmert. Genau genommen ist das eine Selbstverständlichkeit, die nur leider in unserer heutigen Zeit in den Hintergrund geraten ist.

Würden wir uns selbst öfter daran erinnern und unseren Mitmenschen ein Lächeln schenken und die Hand reichen, dann würden wir diesen besonderen Glanz in den Augen nicht nur an Weihnachten sehen. 

Ein schönes indisches Sprichwort sagt: „Das Lächeln, das du aussendest, kehrt zu dir zurück.“

Ich wünsche Ihnen, liebe Regensburgerinnen und Regensburger, viele schöne Momente auf unserem Christkindlmarkt.

Und ich wünsche Ihnen eine ruhige und friedliche Weihnachtszeit mit unendlich viele Augenblicke, in denen ein Lächeln zu Ihnen zurückkehrt.