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Neujahrsempfang 2014

-Es gilt das gesprochene Wort-

Rede von Oberbürgermeister Hans Schaidinger anlässlich des Neujahrsempfangs 2014 der Stadt Regensburg am Freitag, 10. Januar 2014, um 11 Uhr, im Historischen Reichssaal des Alten Rathauses

Anrede

Der Neujahrsempfang der Stadt ist gute Tradition, aber beileibe keine Pflichtübung. Ich schließe das aus der Herzlichkeit und den guten Wünschen, die Sie den Bürgermeistern und mir bei der Begrüßung entgegengebracht haben. Tradition ist lediglich, dass wir Sie alle persönlich und namentlich begrüßen – schon vor der Neujahrsrede!

Ich hoffe, dass Sie bei der leider unvermeidlichen Wartezeit während des Defilees die Gelegenheit nutzen konnten, miteinander ins Gespräch zu kommen. Begegnung und Kommunikation sind schließlich das Wichtigste beim Neujahrsempfang. Dazu gehört immer auch eine musikalische Begegnung: Wir begrüßen und danken dem Bläserensemble der Hochschule für katholische Kirchenmusik und Musikpädagogik, das uns durch diesen Empfang begleitet.

Vor einem Jahr haben wir uns an dieser Stelle gewünscht, dass das Jahr 2013 wieder ein gutes Jahr für unsere Stadt werden solle. Unser Wunsch hat sich erfüllt: Das zurückliegende Jahr war ein sehr gutes Jahr für Regensburg.

Mit sorgsamer Finanzpolitik haben wir viel bewegt; Vorhaben, die eindrucksvoll zeigen, dass unsere Stadt nicht stillsteht. Dass sie mit allen ihren Fasern lebt und sich ständig weiterentwickelt. Dass wir das Alte, das uns anvertraut wurde, sorgsam zu bewahren wissen – und dass es uns gleichzeitig zum Neuen hinzieht.

 „Das Neue dringt herein mit Macht“ – so hat Friedrich Schiller das ewige Streben des Menschen nach dem Wandel beschrieben. Zu Schillers Lebzeiten ging es bei dem Neuen um die Freiheit des Geistes und des Wortes, um die freie persönliche Entfaltung und um den Aufbau eines demokratischen Staatswesens.

Was für Schiller und seine Zeitgenossen revolutionär war, ist uns heute selbstverständlich. Dabei hat erst der Aufbau demokratischer Gesellschaften das neue Europa entstehen lassen, das wir kennen.

Wir müssen, Gottseidank, heute ein gut funktionierendes Staatssystem nicht neu erfinden. Aber wir müssen unser Gemeinwesen immer wieder auf den Prüfstand stellen und verbessern.

Das Neue, das heute in die Welt will, entsteht nicht mehr in aufgewühlten philosophischen Debattierrunden – es entsteht in Forschungslaboren, Entwicklerwerkstätten und Denkfabriken.

Es entsteht in weltumspannenden Unternehmen, in mittelständischen Familienbetrieben und in kleinen Start-Up-Firmen. Es entsteht in den genialen Köpfen von Wissenschaftlern, Technikern und Handwerkern.

Das Neue, das sie hervorbringen, entsteht in einer noch nie erreichten Geschwindigkeit und in einer bislang nicht dagewesenen Vielfalt.

Wenn man sagt, dass innovative Unternehmen heute 30 Prozent ihres Umsatzes mit Produkten generieren, die jünger sind als drei Jahre, wie ist es dann mit innovativen Städten? Wodurch sind Städte innovativ?

Wie bewältigt eine mittelgroße europäische Stadt wie Regensburg diese besondere Herausforderung?

Heute ist es nicht nur entscheidend, was wir von dem Neuen, das täglich entsteht, zu uns hereinlassen wollen. Wir müssen vielmehr intensiv daran arbeiten, dass Regensburg selbst ein Ort ist, an dem Neues entsteht.

„Alles muss stimmen, wenn das Neue hereintreten soll“, heißt es in dem Buch „Wie kommt das Neue in die Welt“ von Pierer und Oetinger: Zitat: „Da müssen sie an einem Punkt zusammenkommen, die Tüftler und Träumer, Teams und herausragenden Persönlichkeiten, der Geist der Inspiration und die Kraft der Transpiration, die gesellschaftliche Begeisterung für Neues und Führungspersönlichkeiten, die die Gunst der Stunde nutzen. Innovation ist eine anstrengende Aufgabe, die uns alle angeht. Es ist ein großartiger Augenblick, wenn es passiert.“

Regensburg ist ein Schauplatz dieser großartigen Augenblicke. Ingenieure, Meister und Wissenschaftler aus unserer Stadt haben ihren Anteil dazu beigetragen, dass Deutschland mit seinen Innovationen den sechsten Platz unter 28 Industrienationen belegt, wie aus einer Studie des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung hervorgeht. In Deutschland steht Bayern an dritter Stelle nach Baden-Württemberg und Hamburg.

Das sind zwar gute Platzierungen, aber wer sich auf diesen Lorbeeren ausruht, trägt sie an der falschen Stelle, wie schon Mao Tse-Tung festgestellt hat.

Uns ist die Frage gestellt: Wie fördern wir, dass Neues entsteht, und wie schaffen wir es, dass dieses Neue nicht unbeachtet verkümmert? Und welche Rolle spielt dabei die Stadt?

Ein Chemiker würde das so sehen: Für eine Reaktion, bei der etwas Neues entsteht, sind nicht nur die Reagenzien entscheidend. Den Ausschlag gibt der richtige Katalysator; der Stoff, der eine chemische Reaktion anstößt oder ihre Geschwindigkeit erhöht, ohne selbst dabei verbraucht zu werden.

Eine Stadt ist ein guter Katalysator –vorausgesetzt, dass nicht der bekannte Verhinderungs-Dreisatz befolgt wird:

  • Erstens: Das haben wir immer so gemacht!
  • Zweitens: Das haben wir noch nie so gemacht!
  • Und drittens: Da könnte ja jeder kommen!

Im globalen Wettlauf um das Beste und das Neue wird jede Stadtgesellschaft verlieren, die nur das pflegt, was sie immer gemacht hat. Die nicht wagt, etwas anzupacken, das sie noch nie gemacht hat. Und die sich allem verweigert, das frischen Wind bringt.

Andererseits ist auch klar: Nicht jede Veränderung löst Jubel aus, schon gar nicht einhelligen. Veränderungen stoßen auf Vorbehalte und Ängste. Selbst die geduldige Information über Veränderung kann auf Misstrauen stoßen, weil sich immer jemand findet, der lieber nichts erklärt haben möchte, der lieber alles beim Alten belassen will.

Ohne einen guten Plan, ohne Strategie, funktioniert Innovation und Entwicklung einer Stadt aber nicht. Diese Notwendigkeit hat der unvergessene Manfred Rommel, das Oberbürgermeister-Urgestein aus Stuttgart, einmal so beschrieben: „Gegner der Planung“, so hat er gesagt, „sind Freunde des Zufalls“.

An dieses Bonmot des geschätzten, leider im letzten Jahr von uns gegangenen Kollegen habe ich denken müssen, als wir vor einem Monat auf dem Gelände der ehemaligen Nibelungenkaserne den ersten Spatenstich für den Bau unseres neuen Innovationszentrums vorgenommen haben. Mit ihm wollen wir dafür sorgen, dass das Neue in Regensburg noch bessere Möglichkeiten zur Entwicklung findet.

Einer unserer großen Innovationsschwerpunkte – die Informationstechnologie – wird aus dem IT-Speicher in das Innovationszentrum umziehen. Zusätzlich werden wir Forschern, Entwicklern und Jung-Unternehmern aus vielen weiteren Technologiebereichen im Innovationszentrum attraktive Arbeitsmöglichkeiten bieten.

Wir wollen einen Technologie-Campus aufbauen, unmittelbar neben und mit Universität und Ostbayerischer Technischer Hochschule.

 „Werden, Entwicklung, Entfaltung“, so hat der Philosoph Hegel gesagt, „ist das allgemeine Gesetz der menschlichen Dinge, wie das der Natur“.

Mit dem Biopark haben wir schon vor 13 Jahren gewagt zu zeigen, wie das Neue in die Stadt kommt.

Wenn man den Blick auf die Gesamtlage im Freistaat richtet, sieht es weniger rosig aus: Bayern hat zu wenige Unternehmensgründer. Eine Expertengruppe, die die bayerische Innovationskraft durchleuchtet hat, ist zu keinem guten Ergebnis gekommen; Bayern ist im Vergleich mit anderen Gründerregionen in der Welt stark zurückgefallen. Bei uns, so sagen die Experten, herrscht kein Gründergeist mehr. Immer weniger junge Leute haben den Mut, mit ihren Entwicklungen auf den Markt zu gehen. Das Neue, das wir so dringend brauchen, bleibt in den Köpfen.

Und deswegen sollen Tech-Campus, Innovationszentrum, Biopark und unsere enge Unterstützung der Forschungsaktivitäten an der Universität und OTH z.B. mit der school of optical-electronical engineering oder dem Centrum für Interventionelle Immunologie dazu beitragen, dass Bayern wieder mehr ein Land der Tüftler und Gründer wird – und, dass Regensburg den Spitzenplatz behält, den wir in der neuesten Prognos-Studie bekommen haben: Regensburg liegt bei der Entwicklungsdynamik auf dem ersten Platz unter allen 403 deutschen Städten und Landkreisen.

Und auch in einer vor kurzem veröffentlichten Städtestudie der Wirtschaftswoche haben wir hervorragend abgeschnitten: Zusammen mit Wolfsburg, Erlangen und Ingolstadt gehört Regensburg zu den attraktivsten und wirtschaftlich erfolgreichsten Städten in Deutschland. „Regensburg überzeugt in allen Belangen“, heißt es in der Studie, in der übrigens eines auffällt:

Auf der Siegertreppe stehen nicht die üblichen Verdächtigen – die großen Städte wie etwa München, Leipzig, Frankfurt oder Hamburg. Sieger sind mittlere Großstädte. Was macht diese Städte so viel dynamischer und attraktiver als die Metropolen?

Mittelgroße Städte entsprechen eher der alten, aber immer noch gültigen Idee von der europäischen Stadt!

Sie sind keine räumlich ausufernden Megacities mit allen ihren Problemen. Die erfolgreichen mittelgroßen Städte sind kompakt und überschaubar. Persönlich und nicht anonym. Unverwechselbar und nicht austauschbar. Menschlich und nicht unwirtlich. Vielfältig und nicht monolithisch.

Die typische mittelgroße europäische Stadt hat einen großen Reiz: Sie bietet in allen Belangen eine hohe Lebensqualität. Man verliert sich nicht in ihr. Ihr Tempo liegt einige Taktschläge unter denen einer Millionenstadt, sie kommt dem allgemeinen Wunsch nach Entschleunigung entgegen. Hier entfaltet sich Kreativität besser, fruchtbarer und effizienter.

Die typische mittlere Großstadt ist nicht seelenlos. Hier lässt sich das, was wir ein Netzwerk nennen, viel schneller und intensiver knüpfen - im Beruf und im Privaten. Veränderungen werden schneller und intensiver wahrgenommen. Das fördert die Entwicklung von Persönlichkeit und, ganz wichtig, die Entwicklung der Kreativität.

Kreativität entspringt der wichtigsten menschlichen Triebfeder – der Neugierde. Wir können gar nicht anders als uns zu verändern und unablässig das Neue zu suchen. Wenn eine Stadt erfolgreich sein will, dann ist sie gut beraten, viele Keimzellen der Kreativität zu unterstützen und zu schaffen. Eine Stadt braucht viele motivierende Freiräume, in denen das Neue entstehen kann.

Es geht sehr wesentlich auch darum, welches Zukunftsbild wir von unserer Stadt haben. Die Städte stehen am Beginn eines großen Umbruchs. Die europäische Stadt erlebt aber auch ihre Renaissance – aus vielen Gründen.

Ältere Menschen ziehen vom Land in die Stadt, weil sie hier das Versorgungs- und Betreuungsangebot finden, das sie sich wünschen. Die Städte ziehen aber auch viele junge Menschen an, die davon überzeugt sind, dass sie hier ihre beruflichen und persönlichen Lebenspläne besser verwirklichen können.

Es geht nicht mehr nur um das Schaffen von Arbeitsplätzen und möglichst kostengünstigen Wohnungen. Eine Stadt muss sich mehr als früher darauf einstellen, dass viele Menschen dabei sind, ihre Werteskala neu zu ordnen.

Der Trendforscher Peter Wippermann hat in seinem Werte-Index für das Jahr 2014 herausgefunden, dass Leistungsorientierung und Wettbewerb für die Menschen eine große Rolle spielen. Der Begriff Erfolg wird jedoch neu definiert: Er wird nicht mehr vordergründig am Besitz, sondern an der persönlichen Lebensqualität gemessen.

Wichtig sind den Stadtbürgerinnen und Stadtbürgern zunehmend Selbstbestimmung, Eigenverantwortung, Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung. Diese Werte sind auch sehr wesentlich für das, was eine Stadt wie Regensburg im Innern zusammenhält.

Eine Stadt ist nur dann lebenswert und erfolgreich, wenn sie ihren Bürgerinnen und Bürgern ein möglichst hohes Maß an Entfaltung der eigenen Persönlichkeit bieten kann. Regensburg ist da schon sehr weit: Von der Bildung über das weit überdurchschnittliche Angebot an qualifizierten Arbeitsplätzen der Unternehmen bis hin zum umfangreichen Kulturangebot decken wir beileibe nicht nur gängige, sondern auch sehr hohe Ansprüche ab.

Dabei lassen wir nicht die Menschen im Stich, die auf Unterstützung angewiesen sind. Wer unsere Hilfe braucht, der bekommt sie. Wir erlauben uns aber zwischen denen, die sie wirklich brauchen, und denen, die nur laut danach rufen, zu unterscheiden.

Was unsere Stadt im Innersten zusammenhält, das sind auch die unzähligen ehrenamtlich engagierten Bürgerinnen und Bürger; sie demonstrieren mit ihrem meist unbezahlten Einsatz bürgerschaftliche Eigenverantwortung, soziales Gewissen und einen Geist des Zusammenhalts.

Ich zolle allen Ehrenamtlichen Anerkennung, Dank und großen Respekt. Ich habe zu diesem Neujahrsempfang eine Gruppe junger, ehrenamtlich engagierter Bürgerinnen und Bürger eingeladen und begrüße sie herzlich.

Mit der Einladung zu diesem Empfang wollen wir ihnen unseren herzlichen Dank sagen für das, was sie unentgeltlich und oft mit großem Zeitaufwand für die gesamte Stadtgesellschaft leisten.

Und sie leisten viel: Sie sammeln für soziale Einrichtungen, sie engagieren sich beim Projekt Youngagement. Sie sind aktiv bei der Wasserwacht, bei den Pfadfindern, im Sanitätsdienst und als Jugendskilehrer. Sie kümmern sich in der Gruppe „Slow Food Youth“ um gesunde Ernährung, sie helfen im Projekt „Hoffnungsfunken“ Gleichaltrigen, sie singen im Cantemus Chor oder musizieren im Kammerorchester.

Manchmal ist spontane Hilfe besonders wichtig: Unter unseren jungen Gästen sind freiwillige Helfer, die mit den unzähligen ehrenamtlichen und hauptamtlichen Einsatzkräften dazu beigetragen haben, dass das Juni-Hochwasser, das die Ausmaße einer Jahrhundertflut hatte, in unserer Stadt vergleichsweise glimpflich abgelaufen ist. Wir haben in den zurückliegenden Jahren auch vorsorgend gehandelt – und es hat sich gelohnt!

Mit Ihrem freiwilligen Einsatz, meine sehr verehrten jungen Damen und Herren, legen Sie aber besondere Ehre für sich und für unsere ganze Stadt ein.

Meine sehr verehrten Damen und Herren, nicht alle, aber sehr, sehr viele unserer Bürgerinnen und Bürgern sind sich dessen bewusst, dass unsere Stadt – auch bei ihrer gegenwärtig guten Finanzlage – nicht alles leisten kann.

Deswegen ist Regensburg auf die gegenseitige Hilfe unter den Bürgerinnen und Bürgern angewiesen. Dieser Zusammenhalt macht eine Stadt stark, weil er ihr etwas ganz Besonderes schenkt: Er stärkt die Identifikation. Regensburg ist ein Beweis, dass es diese Identifikation der Bürgerinnen und Bürger mit ihrer Stadt, das Wir-Gefühl und die menschliche Solidarität untereinander, nicht nur in kleinen Dörfern gibt, wo jeder jeden kennt, sondern auch in einer großen Stadt.

Diesen Zusammenhalt werden wir in Zukunft ganz besonders brauchen.

Die Städte Europas stehen in einer Zeit des Umbruchs: Ich meine nicht die Zunahme der Älteren und die rasante Abnahme der jüngeren Jahrgänge, nicht die unzureichende finanzielle Ausstattung der Kommunen, nicht den Fachkräftemangel; das alles kennen wir schon.

Ich rede von Herausforderungen, die verhältnismäßig neu sind, aber zentrale Fragen für alle urbanen Räume in den nächsten Jahrzehnten sein werden.

 Einige Beispiele:

  • Der Stadtverkehr, insbesondere der öffentliche Verkehr, kann nicht mehr allein über Investitionen in die Grundinfrastruktur geregelt werden; jetzt muss die intelligente Vernetzung der vorhandenen Strukturen beginnen.
  • Die Tür zur total vernetzten Welt haben wir noch nicht aufgestoßen. Sie wird die Lebensbedingungen in Städten deutlich verändern.
  • Die europäische Stadt ist seit 500 Jahren ein höchst nachhaltiges Siedlungsmodell. Sie ist auch das Entscheidungsmodell für die Zukunft, weil niemand gleiche Strukturen in allen Teilräumen eines Landes bezahlen kann.
  • Die Generation Y, die anders als die Generation X oder die Babyboomer, vollversorgt in Frieden und Wohlstand aufgewachsen ist, die laut FAZ vom 21. Dezember 2013 für einen Fernseher nicht mehr 42 Tage, wie im Jahr 1960, und nicht mehr 10 Tage, wie noch vor 20 Jahren, sondern nur noch vier Tage arbeiten muss, setzt andere Prioritäten: Entschleunigung, sinnerfüllte Tätigkeit und verantwortungsbewusste Wertschöpfung werden wichtiger als Gehaltshöhe und Statussymbole.

Ob eine solche neue Gesellschaft gelingt, wird zuerst in den Städten entschieden. Genauso wie die Wirtschaft einen scharfen Sinn für Zukunftstechnologien braucht und Kulturschaffende Seismographen der gesellschaftlichen Veränderung sein müssen, brauchen Stadtgesellschaft und ihre Mandatsträger ein Gespür für urbane Veränderungstendenzen.

Diese Veränderungen zu bestehen, ist vorrangig keine Frage des Geldes. Das Bonmot „…wem Gott schaden will, dem schenkt er anhaltenden Wohlstand!“ ist nicht falsch. Viel Geld verleitet dazu, viel auszugeben. Entscheidend ist aber, es für die Realisierung von Zukunft, für das Neue, auszugeben, und nicht für ein bequemes Leben in der Gegenwart oder die Förderung einer Vollkaskomentalität.

Diese Zukunft bedeutet: Jede europäische Stadtgesellschaft, die künftig erfolgreich sein will, wird mit ihrer spezifischen Kultur und Tradition leben, offen sein für globale Veränderungen und die Begegnung mit dem Neuen als Bereicherung empfinden.

Wenn wir das beherzigen, werden wir alle unseren Nutzen daraus ziehen können: Unsere Unternehmen, die sich mit der Hilfe zugewanderter Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter noch besser fit machen können für die globalisierten Märkte.

Das gleiche gilt für die Wissenschaft, die ohne neue Einflüsse von außen im sprichwörtlichen Elfenbeinturm gefangen wäre. Und das trifft besonders für die Kultur zu, die ohne das Neue überhaupt nicht existieren könnte.

Ich bin sehr zuversichtlich, dass Regensburg das Neue immer wieder hereinlässt: Neue Menschen, neue Ideen, neue Denkweisen. Die Stadt hat in ihrer Geschichte immer dann geblüht, wenn sie neugierig und offen war.

Wenn jeder einzelne von uns seinen Beitrag zu all dem leistet, wofür Regensburg anerkannt und geschätzt wird, dann wird es dieser Stadt gelingen, an ihrem besonderen Markenzeichen weiter mit Erfolg zu arbeiten. Regensburg hat gute Anlagen für eine europäische Modellstadt der Zukunft.

Schon jetzt erfüllt unsere Stadt eine ganze Reihe der Anforderungen, die an „Smart Cities“ gestellt werden – an die intelligenten, zukunftsfähigen europäischen Städte. Sie werden definiert als nachhaltiger Organismus, in dem Wirtschaft, Bildung, Wissenschaft, Umwelt, Kultur und Soziales eng miteinander verflochten sind.

Seit geraumer Zeit wird in Gremien der EU daran gearbeitet, ein Leitbild der „Europäischen Stadt“ in Standards zu fassen. Dieser bürokratische Ansatz geht darüber hinweg, dass jede Stadt ihren eigenen Charakter hat – und dass die Menschen und die von ihnen gewählten Politiker selbst zu entscheiden haben, wie sie ihre Stadt weiterentwickeln wollen.

Der gemeinsame Wille, sich für ein solidarisches, wissenschaftlich und wirtschaftlich erfolgreiches, gesellschaftlich vielfältiges, integratives und friedliches Regensburg einzusetzen, muss uns auch künftig im Innersten zusammenhalten.

Deshalb warten wir nicht auf eine telefonbuchdicke „Smart-City“-Verordnung der EU. Wir sind bereits auf dem Weg in die innovative Zukunft. Auch die Generationen nach uns sollen voller Überzeugung sagen: Es ist lebenswert, angenehm und klug, in Regensburg zu leben.

Dass das Wohlergehen der Städte mit dem Engagement ihrer Bürgerinnen und Bürger steht und fällt, war schon im Altertum bekannt. Vom griechischen Philosophen Plato ist uns der Satz überliefert:

„Wünscht Gott einer Stadt sein Wohlwollen zu zeigen, bringt er gute Bürger in sie ein. Wünscht er es nicht, zerstört er die Stadt, indem er ihre guten Bürger aus dieser entfernt.“

Ich glaube, wir sind wirklich von diesem göttlichen Wohlwollen getragen. Uns geht es gut! Unsere Arbeitsplätze reichen, um unseren „guten Bürgern“ gerecht zu werden.

Dass unsere Wohnungen derzeit nicht ganz reichen, wollen wir nicht der göttlichen Vorsehung überlassen, wir strengen uns selber an.

Unsere Pflichten stehen nach wie vor treffend beschrieben im Buch des Propheten Jeremia, im Kapitel 29:

„Suchet der Stadt Bestes, dahin ich euch habe lassen wegführen, und betet für sie zum Herren; denn wenn’s ihr wohl geht, so geht’s auch euch wohl.“

Wohlgemerkt: Jeremia hat nicht geschrieben, suchet das Populärste oder das Wählerwirksamste; nein: suchet das Beste für eure Stadt.

„Um danach zu leben, brauchen wir [in Regensburg] nicht mehr Kraft, mehr Talent oder mehr Gelegenheit. Was wir brauchen, ist“, wie Basil Walsh es formuliert hat, „nur der Wille, zu nutzen, was wir haben.“

Diese Einsichten wären schon eine gute Perspektive, auch 2014 für unsere Stadt zu einem erfolgreichen Jahr zu machen.

So ein Jahr wünsche ich uns allen; allen Regensburgerinnen und Regensburgern wünsche ich Glück, Erfolg, Gesundheit und Zufriedenheit – und den Segen Gottes.