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Verkehrsfreigabe des zweiten Bauabschnitts der denkmalgerechten Instandsetzung der Steinernen Brücke

-Es gilt das gesprochene Wort-

Rede von Herrn Oberbürgermeister Hans Schaidinger anlässlich der Verkehrsfreigabe des zweiten Bauabschnitts der denkmalgerechten Instandsetzung der Steinernen Brücke am Dienstag, 17. Dezember 2013, um 14 Uhr

Anrede,

Ich freue mich, dass Sie heute – so spät im Jahr, eine Woche vor Weihnachten – so zahlreich zur Verkehrsfreigabe des zweiten Bauabschnittes der Sanierungsmaßnahme „Steinerne Brücke“ erschienen sind.

Der zweite Bauabschnitt umfasst im Wesentlichen die Erneuerung der Rampenbrücke vom Oberen Wöhrd zur Steinernen Brücke und die Instandsetzung der Bögen 10 und 11 der Steinernen Brücke inklusive der Neugestaltung der darüber liegenden Brückenoberfläche.

Dieser Bauabschnitt war für die Bürgerinnen und Bürger mit ganz besonderen Belastungen verbunden.

Denn um die Rampenbrücke sanieren zu können, mussten wir sie komplett sperren. Und anders als bei der Steinernen Brücke war es an dieser Stelle leider nicht möglich, neben der Brücke einen Behelfssteg aufzustellen, der einfach und barrierefrei an der Baustelle vorbeiführt.

Über den Treppenturm und den provisorisch asphaltierten Weg auf der Jahninsel war der Obere Wöhrd zwar die ganze Bauzeit über erreichbar, aber eine barrierefreie Lösung ließ sich leider nicht realisieren.

Ich möchte die Gelegenheit nutzen, mich an dieser Stelle bei den Bürgerinnen und Bürgern – und insbesondere natürlich bei den Anliegern des Oberen Wöhrd – herzlich für die Geduld zu bedanken, mit der sie diese Einschränkung hingenommen haben.

Umso mehr freue ich mich, dass wir Ihre Geduld nicht zusätzlich strapazieren mussten und die Rampenbrücke jetzt – genau wie geplant und angekündigt – zum Jahresende wieder für den Verkehr freigeben können. Wobei mit Verkehr hier natürlich nur der Fußgänger- und Radfahrerverkehr gemeint ist. Denn – ebenso wie die Steinerne Brücke – wird auch die Rampenbrücke für den motorisierten Verkehr dauerhaft gesperrt bleiben.

Bis auf ein paar letzte Restarbeiten an der Rampenbrücke und an den Grünanlagen der Jahninsel, die erst ab dem Frühjahr fertiggestellt werden können, ist der zweite Bauabschnitt nun abgeschlossen.

Dass dies bei diesem Abschnitt ohne Komplikationen und im ursprünglich vorgesehenen Zeitplan gelungen ist, ist auch deswegen erfreulich, weil wir im ersten Bauabschnitt – wie Sie alle wissen – massive Verzögerungen hatten. Über den Bögen 12 bis 15, die im ersten Bauabschnitt saniert werden und eigentlich längst fertig sein sollten, sehen Sie nach wie vor die Einhausung.

Die hier beauftragte Firma für die Instandsetzung der historischen Natursteine mussten wir aufgrund dieser Verzögerungen leider kündigen.

Im September hat eine neue Steinmetzfirma die Sanierung der Natursteinbögen 12 bis 15 fortgesetzt. Nach der Winterpause wird sie die Arbeiten weiterführen und sie nach heutigem Stand voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte 2014 abschließen können.

Die einmal eingetretenen Verzögerungen können jedoch im ersten Bauabschnitt nicht kompensiert werden und sie werden auf die Gesamtbauzeit der Steinernen Brücke durchschlagen, die jetzt bis 2017 (anstatt bis 2016) dauern wird.

Um keine weitere Zeit zu verlieren, haben wir bereits mit den Vorbereitungen für die Bauabschnitte drei und vier begonnen und neben diesen Bauabschnitten bereits teilweise die ab nächstem Jahr erforderlichen Behelfsstege errichtet. Diese beiden letzten Bauabschnitte der Gesamtsanierung umfassen im Wesentlichen die Instandsetzung der noch ausstehenden Natursteinbögen von der Stadtseite bis zur Rampenbrücke, einschließlich der Gestaltung der Brückenoberfläche.

Zum Jahresende 2017 sollen sie fertiggestellt und die Sanierung der Steinernen Brücke damit insgesamt abgeschlossen sein. Wenn die Arbeiten so problemlos ablaufen wie der zweite Bauabschnitt, wird dieser neue Zeitplan auch gut eingehalten werden können.

Sehr geehrte Damen und Herren, Kernstück des zweiten Bauabschnitts war die Sanierung eines Teilstücks, das streng genommen gar nicht zur ursprünglichen, 870 Jahre alten Steinernen Brücke gehört, nämlich der Rampenbrücke zum Oberen Wöhrd.

Diese Rampenbrücke entstand rund 400 Jahre später als die Steinerne Brücke, zu Beginn des 16. Jahrhunderts. Die massiven Pfeiler hier auf der Jahninsel stammen noch aus der Bauzeit, der Brückenüberbau hingegen wurde im Lauf der Jahrhunderte wohl mehrfach erneuert.

Die verschiedenen Brückenüberbauten bestanden anfangs aus Holz, ab dem Jahr 1877 dann aus Stahl; aber eines hatten sie zunächst gemeinsam: es waren immer leichte, filigrane Konstruktionen, die einen reizvollen Kontrast zu den wuchtigen Pfeilern bildeten und nicht in Konkurrenz zur massiven Steinernen Brücke selbst traten.

Erst im 20. Jahrhundert ging dieses charakteristische Erscheinungsbild der Rampenbrücke verloren. Um die Brücke für LKWs nutzbar zu machen, wurden ab 1930 eine Stahlbetonbrückenplatte auf die Stahlträger gelegt und Stahlbetonträger eingebaut. In den 1970er Jahren verstärkte man die massiven Stahlbetonträgern und machte die Brücke damit noch stabiler.

Diese zusätzliche Stabilität ging allerdings nicht nur auf Kosten des Erscheinungsbildes, sondern auch auf Kosten der Bausubstanz. Zum einen lag das an der Art der Konstruktion:

Die Stahlbetonträger lagen nämlich direkt, ohne Lager, auf den historischen Pfeilern auf und durch die undichte Brückenoberfläche drang Niederschlagswasser in die historische Bausubstanz ein.

Zum anderen wurde die Rampenbrücke auch sehr intensiv genutzt, denn bis zum Bau des Pfaffensteiner Steges war sie für schwere Fahrzeuge die einzige Zufahrt zum Oberen Wöhrd.

Ende des 20. Jahrhunderts war die Bausubstanz, vor allem in den historischen Pfeilern, so stark geschädigt, dass klar war: Die Instandsetzung der Rampenbrücke gehört in jedem Fall auf den Sanierungsplan für die Steinerne Brücke.

In enger Abstimmung mit der Denkmalpflege wurde für die Rampe ein Sanierungskonzept erarbeitet. Dieses Konzept sah vor, die historischen Pfeiler zu erhalten und an Ort und Stelle zu sanieren. Der Brückenüberbau hingegen wies so grundsätzliche Mängel auf, dass man sich entschloss, ihn nicht zu renovieren, sondern ihn komplett abzubauen. Die neue Brückenplatte sollte – genau wie ihre Vorgängerbauten aus vergangenen Jahrhunderten – wieder leicht und filigran gestaltet werden, um der Rampe ihr ursprüngliches Erscheinungsbild zurückzugeben.

Wenn man sich die Rampe heute anschaut, so sieht man, dass dies dem Team der Planer (bestehend aus dem Ing.-Büro Grassl und dem Büro Reinhart Architekten aus München) hervorragend gelungen ist:

  • Der Brückenüberbau ist jetzt wieder eine leichte Konstruktion in Stahl-Stahlbeton-Verbund-Bauweise
  • Die Brücke ist nicht mehr wie früher 7,20 Meter, sondern nur noch 5,70 Meter breit.
  • Zwischen der Brückenplatte und den Pfeilern wurden Lager und Lastverteilungsplatten angebracht, die dafür sorgen, dass die Kräfte gleichmäßig in die Pfeiler eingeleitet werden und die alte Bausubstanz geschont wird.
  • Der Belag ist gut nach unten hin abgedichtet, so dass kein Regenwasser mehr in die historische Bausubstanz eindringen kann.

Der Fahrbahnbelag besteht aus Asphalt, dessen heller, sandfarbener Farbton aber erst nach dem Sandstrahlen der Oberfläche zutage treten wird. Da dafür trockene Witterungsverhältnisse nötig sind, wird dieser Arbeitsschritt voraussichtlich erst im Frühjahr erfolgen können.

Auch das endgültige Beleuchtungskonzept mit einer LED-Handlaufbeleuchtung im oberen Holm des Geländers wird erst zu Beginn des neuen Jahres umgesetzt. Im Augenblick haben wir noch eine provisorische Beleuchtung.

Ein zweiter wesentlicher Teil des zweiten Bauabschnitts war die Sanierung der Bögen zehn und elf – also der Bögen, über denen die Rampenbrücke in die Steinerne Brücke einmündet – sowie die Herstellung der Brückenoberfläche auf diesen Bögen. Die beiden Bögen 10 und 11 waren (ebenso wie die Bögen 1 und 2 auf der Stadtseite) am Ende des 2. Weltkrieges gesprengt und nach dem Krieg in Stahlbeton-Bauweise mit Natursteinverkleidung wiedererrichtet worden.

In der Gesamtsanierung ist das ein Meilenstein, denn hier wird nun zum ersten Mal sichtbar, wie die gesamte Steinerne Brücke nach der Instandsetzung aussehen wird:

Die Geländer sind nicht mehr aus Beton, sondern aus massivem Granitstein; und anstelle von Kopfsteinpflaster werden Natursteinplatten – ebenfalls aus einheimischem Granit – verlegt.

Diese Gestaltung, die wir im Jahr 2009 an einem Musterbauwerk in enger Abstimmung mit der Denkmalpflege erarbeitet haben, mag für viele erst einmal ungewohnt sein.

Die Steinerne Brücke kommt damit aber ihrem ursprünglichen Erscheinungsbild wieder viel näher, als das vor der Sanierung der Fall war. Denn auch wenn wir die Brücke nur mit Kopfsteinpflaster und Betonbrüstungen kennen: Historisch war diese Gestaltung nicht.

In den Natursteinbögen findet sich zu großen Teilen noch historische Bausubstanz, die bis in die Bauzeit im 12. Jahrhundert zurückreicht. Im Brückenüberbau (also den Brüstungen, Rinnen, Sockelsteinen und dem Fahrbahnbelag) hingegen ist das nicht der Fall. Der Überbau ist nämlich naturgemäß der Teil der Brücke, der am stärksten abgenutzt wird. Und dementsprechend musste er auch in der Vergangenheit immer wieder komplett erneuert werden.

Für die Brüstungen hat man dabei in früheren Jahrhunderten neben Sandstein und anderen Materialien nachweislich auch einheimischen Granit verwendet. Die letzte Erneuerung der Brüstungen mit Flossenbürger Granit erfolgte 1877/78.

Der Fahrbahnbelag bestand aus Natursteinplatten. Erst 1903 hat man Kopfsteinpflaster auf der Brücke verlegt, weil sich so die Auspflasterungsarbeiten für die Straßenbahnschienen leichter bewerkstelligen ließen.

Die Oberfläche, die wir heute kennen, entstand in den 1950er/60er Jahren. Damals wurden die Granitbrüstungs- und Granitsockelsteine durch Betonelemente ersetzt und der Fahrbahnbelag mit Kopfsteinpflaster erneuert.

Mit der scheinbar neuen Gestaltung gehen wir also wieder auf das historische Natursteinmaterial zurück.

Natürlich wirken die Steine am Anfang noch sehr neu. Im Laufe der Zeit werden sie aber nachdunkeln und eine Patina entwickeln, die dem historischen Bauwerk angemessen ist.

Sehr geehrte Damen und Herren, ein historisches Bauwerk wie die Steinerne Brücke zu sanieren, ist eine Aufgabe, die eine Kommune nicht allein stemmen kann. Wir sind deshalb sehr froh, dass die Maßnahme – und damit natürlich auch der zweite Bauabschnitt – zu rund zwei Dritteln gefördert wird.

An den Kosten beteiligen sich:

  • der Bund mit Mitteln aus dem Programm zur Förderung von Investitionen in nationale UNESCO-Welterbestätten,
  • der Freistaat Bayern mit Mitteln aus dem Bereich der Städtebauförderung, aus dem Entschädigungsfonds und dem Kulturfonds Bayern,
  • die Bayerische Landesstiftung,
  • der Bezirk Oberpfalz und
  • die Deutsche Stiftung Denkmalschutz.

Allen Zuwendungsgebern ein herzliches Dankeschön.

Bedanken möchte ich mich auch bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Stadt Regensburg, die an der Baumaßnahme beteiligt waren, sowie bei den zahlreichen Büros und Firmen, die an der Planung und Ausführung mitgearbeitet haben.

Sie alle zusammen haben diesen reibungslosen Ablauf erst ermöglicht.

Vielen Dank an:

  • Die Arbeitsgemeinschaft Büro für Baukonstruktionen und Natursteininstandsetzung Ritter (Karlsruhe/München) für die Planung der Sanierung der Pfeiler und Widerlager
  • Die LGA Nürnberg für die Bodenuntersuchungen und die Materialprüfung
  • Herrn Roland Benke (Weiden) für die Bauhistorischen Untersuchungen
  • Herrn Sebastian Endemann (Regensburg) für die denkmalpflegerische Projektierung und Überwachung der Natursteinarbeiten
  • Das Landesamt für Denkmalpflege in München und die Untere Denkmalschutzbehörde bei der Stadt Regensburg für die denkmalpflegerische Betreuung
  • Die Planungsgemeinschaft Ingenieurbüro Grassl und Reinhard Architekten (München) für die Planung des neuen Überbaus der Rampenbrücke
  • Die Ingenieure Bamberger GmbH (Pfünz) für die Planung der Beleuchtung
  • Den Prüfstatiker Roland Wetzel (Stuttgart)
  • Die Firma Scholz Naturstein GmbH (Zeitlarn) für die Sanierung der Pfeiler
  • die Firma Schöffmann Recycling GmbH (Perlesreuth) für den schonenden Rückbau des alten Brückenüberbaus
  • die Arbeitsgemeinschaft STRABAG (Roding) und Stahlbau Mühlbauer GmbH (Furth im Wald) für den Neubau des Überbaus mit den Treppenanlagen und dem westlichen Vorplatz
  • die Firma Herbert Lehner GmbH (Regensburg) für den Bau des Gerüsts und des Treppenturms.
  • Die Fa. Bamberger Natursteinwerke (Bamberg) für die Sanierung der Bögen 10 und 11
  • Die Fa. Bögl (Neumarkt/ Sengental) für die Abdichtung der Bögen 10 und 11
  • Die Arge Scholz (Zeitlarn) Baumann (Flossenbürg) Hermann (Kulz) für die Erstellung der Rand-Elemente der Bögen 10 und 11
  • Die Fa. Leitner (Pettendorf) für die Pflasterarbeiten auf der Steineren Brücke über den Bögen 10 und 11

Danken möchte ich auch dem Eigentümer und dem Wirt der „Alten Linde“, den Herren Schober und Wiesbeck, die uns in den vergangenen fünf Wochen den Biergarten der „Alten Linde“ als offizielle Umleitungsstrecke zur Verfügung gestellt haben.

Zum Abschluss nochmals mein spezieller Dank an alle Bürgerinnen und Bürger für ihre Geduld mit den bisherigen Baumaßnahmen an der Steinernen Brücke –

und gleichzeitig die Bitte, auch in den kommenden vier Jahren, die das „Jahrhundertwerk der denkmalgerechten Instandsetzung der Steinernen Brücke“ noch in Anspruch nehmen wird, weiterhin Geduld zu zeigen.

Ich wünsche nun allen Anliegern und Passanten eine sichere und barrierefreie Nutzung der neuen Rampe und allen Planern und Bauleuten eine unfallfreie Fertigstellung der Instandsetzung der Steinernen Brücke bis zum Jahr 2017.

Schon jetzt möchte ich Sie für nachher, nach der offiziellen Freigabe der Rampenbrücke, zu einem kleinen Imbiss hier bei der „Alten Linde“ ganz herzlich einladen.