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Amtswechsel des Präsidenten des Landgerichts Regensburg

-Es gilt das gesprochene Wort-

Rede von Bürgermeister Gerhard Weber anlässlich des Amtswechsels des Präsidenten des Landgerichts Regensburg am Montag, 30. September 2013, um 15 Uhr im Reichssaal

Anrede

Ich freue mich sehr darüber, dass ich Sie in Vertretung unseres Herrn Oberbürgermeisters, der sich auf einer Dienstreise befindet, in unserem Reichsaal willkommen heißen kann, der immer wieder aufs Neue beeindruckend wirkt.

Diesen Saal, in dem einst Kaiser und Fürsten zum Immerwährenden Reichstag zusammengekommen sind, öffnet die Stadt nur zu besonderen Anlässen.

Und der Wechsel in zwei Spitzenpositionen bei der Regensburger Justiz ist zweifelsohne ein solcher Anlass.

Zwischen der Stadt Regensburg und der Regensburger Justiz gibt es ja viele Berührungspunkte.

Das fängt schon bei den Gebäuden an: Der gesamte Justizkomplex in der Augustenstraße stellt nicht nur einen besonderen architektonischen Akzent dar, sondern auch einen nicht zu unterschätzenden Wirtschaftsfaktor.

Im Lauf eines Jahrhunderts ist hier ein richtiges Justizviertel entstanden: In den Gerichtsgebäuden, bei der Staatsanwaltschaft und in der JVA ist eine erhebliche Anzahl von Arbeitsplätzen entstanden.

Zudem haben sich im Umkreis von ein paar hundert Metern zahlreiche Anwälte mit ihren Kanzleien niedergelassen.

Nach dem schon länger zurückliegenden Umbau des Gerichtsgebäudes investiert der Freistaat Bayern derzeit einen stattlichen Millionenbetrag, um die Regensburger JVA auszubauen und grundlegend zu sanieren.

Wie sehr in Regensburg Justiz und Stadt miteinander verbunden sind, zeigt sich beispielsweise bei der Familiengerichtshilfe, der Jugendgerichtshilfe und beim Betreuungsgericht. Hier sind Justiz und Stadt gemeinsam um das Wohl von Menschen bemüht, die Hilfe brauchen und suchen.

Mehr oder minder nachdrückliche Lernhilfen der Justiz brauchen besonders jene Menschen, denen die Fähigkeit abhandengekommen ist, zwischen Richtig und Falsch zu unterscheiden.

Wenn dann in einer Verhandlung ein Angeklagter besonders raffiniert schwindelt und das Gericht ihn einfach nicht fassen kann, dann muss das aber noch nicht das Ende der Gerechtigkeit bedeuten, wie Christian Morgenstern in einem Vierzeiler mit dem Titel „Richterphantasie“ beschreibt:

„Vor dem irdischen Gericht
Gingst du deiner Wege.
Doch es wartet, Bösewicht,
Droben mein Kollege.“

Ich möchte diesen Anlass gerne dazu nutzen, Ihnen meine persönliche Hochachtung und Anerkennung für Ihre Arbeit auszusprechen. Sie, die Richterinnen und Richter, leisten gemeinsam mit den Vertretern der Staatsanwaltschaft einen wichtigen Beitrag für die Stabilität und die Sicherheit und für das allgemeine Rechtsempfinden in unserem Land.

Eine unabhängige, gut organisierte und verantwortungsbewusste Justiz ist ein wesentlicher Grundpfeiler unseres Staates.

Und für die Stadt freue ich mich darüber, dass Regensburg ein bedeutender Justizstandort im Freistaat ist.

Regensburg ist allerdings auch – wie Bundespräsident Joachim Gauck bei seinem Besuch hier sagte – eine der schönsten Städte in Deutschland.

Immer wieder und immer häufiger treffe ich auf Regensburg-Begeisterte, die lukrative berufliche Angebote ausgeschlagen haben, weil mit ihnen der Umzug in eine weit entfernte Stadt verbunden gewesen wäre.

Regensburg ist nun mal eine Stadt zum Dableiben. Wie viele andere Städte können das schon von sich behaupten ohne wegen unlauteren Wettbewerbs verklagt zu werden.

Dass unsere Stadt dennoch kein Karrierehemmnis ist, beweisen Sie, sehr geehrter Herr Präsident Ruckdäschel, und Sie, sehr geehrter Herr Präsident Böhm mit ihren beruflichen Werdegängen.

Sie beide sind unserer Stadt schon seit langem eng verbunden. Und sie beide haben hier Karriere gemacht – wobei es in Ihrem Metier dazugehört, auch mal woanders eingesetzt zu werden.

Aber weder Weiden noch Straubing sind allzu sehr aus der Regensburger Welt.

Ein gnädiges Schicksal hat ja auch immer dafür gesorgt, dass Sie beide nach Regensburg zurückkehren konnten.

Ihnen, Herr Präsident Ruckdäschel, möchte ich herzlich danken und Ihnen wünschen, dass Sie im Ruhestand für all das Zeit finden, das bislang zu kurz gekommen ist.

Und Ihnen, Herr Präsident Böhm, wünsche ich viel Erfolg bei Ihrer neuen Aufgabe und biete Ihnen dort, wo es Berührungspunkte gibt, die Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung an.

Wie schnell man dem einzigartigen Charme unserer Stadt erliegen kann, das haben ja auch Sie, sehr geehrte Frau Leitende Oberstaatsanwältin Pauckstadt-Maihold, schon mehrfach bei ihrer Arbeit am Regensburger Amtsgericht und in der hiesigen Staatsanwaltschaft erfahren dürfen.

Es freut mich sehr, dass wir Sie abermals in unserer Stadt willkommen heißen können. Wobei ich Sie und alle anderen Damen und Herren darauf aufmerksam machen möchte, dass der Regensburg-Suchtfaktor in den letzten Jahren noch einmal gestiegen ist.

Dieser Sucht dürfen auch die Angehörigen der bayerischen Justiz völlig straffrei nachgeben.

In diesem Sinne darf ich Sie zu diesem Festakt im Reichssaal nochmals herzlich begrüßen.