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Verleihung Margarethe-Runtinger-Preis

-Es gilt das gesprochene Wort-

Rede von Oberbürgermeister Hans Schaidinger anlässlich der Verleihung des Margarethe-Runtinger-Preises 2011 am 19. Oktober 2011, 19 Uhr, Kurfürstenzimmer, Altes Rathaus


Sehr geehrte Gäste aus Politik, Wirtschaft und Verbänden,
sehr geehrte Mitglieder der Jury,
sehr geehrte ehemalige Preisträgerinnen,
sehr geehrte Teilnehmerinnen und Teilnehmer des diesjährigen Wettbewerbs,
sehr geehrte Vertreterinnen und Vertreter der Medien.

Herzlich willkommen zur 11. Verleihung des Margarethe-Runtinger-Preises im Jahr 2011 an die frauen- und familienfreundlichsten Unternehmen in Stadt und Landkreis.

Vor zwanzig Jahren wurde der Margarethe-Runtinger-Preis aus der Taufe gehoben. Nichts ist motivierender als ein positives Vorbild, das zeigt, wie es geht. So dachten die Stadtspitze und die Volkshochschule mit ihrem Projekt „Regionalzentrum Frau und Beruf“ und lobten einen Preis für frauen- und familienfreundliche Unternehmen aus.

Die Realität hat der Idee Recht gegeben: der Wettbewerb hat in diesen zwanzig Jahren überraschend viele ideenreiche Modelle frauen- und familienfreundlicher Personalpolitik in Unternehmen zu Tage gefördert, prämiert und einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt. 32 Preisträgerinnen und vier Gewinner des bayerischen Preises für Chancengleichheit im Betrieb aus Regensburg belegen inzwischen mehr als deutlich, wie sehr man sich bei uns für Familien, Frauen und Firmen engagiert.

Längst ist vieles normal geworden, wofür wir die ersten Gewinner auszeichneten:

  • Flexible Arbeitszeitmodelle
  • Home-Office-Arbeitsplätze
  • Berücksichtigung der Bedürfnisse von Eltern

In den letzten Jahren hat sich wirtschafts- und gesellschaftspolitisch vieles bewegt, was die Position von Frauen im Beruf gestärkt und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf erleichtert hat. So sind die Zeiten hoher Arbeitslosigkeit vorbei und wir haben nahezu Vollbeschäftigung. Ganztagesbetreuung in Kindergärten und Ganztagesschulen sind vorhanden oder in Planung und haben den Geruch des „Kinderabschiebens“ verloren. Um den beruflichen Aufstieg von Frauen richtig voran zu bekommen, wird über eine gesetzlich verpflichtende Quote heiß diskutiert. Jedoch wagt es nur etwa ein Viertel der jungen Väter, die zwei gesetzlich möglichen Vätermonate in Anspruch zu nehmen.

Der demografische Wandel wird konkret. Schon jetzt fehlen Fachkräfte quer durch alle Branchen. Angesichts dessen sind auch die Firmen fantasievoller, flexibler, innovativer geworden, wenn es gilt, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu gewinnen und zu halten. Frauen, ältere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, Migrantinnen und Migranten sollen helfen, den Bedarf an Fachkräften zu decken. Damit dieses Engagement keine Eintagsfliege bleibt, muss sich noch einiges bewegen, in den Köpfen von Männern und Frauen, von Politikern und in der Personalpolitik von Unternehmen.

Der Einkommensunterschied zwischen Männern und Frauen erweist sich als der größte Stabilisator traditioneller Familienmodelle und Verhinderung von kontinuierlicher Frauenerwerbstätigkeit. Erst wenn sich die Einkommen junger Frauen verbessern, kann es eine freie Entscheidung geben, wer wie lang Elternzeit nimmt. Erst dann gilt das heimliche Argument bei der Personalauswahl „eine Frau kann wegen Kindern ausfallen – nehmen wir doch lieber den Mann“ nicht mehr.

Die Phase der Familiengründung fällt mit der Phase der beruflichen Hauptbelastung zusammen. Morgens Abteilungsleiter, nachmittags Vater, abends Pfleger – diese Realität ist mit beruflichen Aufstieg und Karriere und einer 60 Stunden Woche unvereinbar.

Das geltende Ehegattensplitting und Mitversicherungssystem leistet der sog. „Hausfrauenehe“ Vorschub. Qualifikationen und Potentiale von Frauen bleiben ungenutzt, ein Wiedereinstieg nach längerer Familienzeit oder bei Trennung kostet Kraft und Geld.

Und: eine neue Männerrolle ist noch nicht in den Köpfen und Unternehmen angekommen. Alle haben Verständnis, wenn sich ein Mann beim Fußball verletzt, wenige, wenn er wegen eines kranken Kindes zu Hause bleibt. Längere Elternzeit nehmen ganz wenige Männer. Auch Teilzeitarbeitsplätze sind mit 84% eine Frauendomaine geblieben.

Gefragt sind heute Politiker und Firmen, die nicht reagieren, sondern in die Zukunft denken. Frauen aktiv unterstützen, im Job zu bleiben und vorwärts zu kommen und Männer ermutigen, Elternzeit zu nehmen. Einige darin besonders engagierte und in die Zukunft denkende und handelnde Firmen haben wir dieses Jahr unter den Bewerbungen um den Margarethe-Runtinger-Preis gefunden. Aus zwanzig preiswürdigen Bewerbungen hat die Jury drei Preisträgerinnen ausgewählt.

Oane wia koane – so könnte das Motto des Wettbewerbs auf oberpfälzisch lauten. Oane wia koane - solche Firmen zeichnen wir heute Abend aus. Oane wia koane – so nennt sich die Gruppe junger Volksmusikerinnen, die den heutigen Abend umrahmen und die jetzt wieder dran sind, bevor wir Ihnen den Wettbewerb und die Preisträgerinnen 2011 vorstellen.

Ein großes Dankeschön allen, die an dem Wettbewerb mitgewirkt haben, ganz besonders den Firmen. Egal ob sie heute prämiert werden oder nicht: Sie leisten Hervorragendes und haben engagierte und motivierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.