Navigation und Service

90. Geburtstag von Bürgermeisterin a.D. Hildegard Anke

-Es gilt das gesprochene Wort-

Rede von Oberbürgermeister Hans Schaidinger anlässlich des Empfangs zum 90. Geburtstag von Bürgermeisterin a. D. Hildegard Anke am 28. Juni 2011 um 18.30 Uhr im Kurfürstenzimmer


Anrede,

derzeit macht ein Buch von sich reden, das ganz oben auf den Bestsellerlisten rangiert und einen durchaus provokanten Titel trägt: „Altwerden ist nichts für Feiglinge.“

Geschrieben hat es der Moderator und Schauspieler Blacky Fuchsberger, der mit seinem Buch klar machen will - ich zitiere -, „dass wir Alten so eine Art GPS für die Jungen sind“. Da hat Fuchsberger durchaus Recht. Junge Menschen brauchen auf der großen Weltkarte des Lebens verlässliche Koordinaten, an denen sie sich beim Entwerfen ihrer kleinen und großen Pläne und Grundsätze orientieren können.

Dazu gehört auch die Erkenntnis, dass unsere Gesellschaft vor dem Altwerden nicht mehr die Augen verschließen darf. Der demographische Wandel zwingt uns dazu, dass wir uns von alten, längst überholten Klischees möglichst schnell verabschieden.

„Altwerden“, sagt wieder Blacky Fuchsberger, „Altwerden ist die Erfüllung eines langen Lebens“. Und: „Altwerden ist das Beenden eines langen Hindernisrennens.“ Aber da kennt Blacky Fuchsberger unsere Hildegard Anke nicht: Sie, verehrte Frau Anke, sind im nun vollendeten 9. Jahrzehnt noch immer dabei, Ihr Leben zu erfüllen. Und mit dem Hindernisrennen haben Sie auch noch nicht aufgehört. Für Sie gilt der Spruch: Geburtstage sind noch lange kein Grund, älter zu werden.“

Sie sammeln Jahre, 90 sind es an der Zahl, und jedes neue Lebensjahr scheint mit neuer Energie gefüllt. Ganz offensichtlich halten Sie es mit Rainer Maria Rilke, der gesagt hat: „Ich glaube an das Alter, lieber Freund, Arbeiten und Altwerden, das ist es, was das Leben von uns erwartet.“

Die Arbeit für die Gesellschaft hat Ihr ganzes Leben sehr wesentlich geprägt. Und dank Ihrer beneidenswert eisernen Gesundheit können Sie sich auch weiter für all das engagieren, was Ihnen am Herzen liegt:

Sie setzen sich für die Unterstützung von sozial Schwachen ein, für die Sie 1980 die Maria-Probst-Stiftung gegründet haben.

  • Sie machen sich für Kinder stark.
  • Sie setzen sich für die Rechte der Frauen ein.
  • Sie kümmern sich um Kranke und Behinderte.
  • Und Sie haben stets ein offenes Ohr für die Anliegen von Seniorinnen und Senioren, für die Sie immer noch regelmäßig Sprechstunden abhalten.

Seit dreieinhalb Jahrzehnten gelingt Ihnen immer zur Weihnachtszeit ein kleines Wunder: Auf dem Christkindlmarkt sorgen Sie dafür, dass aus Kartoffelsuppe bares Geld wird, das sozialen Zwecken zugute kommt.

Mit beeindruckender Konsequenz und unermüdlichem Arbeitseifer haben Sie die Grundwerte der christlichen Fürsorge und der sozialen Verantwortung auch immer in der CSU gelebt, der sie 1953 im zarten Alter von 32 Jahren beigetreten sind. Ihre Ämter und Mandate haben Sie, liebe Kollegin Anke, nicht von parteipolitischen Vorgaben bestimmen lassen, und Sie waren schon immer für Ihre Partei nicht „pflegeleicht“. Auch in der Politik haben Sie sich immer an den Grundfesten Ihres persönlichen Wertesystems orientiert.

Sie haben sich Ihren ganz eigenen Charakter bewahrt und schon früh klargemacht,

  • dass Sie eine Frau sind, die Fremdbestimmung keinesfalls hinnimmt
  • und dass Sie eine Frau sind, die lieber handelt als redet.

Sich für Engagement, Leistungen und Erfolge feiern lassen, ist Ihre Sache nicht. Sie lassen die vielen Früchte Ihrer Arbeit oft im Stillen reifen. Sie helfen, wo immer Hilfe gebraucht wird und bleiben dabei oft im Hintergrund. Ein wahrhaft nobler Charakterzug!

Mit all dem, was Sie uns bis heute so engagiert vorleben, sind Sie, verehrte Frau Anke, in Regensburg eine, vielleicht die gesellschaftlichmoralische Instanz geworden. Davon hat auch die Kommunalpolitik in unserer Stadt profitiert. Sie waren lange Jahre Stadträtin und zwei Wahlperioden lang Bürgermeisterin. Dieses Amt haben Sie ehrenamtlich geführt – womit es in Ihrem speziellen Fall eine ganz besondere Bewandtnis hat.

Die Möglichkeit, in das Amt eines kommunalen Wahlbeamten berufen zu werden, endet nach dem Gesetz mit dem 65. Lebensjahr. Nun möchte ich auf gar keinen Fall ungalant sein. Aber bitte gestatten Sie mir den Hinweis, dass Sie, sehr verehrte Frau Anke, in ehrenamtlicher Funktion zur Bürgermeisterin berufen wurden, weil Sie – als Sie das Amt zum ersten Mal antraten - 69 Jahre alt waren. Wenn es nach den Regeln für hauptamtliche kommunale Wahlbeamte gegangen wäre, dann wären Sie damals schon längst im Ruhestand gewesen. Undenkbar!

Ruhe-Stand, ein Fremdwort für Sie!

Sie, liebe Frau Anke, sind ein schlagendes Beispiel dafür, wie weit der Gesetzgeber neben den Realitäten liegen kann. Völlig richtig lagen hingegen die Stadt und der Staat, die Sie, verehrte Frau Anke, mit einer Vielzahl von Auszeichnungen bedacht haben – von der Goldenen Bürgermedaille der Stadt Regensburg über den Bayerischen Verdienstorden und die Kommunale Verdienstmedaille bis hin zum Bundesverdienstkreuz 1. Klasse.

Sehr verehrte Frau Anke, angesichts Ihres 90. Geburtstags kommt man unweigerlich ein wenig ins Philosophieren über das Leben und das Alter.

Rilke fragt: „Ist nicht ein helfendes Leben ein zehnfaches?“ Er muss Recht haben. Denn, wenn man sich vor Augen hält, was Sie geleistet und geschaffen haben, welche Impulse Sie gegeben haben, was Sie erlebt haben, dann kommt man zu dem Schluss: In einem einfachen Leben, auch wenn es schon 90 Jahre währt, kann es all das gar nicht geben.

Vieles von dem, was Sie erlebt haben, kann die junge Generation sich nicht mehr vorstellen. Als kleines Kind durften Sie noch ein bisschen hineinschnuppern in das Lebensgefühl der Goldenen Zwanziger Jahre. Doch das war eine kurze Zeitspanne, die von der Weltwirtschaftskrise abrupt beendet wurde. Ihre Jugend fiel in eine sehr schwere Zeit. Sie waren eine junge Frau als der Krieg zu Ende ging.

Daher wissen sie, was es bedeutet, aus dem Nichts etwas aufzubauen. Niemals konnten Sie passiv bleiben. Ihr politisches Engagement begann in einer Zeit, in der Frauen in der Männerwelt der Politik mit vielen Vorurteilen zu kämpfen hatten. Ihre Rolle im politischen Leben mussten Sie sich erkämpfen und Sie konnten das, weil Sie mit eigenen Denkanstößen und Initiativen Enormes geleistet haben, weil Sie sich nie haben entmutigen lassen und weil Sie überzeugen konnten.

Sie hatten Familie und standen mitten im Leben. „Näher am Menschen“ – dieses Motto der CSU heute, das haben Sie schon immer gelebt. Sie wussten, wo den Bürger der Schuh drückt und Sie haben oft genug in Einzelfällen geholfen, ganz direkt. Und die Wählerinnen und Wähler haben das nicht vergessen.

Liebe Frau Anke, ich meine das jetzt ganz ernst und ehrlich: Ihre Lebenserinnerungen sind ein wahrer Schatz, ein Stück Zeitgeschichte, das für die nachkommenden Generationen von unschätzbarem Wert ist. Halten Sie das fest, schreiben Sie das auf!

Adenauer hat seine Memoiren mit 88 Jahren angefangen. Bitte toppen Sie Adenauer!

So wünsche ich Ihnen, liebe Frau Anke, im Namen der Stadt Regensburg von Herzen alles erdenklich Gute zu Ihrem Geburtstag. Ich verbinde dies mit dem Wunsch, dass eine robuste Gesundheit, Zufriedenheit, Glück und Erfolg bei ihren vielen Projekten auch weiterhin Ihre treuen Wegbegleiter sein mögen.