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70. Geburtstag von Oberbürgermeisterin a.D. Christa Meier

-Es gilt das gesprochene Wort-

Rede von Oberbürgermeister Hans Schaidinger anlässlich des Empfangs zum 70. Geburtstag von Oberbürgermeisterin a. D. Christa Meier, am Dienstag, 6. Dezember 2011, im Kurfürstenzimmer des Alten Rathauses

Anrede

Es ist kein ganzer Monat vergangenen, dass ich Ihnen zuletzt in feierlichem Rahmen gratuliert habe: Zum Stadtfreiheitstag am 12. November hatte ich das Vergnügen, Ihnen die Goldene Bürgermedaille der Stadt Regensburg zu überreichen, zum Dank für Ihre großartigen Verdienste.

Und auch auf die Gefahr hin, dass ich mich heute ein Stück weit wiederhole: Was Sie in den zurückliegenden Jahrzehnten für unsere Stadt geleistet haben, darf zu diesem Anlass schließlich nicht unerwähnt bleiben. Denn heute feiern wir Ihren 70. Geburtstag. Und wenn ich mit Ihnen in die Runde der Gratulanten schaue, die gekommen sind, um Ihnen Glück zu wünschen, um Sie zu feiern, dann finde ich bestätigt: Hier wird eine ganz besondere Persönlichkeit gefeiert, die eine besondere Wertschätzung genießt.

Doch dass dieser „runde“ Geburtstag Ihr 70. sein soll, kann ich kaum glauben. Denn mit so viel altersloser Frische, Schaffensfreude und einem unermüdlichen Engagement entsprechen Sie dem Bild einer 70-jährigen in keiner Weise.

Wenn ich das so sagen darf: Sie sind bewundernswert jung geblieben, liebe Frau Meier, sowohl äußerlich als auch im Geiste. Obgleich – oder vielleicht gerade weil – Sie sich auf Ihrem Lebensweg mit einer Vielzahl von Herausforderungen konfrontiert sahen. Und keiner dieser Herausforderungen sind Sie aus dem Weg gegangenen.

Es war auch wahrlich keine leichte Zeit, in die Sie hineingeboren wurden vor 70 Jahren, im Dezember 1941 in Regensburg. Eine entbehrungsreiche Zeit, eine Kindheit und ein Schicksal, das Sie mit vielen Kindern und Jugendlichen der Kriegsgeneration teilen. Womöglich stammt daher auch Ihre ausgeprägte Solidarität, wenn es um das Wohl ihrer Mitmenschen geht. Wenn es darum geht, Anteil zu nehmen an ihrem Schicksal und sich besonders für soziale Belange stark zu machen.

Im Jahr 1966, mit 24 Jahren, wurden Sie Mitglied der SPD. 1975 schließlich Vorsitzende im SPD-Unterbezirk Regensburg-Stadt. Ihr Amt als stellvertretende Landesvorsitzende der Bayerischen SPD legten Sie zugunsten ihrer Parlamentsaufgaben und der Arbeit im Stadtrat ab.

Von 1978 bis 1990 waren Sie Mitglied des Landtages und seit 1982 Vorsitzende des Kulturpolitischen Ausschusses – und damit als erste Frau Vorsitzende eines bayerischen Landtagsausschusses. Durch die Kommunalwahl 1972 kamen Sie erstmals in den Regensburger Stadtrat, sechsmal sind Sie seither  wiedergewählt worden. Von 1983 bis 1992 haben Sie die SPD in Regensburg geführt. Und ab 1990 eine ganze Stadt.

Als erste Frau wurden sie damals zur Oberbürgermeisterin einer bayerischen Großstadt gewählt. Zu Ihren Arbeitsschwerpunkten als Oberbürgermeisterin und Stadträtin zählten und zählen auch heute noch der soziale Wohnungsbau, die Verkehrsberuhigung in Wohngebieten, die Kinderbetreuung und der Schulsektor, der Umweltschutz, die Müllentsorgung und die Gleichstellung der Frauen. Aber auch Kunst und Kultur oder Fragen einer zeitgemäßen Architektur sind Ihnen wichtig. Während Ihrer Amtsperiode wurden verstärkt eigene städtische Mittel im sozialen Wohnungsbau eingesetzt.

Nachdem Ende der 80er Jahre die Zahl der Wohnungssuchenden wie überall auch in Regensburg stark anstieg, mussten in Ihrer Amtszeit zahlreiche größere Wohnungsbauprojekte angepackt werden. In der Regensburger Altstadt ist unter Ihrer Amtsführung die Politik, bestimmte Bereiche vom Durchgangsverkehr zu entlasten, fortgeführt worden und die damals neu geschaffenen gesetzlichen Möglichkeiten, bestehende Straßenzüge zu Wohnverkehrsstraßen umzugestalten, genutzt worden. Ergebnis war nicht nur die Erhöhung der Wohn- und Lebensqualität für die Anwohner, sondern auch der Sicherheit für Kinder.

Bleibende Verdienste haben Sie sich aber auch um den Ausbau von Kindergarten- und Hortplätzen erworben. Rund 550 Kindergarten- und 300 Kinderhortplätze wurden in Regensburg zwischen 1990 und 1996 neu geschaffen. Sie haben während Ihrer Amtszeit auch die Mittagsbetreuung für Schulkinder eingeführt, ein Modell, das inzwischen erfolgreich in ganz Bayern übernommen wurde. Auch der Umweltschutz lag und liegt Ihnen am Herzen. Als Oberbürgermeisterin haben sie die müllarmen Dulten und Christkindlmärkte eingeführt.

Besondere Verdienste haben Sie sich auch um die Gleichstellung von Frauen und Männern erworben. Seither zeichnen wir Firmen aus Regensburg und Umgebung aus, die sich als besonders frauen- und familienfreundlich erweisen. Der Margarete-Runtinger-Preis ist ein Erfolgsmodell, das auf Ihr tatkräftiges Engagement zurückgeht.

Als Oberbürgermeisterin gehörte es zudem zu Ihren Pflichten die diversen Funktionen auszuüben und Termine wahrzunehmen, um in den unterschiedlichsten Einrichtungen, Gremien, Institutionen und Zweckverbänden in Regensburg und der Region als Aufsichtsrats- oder Verwaltungsratsvorsitzender, Mitglied, Delegierte oder Verbandsrätin die Interessen der Stadt zu vertreten.

Nach Ihrem Ausscheiden aus dem Amt der Oberbürgermeisterin am 30. April 1996 begann für Sie, Frau Meier, wieder ein neuer Lebensabschnitt: Von 1996 bis zu Ihrer Pensionierung im Jahr 2006 leiteten Sie als Rektorin die Grundschule St. Wolfgang in Regensburg.

1996 wurden Sie erneut in den Stadtrat gewählt. Denn Ihr nach wie vor großes ehrenamtliches Engagement gilt den Bürgerinnen und Bürger der Stadt Regensburg. Sie sind Mitglied des Ausschusses für Stadtplanung, Verkehr Umwelt- und Wohnungsfragen, des Personalausschusses, Grundstücksausschusses, des Schulausschusses und Kulturausschusses. Zudem sind Sie als Verbandsrätin im Zweckverband Sparkasse Regensburg tätig. Darüber hinaus vertreten Sie die Interessen ihrer Heimatstadt in der Vollversammlung sowie im Schulausschuss des Bayerischen Städtetages.

Frau Meier, Sie haben sich gleichermaßen als Abgeordnete, als Oberbürgermeisterin sowie als Stadträtin um das Gemeinwohl in vielfältiger und vorbildlicher Weise verdient gemacht. Insbesondere während ihrer Amtszeit  als Oberbürgermeisterin der Stadt Regensburg haben Sie sich bleibendende Verdienste erworben. Hierfür wurden Sie bislang mit

  • dem Bundesverdienstkreuz am Bande (1987)
  • der Bayerischen Verfassungsmedaille (1989) und
  • der Kommunalen Verdienstmedaille in Silber (1997)
  • dem Bundesverdienstkreuz erster Klasse (2003)
  • die Medaille des Bezirks Oberpfalz (2003)

ausgezeichnet. Und wie wir alle wissen, kam zum Stadtfreiheitstag im November eine ganz besondere, sehr seltene Auszeichnung hinzu: Die Goldene Bürgermedaille der Stadt Regensburg wird an Persönlichkeiten verliehen, die sich um das Wohl oder das Ansehen der Stadt hervorragende Verdienste erworben haben. Es ist eine der höchsten Auszeichnungen, die die Stadt Regensburg zu vergeben hat.

Hierzu möchte ich Ihnen heute – anlässlich Ihres runden Geburtstags – nochmals ganz herzlich gratulieren. Und ich möchte Ihnen unseren Dank aussprechen. Ich darf dies für die Stadt und Ihre Bürgerinnen und Bürger tun. Kaum einer, der es selbst nicht getan hat, kann sich vorstellen, wie viel Kraft und Energie es kostet, um auf ein Lebenswerk wie das Ihre zurückblicken zu können. Wobei dieser Blick zurück auch nicht immer nur angenehme Erinnerungen  weckt.

Gerade die „alten Stadtrat-Hasen“ unter uns erinnern sich, dass Ihre Amtszeit als Oberbürgermeisterin von schwierigen Mehrheitsverhältnissen geprägt war. Dennoch haben Sie sich zu keinem Zeitpunkt entmutigen lassen. All Ihre Aktivitäten waren und sind geprägt von Ihrer Einsatzfreude und Ihrer Fairness, Ihrer Disziplin und Vernunft, Ihrer uneingeschränkten Bereitschaft Verantwortung zu übernehmen und Ihrem sozialen Engagement. Letzteres spiegelt sich auch in der Einladung zu Ihrem Geburtstags-Empfang wider: Dort steht, dass Sie sich statt Geschenken eine Spende an die Rumänienhilfe der Mallersdorfer Schwestern wünschen. Diesem Wunsch komme ich im Namen der Stadt gerne nach, mit einer Spende in Höhe von 500 Euro.

Liebe Frau Meier, für die Zukunft wünsche ich Ihnen von Herzen immer die notwendige Kraft, neue Ziele zu erreichen und Ihr erfolgreiches Schaffen in seinen vielfältigen Facetten fortzusetzen. Alles Gute!