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Verabschiedung Pfarrer Dr. Matthias Ring

-Es gilt das gesprochene Wort-

Grußwort von Oberbürgermeister Hans Schaidinger zur Verabschiedung von Pfarrer Dr. Matthias Ring, der nach seiner Weihe zum Bischof des Katholischen Bistums der Alt-Katholiken nach Bonn zieht, am 18. April 2010 um 15 Uhr in der Bruderhauskirche
 

Anrede

„Es muss das Herz bei jedem Lebensrufe
bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
in and’re neue Bindungen zu geben.
Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
der uns beschützt und der uns hilft zu leben.“

Diese Worte aus dem Gedicht „Stufen“ von Hermann Hesse möchte ich Ihnen, lieber Bischof Ring, mit auf den Weg geben, der Sie aus Regensburg weg führt. Sie brechen nun zu neuen Ufern auf. Eine neue Aufgabe wartet auf Sie, eine große Herausforderung als zehnter Bischof des Katholischen Bistums der Alt-Katholiken in Deutschland.

Sie können stolz darauf sein, diese Aufgabe wahrnehmen zu dürfen, ist sie doch eine mehr als deutliche Bestätigung dafür, dass Sie Ihr Amt hier in Regensburg und Ihre anderweitigen Aufgaben in der alt-katholischen Kirche mit großem Erfolg gemeistert haben. Natürlich erfüllt das auch uns Regensburger mit Stolz.

Aber genauso natürlich ist es, dass sich unter diesen Stolz eine nicht unerhebliche Menge Wehmut mischt. Vielen wird es nicht leicht fallen, Sie ziehen zu lassen. Die Spuren, die Sie hinterlassen, haben sich fest in das Gemeindeleben der Regensburger Alt-Katholiken eingeprägt.

Ihr Wirken in Regensburg hat stets deutlich gemacht, wie wichtig die Alt-Katholiken in der ökumenischen Gemeinschaft sind. Sie haben das ökumenische und interreligiöse Leben entscheidend geprägt und den Bekanntheitsgrad der altkatholischen Kirche deutlich gesteigert. Sie haben immer wieder bewiesen, wie verlässlich, wie bunt und wie tolerant die alt-katholische Kirche ist. Wir haben Sie stets als redlichen Partner kennengelernt, der sich vor keinen Karren spannen ließ - weder politisch noch gesellschaftlich.

In den fast 20 Jahren, die Sie - mit einer Unterbrechung - in Regensburg verbracht haben, haben Sie das Leben der Alt-Katholiken mit dem Geist von Unabhängigkeit und Menschlichkeit erfüllt. Sie haben dabei stets betont, dass auch Sie - ich setze das bewusst in Anführungszeichen - „nur ein Mensch“ sind, der eine Kirche repräsentiert, die selbst nicht den Anspruch auf Unfehlbarkeit erhebt, die wandelbar ist und offen für alle Menschen und für jede Denkungsart im wahren christlichen Sinn. Eine durchaus „fehlbare“ Kirche, die keine Dogmen für ihr kirchliches Leben braucht.

Sie haben das Gemeindeleben der Alt-Katholiken hier in unserer Stadt kontinuierlich aufgebaut und entscheidend geprägt.  Als stellvertretender Vorsitzender von „Religionen für den Frieden“ haben Sie sich an der Seite von Pfarrer Dr. Gustav Rosenstein selbstlos für den Weltfrieden eingesetzt und an einer gemeinsamen interreligiösen Basis von Toleranz und Gemeinsamkeit gearbeitet. Dass heute Vertreter der Jüdischen Gemeinde, des Islam und der Buddhisten hier sind, zeigt die guten Verbindungen.

Bei all dem konnten Sie auf eine reiche Erfahrung zurückgreifen. Sie haben ja vorher bereits das alt-katholische Priesterseminar in Bonn geleitet, und waren dort auch Dozent am alt-katholischen Lehrstuhl. Sie waren Präsident des bayerischen Landessynodalrates und Vorsitzender der Finanzkommission des Bistums. Sie hatten die Co-Präsidentschaft der Internationalen alt-katholischen Theologenkonferenz inne und haben den internationalen Arbeitskreis Alt-Katholizismus-Forschung mitorganisiert.

Ihre Dissertation über das Thema „Das Verhältnis der alt-katholischen Kirche zum Nationalsozialismus“ wurde zu einem wichtigen Beitrag zur Bewältigung der Vergangenheit aller Deutschen.

Zu all diesen vielfältigen Facetten Ihrer bisherigen Tätigkeiten kommt nun eine neue hinzu, als Oberhirte der Alt-Katholiken in Deutschland.

Sie haben sich dazu folgenden Wahlspruch nach Timotheus 1,7 gewählt – ich zitiere: „Gott hat uns nicht einen Geist der Verzagtheit gegeben, sondern den Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit.“

Wenn Sie dies stets beherzigen, dann sind Sie gut gerüstet für Ihr neues Amt und diese neue Aufgabe wird Ihnen noch mehr Möglichkeiten einräumen, die Zusammenarbeit und Einheit aller christlichen Kirchen zu fördern und ihre Verbindung zu festigen. Sie wird Ihnen darüber hinaus aber auch noch mehr Gelegenheit geben, die Beziehungen zu anderen Religionsgemeinschaften zu intensivieren und vorbildhaft als Model des Zusammenlebens in unserer Gesellschaft zu gestalten.

Auch wenn wir Regensburger jetzt in der Stunde des Abschieds eher Friedrich von Schiller beipflichten, der einmal gesagt hat - ich zitiere: „Der Abschied von einer langen und wichtigen Arbeit ist immer mehr traurig als erfreulich“, freuen wir uns für Sie, dass Sie nun mit Ihrer neuen Aufgabe noch mehr Gelegenheit erhalten, unsere Gesellschaft in Deutschland mitzuprägen.

Dabei ist mir natürlich sehr wohl bewusst, dass die Gemeinde der Alt-Katholiken in Deutschland rein zahlenmäßig nicht mithalten kann mit den großen christlichen Kirchen. Aber ich bin davon überzeugt, dass Qualität nicht in der Masse liegt, sondern viel mehr im Inhalt. Für diesen Inhalt sind jetzt Sie leitend, zusammen mit der Synode und der Synodalvertretung verantwortlich. Ich wünsche Ihnen dafür und natürlich auch für all die neuen Aufgaben, die jetzt auf Sie warten, viel Kraft, Energie und Ausdauer. Gleichzeitig hoffe ich, dass Ihnen weder die Fantasie noch die Ideen, Neues zu gestalten, jemals ausgehen werden.

Auch wenn die Regensburgerinnen und Regensburger Sie nur ungern nach Bonn ziehen lassen, wünschen wir Ihnen mit den Worten von Konfuzius von Herzen alles Gute für Ihren neuen Wirkungskreis: „Wohin du auch gehst, geh mit deinem ganzen Herzen.“